So kann's weitergehen

Stand: 15.08.2007, 19:58 Uhr

Von seiner frühen Schwäche war am Abend nichts mehr zu spüren. Der Dow Jones-Index hatte sich mächtig erholt. Obwohl es Gründe gab, wieder einmal nachdenklich zu werden.

Denn die amerikanische NAHB-Häusermarktindex ist im August stärker als erwartet gefallen. Der Indikator sei von 24 Punkten im Vormonat auf 22 Punkte gesunken, teilte die National Association of Homebuilders (NAHB) mit. Volkswirte hatten zuvor mit einem Rückgang auf 23 Punkte gerechnet. Der NAHB-Index ist ein Stimmungsbarometer der National Association of Homebuilders, der nationalen Organisation der Wohnungsbauunternehmen. In einer monatlichen Umfrage werden die aktuelle Lage und die Erwartungen der Branche hinsichtlich der Entwicklung in den kommenden sechs Monaten abgefragt. Ein Wert unter 50 Punkten signalisiert, dass die Mehrheit der Hausbauer die Bedingungen negativ beurteilt. Die Hausbauer hätten realisiert, dass Hyothekenkredite teurer und schwieriger zu bekommen sein, sagte NAHB-Präsident Brian Catalde.

Subprime strahlt auch auf "prime" aus

Dies habe mögliche Hauskäufer vom Markt fern gehalten oder zu einer
Verschiebung des Hauskaufs geführt. Nach Einschätzung von NAHB Chefvolkswirt David Seiders haben die Probleme "ohne Frage" aus dem Sektor der Hypothekenkredite mit niedriger Bonität ("subprime") auch auf andere Bereiche übergriffen. Betroffen seien jetzt auch so genannte "Alt-A"-Hypthekenkredite und Jumbos.

Der LDax im Frankfurter Abendhandel schraubte sich auf 7.455 Punkte nach oben, nachdem der Dax den Xetra-Handel zuvor mit 7.445,90 Punkten beendet hatte: 0,28 Prozent höher.

Fed setzt erneut Geldspritze
Die US-Notenbank stellte dem heimischen Geldmarkt dieses Mal sieben Milliarden Dollar zur Verfügung. Bereits am Freitag und Montag hatten die Währungshüter um Ben Bernanke die Märkte mit zusätzlicher Liquidität in Höhe von insgesamt rund 40 Milliarden Dollar versorgt.

Vielversprechende Signale aus New York
Am Nachmittag hatte der an den Märkten vielbeachtete Empire State Manufacturing Index noch positive Signale ausgesandt. Der Index war im August zwar von 26,5 Punkten auf 25,1 Punkte gesunken. Aber nicht so tief gefallen wie befürchtet. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem deutlicheren Rückgang auf 19,3 Punkte gerechnet. Der Empire-State-Index misst die Geschäftstätigkeit des produzierenden Gewerbes im Staat New York. Ein Indexstand über Null deutet eine Ausweitung der Aktivität an.

Bayer-Kurs aufgebläht
Aktien des Leverkusener Bayer-Konzerns schossen um fast sechs Prozent hoch. Ihnen kamen vage Gerüchte zugute der Schweizer Biotech- und Pharma-Konzern Novartis interessiere sich für Bayer. Novartis lehnte einen Kommentar dazu ab.

Gerüchte zogen VW-Aktie nach oben
Zu den Highlights im Dax zählten Aktien des Wolfsburger Autokonzerns. "Porsche plant angeblich ein Übernahmeangebot für VW", sagte ein Händler. Ein anderer Börsianer sprach von Spekulationen, wonach das Land Niedersachsen wohl bereit sei, sich von seinem rund 20prozentigen Anteil an dem Wolfsburger Konzern zu 150 Euro je Anteilsschein zu trennen. Aus Hannover und Stuttgart kamen jedoch prompt Dementis. Das Land Niedersachsen wolle sich nicht von seinen VW-Anteilen trennen, stellte das niedersächsische Finanzministerium am Mittwoch in Hannover klar und wies die Börsengerüchte zurück. Der Koalitionsvertrag schließe einen Verkauf der VW-Anteile aus. Danach dürfte bis zur nächsten Landtagswahl Anfang 2008 an der Beteiligung nicht gerüttelt werden. Aus der Stuttgarter Porsche-Zentrale hieß es am Nachmittag, man habe gegenwärtig keine Pläne, die Beteiligung an VW aufzustocken. Der Sportwagenbauer hat derzeit rund 31 Prozent an VW.

Weitere Stellenstreichungen bei der Telekom
Die Deutsche Telekom bestätigte unterdessen Berichte über zusätzlichen Stellenabbau. Eine Unternehmenssprecherin sagte am Mittwoch, die Konzernspitze sei permanent auf der Suche nach weiteren Einsparmöglichkeiten. Dabei könnten auch mehr als die geplanten 32.000 Stellen abgebaut werden. Einen Zeitungsbericht, nach dem zusätzliche 2.000 Jobs vornehmlich in der Verwaltung auf der Kippe stehen, bestätigte sie nicht.

Henkel schmieren ab
Der Konsumgüterkonzern Henkel schreckte am Nachmittag Anleger auf. Henkel bekräftigte vor Analysten, er werde die geplante Übernahme von Geschäften der ICI-Tochter National Starch nicht allein mit der Aufnahme von Schulden finanzieren. Dies könne er ausschließen, sagte Finanzchef Lothar Steinebach. Henkel wolle auch in Zukunft über ein "A"-Rating verfügen, stellte er erneut klar. Dies wäre andernfalls gefährdet. Der Konzern prüfe weiter die Kombinationen von Optionen für die Finanzierung der milliardenschweren Übernahme, zu denen eine Kapitalerhöhung, die Trennung von Randaktivitäten sowie die Aufnahme von Schulden gehörten. Henkel will Geschäfte von National Starch für einen Kaufpreis von knapp vier Milliarden Euro übernehmen. Henkel hat sich dazu mit dem niederländischen Akzo-Nobel-Konzern verbündet, der ICI übernehmen will.

Aareal-Bank macht Kasse und erhöht Prognose
Die Aareal Bank hat ihre Beteiligung an der Immoblien Scout GmbH veräußert und ihre Ergebnisprognose für das laufende Jahr angehoben. Durch den Verkauf des 66,2-prozentigen Anteils an ein von der australischen Macquarie Bank und der Publishing and Broadcasting Ltd aus Sydney geführtes Konsortium werde sich der Konzernüberschuss nach Minderheiten in diesem Jahr um rund 140 Millionen Euro erhöhen, teilte die Aareal Bank am Mittwoch in Wiesbaden mit. Zusätzlich werde die Gewinnrücklage um 14 Millionen Euro gesteigert. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern werde deutlich über 20 Prozent liegen. Bislang war die Bank lediglich von mehr als 13 Prozent ausgegangen.

Hoffnung auf höhere Dividende
Der im MDax notierte Immobilienkonzern Gagfah hat im ersten Halbjahr seinen Nettogewinn auf 613,4 Millionen Euro verfünffacht. Der Konzern betonte, er erwarte eine gute Marktentwicklung für weitere Zukäufe. Vor diesem Hintergrund schließt Gagfah eine höhere Dividende nicht aus.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"