Sommer-Hochgefühle bei mauen Umsätzen

Notker Blechner

Stand: 20.08.2009, 20:05 Uhr

Nicht nur in den Freibädern, sondern auch am deutschen Aktienmarkt herrschte am Donnerstag ausgelassene Stimmung: Die Anleger fassten nach erfreulichen US-Konjunkturdaten wieder Mut und trieben den Dax auf über 5.300 Punkten.

Am heißesten Tag des Jahres in Deutschland übernahmen die Optimisten das Ruder an der Börse. Nach den gestrigen leichten Kursverlusten erholte sich der Dax und legte um 1,5 Prozent auf 5.311 Punkten zu. Im späten Parketthandel tat sich wenig. Der L-Dax schloss zwei Pünktchen höher bei 5.313 Zählern. Rückenwind gab's von der Wall Street: Der Dow Jones stieg um rund 0,6 Prozent, der S&P 500 kletterte um 0,9 Prozent auf über 1.000 Punkten. Experten warnten aber davor, den Kursanstieg überzubewerten. Die Umsätze seien relativ niedrig gewesen, viele Anleger hielten sich zurück.

Starke Konjunkturdaten aus den USA
Immerhin: Die Anzeichen für eine Konjunkturerholung in den USA scheinen sich zu verstärken. Der vielbeachtete Philly-Fed Index, der das Geschäftsklima in der Region Philadelphia misst, stieg überraschend auf plus 4,2 Punkte. Volkwirte hatten mit minus 2,0 Zählern gerechnet. Ein Wert über Null Punkten deutet auf eine Expansion der Wirtschaftsaktivität hin. Auch die Frühindikatoren entwickelten sich besser als erwartet. Das Konjunkturbarometer kletterte im Juli um 0,6 Prozent. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg um 0,4 Prozent gerechnet. "Die Erwartung einer konjunkturellen Erholung wird durch die Zahlen untermauert", erklärte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg.

Nur kurz trübten schwache Arbeitsmarktdaten aus den USA die Stimmung. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge zur Arbeitslosenhilfe stieg überraschend auf 576.000. Experten hatten einen Rückgang auf 550.000 Anträge prognostiziert.

Hohe Ehre für Daimler

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
51,15
Differenz relativ
-2,18%

Besonders konjunkturabhängige Titel wie Auto-, Chemie- und Stahlwerte waren am Donnerstag heiß begehrt. Top-Gewinner im Dax war Daimler mit einem Plus von 3,65 Prozent. Die Aufnahme der Aktie in die "Best Ideas Liste" von Morgan Stanley lockte zusätzliche Anleger an. BMW stieg um zwei Prozent.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,90
Differenz relativ
-0,94%

Ermittlungen wegen VW-Kursbewegungen
Dagegen setzte VW seine Talfahrt fort. Die Stammaktien fielen um über ein Prozent auf rund 144 Euro. Zeitweise rutschten die Stämme gar auf 136 Euro. Noch stärker sausten die Vorzugsaktien nach unten. Sie büßten fast acht Prozent auf 63 Euro ein. Damit nähern sich die Kurse dem Preis an, den angeblich das Emirat Katar für die Optionen auf die VW-Aktien zahlen will. Spekulationen zufolge bieten die Scheichs rund 80 Euro für die Stamm- und etwa 60 Euro für die Vorzugsaktien. Der Übernahmepoker bei Porsche und VW hat ein juristisches Nachspiel: Wegen des Verdachts der Marktmanipulation und der unbefugten Weitergabe von Insiderinformationen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und den ex-Porsche-Finanzchef Holger Härter. Es geht um den dramatischen Kurssprung der VW-Aktie im Oktober 2008 auf über 1000 Euro.

Derweil träumt VW-Vorstandschef Martin Winterkorn von einer Partnerschaft mit dem japanischen Kleinwagenhersteller Suzuki. Ein Joint-Venture oder eine Beteiligung von zehn Prozent an Suzuki könnte er sich vorstellen. Zudem kündigte Winterkorn an, drei neue Porsche-Modelle aufzulegen.

BASF macht Hoffnung
Auch andere konjunktursensible Aktien standen ganz oben auf der Gewinnerliste. Zum Beispiel BASF. Die Aktie gewann fast drei Prozent. Der weltgrößte Chemiekonzern geht davon aus, die Kurzarbeit zumindest im September möglicherweise ganz aussetzen zu können. Dies wird am Markt als Anzeichen für eine baldige Trendwende gesehen.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,76
Differenz relativ
-0,03%

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,98
Differenz relativ
+0,18%

Ölpreis treibt Energieversorger an
Vom Anstieg des Ölpreises profitierten erneut die Energieversorger. Eon und RWE gewannen über zwei Prozent. Händler sprachen zudem von charttechnischen Kaufsignalen. Die erhöhte Nachfrage an den Rohstoffmärkten beflügelte ebenfalls die Aktien von K+S. Sie setzten ihren gestrigen Höhenflug fort.

Muss Hannover Rück absteigen?
Zu den wenigen Dax-Verlierern gehörte die Hannover Rück. Sie büßte 0,7 Prozent ein. Laut Händlern geht die Sorge um einen möglichen Abstieg des Versicherers aus dem Dax um. Die Hannover Rück war erst im März in die erste deutsche Börsenliga aufgerückt.

Rätselhafter Höhenflug von ProSiebenSat.1
In der zweiten Börsenliga, dem MDax, sorgte erneut ProSiebenSat.1 für Furore. Die Aktien der TV-Senderkette kletterten um über 14 Prozent auf rund sieben Euro nach oben - ohne dass es Nachrichten gab. Damit hat sich der Kurs seit einem Monat verdoppelt. Was ist da bloß los?

Gerüchte um Zusammenschluss in der Druckbranche
Fusionsgerüchte gaben den Aktien der Heidelberger Druckmaschinen Auftrieb. Sie legten fast vier Prozent zu. In der Presse wurden erneut Gerüchte um einen Zusammenschluss mit manroland aufgekocht.

Air Berlin holt sich neues Kapital
Die im SDax notierte Fluggesellschaft Air Berlin hat erfolgreich eine Wandelanleihe von über 125 Millionen Euro platziert und sich frisches Kapital beschafft. Den Erlös will Air Berlin zur Umschuldung verwenden. Die Aktie ging mit einem Plus von 1,4 Prozent aus dem Handel, zeitweise hatte das Plus bei über vier Prozent gelegen.

Arques enttäuscht
Top-Verlierer im SDax war Arques mit einem Minus von fünf Prozent. Die schwer angeschlagene Beteiligungsgesellschaft hat im zweiten Quartal einen Verlust von 78,4 Millionen Euro eingefahren. Im Vorjahr hatte das Minus nur 23,3 Millionen Euro betragen. Der Umsatz sank im selben Zeitraum auf 1,12 Milliarden Euro. Eine Prognose für den Rest des Jahres traut sich das Unternehmen nicht zu. Im kommenden Jahr hofft Arques allerdings, die Gewinneschwelle zu erreichen.

Goldman wirbelt Solarwerte durcheinander
Eine Studie von Goldman Sachs hat die Solaraktien im TecDax heftig bewegt. Die Analysten empfahlen Centrotherm und SMA Solar zum Kauf und hoben das Kursziel für Roth & Rau auf 40 Euro an. Roth & Rau stiegen um über zehn Prozent auf 22 Euro, Centrotherm gewann 7,5 Prozent, SMA Solar zwei Prozent. Q-Cells- und Solarworld-Aktien wurden dagegen mit einer Verkaufsempfehlung versehen. Prompt zählten die beiden Titel zu den größten TecDax-Verlierern.

Mobotix und CDV glänzen
Bei zwei kleineren Werten ging es am Donnerstag kräftig nach oben. Die Aktie des Videoüberwachungs-Systeme-Anbieters Mobotix kletterte um rund 13 Prozent, nachdem das Unternehmen von einem Gewinnanstieg um 47 Prozent auf insgesamt 7,5 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2008/09 berichtet hatte. Noch stärker stiegen die Anteilsscheine des Spiele-Softwareunternehmens CDV. Das im General Standard gelistete Unternehmen hat im ersten Halbjahr seinen Umsatz um 66 Prozent auf 11,3 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 0,4 Millionen Euro nach einem Vorjahresverlust von 1.9 Millionen.

Schweiz steigt bei UBS aus
Nach der Einigung im Steuerstreit mit den USA ist die Schweizer Regierung aus der UBS ausgestiegen. Die krisengeschüttelte Großbank könne nun wieder auf eigenen Füßen stehen, hieß es aus Bern. Das Paket von über 332 Millionen Aktien stieß auf reißenden Absatz bei institutionellen Anlegern. Die UBS-Aktie kletterte um fünf Prozent nach oben.

AIG-Aktie macht Sprung nach oben
Aus den USA meldete sich der neue Chef des Versicherungs-Giganten AIG zu Wort. Robert Benmosche zeigte sich zuversichtlich, dass der angeschlagene Konzern seine Staatsschulden bald zurückzahlen könne. Das machte den Anlegern Hoffnung. Die Aktie katapultierte sich mit einem Plus von 25 Prozent nach oben.

Dagegen litt der Einzelhändler Sears unter der US-Immobilienkrise. Vor allem Werkzeuge und Haushaltsgeräte erwiesen sich als Ladenhüter. Die Aktie brach um elf Prozent ein.

GM entscheidet über Opel-Zukunft
Nach einer monatelangen Hängepartie könnte sich am Freitag endlich die Zukunft des Rüsselsheimer Autobauers Opel entscheiden. Der einstige Mutterkonzern, General Motors, will voraussichtlich verkünden, wer im Rennen um Opel den Zuschlag erhält. Der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna und der belgische Finanzinvestor RhJI buhlen um Opel. Eine Entscheidung für Magna wird immer wahrscheinlicher. Die Bundesregierung setzt sich für einen Einstieg von Magna ein. Das letzte Wort hat die Opel Treuhand, in der Bund, Länder und GM sitzen.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr