Skepsis kehrt zurück

Stand: 22.09.2008, 20:01 Uhr

Die Furcht vor Verzögerungen bei dem Rettungsplan für die US-Finanzbranche hat an den Märkten erneut für sinkende Kurse gesorgt. Nach anfänglichen Gewinnen drehen die Papiere der Banken und Versicherungen kräftig ins Minus.

Der Dax hat im Abendhandel seine Verluste ausgeweitet und schließt 119 Punkte oder 1,93 Prozent niedriger als am Freitag, bei 6085. Im elektronischen Handel Leitindex war der Leitindex um 81 Punkte oder 1,3 Prozent auf 6 107 Zähler gefallen. Ausgelöst wurde der erneute Rückgang durch die kräftigen Kursverluste an der Wall Street. Sie belaufen sich zum Börsenschluss in Frankfurt auf mehr als mehr als zwei Prozent oder 240 Punkte. Es ist vor allem die Unsicherheit über die Ausgestaltung der Rettungsaktion für die Finanzbranche, die den Markt auf Talfahrt schickte. In Frankfurt müssen die Titel der Commerzbank und der Deutschen Bank ihre anfänglichen Gewinne wieder vollständig abgeben und schließen mehr als drei Prozent niedriger.

Die Verluste im Dax wären sogar noch höher ausgefallen, wenn die Aktien von Volkswagen nicht erneut um über sieben Prozent zugelegt hätten.

Für Verunsicherung sorgte auch das erneute Eingreifen der Notenbanken. Sie mussten den Geldmarkt mit Milliardensummen stützen. Die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank von England und die Schweizerische Notenbank (SNB) pumpten zusammen mehr als 76 Milliarden Dollar in den Markt, um Spannungen zu lindern. Die US-Notenbank Fed stellte 20 Milliarden Dollar zur Verfügung. Die Bank von Japan will ab Mittwoch erstmals Dollar ausgeben. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Russland griffen ein, um die Liquidität der Banken zu verbessern.

Deutsche Bank besorgt sich Kapital
Die Deutsche Bank hat die verbesserte Stimmung an den Aktienmärkten genutzt und sich zur Finanzierung ihres Einstiegs bei der Postbank frisches Kapital bei Aktionären besorgt. Das Institut brachte heute im Rahmen einer beschleunigten Platzierung bis zu 40 Millionen neue Aktien an den Kapitalmarkt. Händlern zufolge lag der Preis für die Papiere bei 53,50 bis 55 Euro. Zu 55 Euro könnte die Bank mit 40 Millionen Aktien 2,2 Milliarden Euro einnehmen. Die Deutsche-Bank-Aktie bricht ein.

Japaner vor Einstieg bei Morgan Stanley
Die japanische Bank Mitsubishi UFJ Financial Group will bis zu 20 Prozent an der US-Investmentbank Morgan Stanley erwerben. Nach einer Due-Diligence-Prüfung wolle das Institut entscheiden, welchen Betrag man für einen Einstieg zu zahlen bereit sei, hieß es. Der Aktienkurs von Morgan Stanley legte an der New Yorker Börse um bis zu 13 Prozent zu.

BMW erwartet Absatzrückgang in USA
Düster sieht es dagegen für BMW aus. In diesem Jahr werde der Absatz in den USA voraussichtlich um rund zehn Prozent zurückgehen, sagte BMW Nordamerika-Chef Jim O'Donnell der US-Fachzeitschrift "Automotive News." Er werde künftig lieber weniger Autos verkaufen, als sie ohne Gewinn aus dem Fenster hinauszuwerfen, kündigte er an. Es sei falsch, in einen schrumpfenden Markt zu drängen. Die Aktie knickt deutlich ein.

Microsoft kauft für 40 Milliarden Dollar Aktien zurück
Der weltgrößte Software-Konzern Microsoft will in den kommenden Jahren 40 Milliarden Dollar in den Rückkauf eigener Aktien stecken. Zudem soll die nächste Quartalsdividende deutlich höher ausfallen, wie das Unternehmen am Montag ankündigte. Das neue Aktienrückkaufprogramm läuft bis Ende September 2013. Gerade erst war ein ebenfalls 40 Milliarden Dollar schwerer Aktienrückkauf ausgelaufen.

Schaffler hält 90 Prozent der Conti-Aktien
Der fränkische Autozulieferer Schaeffler hat auf sein Übernahmeangebot hin weit mehr Continental-Aktien bekommen als er langfristig halten darf. Bis zum Ende der letzten Einreichfrist hätten die Conti-Aktionäre Schaeffler 82,4 Prozent der Papiere des hannoverschen Reifen- und Autoteileherstellers angedient, teilte das Unternehmen mit. "Das ist eine sehr hohe Annahmequote", sagte ein Sprecher. Papiere von Continental geben knapp zwei Prozent ab. Grund ist Händlern zufolge der befürchtete Absatzeinbruch in der Reifenbranche.

