Siemens rettet den Dax

Stand: 11.11.2010, 20:00 Uhr

Die Unsicherheit über den Ausgang des G20-Gipfels, anhaltende Sorgen um Irland und Cisco haben die Wall Street und die meisten Börsen in Europa ins Minus gedrückt. Nur der Dax konnte sich knapp behaupten - auch dank Siemens.

Von närrischer Stimmung auf dem Parkett war am 11.11. zum Auftakt in die fünfte Jahreszeit wenig zu spüren: Mit 6.723 Punkten schloss der Dax im Xetra-Handel nahezu auf dem Stand vor dem Vortag. Im späten Parketthandel ging es noch ein bisschen nach oben. Der L-Dax schloss bei 6.733 Zählern. Immerhin: An den anderen Börsenplätzen standen die Zeichen auf Rot. Der EurtoStoxx50 schloss 0,5 Prozent tiefer, der Dow Jones büßte bis zwei Stunden vor Handelsschluss 0,6 Prozent ein.

Irland macht weiter Sorgen

Anhaltende Sorgen über die Verschuldung in Europa setzen den Börsen zu. Laut Presseberichten könnte Irland nach Griechenland als zweiter hochverschuldeter EU-Mitgliedsstaat eine Finanzspritze benötigen. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso versprach beim G20-Gipfel in Seoul, die EU werde dem verschuldeten Irland im Notfall helfen. Der Renditeabstand der irischen Anleihen zur richtungsweisenden deutschen Bundesanleihe erreichte mit 680 Basispunkten ein neues Rekordhoch. Der Euro rutschte am Donnerstag unter die Marke von 1,37 US-Dollar.

Was bringt der G20-Gipfel?
Zudem drückte die Uneinigkeit der Staats- und Regierungschefs beim bevorstehenden G20-Treffen in Seoul auf die Stimmung. Es sei unklar, was bei dem Treffen der zwanzig führenden Industrie- und Schwellenländer herauskomme, meinte ein Marktteilnehmer. Ob beispielsweise der Streit über die Handelsüberschüsse und den Währungs-Abwertungswettlauf beigelegt werden kann, sei mehr als fraglich. In einem Punkt freilich scheint sich Bundeskanzlerin Angela Merkel durchgesetzt zu haben: Die Forderung der USA, dass Exportnationen wie Deutschland ihre Leistungsbilanzüberschüsse auf vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes begrenzen, ist offenbar vom Tisch.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Siemens glänzt
Dass sich der Dax trotzdem knapp behaupten konnte, verdankt er Siemens. Der Mischkonzern überraschte am Donnerstag mit starken Quartalszahlen und einem verheißungsvollen Ausblick. Die Aktien waren mit einem Plus von fast drei Prozent Spitzenreiter im Dax. Anleger loben vor allem die höhere in Aussicht gestellte Dividende. Siemens will die Dividende auf 2,70 Euro anheben. Erwartet worden waren nur 2,50 Euro. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10 verdiente Siemens mit knapp 4,1 Milliarden fast zwei Drittel mehr als im Vorjahr. Im vierten Quartal gab es ein Viertel mehr Bestellungen, insbesondere aus den Schwellenländern. "Wir kommen mit vollem Schwung aus der Krise", tönte Siemens-Chef Peter Löscher und kündigte an, Wettbewerbern Marktanteile abjagen zu wollen.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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RWE erhöht Strompreise
Keinen Schub brachte hingegen die Bilanz von RWE. Das operative Ergebnis und der Gewinn blieben leicht unter den Markterwartungen. Die Hoffnungen auf eine Anhebung der Jahresprognose erfüllten sich nicht. Unklar bleibt, wie die Essener die Brennelemente-Steuer in den nächsten Jahren auffangen wollen. "Es kommen schwierige Zeiten auf uns zu", teilte der an einem Herzflimmern leidende RWE-Chef Jürgen Großmann schriftlich mit. Bis 2016 erwartet RWE jährlich 600 bis 700 Millionen Euro zusätzliche Belastungen wegen der Steuer und befürchtet Gewinneinbußen. Für Anfang 2011 kündigte der Versorger eine Erhöhung der Strompreise um 3,6 Prozent an. Die RWE-Aktien gaben rund 1,5 Prozent nach.

K+S blickt skeptisch ins kommende Jahr
Größter Dax-Verlierer war K+S mit minus 2,6 Prozent. Anleger zeigten sich enttäuscht über den verhaltenen Ausblick für 2011. K+S-Chef Norbert Steiner rechnet für das nächste Jahr lediglich mit einem minimalen Absatzanstieg von Kalidüngemittel und einem moderaten Umsatzplus. Im dritten Quartal machte K+S einen Gewinn von 40 Millionen Euro - nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum.

Hoffnungsschimmer für Sky
Aus dem MDax ragte Sky hervor. Die Aktien schossen um fast zwölf Prozent nach oben. Der Pay-TV-Sender hat eine Kooperation mit dem Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland verkündet. Der Pay-TV-Sender konnte im dritten Quartal seinen Nettoverlust von 116,7 Millionen immerhin auf 89,3 Millionen Euro reduzieren. Bei nahezu stabilen operativen Kosten stieg der Umsatz um 16,6 Prozent auf 243,2 Millionen Euro. Sky konnte damit die Markterwartungen deutlich übertreffen.

ProSiebenSat.1 im Werbeboom
Vielversprechend sahen auch die Zahlen von ProSiebenSat.1 aus. Die Fernsehsender-Kette konnte in den ersten neun Monaten dank wachsender Einnahmen aus der TV-Werbung den Umsatz um fast neun Prozent auf über zwei Milliarden Euro und den Gewinn um das Vierfache auf 127,7 Millionen Euro steigern. Die Jahresprognose wurde erneut angehoben: Statt auf 800 Millionen Euro soll das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen nun auf rund 850 Millionen Euro klettern. Vorstandschef Thomas Ebeling dämpfte aber die Euphorie und warnte davor, dass das vierte Quartal voraussichtlich nicht an das hohe Wachstumsniveau der Vorquartale herankomme. Anleger nutzten die Nachrichten zu Gewinnmitnahmen. Die Aktie verlor rund drei Prozent.

Auf Fielmann ist Verlass
Gewohnt gute Zahlen präsentierte Fielmann. Die Optikerkette verkaufte im dritten Quartal mehr Brillen und steigerte den Gewinn um knapp 13 Prozent 36,6 Millionen Euro. Dabei profitierten die Hamburger vom Trend zu höherwertigen und damit auch teureren Produkten wie Gleitsichtbrillen. Die Fielmann-Aktien legten um über ein Prozent zu.

ACS legt Offerte für Hochtief vor
Im Blickpunkt stand erneut die MDax-Unternehmen Hochtief: Die Übernahmeschlacht geht in die heiße Phase. Am Donnerstag legte der Großaktionär ACS offiziell eine Offerte für den deutschen Baukonzern vor. Hochtief arbeitet derweil mit Hochdruck an einer Abwehrstrategie. Der Vorstand prüfe alle strategischen Möglichkeiten. Weder eine Kapitalerhöhung noch eine Wandelanleihe wurde ausgeschlossen. Am Mittwochabend hatte Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter Pläne für einen umfassenden Konzernumbau und Verkäufe von Beteiligungen angekündigt. Der Quartalsgewinn fiel besser als erwartet aus. Die Umsätze blieben aber hinter den Schätzungen zurück. Die Hochtief-Aktie schloss nahezu unverändert.

Postbank steigert Gewinn nur einstellig
Ebenfalls keinen neuen Schub für die Aktie brachten die Zahlen der Postbank. Das Geldinstitut, das inzwischen zu 41 Prozent der Deutschen Bank gehört, konnte im dritten Quartal seinen Gewinn nur leicht um knapp fünf Prozent auf 65 Millionen Euro erhöhen. In den ersten neun Monaten des Jahres betrug die Gewinnsteigerung fast 25 Prozent.

Brenntag kann nicht ganz überzeugen
Zwiespältige Zahlen präsentierte der Börsen-Neuling Brenntag. Bei Umsatz und Ebitda übertraf der Chemikalien-Händler die Experten-Schätzungen, beim Gewinn lag das Unternehmen hingegen knapp drunter. Die Aktien verloren rund drei Prozent.

Celesio-Ausblick enttäuscht
Ebenfalls nicht gut genug waren die Zahlen von Celesio. Zwar schaffte der Pharmahändler wieder die Rückkehr in die schwarzen Zahlen mit einem Gewinn von 80,6 Millionen Euro. Doch der Ausblick klang einigen Anlegern zu pessimistisch. Aufgrund der staatlichen Eingriffe in Großbritannien dürfte das obere Ende der Prognosespanne voraussichtlich nicht erreicht werden, warnte Celesio. Für das Gesamtjahr wird ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 670 bis 690 Millionen Euro erwartet. Die Aktie büßte rund zwei Prozent ein.

Stada hat in Serbien ein Problem
Vor allem wegen Abschreibungen im Zusammenhang mit Liquiditätsproblemen serbischer Großhändler ist der Generikahersteller Stada im dritten Quartal in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust belief sich auf 11,2 Millionen Euro. Trotzdem konnte die Stada-Aktie leicht um 0,5 Prozent zulegen. Das Serbien-Problem war schon bekannt. Zudem konnte Stada im Deutschland-Geschäft positiv überraschen. Die Jahresprognose wurde bestätigt.

Bauern lassen die Kassen von Baywa klingeln
Beim Agrar- und Baustoffhändler Baywa herrscht wieder Zuversicht. Die Bauern würden wieder mehr Geld für Dünger, Saatgut und Traktoren ausgeben. Baywa verdiente deshalb im dritten Quartal mit 14,4 Millionen Euro mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr erwartet das MDax-Unternehmen eine deutliche Umsatz- und Ergebnissteigerung. Dennoch gab die Baywa-Aktie rund zwei Prozent nach.

Pfleiderer schockt die Anleger
Im SDax sorgte Pfleider mit enttäuschenden Quartalszahlen für Furore. Der Möbelzulieferer erlitt im dritten Quartal einen Verlust von 31,5 Millionen Euro - rund zehn Millionen Euro mehr als erwartet. Daraufhin brach die Aktie um über 28 Prozent ein. Der angeschlagene Bau- und Möbelzulieferer wollte nicht ausschließen, möglicherweise erneut mit den Banken über die Kreditbedingungen verhandeln zu müssen. Pfleiderer-Chef Hans Overdiek beteuerte aber, dass das Unternehmen nicht insolvenzgefährdet sei.

MLP wächst nur langsam
Nur mühsam kommt offenbar der Finanzdienstleister MLP aus der Krise. Im dritten Quartal konnte das SDax-Unternehmen die Provisionserlöse lediglich um drei Prozent steigern. Die Gesamterlöse stiegen um vier Prozent auf 116 Millionen Euro. Die Vermittlung von Versicherungspolicen und Finanzdienstleistungen kam nur schleppend voran. Immerhin: Der Gewinn verdreifachte sich auf 6,8 Millionen Euro. Die MLP-Aktie verbilligte sich um fast vier Prozent.

Bei Jungheinrich geht's wieder aufwärts
Ähnlich hohe Kursverluste gab es für Jungheinrich. Möglicherweise nutzten die Anleger die guten Zahlen des Gabelstaplers zu Gewinnmitnahmen. Die Aktie hat seit Jahresbeginn 100 Prozent zugelegt. Der Maschinenbaukonzern verkaufte in den ersten neun Monaten 47 Prozent mehr Fahrzeuge und konnte den Umsatz leicht steigern. Für das Gesamtjahr rechnet Jungheinrich mit einem Umsatz von deutlich über 1,75 Milliarden Euro - nach 1,68 Milliarden Euro im Krisenjahr. Operativ sollen wieder schwarze Zahlen erwirtschaftet werden.

Cisco belastet Hightech-Werte
Ein schwacher Ausblick von Cisco für 2011 belastete weltweit die Hightech-Werte. Der TecDax schloss um fast drei Prozent tiefer. Für das laufende Geschäftsjahr 2010/11 rechnet Cisco nur noch mit einem Umsatzplus von neun bis zwölf Prozent. Bisher hatten Analysten mit einem Wachstum von 13 Prozent gerechnet. Cisco-Chef John Chambers warnte vor der Investitions-Zurückhaltung seiner Kunden und sprach von kurzfristigen Herausforderungen in Europa. Die Cisco-Aktie stürzte um 13 Prozent ab.

United Internet warnt vor stagnierendem Gewinn
Mit verantwortlich für den Kursrutsch im TecDax war United Internet. Die Aktien brachen um fast zehn Prozent ein. Zwar konnten die Erlöse im dritten Quartal um 17 Prozent gesteigert und der Jahresausblick bestätigt werden. Der Ausblick für 2011 ernüchterte aber die Anleger. Der Konzern rechnet für 2011 nur noch mit einem stagnierenden Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Analysten hatten mit einem Anstieg des Ebitda gerechnet. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth erklärte, dass Wachstum Vorrang vor dem Ergebnisplus habe. "Wir haben die Entscheidung gefällt, auf nachhaltiges Wachstum zu setzen und lassen uns nicht durch kurzfristige Reaktionen am Markt verunsichern."

Conergy bricht ein
Auch Solarwerte standen im TecDax unter Druck. Finanzielle Probleme sorgten bei Conergy für einen Kurseinbruch von fast zehn Prozent. Der Solarkonzern teilte mit, dass ein Gutachten von Wirtschaftsprüfern ergeben habe, dass das seit Jahren ums Überleben kämpfende Unternehmen zu hoch verschuldet sei und seine Bilanz "sanieren" müsse. Das Quartalsergebnis, das angesichts dieser Unsicherheit etwas in den Hintergrund rücke, sei unterdessen ebenfalls schlechter als erwartet ausgefallen, sagte ein Händler.

Solarworld nicht gut genug
Das Solar-Vorzeigeunternehmen Solarworld konnte mit seinen Zahlen die Anleger ebenfalls nicht überzeugen. Die Aktrien rauschten um sieben Prozent nach unten. Umsatz und operatives Ergebnis stiegen um über 40 Prozent. Andererseits verdoppelten sich überraschend die Finanzverbindlichkeiten auf 1,3 Milliarden Euro.

Evotec macht Mini-Gewinn
Das Biotechnologie-Unternehmen Evotec bleibt nach einer deutlichen Umsatzsteigerung operativ weiter in den schwarzen Zahlen. Die Erlöse stiegen nach neun Monaten um ein Drittel auf 38,8 Millionen Euro. Operativ erwirtschaftete das Unternehmen eine Million Euro nach einem Verlust von 32,9 Millionen im Vorjahreszeitraum stand. Anleger hatten sich offenbar noch mehr erhofft, das TecDax-Papier verbilligte sich um fast drei Prozent.

Bechtle hebt sich positiv ab
Zu den wenigen TecDax-Gewinnern zählte Bechtle. Der IT-Dienstleister hat im dritten Quartal die Erlöse um ein Drittel auf 427 Millionen Euro und den Gewinn um rund 45 Prozent auf 12 Millionen Euro gesteigert. Die Zahlen lagen deutlich über den Erwartungen der Analysten. Für das Gesamtjahr bekräftigte das Ziel, den Rekordumsatz von 1,43 Milliarden Euro zu übertreffen. Auch für 2011 zeigte sich der IT-Dienstleister optimistisch.

United Power bläst IPO ab
Am Abend wurde bekannt, dass die chinesische United Power Technology seinen Börsengang in Frankfurt abgesagt hat. Das Management hält die derzeitigen Preisvorgaben des Aktienmarkts für zu niedrig, hieß es. Möglicherweise will United Power später einen neuen Anlauf aufs Parkett nehmen. United Power wäre der neunte Börsengang im Prime Standard in diesem Jahr gewesen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr