Sorgen machen Pause

Stand: 29.08.2011, 20:02 Uhr

Überraschend kräftige US-Konsumausgaben im Juli und weitere Kursgewinne an der Wall Street haben auch dem Dax ein sattes Plus beschert. Am Abend ist auch die Schwelle von 5.700 Punkten kein Hindernis mehr.

Der Dax beendet den Abendhandel bei 5.702, ein Plus von 2,3 Prozent oder 125 Punkten. "Die US-Daten haben heute im ansonsten konjunkturschwachen US-Umfeld zu einer Sorgenpause geführt", sagte Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank. In den USA waren die privaten Konsumausgaben im Juli stärker gestiegen als erwartet. Zuvor wurden bereits die Aussagen von Fed-Präsident Bernanke vom Freitag positiv aufgearbeitet, hieß es am Markt.

In der Spitze klettert der Dax bis auf 5.714 Punkte. Dann sorgen Gewinnmitnahmen für einen leichten Rücksetzer. Im Vergleich zum Freitag schafft der Dax im Xetra-Handel aber einen kräftigen Zugewinn von 2,4 Prozent ein und beendet den Handel bei 5.670 Zählern. Alle 30 im Börsenbarometer enthaltenen Werte legen zu.

Manager kaufen kräftig zu
An der Wall Street geht es ebenfalls kräftig bergauf. Nachdem der Dow-Jones-Index der amerikanischen Standardwerte bereits am Freitag mit einem Plus geschlossen hatte, notiert er bei Börsenschluss in Frankfurt weitere 1,8 Prozent höher bei 11.487 Punkten. Für Erleichterung sorgte neben den Konsumausgaben, dass der Hurrikan "Irene" New York weniger schwer getroffen hatte als befürchtet. Allerdings war das Handelsaufkommen gering. Denn viele Händler blieben zu Hause, weil der wegen "Irene" stillgelegte Nahverkehr in der Millionen-Metropole nur langsam wieder in Gang kam.

Zu den Tagesgewinnern zählt auch der Euro. Er klettert erstmals seit langem wieder über die Schwelle von 1,45 Dollar.

Auch die Manager der börsennotierten Unternehmen nutzen die gefallenen Kurse zum Wiedereinstieg. Bereits seit Wochen kaufen die Insider für ihre persönlichen Depots so viele Aktien der eigenen Unternehmen wie selten zuvor, haben Analysten festgestellt. Dem stehen nur wenige Verkäufe gegenüber. Aus der Auswertung der veröffentlichungspflichtigen Deals errechnet das Forschungsinstitut für Asset Management (FAM) regelmäßig das «Insider-Barometer», das derzeit von Woche zu Woche neue Spitzenwerte erreicht.

Versorger wiederentdeckt
Zu den größten Gewinnern im Dax gehören die Aktien der beiden Versorger RWE und Eon. Beide Papiere mussten in den vergangenen Monaten kräftig Federn lassen und werden nun von den Anlegern wiederentdeckt. Dazu beigetragen haben auch positive Studien von Analysten, die den Ausverkauf der Aktien nach dem Beschluss der Regierung aus der Atomkraft auszusteigen, für übertrieben halten.

Zu den drei größten Gewinnern im Dax gehört auch die Aktie von K+S, die gut fünf Prozent zulegt. Meldungen aus dem Unternehmen gibt es keine. Analysten sprechen aber von einem Aufholeffekt nach dem heftigen Einbruch der letzten Wochen.

Lanxess erholt
Nach den herben Abschlägen vom Freitag sind Lanxess zu Wochenanfang auf Erholungskurs gegangen. Die Titel des Chemiekonzerns sind im MDax mit einem Plus von 6,2 Prozent zweitgrößter Gewinner. Am Freitag hatten die Anteilscheine mit einem Abschlag von 5,8 Prozent geschlossen. Händler hatten dafür den Verkauf eines Aktienpakets durch Vorstandschef Axel Heitmann verantwortlich gemacht. "Der Kursrutsch war maßlos übertrieben und dem nervösen Gesamtmarkt geschuldet", sagte ein Börsianer.

ProSieben mit Kaufprogramm
Angeführt wird der MDax von ProSiebenSat.1. Grund ist das Rückkaufprogramm eigener Vorzugsaktien. "Die Frage ist allerdings, wie nachhaltig diese Bewegung ist", sagte ein Händler. "Nach den Verlusten der vergangenen Wochen wird alles genutzt, um erst einmal bei Aktien zuzugreifen".

Nordex wächst in der Türkei
Im TecDax legt die Aktie von Nordex um knapp elf Prozent zu und ist damit der mit Abstand stärkste Wert. Grund ist ein Großauftrag für den Windkraftanlagen-Hersteller aus der Türkei. Für das Projekt "Amasya" hätten die Türken 16 Turbinen bestellt, die Nordex ab Oktober dieses Jahres liefern werde, so das Unternehmen. Ein Auftragswert wurde nicht genannt. Zudem hat die Unternehmerfamilie Klatten ihre Beteiligung an Nordex aufgestockt und die Schwelle von 25 Prozent fast erreicht.

Bank of America sammelt ein
Die angeschlagene US-Großbank Bank of America versorgt sich abermals mit reichlich frischem Geld. Nachdem der legendäre US-Investor Warren Buffett jüngst fünf Milliarden Dollar in das Kreditinstitut gesteckt hatte, hat die Bank of America nun etwa die Hälfte ihrer Aktien an der China Construction Bank losgeschlagen. Das spült nach Angaben des US-Instituts vom Montag 8,3 Milliarden Dollar an Cash in die Kasse. Die Aktie stieg im frühen New Yorker Handel um mehr als drei Prozent.

BayWa macht in Wind
Der Agrarhandelskonzern BayWa kauft 70 Prozent an dem US-Windparkentwickler WKN. Die restlichen Anteile bleiben bei der bisherigen deutschen Mutter Windpark Nord und dem Management. Mit Hilfe der WKN will die BayWa in mehreren US-Bundesstaaten Windparks errichten und weiterverkaufen. Anlagen mit einem Gesamtvolumen von 110 Megawatt seien baureif, weitere 1000 Megawatt in Planung, hieß es. Die im SDax notierte Aktie legt 2,8 Prozent zu.

Derby Cycle radelt allen davon
Um fast zehn Prozent nach oben geht es mit der Aktie von Derby Cycle. Der im Prime Standard notierte Fahrradhersteller hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2010/11 seinen Umsatz um 38 Prozent und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 45 Prozent verbessert.

Bankfusion in Griechenland
Unter dem Druck der Schuldenkrise haben die griechischen Großbanken Alpha und Eurobank eine Fusion beschlossen. Die Verschmelzung erfolge über einen Aktientausch, teilten beide Institute am Montag mit. Sieben Eurobank-Aktien kämen dabei auf fünf Alpha-Anteilsscheine. Der Zusammenschluss beinhalte auch eine Kapitalstärkung über 3,9 Milliarden Euro bis Ende 2012. Durch die Fusion rechnen Alpha und Eurobank mit Synergien vor Steuern von 650 Millionen Euro in drei Jahren.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 16. August

Unternehmen:

Carlsberg: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Swisscom: Q2-Zahlen, 7:15 Uhr
Aegon: Halbjahreszahlen, 7:30 Uhr
Wirecard: Halbjahreszahlen (endg.), 7:30 Uhr
Henkel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Sixt: Q2-Zahlen (endg.), 7:30 Uhr
Walmart: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
Nvidia: Q2-Zahlen, 22.20 Uhr

Konjunktur
Japan: Handelsbilanz 07/18, 01:50 Uhr
EU: Handelsbilanz 06/08, 11:00 Uhr
USA: Philadelphia Fed Index 08/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Baubeginne und -genehmigungen, 14:30 Uhr