Silberstreif am Börsenhimmel

Detlev Landmesser

Stand: 27.06.2007, 20:33 Uhr

Am Abend durften die Börsianer wieder Hoffnung schöpfen. An der Wall Street hellte sich die Stimmung im Verlauf auf. Thema Nummer eins bleibt die Zinsentwicklung in den USA.

Die großen US-Indizes drehten nach verhaltenem Start ins Plus, was auch an den hervorragenden Quartalszahlen von Oracle und Nike lag. In deren Sog hielten sich auch die deutschen Rivalen SAP und Adidas im positiven Terrain.

Dem L-Dax half der Stimmungswandel aber nur bedingt: Er beendete den Parketthandel am Abend mit 7.796,51 Punkten. Im Vorfeld der Fed-Entscheidung am Donnerstagabend ergehen sich die Börsianer weiter in Zinssorgen. Zwar wird bei dem Treffen der US-Notenbanker kein Zinsschritt erwartet, doch gehen die Meinungen weit auseinander, ob der nächste Schritt nach oben oder nach unten geht. Der wichtigste Zinssatz der Welt liegt seit fast genau einem Jahr bei 5,25 Prozent.

Die Daten zu den US-Auftragseingängen langlebiger Wirtschaftsgüter im Mai um 14:30 Uhr konnten die Zins-Konfusion nicht auflösen. Die Aufträge gingen unerwartet stark um 2,8 Prozent zurück. Das müsste eigentlich die Zinssorgen dämpfen - doch der Schreck war zunächst stärker.

Banken aus der Mode

Die Finanztitel verloren deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Die Analysten von Dresdner Kleinwort hatten ihr Anlageurteil für den europäischen Bankensektor auf "Underweight" gesenkt. Am stärksten verlor die Postbank mit 2,4 Prozent, die Deutsche Bank büßte zwei Prozent ein.

Wieder Spekulationen um Tui
Gegen den Trend stemmte sich die Tui-Aktie. Dahinter stehen die anhaltenden Spekulationen um die Schifffahrtssparte des Konzerns. Der "Platow Brief" hatte berichtet, die Oetker-Gruppe sei an der Sparte interessiert.

T-Aktie trotzt VDSL-Ärger
Die T-Aktie schnitt ebenfalls gut ab. Wie erwartet, verklagt die EU-Kommission Deutschland im Streit um das Telekom-Gesetz. Grund sei der zeitweise Verzicht, Wettbewerbern der Deutschen Telekom Zugang zum derem neuen VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz zu gewähren, erklärte die Kommission am Mittwoch. Es kann jedoch länger als ein Jahr dauern, bis ein Urteil gefällt wird. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, man sehe der Klage gelassen gelegen. Der Bund gehe davon aus, vor Gericht Recht zu bekommen.

Außerdem gibt es neuen Ärger mit der Bundesnetzagentur. Die Behörde hatte verfügt, dass die Telekom ihren Konkurrenten künftig ihre Kabelrohre zur Verfügung stellen muss, damit diese dort eigene Glasfaserleitungen einziehen können. Daraufhin erklärte die Telekom, ihre Investitionen in das VDSL-Netz, das derzeit in 50 Städten gebaut wird, noch einmal überdenken zu wollen. Notfalls wolle man mit einer Klage gegen die Entscheidung vorgehen.

Millionenzahlung an Telegate
Unterdessen meldete der Auskunftsdienstleister Telegate einen weiteren juristischen Sieg gegen die Deutsche Telekom. Im dritten und letzten Teilverfahren zur Rückerstattung von Kosten für Teilnehmerdaten habe das Oberlandesgericht Düsseldorf den Ex-Monopolisten zur Rückzahlung von 30,5 Millionen Euro zuzüglich Prozesszinsen verpflichtet, teilte Telegate am Nachmittag mit. Die Telegate-Aktie lag nach der Mitteilung bis zu sechs Prozent im Plus.

Post erliegt vor Gericht
Auch die Deutsche Post musste eine juristsche Niederlage einstecken. Sie verlor einen jahrelangen Rechtsstreit um die Übernacht-Zustellung von Wettbewerbern. Das Bundesverwaltungsgericht wies am Mittwoch die Klage des Konzerns gegen die von der Bundesnetzagentur erteilten Ausnahmelizenzen vier private Anbieter ab. Die "Aktie Gelb" zeigte sich allerdings unbeeindruckt.

Eon kauft sich selbst
Die Aktie von Eon hielt sich recht gut. Der Energiekonzern begann am Mittwoch mit seinem Ende Mai beschlossenen Aktienrückkaufprogramm. Bis Ende 2008 will Eon sieben Milliarden Euro für den Aktienrückkauf ausgeben und dadurch das Grundkapital der Gesellschaft senken.

ProSiebenSat.1 verspricht hohe Synergien
Im MDax gewann das Papier von ProSiebenSat.1 gut vier Prozent. Wie geplant, übernimmt der Medienkonzern die europäische Senderkette SBS. Die TV-Gruppe rückt mit der Übernahme von 100 Prozent der SBS Broadcasting-Anteile enger an den europäischen Marktführer RTL Group heran. ProSiebenSat.1 will den 3,3 Milliarden Euro teueren Kauf Anfang Juli abgeschlossen haben. Für den Zukauf stellte der MDax-Konzern jährliche Kosteneinsparungen in Höhe von 80 bis 90 Millionen Euro in Aussicht. Da störte die Börsianer auch nicht, dass ProSiebenSat.1 gleichzeitig weniger Optimismus für die Werbeerlöse versprühte als zuvor.

Affi hat bei Cumerio aufgestockt
Die Norddeutsche Affinerie hält bereits mehr als zehn Prozent am belgischen Konkurrenten Cumerio. Von der ehemaligen Cumerio-Mutter Umicore seien 2,5 Prozent der Stimmrechte erworben worden, teilte der Kupferkonzern am Mittwoch mit. Der Rest sei - zum Teil schon vor der Bekanntgabe der Übernahmeofferte - an der Börse gekauft worden. Die NA hatte am Sonntag angekündigt, dass sie 30 Euro je Cumerio-Aktie bieten will. Das Übernahmeangebot muss noch von den belgischen Behörden genehmigt werden, bevor es offiziell unterbreitet werden kann.

Verwirrend war, dass auch der NA-Großaktionär A-Tec Industries den Kauf von 4,99 Prozent an Cumerio meldete. "A-Tec Industries betrachtet diesen Erwerb als langfristiges strategisches Investment", erklärte der österreichische Anlagenbauer. Ob A-Tec mit diesem Schritt die Übernahmepläne der NA möglicherweise unterstützen oder behindern will, blieb zunächst unklar. A-Tec ist seit kurzem mit zehn Prozent größter Einzelaktionär der Affinerie.

PPR will mehr Pumas im Depot
Der französische Luxuskonzern PPR hat seine Angebotsfrist für die Übernahme des Sportartikelherstellers Puma bis zum 11. Juli verlängert. Nach Ende der ersten Angebotsfrist halte der Konzern 33,2 Prozent der Anteile, teilte PPR mit. Der Angebotspreis bleibe mit 330 Euro pro Aktie bestehen. Der MDax-Titel notierte am Mittwoch knapp darüber.

Rückenwind für Nordex
Im TecDax führte Nordex die Gewinnerliste an. Das Windkraftunternehmen hat die mittelfristige Konzernprognose deutlich nach oben gesetzt. Dank eines höheren Auftragsbestandes erwartet der Hersteller von Windkraftanlagen in vier Jahren einen Umsatz zwischen 2,5 und vier Milliarden Euro. Dazu kamen Gerüchte, dass die deutsche Regierung die Förderung für Windanlagen auf hoher See deutlich ausweiten wolle.

Ersol wächst und braucht Geld
Auf der Ersol-Aktie lastete eine angekündigte Kapitalerhöhung. Der Solarkonzern hat mit dem Siliziumhersteller Hemlock einen langfristigen Liefervertrag unterzeichnet. Zur Finanzierung der Expanision kündigte Ersol eine Kapitalerhöhung um bis zu zehn Prozent des derzeitigen Aktienkapitals an.

Springer setzt Einkaufstour fort
Der seit vergangenen Woche im SDax notierte Medienkonzern Axel Springer will das französische Frauenportal auFeminin.com übernehmen. Axel Springer teilte mit, man werde zunächst 41,4 Prozent der Anteile von den Gründern übernehmen und später das gesamte ausstehende Kapital übernehmen. Der Vertrag bewertet das 1999 gegründete Portal mit 284 Millionen Euro.

EM.TV braucht Sport
Die Sportsparte von EM.TV soll zum Wachstumsmotor werden. Nach der Trennung von Unterhaltungssparte will das Medienunternehmen im Bereich Sport innerhalb der kommenden drei Jahre eine Umsatzverdopplung erreichen. 2010 soll die Sparte etwa 400 Millionen Euro Umsatz erzielen, teilte EM.TV am Tag seiner Hauptversammlung mit.

Epigenomics stellt positive Studie vor
Die Aktie von Epigenomics konnte von einem Studienerfolg profitieren. Eine Methode zur Früherkennung von Lungenkrebs erwies sich in einer klinischen Studie als relativ zuverlässig, teilte das deutsch-amerikanische Biotechunternehmen mit.

Nervosität bei Zapf Creation
Einen weiteren Kursverfall von über zehn Prozent mussten die Aktionäre von Zapf Creation verkraften. Nach Angaben von Händlern läuft am 30. Juni eine Kreditlinie von 90 Millionen Euro aus, deren Refinanzierung noch nicht gesichert sei. Je näher das Monatsende rücke, desto nervöser würden die Anleger.

Alitalia trudelt noch stärker
Nach einer Kursaussetzung im Mailänder Handel rutschte die Aktie der Alitalia weiter ab. Mit der russischen Aeroflot ist ein weiterer Interessent aus dem Bieterverfahren um die marode italienische Airline ausgestiegen. In der vergangenen Woche soll nach Zeitungsberichten auch der US- Vermögensverwalter Matlin Patterson ausgestiegen sein. Damit bleibt nur noch die AP Holding, zu der auch die Fluggesellschaft Air-One gehört, im Rennen. Nach mehreren gescheiterten Sanierungsversuchen hatte die italienische Regierung ihren Alitalia-Anteil von 49,9 Prozent zum Verkauf gestellt.

Zuckungen im Börsenmantel
Eine Achterbahnfahrt erlebte die Aktie der German Brokers AG. Das Unternehmen meldete am Morgen ad hoc, dass das Landgericht Frankfurt die Anfechtungsklagen gegen die Beschlüsse der Hauptversammlung vom 20.11.2006 größtenteils bestätigt hat. Damit seien die wesentlichen Beschlüsse nichtig und die Sanierung sowie die Wiederaufnahme einer operativen Tätigkeit gescheitert. Nun müsse die Löschung der Gesellschaft wegen Vermögenslosigkeit geprüft werden.

Tognum hat Ärger mit seinem Prospekt
Kurz vor dem geplanten Börsengang gibt es Ärger um den Börsenprospekt von Tognum. Der Dieselmotorenhersteller räumte fehlerhafte Angaben im Anhang des Prospekts ein. Diese Angaben, die den Material- sowie Personalaufwand beträfen, würden korrigiert und seien als Nachtrag zum Prospekt bei der Finanzaufsicht BaFin eingereicht worden, teilte Tognum mit. Am Montag will die Firmengruppe um die ehemalige DaimlerChrysler-Tochter MTU Friedrichshafen an die Börse gehen. Die bis zu 2,2 Milliarden Euro schwere Aktienemission ist nach Angaben aus Finanzkreisen bereits überzeichnet.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr