Marktbericht 20:00 Uhr

Gift für den Dax So gibt's keine Jahresendrally!

Stand: 08.12.2015, 20:00 Uhr

China schwach, Ölpreis runter, Euro rauf - Dieses Mischung war heute Gift für den Dax. Bleibt das Umfeld so, ist der Rally-Traum ausgeträumt.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate
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11.434,11
Differenz relativ
+0,19%

Da kann einem mulmig werden: ein Schlussstand von 10.674 Punkten an der Dax-Tafel, ein Tagesminus von zwei Prozent. Vor gute einer Woche, am Montag, hatte das Börsenbarometer noch bei 11.430 gezeigt - ein Vier-Monats-Hoch. Doch das war vor der EZB-Sitzung, die Anlegern gehörig die Laune verdarb.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1306
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Der Euro ist seither erstarkt, notiert derzeit knapp unter 1,09 Dollar, nachdem er vorige Woche noch unter 1,06 Dollar getaucht war. Für die deutschen Exporteure bedeutet der sich erholende Euro: Der Verkauf im außereuropäischen Ausland wird für sie tendenziell wieder schwerer.

Dazu kamen heute noch schwache Exportzahlen aus China. Die Ausfuhren der Volksrepublik gingen im November im Jahresvergleich um 6,8 Prozent zurück. Das war bereits der fünfte Rückgang in Folge. Schon sorgen sich Investoren, dass die China-Schwäche auf die ganze Weltkonjunktur überschlägt.

Nikkei 225 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum Intraday
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21.803,62
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Das brachte auch die Kurse in China und Japan heute unter Druck. Ein wenig in den Hintergrund rückten die neuen - durchaus guten Konjunktursignale aus Japan. Überraschenderweise ist die Wirtschaft dort nämlich im dritten Quartal leicht gewachsen - und nicht wie befürchtet geschrumpft.

Ölpreis Richtung 20 Dollar?

Die China-Neuigkeiten machten auch dem Ölpreis zu schaffen, der nach der jüngsten Opec-Entscheidung am Freitag ohnehin unter Druck ist. Nordseeöl der Sorte Brent gab rund zwei Prozent auf 39,88 Dollar je Barrel nach, nachdem sich der Preis gestern bereits um fünf Prozent auf 40,75 Dollar verbilligt hatte. Unter 40 Dollar lag der Preis zuletzt im Jahr 2009, als die Weltwirtschaft noch krisengeschädigt darnieder lag. Auch das US-Öl WTI gab weiter nach, fiel unter 37 Dollar je Fass.

Die Opec-Staaten hatten sich nicht einigen können, ihre Fördermenge einzuschränken. Anleger fürchten nun eine zügellose Wettproduktion zwischen den Staaten innerhalb und außerhalb der Opec, sagte CMC-Markets-Analyst Jochen Stanzl. Bei einem wachsenden Überangebot von Öl wird am Finanzmarkt nun vereinzelt über Preise von 20 bis 30 Dollar spekuliert.

Krone und Can-Dollar unter Druck

In Folge gerieten auch die Währungen der großen Öl-Exportländer unter Druck, kanadischer Dollar und norwegische Krone verloren heute teils massiv. Den Exportländern drohen geringere Einnahmen, so dass die Währungen unter Druck bleiben dürften.

"Deflationsgespenst geht um"

Nun kommt bei Anlegern wieder Angst vor Deflation auf. "Der Dax steht wegen China, den tendenziell schwachen Rohstoffpreisen und auch dem stärkeren Eurokurs unter Druck. Das Deflationsgespenst geht nun wieder um", sagte Jochen Stanzl vom Wertpapierhändler CMC Markets.

Dow Jones belastet zusätzlich

Obendrein belastete der schwache Start der US-Börsen. Andreas Lipkow von Kliegel & Hafner zufolge entwickelt der Dax so kurz nach der EZB-Sitzung in Europa und unmittelbar vor der spannenden Zinsentscheidung in den USA kein Eigenleben. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Europa 0,9 Prozent im Minus. Der fallende Ölpreis belastete die an den US-Börsen wichtigen Rohstoffwerte wie Chevron und Exxon.

Zu den Verlierern gehörte auch der Büroartikelhändler Staples, weil die US-Handelskommission die geplante Fusion mit dem Konkurrenten Office Depot stoppen will. Fairchild Semiconductor stiegen dagegen um fünf Prozent, weil der Chiphersteller nach eigenen Angaben eine feindliche Offerte im Volumen von 2,5 Milliarden Dollar erhalten hat. Infineon wird Interesse nachgesagt.

Charttechnik macht Dax-Aufstieg schwer

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Der Deutsche Aktienindex hätte es nach dem Absturz der vergangenen Woche charttechnisch schwer, die Erholung anzugehen. Zahlreiche charttechnische Hürde wären auf dem Weg nach oben zu überwinden: die stark beachtete 200-Tage-Linie, die derzeit bei 11.080 Punkten liegt und weitere Widerstände bei 11.000 und 11.200 Punkten.

Versorger und Stahlaktien dick im Minus

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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16,65
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-0,06%

Auf der Dax-Liste gab es nicht einen Gewinner heute. Zuvorderst auf der Verlierseite Eon und RWE. Das hängt mit den günstigen Witterungsverhältnissen im November zusammen: Die haben der Windenergie in Deutschland Schub verliehen, und so zu einem Strom-Überangebot geführt - und zu sinkenden Strompreisen. Die China-Sorgen belasten vor allem konjunktursensible Aktien wie ThyssenKrupp und Salzgitter, die knapp vier bzw. sechs Prozent verloren.

Deutsche Bank und der nächste Ärger

Die Deutsche Bank kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Die japanische Wertpapieraufsicht fordert eine Strafe gegen die Bank wegen unsauberen Umgangs mit Insiderinformationen.

Was ist bei Bayer-Mittel Xarelto los?

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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64,00
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-0,78%

Bayer-Aktien gerieten im späten Frankfurter Geschäft etwas unter Druck. Händler verwiesen auf einen Medienbericht, demzufolge Arzneibehörden den Gerinnungshemmer Xarelto des Pharma- und Chemiekonzerns unter die Lupe nähmen. Bei einer 2010 abgeschlossenen Studie soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein.

K+S und FMC sind zäh

Am besten hielten sich im Dax noch die Aktien des Kasseler Salz- und Düngemittelherstellers K+S und die des Dialysespezialisten FMC. Letztere profitierten von einer positiven Studie der US-Bank Morgan Stanley, die einen Ergebnisanstieg erwartet. Beide Aktien gaben nur minimal nach.

VW bricht auch der Absatz in Mexiko weg

Dem VW-Konzern brechen nach dem Abgasskandal in immer mehr Ländern die Verkäufe weg. Jetzt auch in Mexiko, im zweitgrößten Werk des Konzerns, wo die Produktion um ein Fünftel zurückging. Zuvor hatte VW schon von Absatzeinbrüchen in den USA bekannt gegeben. In Russland geht das Geschäft schon länger zurück. Am Donnerstag will VW einen Zwischenstand zur Aufarbeitung des Skandals geben. Zuvor tagt am Mittwoch der VW-Aufsichtsrat. Analysten erhoffen sich Hinweise zu den Kosten der im kommenden Jahr startenden Rückrufaktion.

Erstes Vertrauen in Osram?

Einer der wenigen Kursgewinner im MDax war die gebeutelte Aktie von Osram. Ist das ein erstes Zeichen der Zuversicht der Aktionäre? Nachdem der Leuchtmittelhersteller im November einen Strategiewechsel in Richtung LED-Technik verkündet hatte, war die im MDax notierte Aktie um ein Drittel eingebrochen und hatte sich seither nicht erholt. Osram steht weiter zu dem Schritt. "Wir müssen uns weiter ändern, wenn wir erfolgreich mitspielen wollen in den nächsten Jahren", sagte Osrams LED-Chef Aldo Kamper am Montag.

Aurubis empfohlen

Auch die Aurubis-Aktie gehört zu den wenigen Gewinnern im MDax. Grund ist positive Analystenstudie von Goldman Sachs. Die Schmelz- und Raffinierlöhne könnten steigen. Auch die weitere Abwertung des Euro zum Dollar helfe Aurubis, hieß es. Außerdem hob Goldman sein Kursziel von 70 auf 77 Euro an.

Gerresheimer abgestuft

Unter der großen Gruppe der MDax-Verlierer dagegen Gerresheimer. Morgan Stanley hat den Wert von "Equalweight" auf "Underweight" abgestuft, aber das Kursziel auf 60 Euro belassen. Die Bewertung des Verpackungsspezialisten erscheine anspruchsvoll, hieß es.

Anglo American im Rausch der Tiefe

Die Aktien des Bergbaukonzerns Anglo American brachen erneut auf ein Rekordtief ein. Wegen der fallenden Rohstoffpreise will der Konzern für die zweite Jahreshälfte keine Dividende mehr zahlen. Außerdem will Anglo Geschäftsbereiche verkaufen. Auch die Papiere von Konkurrenten wie BHP Billiton, Glencore und Rio Tinto standen danach unter Druck.

Indexwechsel in Paris

In Paris fielen nach dem Abstieg aus dem Auswahlindex CAC40 die Aktien des Versorgers EdF um drei Prozent auf ein Rekordtief von 12,90. Die Aktien der Immobilienfirma Klepierre, die die EdF-Papiere ersetzen, legten gut ein Prozent zu.

bs

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr