Sorgen ade?

Stand: 22.03.2007, 20:22 Uhr

Dass die US-Notenbank ihren Zinskurs gelockert hat, war den Börsianern angesichts der jüngsten Konjunktursorgen sehr wichtig. Der Dax sprang über zwei Prozent nach oben.

Am Mittwoch hatte die US-Notenbank Fed von ihrem "tightening bias", der Neigung zu weiteren Zinserhöhungen, Abstand genommen. Wegen der Aussicht auf sinkende Zinsen hatte das die US-Aktien kräftig in die Höhe getrieben. Eine Steilvorlage für den Dax, der zeitweise bei 6.870 Punkten und damit 2,35 Prozent höher als am Mittwoch notierte. Der L-Dax schloss bei 6.848,87 Punkten.

Dass die Fed mit ihrer Kursänderung auf die unübersehbaren Abkühlungstendenzen der US-Wirtschaft reagierte, wird von den Börsianern derzeit als zweitrangig eingestuft. Das wird sich zweifellos ändern, wenn sich die Abkühlung auch in den Unternehmensbilanzen niederschlägt - was aber noch eine ganze Weile dauern kann.

Die US-Börsen tendierten nach ihrer gestrigen Rally uneinheitlich. Der Index der Frühindikatoren ist im Februar unerwartet deutlich um 0,5 Prozent gefallen. Zudem machte der US-Technologiebörse Nasdaq die Gewinnwarnung von Motorola zu schaffen. Der zweitgrößte Mobiltelefonhersteller der Welt hatte seine Prognosen für das erste Quartal wegen der schwächeren Nachfrage deutlich gesenkt.

Chrysler sechs Milliarden Dollar wert?

Besonders stark setzten sich hoch gewichtete Papiere wie Allianz, Siemens, Deutsche Bank und DaimlerChrysler in Szene. Wie Händler berichteten, hat Goldman Sachs einen möglichen Verkaufswert bei Daimlers US-Sparte Chrysler von sechs Milliarden Dollar genannt. "Am Markt kursierten bislang lediglich Schätzungen von vier bis fünf Milliarden Dollar", kommentierte ein Börsianer.

Oracle greift SAP massiv an
Der Donnerstag verlief für SAP-Aktionäre wechselhaft. Am Abend musste der Softwaretitel seinen Tagesgewinn preisgeben, nachdem eine Klage des Dauerrivalen Oracle gegen SAP wegen angeblicher massiver Rechtsverstöße in den USA gemeldet worden war. Zuvor hatte SAP noch eine kräftige Dividendenerhöhung angekündigt. Für 2006 sollen 46 Cent je Aktie ausgeschüttet werden, das sind 27 Prozent mehr als für das Jahr davor. Damals hatte SAP 1,45 Euro gezahlt, später aber die Aktien im Verhältnis eins zu vier gesplittet.

Gnadenfrist für die Post?
Die Aktie der Deutschen Post erhielt einen zusätzlichen Schub durch die Politik. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück stellte die geplante Aufhebung des Briefmonopols der Deutschen Post im kommenden Jahr in Frage. Deutschland solle in dieser Sache keinen Alleingang unternehmen, so der Politiker. Dass die Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bonitätsnote für die Post wegen der Jahresergebnisse möglicherweise senken will, wurde an der Börse nur am Rande beachtet.

Will die Lufthansa oder nicht?
Die Spekulationen über ein angebliches Interesse der Lufthansa an der spanischen Fluggesellschaft Iberia reißen nicht ab. Die spanische Zeitung "El Pais" berichtete unter Berufung auf Branchenkreise, die deutsche Fluggesellschaft und eine nicht näher genannte US-Investmentfirma hätten Unterlagen zur genauen wirtschaftlichen Prüfung (Due Diligence) von Iberia angefordert. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber bekräftigte demgegenüber erneut, dass sein Unternehmen keine konkreten Pläne für einen Einstieg bei Iberia habe. Analysten bewerten einen möglichen Zusammenschluss von Lufthansa und Iberia als strategisch interessant.

Das erste Luftverkehrsabkommen der EU mit den USA bezeichnete die Lufthansa unterdessen als einen Schritt in die richtige Richtung. "Allerdings bleibt weiterhin ein freier Luftraum mit vollständig harmonisierten Regeln das Ziel", sagte ein Lufthansa-Sprecher. Auch die Einschränkungen für die Beteiligung ausländischer Airlines an Unternehmen in den USA müssten fallen.

Hochtief mit großen Zielen
Hochtief hat im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn erwirtschaft. Im Vergleich zum Vorjahr stieg das Nettoergebnis von 67,7 auf 89,1 Millionen Euro. Im laufenden Jahr will der größte Baukonzern Deutschlands sogar mehr als 100 Millionen Euro verdienen.

Heidelcement mit Milliardengewinn
Ein ganzes Stück weiter ist da HeidelbergCement: Deutschlands größter Baustoffhersteller hat 2006 mehr als eine Milliarde Euro verdient. Der Überschuss kletterte von 0,47 auf 1,03 Milliarden Euro.

Sonderdividende von Wacker Chemie
Wacker Chemie machte die Liste erfreulicher Ergebnisse aus dem MDax komplett: Der Spezialchemiekonzern hat im vergangenen Jahr seinen Gewinn von 144 auf 311 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Der Konzernumsatz legte um 21 Prozent auf 3,34 Milliarden Euro zu. Wegen der guten Entwicklung will Wacker zusätzlich zur Dividende von 2,00 Euro auch einen Sonderbonus von 50 Cent pro Aktie zahlen.

Keine Panik, Wincor-Aktionäre!
Nur auf den ersten Blick brach die Aktie von Wincor Nixdorf massiv ein. Dennoch war das Papier mit einem Plus von mehr als fünf Prozent stärkster Titel im MDax. Das Unternehmen hat nämlich einen Aktiensplit im Verhältnis 1:2 durchgeführt. Das heißt, die Aktionäre haben nun doppelt so viele Anteile wie zuvor.

Fresenius mit Forschungserfolg
Die Fresenius-Aktie gehörte zu den stärkeren MDax-Titeln. Der Gesundheitskonzern hat viel versprechende Forschungsergebnisse für einen Wirkstoffkandidaten vorgelegt. Der getestete Antikörper Removab erzielte in der Behandlung bestimmter Krebstumore positive Ergebnisse.

Salzgitter wird konkret
Erst vor kurzem hatte der Stahl- und Röhrenkonzern Salzgitter angekündigt, 78 Prozent der Anteile an den Klöckner-Werken kaufen zu wollen. Nun hat das MDax-Unternehmen auch den verbliebenen Klöckner-Aktionären ein pflichtgemäßes Übernahmeangebot für ihre Anteile vorgelegt. Salzgitter bietet 15 Euro je Aktie und damit weniger, als das Papier derzeit an der Börse wert ist.

Patrizia fällt aus dem Rahmen
Die Patrizia-Aktie rutschte dagegen ans MDax-Ende. Die Investmentbank JP Morgan hatte den Immobilientitel von "Overweight" auf "Underweight" zurückgestuft.

104,60 Euro pro Schwarz-Pharma-Aktie
Der belgische Pharmakonzern UCB will nach der mehrheitlichen Übernahme von Schwarz Pharma die restlichen Aktionäre des Monheimer Arzneimittelherstellers mit 104,60 Euro je Aktie abfinden. Der Vorstand und die Geschäftsführung der UCB SP GmbH hätten sich über die Konditionen eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages geeinigt, teilte das Unternehmen am Abend mit. Alternativ wird den ausstehenden Aktionären eine Geldleistung von brutto 3,43 Euro für jedes volle Geschäftsjahr in Aussicht gestellt.

Software kauft zu
Die Aktie der Software AG profitierte von einem Zukauf. Das TecDax-Unternehmen übernimmt 80 Prozent am israelischen Vertriebspartner SPL Software für 46,3 Millionen Euro.

Rational gut wie immer
Deutliche Kursgewinne verbuchte die Aktie des Großküchenausrüsters Rational. Das SDax-Unternehmen hat 2006 seinen Vorsteuergewinn um mehr als 20 Prozent auf gut 81 Millionen Euro und den Umsatz um 15 Prozent auf 284 Millionen Euro verbessert. Ähnlich stark will Rational auch 2007 expandieren.

Centrotec und Centrosolar auf Wachstumskurs
Die Centrotec AG und die Tochter Centrosolar sind im vergangenen Jahr wegen Übernahmen deutlich gewachsen. Bei Centrotec wurde das operative Ergebnis von Sonderfaktoren unter das Vorjahresniveau gedrückt. Für das laufende Jahr sind Mutter und Tochter sehr optimistisch gestimmt.

Unicredit auf dem Weg nach oben
Die italienische Großbank und HVB-Mutter Unicredit hat ihren Gewinn im Jahr 2006 um 61 Prozent auf 5,45 Milliarden und damit deutlich stärker als erwartet gesteigert. Die HypoVereinsbank trug dazu mit einem Milliardengewinn bei. Die Münchener kündigten außerdem an, dass die bisher für den 15. Mai geplante Hauptversammlung wegen der geplanten Zwangsabfindung der Minderheitsaktionäre auf den 26. oder 27. Juni verschoben wird.

WCM kündigt weiteren Beteiligungsverkauf an
Am Abend legte die Aktie der in Insolvenz befindlichen WCM-Aktie deutlich zu. Die Beteiligungsgesellschaft meldete einen Vorvertrag mit der Berliner Cura AG. Der Klinik- und Pflegeheimbetreiber wolle 71,5 Prozent an der Maternus-Kliniken AG sowie 95 Prozent der Ymos AG erwerben. Zuletzt hatte die WCM ihren Anteil an den Klöckner-Werken an Salzgitter verkauft.

Gutes Timing bei Twintec
Der Börsengang des Herstellers von Rußpartikelfiltern Twintec war ein voller Erfolg. Der Ausgabekurs für die Twintec-Aktien lag bei elf Euro, der erste Börsenkurs mit 14,10 Euro gleich 28 Prozent höher. Zum Xetra-Schluss notierte das Papier bei 13,93 Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

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