Sorglosigkeit der Anleger ein Warnzeichen?

Angela Göpfert

Stand: 24.03.2010, 20:02 Uhr

Portugal herabgestuft, der Euro in der Krise und neue Hiobsbotschaften vom US-Immobilienmarkt - Belastungsfaktoren für die Aktienmärkte gibt es derzeit nicht zu knapp. Und doch scheinen diese negativen Nachrichten an den Anlegern einfach abzuperlen.

"Es ist erstaunlich, wie schnell der Markt diese Nachricht abgeschüttelt hat", sagte Marktstratege Christian Schmidt von der Helaba mit Blick auf die Herabstufung Portugals durch die Ratingagentur Fitch. Der Dax hatte darauf kurzzeitig mit Verlusten von bis zu 0,9 Prozent auf 5.964 Punkte reagiert, diese aber im Laufe des Handels mehr als wettgemacht. Der Late-Dax schloss bei 6.028 Punkten.

Am Ende des Xetra-Handels hatten sogar noch 6.039 Zähler auf der Dax-Tafel gestanden - ein Plus von 0,4 Prozent. Die Tatsache, dass der Dax damit nahezu auf Tageshöchstkurs schloss, ist besonders positiv zu werten. Aus technischer Sicht ist nun der Weg bis auf 6.094 Punkte, dem alten Jahreshoch, frei.

Optimismus als Kontraindikator
Darüber hinaus dürfte aber das weitere Aufwärtspotenzial des Dax begrenzt sein, warnen viele Charttechniker. Zur Begründung verweisen sie unter anderem auf die enorm hohe Risikofreude und Sorglosigkeit der Anleger. Der Volatilitätsindex VDax sank am Mittwoch auf 17,07 - und damit auf den tiefsten Stand seit Mai 2008.

Laut einer aktuellen Umfrage der Deutschen Börse und Cognitrend unter institutionellen Investoren verorten sich 52 Prozent im Lager der Optimisten, die Pessimisten schaffen es nur auf 28 Prozent.

Ein hoher Optimismus ist aus Sicht der technischen Analysten ein Kontraindikator, der eher für eine bevorstehende größere Korrekturbewegung als für eine solide Fortsetzung der Aufwärtsbewegung spricht.

Immobilienmarkt immer noch ein Sorgenkind
Zumal auch aus fundamentaler Sicht die Börsenwelt alles andere als in Ordnung ist: So verfehlte der am Nachmittag veröffentlichte US-Auftragseingang für langlebige Güter im Februar mit einem Plus von nur 0,5 Prozent die Markterwartung von 0,7 Prozent.

Vor allem aber der US-Immobilienmarkt gibt immer noch Anlass zur Sorge. Im Februar ging die Zahl verkauften Häuser im Jahresvergleich überraschend um 13 Prozent zurück. Der erneute Rückgang schürt alte Sorgen, gilt der Preisverfall am Immobilienmarkt doch als ein wichtiger Auslöser der Finanzkrise.

Bereits in der kommenden Woche will die Fed den Ankauf von Wertpapieren, die auf Immobilienkrediten basieren, beenden. Die Zinsen für Hypotheken dürften dann wieder anziehen und den Immobilienmarkt zusätzlich unter Druck setzen.

Euro-Abwärtstrend intakt
Doch nicht nur in den USA, auch in der Euro-Zone gibt es weiterhin Anlass zur Sorge, das spiegelt sich am Devisenmarkt deutlich wider: Der Euro rutschte am Mittwoch bis auf 1,3329 US-Dollar ab. Neben der Herabstufung Portugals lastete auch die Uneinigkeit der Eurozone, ob und wie dem Haushaltssünder Griechenland geholfen werden soll, auf der Gemeinschaftswährung.

Vor allem die mögliche Einschaltung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in der Schuldenkrise Griechenlands hat den Druck auf den Euro verstärkt", sagte Viola Stork Devisenexpertin von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Ein solches Vorgehen würde als Schwäche der Eurozone interpretiert.

Rohstoffpreise unter Druck
Die deutliche Euro-Schwäche respektive die Dollar-Stärke bekamen auch den Rohstoffpreisen so gar nicht. Der Preis für die Feinunze Gold rutschte deutlich unter die Marke von 1.100 Dollar, auch der Preis für Kupfer und andere Basismetalle gab stark nach. Der Preis für ein Barrel US-Öl WTI sank unter 81 Dollar, dabei drückten auch die überraschend hohen Rohölbestände in den USA auf den Preis des "schwarzen Goldes".

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,20
Differenz relativ
+0,70%
Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
117,40
Differenz relativ
+0,38%

Stark gefragt: Infineon und Deutsche Börse ...
Im Dax taten sich am Mittwoch einzelne Aktien mit hohen Kursgewinnen hervor, allen voran Infineon-Titel. Bei 4,96 Euro markierten sie ein neues Jahreshoch. Laut dem "Handelsblatt" sind die Auftragsbücher des Chipkonzerns rappelvoll, viele Kunden müssten mit Wartezeiten rechnen.

Mit einem Plus von 4,6 Prozent belegte die Deutsche Börse Platz zwei im Dax. Der Frankfurter Börsenbetreiber will seinen Sparkurs verschärfen, bis zum Jahr 2013 sollen die jährlichen Kosten um weitere 100 Millionen Euro pro Jahr sinken. Analysten von UBS, Deutsche Bank und Merrill Lynch applaudierten und hoben gleich reihenweise ihre Kursziele an.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,62
Differenz relativ
+1,59%

... Commerzbank und K+S
Commerzbank-Aktien legten 2,8 Prozent zu, das Geldhaus hatte für das ablaufende Quartal einen Vorsteuergewinn in Aussicht gestellt. Für das Gesamtjahr 2010 peilt die Commerzbank aber weiterhin einen Verlust an.

Der Salz- und Düngemittelproduzent K+S verbuchte ebenfalls Kursgewinne. Das Unternehmen will noch größer und schneller werden. So sei eine Übernahme zu verhindern, erklärte K+S-Chef Norbert Steiner. Optimistisch stimme ihn die deutliche Belebung der Kali-Nachfrage.

Henkel VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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103,35
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Studien setzen Merck und Telekom unter Druck
Größter Dax-Verlierer war die Henkel-Aktie. Nachdem der Titel gestern den höchsten Stand seit Juli 2007 erreicht hatte, setzen heute Gewinnmitnahmen ein. Der Titel schloss 2,2 Prozent im Minus.

Merck-Aktien büßten 0,6 Prozent ein. Analysten der Citigroup vergraulten die Anleger mit einer Studie zum Merck-Krebsmittel Erbitux. Die Experten befürchten schärfere Anwendungsbestimmungen für das Medikament in Europa.

Eine Studie der etwas anderen Art lastete auf der Aktie der Deutschen Telekom. Die Crédit Suisse hatte den Titel von "Neutral" auf "Underperform" heruntergestuft und das Kursziel auf 9,50 Euro gesenkt. Die T-Aktie gab 0,5 Prozent nach. Am Abend teilten die Bonner zudem mit, den Internet-Zahlungsdienstleister Click&Buy komplett übernommen zu haben. Mehr zu dem Coup lesen Sie hier: Telekom macht keine halben Sachen

Q-Cells-Euphorie und Kontron-Ernüchterung
Ganz überschwänglich reagierten Anleger auf Aussagen des neuen Q-Cells-Chefs: "Derzeit ist Q-Cells ausverkauft. Wir können gar nicht so viel liefern, wie die Kunden nachfragen", erklärt Nedim Cen. Die Q-Cells-Aktie schoss daraufhin um 5,5 Prozent in die Höhe und an die TecDax-Spitze.

Ganz und gar nicht begeistert reagierten Investoren indes auf den Ausblick von Kontron: Der Minicomputer-Hersteller erklärte 2010 zum "Konsolidierungsjahr", der Auftragsbestand werde sich erst in der zweiten Hälfte positiv niederschlagen. Die Kontron-Aktie büßte am TecDax-Ende mehr als vier Prozent ein.

Wacker Chemie: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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115,75
Differenz relativ
-2,40%

Wacker Chemie zahlt, Leoni nicht
Im MDax waren Anteile von Wacker Chemie gefragt. Der Halbleiter-Zulieferer und Chemiekonzern sieht sich weiter auf Erholungskurs und rechnet 2010 mit einem Konzernumsatz von mehr als vier Milliarden Euro. Trotz roter Zahlen 2009 will Kontron eine Dividende zahlen.

Ganz anders Leoni: Der Autozulieferer zahlt erstmals seit dem Jahr 1993 keine Dividende. Grund ist das bereits bekannt schwache Abschneiden im vergangenen Jahr.

Medion: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,90
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+0,63%

Highlight freut sich über UEFA-Vertrag
Im SDax schoss die Aktie von Highlight Communications um 7,5 Prozent in die Höhe. Der europäische Fußballerverband UEFA hat seinen Vertrag mit den Schweizern um drei Jahre verlängert.

Die Aktie der Konzernmutter Constantin Medien schloss dennoch im Minus, hier wirkte noch der gestern veröffentlichte desaströse Ausblick nach: Constantin hatte für 2010 einen Verlust in Höhe von 12 bis 14 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Medion gibt Gas
Die ebenfalls im SDax notierte Aktie des Elektronikgroßhändlers und Aldi-Lieferanten Medion schloss 5,1 Prozent höher. Der Start ins Jahr sei erfolgreich verlaufen, teilte Medion mit, wichtige Abnehmer zeigten ein "besseres Orderverhalten".

Stratec punktet mit Dividende
Jenseits der großen Indizes legte die Stratec-Aktie 4,0 Prozent zu. Nach vorläufigen Zahlen konnte der Konzern 2009 sowohl Umsatz als auch Konzernergebnis um rund ein Drittel steigern. Die Ebit-Marge legte auf 18,5 Prozent zu. Vor diesem Hintergrund schlägt Stratec eine Erhöhung der Dividende um 29 Prozent auf 0,45 Euro je Aktie vor.

DEAG schafft Turnaround
Mit einem Kursplus von 2,7 Prozent feierten Anleger die vorläufigen Jahreszahlen der DEAG. Dem Konzertveranstalter schaffte im Krisenjahr 2009 den Turnaround, das Ebit kletterte von minus 3,1 Millionen Euro ein Jahr zuvor auf nunmehr plus 4,8 Millionen Euro. Unterm Strich kam ein Jahresüberschuss heraus, doch die genaue Höhe wird erst mit den endgültigen Zahlen am 31. März bekannt gegeben.

Rohwedder auf Insolvenz-Niveau
Die Rohwedder-Aktie vollzog heute einen spektakulären Kurssturz, in der Spitze brach sie um 78 Prozent auf 0,50 Euro ein. Der Automatisierungsspezialist teilte mit, noch im Laufe dieser Woche Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit zu stellen. "Trotz intensiver Bemühungen ist es nicht gelungen, die notwendige Finanzierung sicherzustellen", so eine Sprecherin.

Nintendo DS mit 3D-Effekt
Unter den ausländischen Titeln auf dem Frankfurter Parkett wusste die Nintendo-Aktie heute die Anleger mit einem Kursplus von mehr als sieben Prozent zu begeistern. Der japanische Konsolenhersteller hatte ganz knapp und beinahe beiläufig angekündigt, demnächst einen "Nintendo 3DS" auf den Markt zu bringen - eine mobile Spielekonsole mit 3D-Bildschirm. Besonderer Clou: Für den 3D-Effekt ist keine spezielle Brille erforderlich.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen