Sorglos ins Wochenende

Stand: 13.07.2007, 20:00 Uhr

Nein, das war kein Tag der Angsthasen: Zinssorgen, US-Immobilienkrise, Aberglaube - all das schien wie weggewischt an diesem Freitag den 13. Statt Sorgen gab's zum Wochenschluss Rekorde für Euro, Dax und Dow.

Den Rekord Nummer eins legte am Morgen der Dax hin. Kurz nach Handelsbeginn erreichte er sein neues Allzeithoch bei 8.151 Punkten, um sich dann erstmal wieder zur Verschnaufpause ins Basislager zu verabschieden, bis ihn die Wall Street etwas verspätet erneut auf Klettertour mitnahm. Verspätet, da zunächst die US-Einzelhandelsumsätze vom Juni die Stimmung trübten. Sie waren schwächer als erwartet ausgefallen und schickten erstmal den Dollar auf Talfahrt. Das wiederum sorgte für Rekord Nummer zwei: Zumindest kurz lugte der Euro über die Marke von 1,38 Dollar und setzte kurzzeitig Dax und Dow Jones unter Druck.

Verbrauchervertrauen macht Laune

Für die Rekorde Nummer drei und vier sorgten schließlich die US-Verbraucher. Der Verbrauchervertrauens-Index der Universität Michigan stieg im Juli überraschend stark von 85,3 Punkten im Vormonat auf 92,4 Punkte. Volkswirte hatten nur mit 86,0 Punkten gerechnet. Das machte Hoffnung, trieb den Dow Jones erstmals über die Marke von 13.900 Punkten und verhalf dem Dax am Abend zu einem neuen Rekordschlussstand von 8.092 Punkten - das ist ein Plus von einem halben Prozent. Dem Late-Dax ging trotz der anhaltend guten Stimmung an der Wall Street am Ende etwas die Puste aus. Zum Schluss reichte es nur für 8.085 Punkte

GE-Aktienrückkauf stützt Dow
Für die gute Stimmung an den US-Börsen sorgten neben guten Konjunkturdaten das gute Ergebnis und das milliardenschwere Aktienrückkaufprogramm des Mischkonzerns General Electric. Die Papiere legten überdurchschnittlich um knapp zweieinhalb Prozent zu. Der Batteriehersteller Energizer verbuchte nach der Ankündigung einer Übernahme gar ein Kursplus von 16 Prozent. Aktien des Aluminiumkonzerns Alcoa, der sein Gebot für den Konkurrenten Alcan zurückzog, legten um 4,5 Prozent zu. Börsianer spekulieren, Alcoa könnte nun selbst zum Übernahmeziel werden. Das stützte den Dow Jones. Nach seiner Rekordjagd vom Vortag ging es aber langsamer aufwärts, immerhin übersprang er am Abend die Marke von 13.920 Punkten - das ist ein Plus von einem knappen halben Prozent.

Daimler verliert und setzt auf Geländewagen
Über solch einen vergleichsweise bescheidenen Zuwachs wären die Aktionäre von DaimlerChrysler am Freitag schon froh gewesen. Doch Im Rekord-Dax zählte die Aktie zu den Verlierern. Nach Daten zum Autoabsatz in Westeuropa im Juni verloren sie rund ein Prozent. Im Gegensatz zu BMW und Volkswagen hatte der Konzern einen leichten Rückgang seines Marktanteils zu beklagen. DaimlerChrysler übte sich dennoch in Optimismus: Trotz der Klimadebatte werde die Geländewagen-Nachfrage weiter steigen: "Ich sehe hier Zuwachsraten von vier bis fünf Prozent im Jahr", sagte der für das operative Geschäft von Mercedes verantwortliche Vorstand Rainer Schmückle der Zeitschrift "auto motor und sport".

Lufthansa mit Öl-Ballast
Die Lufthansa zählte am Freitag zu den größten Kursverlierern. Nach Angaben von Marktteilnehmern schlugen die hohen Ölpreise auf die Papiere durch. Leichtes US-Öl zog am Freitag deutlich an und notiert derzeit nahe eines Mehrmonatshochs bei knapp 74 Dollar je Barrel.

Samsung drückt Infineon...
In die Riege der Verlierer hat sich auch die Aktie des Chip-Herstellers Infineon begeben. Der Anstieg der Speicherchip-Preise, von dem der koreanische Konkurrent Samsung am Morgen berichtet hatte, hatte wohl nur im Rahmen der Markterwartungen gelegen, kommentierten Händler.

...und hilft Merck
Im Gegensatz dazu hielt sich die Aktie der Darmstädter Merck ein knappes Prozent im Plus. Auch hier wirkten Aussagen von Samsung. Diese beziehen sich aber auf ein gutes Wachstum im LCD-Bildschirm-Sektor. Und den beliefert Merck mit seiner Flüssigkristall-Produktion.

BASF hoch gelobt
Die Schweizer Großbank UBS war mit einer Kurszielerhöhung für die gute Performance der BASF-Aktie am Freitag mitverantwortlich. Analysten des Instituts halten auf Jahressicht einen Kurs von 102 Euro nach bislang 92 Euro bei dem Titel für möglich. BASF legten um knapp zwei Prozent zu und setzen sich damit an die Spitze der Dax-Gewinnerliste.

MLP-Aktie im Gerüchtefieber
Im MDax ging diese Position an MLP. Die Papiere des Finanzdienstleisters verteuern sich um mehr als fünf Prozent. Am Markt gingen wieder einmal Gerüchte um, der französische Versicherungs-Konzern Axa liebäugele mit einer Übernahme des MDax-Unternehmens.

Kuka auf dem Vormarsch
Die ebenfalls im MDax notierten Aktien des Maschinen- und Anlagenbauers Kuka legen vorübergehend nachrichtenlos um vier Prozent zu und setzen sich damit kurzzeitig hinter MLP an die Index-Spitze. Am Nachmittag gaben sie die Gewinne zum Großteil wieder ab.

Beiersdorf träumt von neuen US-Töchtern
Nicht nur in China kann sich der Konsumgüterkonzern Zukäufe vorstellen, auch in den USA: "Denkbar" wäre das zumindest, sagte Finanzchef Bernhard Düttmann. "Beiersdorf müsse in den Überseemärkten stärker wachsen, aktuell sei das Geschäft "zu stark auf Europa konzentriert". Anleger beeindruckte das wenig: Mit zweieinhalb Prozent Abschlag rangierte die Aktie unter den MDax-Verlierern.

Salzgitter träumt von Rekorden
Der Stahl- und Röhrenhersteller Salzgitter peilt 2007 erneut ein Rekordjahr an. Auch fürs nächste Jahr erwartet er weiteres Wachstum. Veröffentlichen will der Konzern die konkreten neuen Wachstumsziele laut CEO Wolfgang Leese binnen zwei oder drei Monaten. Die Anleger kauften vorab schon mal, Salzgitter legte ein knappes Prozent zu.

HSE 24 zweckoptimistisch
Der Teleshoppingsender HSE24 versprüht trotz eines langsameren Wachstumstempos in der Branche Zuversicht. Nach Umsatzminus und leichtem Ergebnisrückgang im vergangenen Jahr rechnet die Arcandor-Tochter 2007 wieder mit einem deutlichen Wachstum. Der Muttergesellschaft half der Optimismus nichts, die ehemalige KarstadtQuelle-Aktie rangiert am Ende des MDax.

Kovats will noch eins drauflegen
Der österreichische Industrielle Mirko Kovats, der die Übernahme des belgischen Kupfer-Herstellers Cumerio durch die Norddeutsche Affinerie verhindern will, setzt möglicherweise noch eins drauf: "Ich schließe die Möglichkeit einer weiteren Erhöhung des Anteils nicht aus", sagte Kovats, der über seine Firma A-Tec an beiden Unternehmen beteiligt ist und die Übernahme dank einer Sperrminorität bei Cumerio verhindern könnte.

Software AG flirtet mit dem Dax
Die derzeit im TecDax notierte Darmstädter Software AG macht sich Hoffnungen auf einen Dax-Einzug: "Wir wollen mittelfristig in den Dax. Das ist unser Ziel. Daran arbeiten wir", sagte Arnd Zinnhardt, Finanzvorstand von Deutschlands zweitgrößtem Softwarekonzern, dem Anlegermagazin "Euro am Sonntag". Das Papier legte um knapp zwei Prozent zu.

MTU profitiert von Empfehlung
Die Aktie des MDax-Konzerns MTU legte am Freitag zeitweise zwischen zwei und drei Prozent zu. Die Deutsche Bank hat ihr Kursziel für den Flugzeugmotorenbauer von 51 auf 55 Euro angehoben.

Freenet fürchtet keine Schläge
Freenet-Chef Eckhard Spoerr glaubt nicht an eine Zerschlagung seiner Gesellschaft. "Die Forderung nach einer Zerschlagung hält nur Drillisch nachhaltig aufrecht", sagte Spoerr dem Magazin "Euro am Sonntag". Viele Aktionäre sähen in einem solchen Schritt dagegen keinen Weg, den Wert von Freenet zu steigern, so der CEO. Die Aktionäre zeigten sich unbeeindruckt und verkauften: Freenet zählt mit einem Abschlag von einem knappen Prozent zu den TecDax-Verlierern.

Kranbauer Demag stürzt ab
Nach kurzzeitiger Handelsausetzung stürzten die im SDax gelisteten Papiere des Kranherstellers Demag Cranes um bis zu 25 Prozent ab. Wegen höherer Herstellkosten und Transportengpässen im Segment Hafentechnologie senkte der Kranhersteller seine Jahresziele. Die Zielkorrektur sei jedoch "nicht drastisch", sagt ein Händler.

Schmack baut mit Eon
Das Biogasunternehmen Schmack plant zusammen mit dem Energiekonzern Eon in der Oberpfalz den Bau der größten europäischen Biogasanlage. Sie soll rund 5.000 Haushalte mit Energie beliefern. Insgesamt sollen 15,8 Millionen Euro investiert werden. Schmack-Papiere legen gut zwei Prozent zu.

Ersol erhöht Kapital, GPC den Kurs
Der Solar-Konzern Ersol verlor zeitweise mehr als drei Prozent. Das Unternehmen hatte im Rahmen seiner Kapitalerhöhung den Bezugspreis für eine neuen Aktien auf 60 Euro festgelegt. Nach Einschätzung von Marktteilnehmern belastete dies den Titel.

Stark gefragt waren dagegen Papiere des Biotechkonzerns GPC, sie stiegen zeitweise um bis zu sieben Prozent. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat den Titel auf ihre "Conviction Buy"-Liste gesetzt.

DBAG macht mit Homag Kasse
Der Maschinenbau-Konzern Homag erlebte unterdessen sein Debüt auf dem Parkett. Der Schlussstand lag zwar mit 31,89 Euro etwas unter dem ersten Kurs von 32,00 Euro, aber deutlich über dem Ausgabekurs von 31,00 Euro. Marktteilnehmer sprachen von einem soliden Debüt des Maschinenbauers aus Schopfloch im Kreis Freudenstadt. Über den geglückten Börsenstart dürfte sich vor allem die Beteiligungs-Gesellschaft DBAG freuen, die selbst im SDax gelistet ist. Ihr fließt mit rund 180 Millionen Euro der Großteil des Emissionserlöses zu.

Dax-Chart realtime

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