Sorgenfalten auf dem Parkett

Stand: 27.12.2007, 20:05 Uhr

Zwar hat der Dax sich über der Marke von 8.000 Punkten aus dem Handel gerettet. Doch im Parketthandel rutschte der Leitindex deutlich ab. Schwache US-Konjunkturdaten und Sorgen über weitere Subprime-Probleme belasteten.

Der Late-Dax kam auf seiner Rutschpartie während des Parketthandels bedrohlich nahe an die 8.000-Punkte-Marke heran, nachdem sich der Index während des Xetra-Handels noch klar darüber gehalten hatte.

Ein Bündel von Faktoren lastete auf den US-Börsen und strahlte auch nach Deutschland aus. Zunächst hatten die Auftrageingänge für langlebige Güter in den USA für den Monat November mit einem Mini-Zuwachs von 0,1 Prozent enttäuscht. Dazu kamen überraschend deutlich gesunkene Rohöllagerbestände. Da half es auch nicht, dass der Verbrauchervertrauensindex für den Monat Dezember unerwartet zugelegt hatte.

Subprime-Krise und Mordanschlag

Zusätzlich belastete vor allem US-Finanzwerte die Sorge, dass weitere Abschreibungen in Milliardenhöhe wegen der Subprime-Krise bei US-Banken bevor stehen könnten. Und der Mordanschlag auf die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto sorgte noch für Verunsicherung auf der politischen Bühne.

Der Dow Jones-Index der US-Standardwerte war bis zum Handelsschluss auf dem Frankfurter Parkett um rund 140 Punkte oder ein Prozent gefallen, ebenso wie der Index der Computerbörse Nasdaq.

Euro, Gold und Öl im Aufwind
Weiter im Steigen begriffen waren am Abend Euro, Gold und Öl. Ein Euro kostete 1,4640 Dollar und damit fast eineinhalb US-Cent mehr als noch am Donnerstagmorgen. Der Preis für eine Feinunze Gold, traditionell eine "Sicherheitswährung" kletterte auf knapp 830 Dollar, US-Leichtöl notierte mit 97,25 Dollar bedrohlich nahe an der 100 Dollar-Marke.

Deutsche Börse 2007 begehrt
Bei ruhigem Handel sorgte das übliche "Window dressing" am Jahresende für Bewegung im Dax. Dabei trennen sich große Investoren von Aktien die auf Jahressicht schlecht gelaufen sind und nehmen Papiere mit einer guten Jahresbilanz ins Depot. Einer größten Tagesgewinner, die Aktie der Deutschen Börse, ist auch auf Jahressicht der Top-Performer im Auswahlindex gewesen.

Tui-Aktie auf Reisen
Anteilsscheine des Reise- und Schifffahrtskonzerns verteuerten sich um mehr als zwei Prozent. Sie reagierten damit auf die Kursbewegung der Tui Travel-Aktie, die im Londoner FTSE-Index notiert und dort mehr als drei Prozent zulegte.

MAN mit Scania-Bonus
Auch die MAN-Stammaktie gehörte bis zum Handelsschluss zu dem stärksten Werten im Dax. Laut Händlern wirkt die Anteilsaufstockung am Konkurrenten Scania vom Freitag weiter nach. MAN 3,6 Millionen B-Stimmrechtsanteile mit geringerem Stimmrecht gegen A-Anteile mit zehnmal mehr Stimmkraft eingetauscht. Die UniCredit bestätigte daraufhin ihre Kaufempfehlung für die Aktie.

MüRü: Mehr Naturkatastrophen
Aktien der Münchener Rück lagen mit Kurszuwächsen von knapp einem Prozent im Trend. Der zweitgrößter Rückversicherer hatte am Donnerstag noch Zahlen zu Schäden durch Naturkatastrophen übermittelt. Danach haben Schäden im zurückliegenden Jahr insgesamt 75 Milliarden Dollar betragen, eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr mit 50 Milliarden Dollar.

Audi will Milliarden investieren
Audi will Milliardensummen in seine Produktpalette stecken. Zwischen 2008 und 2012 will Audi insgesamt 10,6 Milliarden Euro investieren, wie das Unternehmen am Donnerstag in Ingolstadt mitteilte. Für den Fünfjahres-Zeitraum von 2007 bis 2011 waren 9,8 Milliarden Euro veranschlagt worden. Die Volkswagen-Aktie gehörte am Donnerstag zu den größten Dax-Verlierern.

Henkel stemmt Übernahme ohne Frischgeld
Die Papiere des Konsumgüter-Herstellers verlieren mit 1,5 Prozent am deutlichsten im Dax. Dabei hatte das Unternehmen durchaus positive Neuigkeiten parat. Denn Henkel will nach eigenen Angaben den Milliarden schweren Kauf der Klebstoff-Sparte der britischen ICI ohne eine Kapitalmaßnahme stemmen. Die Märkte sähen eine Eigenkapitalerhöhung "ungern", sagte Henkel-Chef Ulrich Lehner dazu.

Gildemeister und Centrotherm mit gutem Start
Einer der stärksten Titel im MDax ist der Indexaufsteiger Gildemeister. Heute wurden die Indexveränderungen der Deutschen Börse vom 5. Dezember umgesetzt. Auch TecDax-Neuling und Photovoltaik-Spezialist Centrotherm erhält mit Zuwächsen von rund vier Prozent ein kleines Begrüßungsgeschenk von Investoren.

VTB wirft EADS auf den Markt
Die russische VTB Bank hat den Verkauf ihrer Fünf-Prozent-Beteiligung an dem Luft- und Raumfahrtkonzern aus dem MDax bekannt gegeben. Die Anteile bleiben aber in russischem Besitz: Sie liegen nun bei der russischen Staatsbank für Entwicklung und Außenwirtschaft (VEB). Der Kaufpreis hat umgerechnet eine Milliarde Euro betragen.

Combots vor UI-Verkauf?
Die Software-Firma will offenbar ihren Anteil am TecDax-Schwergewicht United Internet über kurz oder lang verkaufen. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, werde der 10-Prozent-Anteil nicht mehr als "strategisches Investment" betrachtet. Während Combots-Aktien daraufhin knapp zwei Prozent stiegen, verloren United-Internet-Papiere knapp ein Prozent.

Adva-Aktie kommt unter die Räder
Im TecDax wurde die Adva-Aktie um mehr als 17 Prozent nach unten gezogen. Der Glasfaser-Spezialist hatte am vergangenen Freitag nach Börsenschluss seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das vierte Quartal 2007 gesenkt. Der Umsatz wird nach Angaben des Unternehmens im vierten Quartal zwischen 50 und 55 Millionen Euro liegen. Ursprünglich hatte Adva Optical Networking eine Prognosebandbreite von 60 bis 65 Millionen Euro angegeben.

Curanum-Anteile finden Heim
Der Investmentfonds Audley Capital ist mit 10,1 Prozent am Heimbetreiber Curanum aus dem SDax eingestiegen. Curanum könne eine "wesentliche" Rolle bei der Konsolidierung des Pflegemarktes" spielen, hieß es zur Begründung. Die Curanum-Aktie legte im Parketthandel rund ein Prozent gegenüber dem Xetra-Schlussstand zu.

Tagestermine am Dienstag, 23. Oktober

Unternehmen:
Sartorius: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Talanx: Telefon-Pk zum Kapitalmarkttag, 7:30 Uhr
Anglo American: Q3 Production Report, 8:00 Uhr
Eli Lilly: Q3-Zahlen, 12:25 Uhr
United Technologies: Q3-Zahlen, 12:55 Uhr
Lockheed Martin: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Verizon Communications: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Caterpillar: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
3M: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
McDonald`s: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Texas Instruments: Q3-Zahlen, 22:01 Uhr
Logitech: Q3-Zahlen
Harley-Davidson: Q3-Zahlen
Biogen: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise 9/18, 8:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen 10/18 (vorab), 16:00 Uhr