MüRü kündigt saftige Preiserhöhung an
Preiserhöhungen mit deutlich zweistelligen Prozentsätzen kündigte der Versicherungskonzern Münchener Rück an. "Wir haben im Rückversicherungsmarkt eine ähnliche Situation wie nach dem 11. September 2001", sagte Vorstand Torsten Jeworrek der Financial Times Deutschland und verwies auf den Zusammenbruch des amerikanischen Versicherers AIG. Die Aktie notiert unverändert.

Bauer springen kürzer
Nach einem rasanten Kursanstieg von zeitweise mehr als zehn Prozent, müssen die Papiere des Baumaschinenherstellers Bauer einen Großteil der Gewinne wieder abgeben. Die Bauer-Aktie ist nach dem rapiden Kursverfall von zeitweise mehr als 36 Prozent seit Monatsbeginn stark überverkauft und zeigt nun eine Reaktion nach ihrem Aufstieg in den MDax.

K+S schwächelt auch im Dax
Der Kasseler Düngemittelkonzern K+S hat zum Auftakt seiner Aufnahme in den Dax am heutigen Montag den seit Wochen anhaltenden Niedergang seines Aktienkurses nur knapp aufhalten können. Der Wert notierte am Vormittag zwar gut zwei Prozent im Plus, blieb jedoch unter der Marke von 60 Euro. Am Nachmittag fiel er dann sogar deutlich und beendete den Xetra-Handel mit einem hauchdünnen Plus. K+S ist der erste Rohstoffwert im deutschen Leitindex.

Arcandor bei Finanzierung optimistisch
Der Handels- und Touristikkonzern geht trotz der Finanzmarktkrise davon aus, an dringend benötigte Kredite zu kommen. In dieser Woche gebe es weitere Verhandlungen mit den Banken, sagte ein Sprecher. Arcandor sei "sehr optimistisch", diese erfolgreich abzuschließen. Auf einen Zeitrahmen will sich der Konzern jedoch nicht mehr festlegen. Die Aktie schießt 1,2 Prozent höher, hatte aber im Tagesverlauf zeitweise fast zehn Prozent dazugewonnen.

Eon plant größten Windpark
Der Energieversorger hat heute den die ersten beiden von vier Abschnitten eines gigantischen Windparks in Texas eingeweiht. Zudem könnte der Essener Konzern einer Analystenstudie zufolge seine Mittelfristprognose anheben. Morgan Stanley zitiert den Eon-Finanzvorstand mit den Worten, dass das Finanzziel mittelfristig angehoben werden könnte. Die Aktie muss ihre anfänglichen Gewinne allerdings wieder abgeben.

Dagegen gibt die Ankündigung von Eon den Aktien des Windradherstellers Nordex einen Schub von mehr als sieben Prozent.

Salzgitter stockt Anteil an Norddeutscher Affinerie auf
Der Stahlkonzern hat seine Beteiligung an der Norddeutschen Affinerie (NA) weiter ausgebaut und seinen Anteil an der Kupferhütte von 10,8 Prozent auf 17,6 Prozent. An der Börse sorgte diese Nachricht für gegenteilige Reaktionen bei den betreffenden Aktien. Während das Salzgitter-Papier um mehr als vier Prozent nachgab, kletterten die Papiere der Norddeutschen Affinerie um mehr als acht Prozent an die MDax-Spitze.

CTS übernimmt finnischen Konkurrenten
Der im Sdax notierte Ticketvermarkter CTS Eventim übernimmt den finnischen Rivalen Lippupiste. Es seien zunächst 70 Prozent der Anteile für fünf Millionen Euro erworben worden, teilte CTS mit. Die restlichen Anteile sollen 2012 eingesammelt werden. Die Finnen erwarten 2008 einen Umsatz von mehr als vier Millionen Euro und ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 900.000 Euro.

Schott Solar verschiebt Börsengang
Der Solarkonzern Schott Solar verschiebt seinen Börsengang wegen der Turbulenzen an den Börsen. Angesichts der hohen Volatilität an den Märkten habe man sich entschlossen, den IPO auf unbestimmte Zeit zu verschieben, teilte das Mainzer Unternehmen mit. Ursprünglich wollte Schott noch im September an die Börsen gehen, mit einem Erlös von etwa einer halben Milliarde Euro wäre der IPO der bislang größte gewesen.

Aleo Solar bestätigt Prognose
Die Solartechnikfirma Aleo Solar hat seine Jahresziele bekräftigt. "Die Entwicklung der Märkte verläuft ganz nach unseren Erwartungen", erklärte Finanzvorstand Uwe Bögershausen. Aleo Solar peilt für 2008 unverändert einen Umsatz von 330 Millionen Euro an. Ende vergangener Woche seien bereits 250 Millionen Euro erreicht worden. Die Aktie steigt um mehr als vier Prozent.

Goldman und Morgan normale Banken
Die beiden Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley verlieren ihren Sonderstatus als Investmentbanken. Künftig werden die beiden Konzerne normale Geschäftsbanken sein, teilte die amerikanische Notenbank Fed am Wochenende mit. Damit bekommen die beiden Konzerne zwar günstigeren Zugang zu den Liquiditätsangeboten der Notenbank, dürfen allerdings keine großen Investmentrisiken eingehen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr