Marktbericht 20:10 Uhr

Anleger machen Kasse Sinkt der Ölpreis, fallen die Börsen

Stand: 23.02.2016, 20:10 Uhr

Neue Pläne für eine Fusion zwischen Deutscher und Londoner Börse sorgten am Dienstag für Furore. Der Dax konnte davon aber nicht profitieren. Im Sog der schwachen Wall Street rutschte er ab. Die Gewinne vom Wochenbeginn sind fast wieder dahin.

An den Aktienmärkten geht es derzeit zu wie auf der Achterbahn. Erst sausen sie nach oben, dann rauschen sie wieder nach unten. So sackte der Dax am Dienstag um 1,6 Prozent auf 9.416 Punkte ab, nachdem er am Montag noch um zwei Prozent nach oben geklettert war. Viele Anleger sind nervös und nehmen schnell Gewinne mit. Die Talfahrt an den europäischen Aktienmärkten wurde durch die schwache Wall Street beschleunigt. Der Dow büßte in den ersten Handelsstunden gut ein Prozent ein.

Saudischer Ölminister drückt den Ölpreis

Die Richtung an den Börsen geben inzwischen die Ölpreise vor. Fallen sie, geht es auch an den Aktienmärkten abwärts. Steigen sie oder stabilisieren sie sich, geht es an den Börsen aufwärts. Am Dienstag gaben die Ölpreise wieder kräftig nach. Ein Barrel der Sorte Brent verbilligte sich um vier Prozent auf 33,26 Dollar. Der saudische Ölminister schloss eine Kürzung der Fördermengen vorerst aus.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.410,07
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Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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25.138,23
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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66,66
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+0,29%

JP Morgan erhöht Rückstellungen

JPMorgan Chase: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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96,98
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-0,60%

Viele Anleger fürchten, dass die Energiekonzerne angesichts des Preiskollapses in die Bredouille geraten und Kreditausfälle die Banken mit in die Tiefe reißen. Da passt es ins Bild, dass am Dienstag die US-Großbank JP Morgan die Rückstellungen für Kredite an die Ölbranche zusätzlich um 500 Millionen Dollar erhöhte. Die fallenden Ölpreise schüren die Sorgen um die weltweite Wirtschaftsentwicklung.

US-Verbraucher werden pessimistischer

Das zeigt sich an den neuesten Konjunkturdaten: In den USA trübte sich überraschend stark die Verbraucherstimmung ein. Der Indikator fiel um 5,6 Zähler auf 92,2 Punkte. Das ist der schwächste Wert seit Juli 2015. Volkswirte hatten mit einem deutlich geringeren Rückgang gerechnet.

Kein prima Klima in deutschen Chefetagen

ARD-Börsenstudio: Mischa Erhard
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Börse 19.00 Uhr

Auch in Deutschland trübte sich der Ifo-Geschäftsklimaindex ein. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer fiel im Februar von 107,3 auf 105,7 Punkte. Das war der dritte monatliche Rückgang in Folge. Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf 106,7 Zähler gerechnet. Drei Einbußen in Folge gelten gemeinhin als Signal für eine Konjunkturabkühlung. "Die Sorgen der deutschen Wirtschaft werden größer, insbesondere in der Industrie", sagte der scheidende Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Euro leidet

Der schwache Ifo-Index setzte dem Euro zu. Er konnte bis zum Abend nur knapp über der Marke von 1,10 US-Dollar behaupten. "Konjunktursorgen dürften zunehmen und Marktteilnehmer werden in ihren Erwartungen tendenziell bestärkt, dass die EZB im März die Geldpolitik weiter lockern wird", urteilte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg.

Gold glänzt wieder

Gleichzeitig verteuerte sich Gold kräftig auf 1224 US-Dollar sowie 1.109 Euro. Marktbeobachter verwiesen auf die anhaltend hohe Nachfrage nach börsennotierten Edelmetall-Fonds (ETFs). Die Edelmetall-Bestände des weltgrößten Gold-Fonds, SPDR Gold, waren am Montag um 19,33 auf 752,29 Tonnen gestiegen.

Deutsche Börse plant Mega-Börse mit London

Im Dax gab es nur vier Gewinner. Spitzenreiter waren die Aktien der Deutschen Börse mit einem Plus von über drei Prozent. Zwischen dem Frankfurter Börsenbetreiber und der London Stock Exchange (LSE) gibt es offenbar konkrete Verhandlungen über einen Zusammenschluss "unter Gleichen". Das bestätigten die Vorstände von Deutscher Börse und LSE. Die Frankfurter Börse soll an dem fusionierten Konzern 54 Prozent halten. Viele Marktbeobachter halten die Fuision für sinnvoll, zweifeln aber, ob der neue Anlauf für eine europäische Megabörse diesmal gelingt.

Vorschusslorbeeren für Fresenius

Fresenius: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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53,46
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+0,15%

Neben der Deutschen Börse lagen auch die Aktien von Fresenius in der Pluszone. Der Medizinkonzern erhält kräftig Vorschusslorbeeren vor seinen am Mittwoch erwarteten Jahreszahlen. Die Analysten von Exane BNP haben das Kursziel von Fresenius auf 70 Euro hochgesetzt.

Versorger wieder ganz hinten

Am Dax-Ende rangierten die Versorger. Die Titel von RWE fielen um über fünf Prozent, die Aktien von Eon verloren 4,4 Prozent. Gestern hatten sie noch zu den Favoriten im Dax gezählt. Die kommunalen RWE-Aktionäre kamen am Dienstag zu einem ersten Treffen zur Beratung über die geplante Streichung der Dividende zusammen. "Die Stimmung ist aggressiv", meinte Ernst Gerlach, Geschäftsführer des Verbandes der kommunalen RWE-Aktionäre.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,05
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+0,89%
RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,15
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VW macht sich Mut

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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147,14
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-1,45%

Auch die Autoaktien gehörten am Dienstag zu den größten Dax-Verlierern. Die Titel von BMW und VW gaben um fast drei Prozent nach. Dabei rechnet VW-Chef Mathias Müller Müller mit einem guten Jahr 2016, wenn es weiterhin gelinge, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. "In China funktioniert das Geschäft nach wie vor sehr gut, auch in europäischen Standorten wie Italien und Spanien haben wir uns nach einem kurzzeitigen Tief erholt." Die Sammelklagen in den USA beunruhigen Müller nicht.

Ströer überzeugt

Spitzenreiter im MDax war Ströer mit einem Plus von 2,6 Prozent. Der Werbevermarkter kann auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. Der Umsatz wuchs um 14 Prozent auf 824 Millionen Euro. Das operative Ergebnis legte um 40 Prozent auf 208 Millionen Euro zu. Damit übertraf das MDax-Mitglied seine eigene Prognose von 200 Millionen Euro. Das soll im laufenden Jahr auf 270 bis 280 Millionen Euro weiter wachsen.

Covestro schüttet erste Dividende aus

Ebenfalls gut an kamen die Zahlen von Covestro. Die Aktien stiegen um knapp 0,9 Prozent. Die Bayer-Tochter hat 2015 von den niedrigen Rohstoffpreisen profitiert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wuchs um 41 Prozent auf 1,64 Milliarden Euro. Der Gewinn legte unter dem Strich um mehr als ein Viertel auf 343 Millionen Euro zu. Die Aktionäre des Börsenneulings sollen eine erstmalige Dividende von 0,70 Euro je Aktie erhalten.

Aixtron reduziert Verlust

Hoch und rauf ging es mit der Aktie von Aixtron im TecDax. Nach anfänglichen Kursgewinnen schloss sie fast fünf Prozent tiefer. Der angeschlagene Spezialmaschinenhersteller rechnet auch für das laufende Jahr mit Verlusten. Im vergangenen Jahr sank der Verlust um gut die Hälfte auf 29,2 Millionen Euro. Im laufenden Jahr sollen die Erlöse 170 bis 200 Millionen Euro erreichen.

VTG rollt voran

Das Waggonvermiet- und Schienenlogistikunternehmen VTG hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr um gut ein Viertel auf 1,03 Milliarden Euro verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 76 Prozent auf 337 Millionen zu. Für das laufende Jahr streben die Hamburger einen Umsatz zwischen 1,03 und 1,07 Milliarden Euro sowie ein Ebitda zwischen 345 und 355 Millionen Euro an. Die Aktien gaben leicht nach.

Gewinnwarnung von Hugo Boss

Hugo Boss NA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
62,68
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-0,63%

Dagegen rauschte die Aktie von Hugo Boss auf den tiefsten Stand seit 2011. Sie stürzte um gut 20 Prozent auf 56 Euro ab. Der schwäbische Modekonzern warnte vor einem Ergebnis-Rückgang im niedrigen zweistelligen Prozentbereich für das laufende Jahr. Schuld sei das schwierige Marktumfeld in China und den USA. Im Sog von Hugo Boss gaben auch andere Modetitel wie Gerry Weber deutlich nach.

Tom Tailor bleibt knapp in der Gewinnzone

Tom Tailor konnte sich vom negativen Trend abkoppeln. Die Aktie schloss etwas höher. Das Bekleidungsunternehmen hat im vergangenen Jahr einen Mini-Gewinn von 100.000 Euro gemacht. Im Vorjahr hatte das Plus noch bei 21 Millionen Euro gelegen. Das Unternehmen will nun noch mehr sparen.

Air Berlin stürzt ab

Die Aktien von Air Berlin stürzten am Dienstag um fast 18 Prozent ab. Die angeschlagene Fluggesellschaft könnte offenbar von der Börse genommen werden. Die Großaktionäre, allen voran die arabische Fluglinie Etihad, diskutierten Modelle, wie sie Air Berlin von der Börse nehmen können, ohne die Mehrheit an dem Unternehmen zu erwerben, berichtete das "Handelsblatt". Denkbar sei ein Zusammenschluss mit der italienischen Fluglinie Alitalia, an der Etihad knapp die Hälfte der Anteile hält.

Scharfe Zahlen von SMT Scharf

Der Bergbauausrüster SMT Scharf hat seine Ziele für 2015 deutlich übertroffen. Der Umsatz wuchs um fünf Prozent auf 50 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs von minus 1,5 auf plus 1,6 Millionen Euro. Die Aktien zogen um über sechs Prozent an.

Hapag-Lloyd schafft die Ergebniswende

Die Reederei Hapag-Lloyd hat sich zurück in die Gewinnzone gespart. Im vierten Quartal schaffte der Traditionskonzern ein operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 178,8 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte es noch ein operatives Minus von fast 305 Millionen Euro gegeben. Die Aktie fiel um sechs Prozent auf 16,26 Euro - deutlich unter den Ausgabekurs von 20 Euro. Deutschlands größte Container-Reederei war im November an der Börse vor Anker gegangen.

Delticom expandiert in den Online-Lebensmittelhandel

Einen Ausflug in ein ganz neues Geschäftsfeld hat Delticom am Dienstag bekannt gegeben. Der Online-Reifenhändler steigt in den Online-Lebensmittelhandel ein und übernimmt für 30 Millionen Euro Gourmondo Food sowie ES Food. Die zwei Firmen betreiben rund ein Dutzend Internetseiten, darunter lebensmittel.de. Die Delticom-Aktien schlossen leicht tiefer.

Heimwerker laufen zu Home Depot

Aus den USA meldete Home Depot gute Zahlen. Die Baumarktkette konnte im vierten Quartal den Umsatz um fast zehn Prozent auf 21 Milliarden Dollar steigern. Die amerikanischen Heimwerker stürmten verstärkt in die Filialen der Baumarkkette für den Bau und die Renovierung ihrer Wohnungen und Häuser. Der Gewinn kletterte um knapp sieben Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar. Analysten hatten weniger erwartet. Die Aktien kletterten im Dow um 1,5 Prozent nach oben.

BHP Billiton kürzt die Dividende

Dagegen rutschten die Aktien von BHP Billiton um sechs Prozent ab. Der britisch-australische Rohstoffriese hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2015/16 einen Verlust von 5,67 Milliarden Dollar gemacht. Als Reaktion kürzt das Unternehmen erstmals seit seiner Entstehung vor 15 Jahren die Dividende auf 16 Cent.

Swiss Re verwöhnt Aktionäre

Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Swiss Re hat im vergangenen Jahr seinen Nettogewinn um 31 Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar nach oben geschraubt. Die reguläre Dividende soll von 4,25 auf 4,60 Franken steigen. Außerdem will man für bis zu eine Milliarde Franken eigene Aktien zurückkaufen. Zur Jahresmitte tritt der bisherige Vorstandschef Michel Lies in den Ruhestand und übergibt das Zepter an den jüngeren Christian Mumenthaler. Anleger nahmen Gewinne mit. Die Aktie verlor drei Prozent.

Niedrigere Milchpreise helfen Danone

Der französische Lebensmittelkonzern Danone hat im vergangenen Jahr von niedrigeren Milchpreisen und Sparmaßnahmen profitiert. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis stieg um fast neun Prozent auf 2,89 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr soll der währungsbereinigte Umsatz um drei bis fünf Prozent zulegen - nach 4,4 Prozent im vergangenen Jahr. Die Aktie gewann vier Prozent und führte den EuroStoxx50 an.

nb

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr