Sinkender Ölpreis verleiht Flügel

von Lothar Gries

Stand: 22.07.2008, 20:02 Uhr

Trotz enttäuschender Quartalszahlen großer US-Firmen und erneuten Verlusten bei den Banken, hat sich die Stimmung der Anleger am Abend doch noch aufgehellt. Dennoch wurden viele Werte erneut in die Tiefe gerissen.

Der Ölpreis hat seine Talfahrt wieder aufgenommen und verbilligte sich um fast fünf Dollar auf 126,26 Dollar. Damit notiert der Preis für ein Barrel auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang Juni. Händler machten dafür die Erleichterung darüber verantwortlich, dass der Tropensturm "Dolly" die Ölförderung im Golf von Mexiko wohl nicht beeinträchtigen wird. Auch die Erholung des Dollar führten sie als Grund an.

Neben dem Ölpreis profitiert der Dax auch von der Erholung der Wall Street. Der Dow-Jones-Index drehte nach anfänglichen Verlusten ins Plus und notiert am frühen Abend ein halbes Prozent höher bei 11.520 Zählern. Das genügte um auch den Dax ins Plus zu ziehen. Der Leitindex beendet den elektronischen Handel mit einem Plus von knapp 18 Punkten bei 6442 Zählern. Im Abendhandel legt der Dax ebenfalls um knapp 20 Punkte auf 6434 zu.

Optimismus der Dresdner Bank-Strategen

Hoffnung kommt auch von der Dresdner Bank. Deren Strategen rechnen mittelfristig wieder mit steigenden Kursen. Die Finanzmarktkrise sowie Inflationsängste dürften zwar kurzfristig weiter für eine hohe Schwankungsbreite der Indizes sorgen, doch bis zum Jahresende werde der Leitindex Dax sich voraussichtlich wieder auf rund 7.100 Punkte erholt haben.

Zu den größten Gewinnern gehören die Papiere von Volkswagen und Linde. Auch die beiden Versorger Eon und RWE können kräftig zulegen.

Dagegen leiden Infineon unter den schlechten Zahlen von Texas Instrumenst. Die T-Aktie bricht um knapp vier Prozent ein. Auslöser sind die gesenkten Prognosen des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone. Wegen der schwachen Konjunkturentwicklung rechnet das Unternehmen im Gesamtjahr mit Erlösen am unteren Ende der bereits ausgegebenen Spanne von 39,8 bis 40,7 Milliarden britischen Pfund.

Aurelius übernimmt Berentzen
Die Münchner Beteligungsfirma Aurelius hat sich heute mit den Familien Berentzen, Wolff, Pabst und Richarz auf die Übernahme von 75,1 % der 9,6 Millionen Stamm- und Vorzugsaktien des ins Schlingern geratenen Schnapherstellers Berentzen geeinigt. Aurelius bietet 2,60 Euro pro Stammaktie und 2,68 Euro pro Vorzugsaktie. Berentzen-Aktien steigen um acht Prozent. 2007 kam Berentzen mit 700 Mitarbeitern auf 433 Millionen Euro Umsatz, schrieb aber operativ rote Zahlen. Dafür waren nach Angaben von Aurelius strategische Differenzen verantwortlich. 2009 solle Berentzen wieder in die Gewinnzone zurückkehren.

Conti-Wennemer allein zu Haus
Im Übernahmekampf um den Autozulieferer Continental ist Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg auf Distanz zu Vorstandschef Manfred Wennemer gegangen. Kurz vor einer Sitzung des Aufsichtsrats an diesem Mittwoch warnt von Grünberg vor einem «Kampf um jeden Preis». Es sei «Vernunft angesagt», sagte von Grünberg dem «manager magazin». Die große Frage sei, für wie sicher man einen Erfolg der Schaeffler-Gruppe halte, die für Conti ein Übernahmeangebot vorgelegt hat. «Wenn die Übernahme wahrscheinlich ist, dann bevorzuge ich, dass wir keine verbrannte Erde hinterlassen.» Auch die beiden Autohersteller Volkswagen und Opel sprachen sich für ein Zusammengehen von Conti mit Schaeffler aus.

Mit Spannung wird erwartet, ob der Aufsichtsrat den Kurs des Vorstands unterstützt, der das Übernahmeangebot strikt ablehnt. Unterstützung bekam Wennemer von den Conti-Führungskräften. Der Conti-Gesamtbetriebsrat äußerte «große Sorge» um Arbeitsplätze und Standorte.

Ericsson brechen ein
Auch die Zahlen des schwedischen Telekomausrüsters Ericsson kommen schlecht an. Der Gewinn des Konzerns schrumpfte von 6,4 Milliarden Schwedischen Kronen im Vorjahreszeitraum auf 1,9 Milliarden Kronen (rund 200 Millionen Euro). Analysten hatten dagegen mit 2,9 Milliarden Kronen gerechnet. Das Ergebnis wurde unter anderem durch das schwache Abschneiden der Handy-Tochter SonyEricsson belastet. Die Aktie verliert mehr als neun Prozent.

Metro leidet unter Veraufsempfehlung
Die Stammaktien des Handelskonzerns Metro leiden dagegen unter einer Verkaufsempfehlung von Goldman Sachs. Die Analysten legten ihr Kursziel auf 35 Euro fest. Das kommende Jahr dürfte weit schwerer für die meisten Unternehmen des Einzelhandelssektors werden als 2008, so die Analysten. Konzerne wie Metro, die stark von den Konsumausgaben in Westeuropa abhängig seien, müssten größere Anstrengungen aufbringen.

Lufthansa wird bestreikt
Die Anteilsscheine der Lufthansa werden vom Streikaufruf der Pilotengewerkschaft Cockpit gedrückt. Diese hatte die Piloten der Regionalfluggesellschaften Eurowings und CityLine aufgefordert, ab zwölf Uhr und am Mittwoch ganztags die Arbeit niederzulegen. Außerdem hat Merrill Lynch das Kursziel für Lufthansa von 15 auf 14 Euro gesenkt und die Einschätzung "Underperform" bekräftigt. Die Aktie fällt.

Neue Gebote für Hapag-Lloyd
Die Aktie des Reise- und Schifffahrtkonzerns Tui steht ebenfalls unter Druck. Die Gebote für die zum Verkauf stehende Tochter Hapag-Lloyd liegen mit rund drei Milliarden Euro laut der "Börsen-Zeitung" unter dem Buchwert der Container-Reederei. Das Bieterverfahren war am Vortag kurz vor Mitternacht zu Ende gegangen.

MTU enttäuscht
Der Triebswerkhersteller MTU hat im ersten Halbjahr bei einem leicht rückläufigem Umsatz beim Ergebnis besser als erwartet abgeschnitten. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um acht Prozent auf 194,5 Millionen Euro zu. Enttäuscht hat allerdings der Ausblick. Außerdem hat sich MTU-Chef Egon Behle offen für einen Investor gezeigt. Es könne passieren, dass sein Haus zum Übernahmeziel werde, sagte Behle. Trotzdem drehen die Papiere am Nachmittag ins Minus und verlieren mehr als zehn Prozent. i

Immobilien- und Bauwerte fallen in Ungnade
Auch die Aktien von Immobilienunternehmen wie Gagfah und IVG werden von den Anlegern abgestoßen. Morgan Stanley hat das Kursziel von Gagfah von 10,00 auf 7,00 Euro und von IVG von 13,00 auf 7,40 Euro gesenkt. Damit werde eine vorsichtigere Einschätzung der Renditenentwicklung und der Abschläge auf den Nettoinventarwert (NAV) berücksichtigt, hieß es zur Begründung.

Auch die Aktien der Baukonzerne Bilfinger Berger und Hochtief stehen heute auf der Verkaufsliste ganz oben. Merrill Lynch hatte beide Titel von "Buy" auf "Neutral" abgestuft. Bei Bilfinger Berger sank das Kursziel von 65 auf 60 Euro und bei Hochtief von 85 auf 62 Euro. Der Abschwung könne sich auch auf die Ausgaben im allgemeinen Baugewerbe und Infrastruktur auswirken.

IKB wird gestützt
Die schwer angeschlagene Mittelstandsbank IKB rechnet nicht mehr mit Mittelzuflüssen aus der geplanten Kapitalerhöhung im August. Die EU-Entscheidung über die Beteiligung der KfW an der Kapitalerhöhung werde das Verfahren verzögern, teilte die Bank mit. Die KfW stellt daher eine weitere besicherte Liquiditätslinie von 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Die IKB-Aktie bricht um mehr als sieben Prozent ein.

Axel Springer bekräftigt Prognose
Der Axel Springer Verlag hat seinen Umsatz im ersten Halbjahr 2008 um elf Prozent gesteigert. Die Erlöse hätten zwischen Januar und Juni nach vorläufigen Zahlen bei etwa 1,3 Milliarden Euro gelegen, teilte der Verlag am Nachmittag mit. Auch das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag höher als ein Jahr zuvor. Genaue Zahlen will der Konzern am 13. August vorlegen. Springer bekräftigte seine Prognose, wonach das bereinigte Ebitda 2008 über dem des Jahres 2007 liegen soll. Die Aktie steigt.

Comdirect leidet unter Börsen-Baisse
Der Online-Broker Comdirect hat im zweiten Quartal einen Ergebnisrückgang um mehr als 40 Prozent verbucht. Damit verfehlte das SDax-Mitglied die Analystenerwartungen. "Wir haben in einem schwierigen Börsenumfeld ein ordentliches Ergebnis erzielt", sagte Vorstandschef Michael Mandel trotzig. Die Aktie fällt um fünf Prozent.

Pixelpark beendet Verkaufsgespräche
Die Pixelpark AG hat die Verhandlungen zum Verkauf des Segments Kommunikation beendet. Die bisherige Unternehmensstrategie, einen in Deutschland führenden integrierten Konzern aus Kommunikation & Systemtechnologie aufzubauen, soll unverändert fortgeführt werden. Die Aktie stürzt ab.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr