Sieben Tage Gewinne

Stand: 14.07.2010, 20:20 Uhr

Der Dax hat am Mittwoch seine nun sieben Tage anhaltende Gewinnserie fortgesetzt. Die 0,3 Prozent Plus waren jedoch hart erkämpft. Erst gegen Handelsende schwenkte der Leitindex ins Plus und konnte sich dabei vor allem auf die Bilanz des US-Chipkonzerns Intel stützen.

Mit einem Rekordgewinn von 2,9 Milliarden Dollar im letzten Quartal übertraf Intel die Prognosen deutlich und schaffte nach einem herben Verlust vor einem Jahr ein standesgemäßes Comeback. An der Wall Street stieg die Intel-Aktie deutlich, und die guten Geschäftszahlen des Branchenprimus zogen direkt den gesamten deutschen Aktienmarkt nach oben.

Zumindest am Morgen, als der Dax bis zu 0,6 Prozent zulegte. Am frühen Nachmittag begann sich Skepsis am Markt durchzusetzen, was von nicht gerade überragenden amerikanischen Konjunkturzahlen bestätigt wurde. Sowohl der Einzelhandelsumsatz als auch die Lagerbestände fielen unter den Erwartungen aus.

Der freundliche Start der Wall Street verhalf dem Dax allerdings wieder ins grüne Terrain, wo er, 0,3 Prozent fester, bei 6.210 Punkten schloss. Der LDax indes, er sackte wieder unter die Marke von 6.200 Zählern, nachdem am Abend die amerikanischen Indizes wieder unter Druck gerieten.

Das lag vor allem am jüngsten Sitzungsprotokoll der amerikanischen Notenbank, welches um 20 Uhr veröffentlicht wurde. Man diskutiere innerhalb des Offenmarktausschusses, heißt es darin, ob es nötig wäre, die Geldpolitik noch weiter zu lockern. Denn die Konjunkturerholung, so die Sorge der Fed, sei langsamer als erwartet. Wegen der jüngsten Finanzmarktturbulenzen korrigierten die meisten FOMC-Mitglieder zudem ihre Wachstumsprognose nach unten.

Die Intel-Bilanz wirkte am deutschen Aktienmarkt vor allem auf die deutschen Chipwerte, die Aktien von Infineon legten am Mittwoch 2,4 Prozent zu, im TecDax verteuerte sich Dialog Semiconductor um 3,1 Prozent. Halbleiterexperten warnen allerdings mittlerweile vor zu viel Euphorie. 2010 sei in der Tat ein Boomjahr, sagen sie, 2011 könne sich dann aber als dürftig herausstellen.

Das Internet soll den Brief retten
Die Deutsche Post will der Email den Kampf ansagen und hat deshalb am Mittwoch ein neues Produkt vorgestellt. Der so genannte E-Postbrief vereint nach den Vorstellungen der Post die Vorteile sowohl von Brief als auch Email und soll für 55 Cent das schwächelnde Briefgeschäft wieder in Schwung bringen. Die Post-Aktionäre halten dies offenbar ebenfalls für eine gute Idee, die Aktie schloss ein Prozent fester.

Südzucker und Gerresheimer berichteten
Aus dem MDax legten am Morgen zwei Firmen ihre Bilanzen vor, Südzucker und Gerresheimer. Der Zuckerhersteller Südzucker konnte wie schon bekannt sein Ergebnis auf fast 150 Millionen Euro steigern. Der Gewinn im ersten Quartal des Geschäftsjahres stieg um die Hälfte auf 72 Millionen Euro. Der Verpackungsspezialist Gerresheimer legte im zweiten Quartal beim Umsatz um zwei Prozent auf 269 Millionen Euro zu. Der Gewinn stieg sehr kräftig auf 11,2 Millionen Euro.

Biotest erwartet weniger
Das im SDax notierte Gesundheitsunternehmen Biotest war bei seinen Aktionären nicht besonders beliebt. Die Firma hat ihre Prognose für das Jahr 2010 einkassiert. Statt 61,7 Millionen strebt die Firma nun ein Ebit von nur noch 45 Millionen Euro an. Biotest verwies auf sinkende Preise für Blutplasma und die Gesundheitsreform. Die Aktie verlor mehr als elf Prozent.

CTS und ein Lizenzstreit
Die ebenfalls im SDax notierte Aktie des Ticketvermarkters CTS Eventim schloss 7,6 Prozent schwächer. Am späten Dienstag hatte die Firma mitgeteilt, dass sie von ihrem amerikanischen Lizenzpartner Live Nation Schadenersatz fordert. CTS hatte Live Nation seine Softwareplattform zur Verfügung gestellt, im Gegenzug sollte Live Nation seinen Vertrieb in Europa über CTS abwickeln. Seit der Fusion mit dem britischen Ticketmaster nutzt Live Nation aber eine eigene Plattform, was für CTS einen Vertragsbruch bedeutet.

Evotec kauft zu
Der Biotechkonzern Evotec übernimmt seinen Rivalen Develogen. Develogen ist auf Medikamente zur Behandlung von Stoffwechselerkrankungen spezialisiert. "Das ist ein interessanter Markt", sagte Evotec-Chef Werner Lanthaler am Abend. 14 Millionen Euro, das meiste davon in eigenen Aktien, will das TecDax-Unternehmen dafür bezahlen.

Ströer macht's
Das Außenwerbeunternehmen Ströer hat den Ausgabepreis für seine Aktien genannt. 20 Euro soll jede Aktie kosten, damit liegt der Preis etwa in der Mitte der Spanne von 17 bis 24 Euro. Der IPO wird Ströer damit 393,9 Millionen Euro einbringen. Am Donnerstag ist erster Handelstag.

Schaltbau hebt Prognose an
Die Verkehrstechnik-Holding Schaltbau hat angesichts guter Auftragszahlen ihre Prognose für 2010 angehoben. Der Umsatz der Konzerngesellschaften soll demnach 277 Millionen Euro erreichen, das Ebit auf 21,2 Millionen Euro steigen. Die Schaltbau-Aktie legte 8,5 Prozent zu.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"