Sechster Wochenverlust in Folge

Stand: 10.06.2011, 20:02 Uhr

Nachdem die US-Börsen auf enttäuschende Wirtschaftsdaten aus China mit heftigen Kursverlusten reagierten, gab es auch für die Börsen in Europa kein Halten mehr. Auch im Abendhandel rutscht der Dax unter die zuletzt umkämpfte Marke von 7.100 Punkten.

Eine derart lange Negativserie hatte es zuletzt vor fast drei Jahren gegeben. Im elektronischen Handel verlor der Leitindex 1,25 Prozent auf 7.069 Zähler. Am Abend rutscht das Börsenbarometer weiter ab und verliert 1,5 Prozent auf 7.059. Einziger Wert im Plus ist die Aktie von ThyssenKrupp. Auf Wochensicht ist das Börsenbarometer damit um 0,55 Prozent gesunken. Dabei war der Dax im Tagesverlauf noch bis auf 7.182 Punkte geklettert.

Angesteckt von den fallenden Kursen an der Wall Street rutschte der Dax am Nachmittag immer tiefer ins Minus. In New York bescherte vor allem die Angst vor einer Abkühlung der Weltkonjunktur und die Sorgen wegen der Schuldenkrise in Europa heftige Verluste. Das schwächere Wachstum als erwartet der chinesischen Exportwirtschaft wurde von Investoren mit Enttäuschung aufgenommen. Auf die Stimmung drückte auch der abgesagte Börsengang des Auto- und Immobilienfinanziers Ally Financial. Unter Druck gerieten auch Aktien aus dem Finanzsektor. Die US-Notenbank will 35 statt bislang 19 Institute Belastungstests unterziehen, die direkte Auswirkungen auf Dividendenzahlungen haben können.

Im Handelsverlauf weitet der Dow Jones-Index seine Verluste immer weiter aus und notiert bei Börsenschluss bereits 180 Punkte oder 1,5 Prozent tiefer als gestern bei 11.944. Damit rutscht der Index erstmals seit März wieder unter die Schwelle von 12.000 Punkten.

In der Folge büßt auch der Euro deutlich ein und sinkt am Abend auf 1,433 Dollar, gut einen Cent niedriger als noch am Vormittag.

Positive Überraschung von ThyssenKrupp?
Einziger Dax-Wert im Plus ist die Aktie von ThyssenKrupp. Grund ist eine Kaufempfehlung von den Experten der Citigroup. Der Stahlsektor sei derzeit schwierig zu bewerten, eine Verbesserung der Stahlpreise könnte aber unterstützend wirken, schreiben die Analysten. Das für sie wichtigste langfristig positive Argument sei aber eine Abschwächung der jüngsten Kapazitätsausweitungen. Bei ThyssenKrupp sei deshalb eine positive Überraschung bei den Ergebnissen im dritten Geschäftsquartal des Stahlherstellers für möglich.

Von der positiven Studie der Citigroup kann auch die im MDax notierte Aktie von Salzgitter profitieren. Sie legt in einem insgesamt orientierungslosen Markt meh als zwei Prozent zu.

Fresenius am Dax-Ende
Die schwächsten Werte im Dax sind dagegen die Aktien von Fresenius SE und Infineon. Während Händler bei Fresenius die Abhängigkeit des Gesundheitskonzerns vom Geschäft in den USA für den Kursverlust verantwortlich machen, wirken bei Infineon offenbar die Gewinnwarnung des US-Chipherstellers Texas Instruments nach.

Siemens: Korruptionsfall lässt die Börse kalt
Knapp drei Jahre nach der Beilegung des Schmiergeldskandals gibt es bei Siemens erneut einen Korruptionsfall. Der Konzern habe die Münchener Staatsanwaltschaft eingeschaltet, sagte ein Siemens-Sprecher. "Wir haben den Fall selbst aufgedeckt, die Behörden eingeschaltet und disziplinarische Maßnahmen getroffen." Der Fall sei ein Beleg, dass die Antikorruptionsarbeit bei Siemens nach der großen Korruptionsaffäre funktioniere. Die Aktie verliert knapp 1,9 Prozent und damit mehr als der Markt.

Versorger wieder auf Talfahrt
Nachdem sich die Aktien von RWE und Eon in den vergangenen beiden Tagen leicht erholen konnten, gehören sie heute wieder zu den Verlierern. Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" kündigte RWE-Chef Jürgen Großmann neue Klagen wegen des Atomausstiegs an. "Die Brennelementesteuer ist aus verfassungsrechtlicher und EU-rechtlicher Sicht bedenklich und angreifbar", sagte Großmann. Der Top-Manager warnte vor schwerwiegenden Folgen des Ausstiegs für die gesamte deutsche Wirtschaft. Dem Land drohe eine De-Industrialisierung.

Lufthansa nicht gut genug
Zu den Verlierern im Dax gehört auch die Aktie von Lufthansa. Dabei hat die Airline im Mai ihre Passagierzahlen in so gut wie allen Region bis auf Afrika und den Mittleren Osten gesteigert. Insgesamt flogen in dem Monat 9,7 Millionen Passagiere mit den Gesellschaften der Airline - ein Plus von 7,3 Prozent.

IVG an MDax-Spitze
Die Aktie der IVG Immobilien ist heute der mit Abstand größte Gewinner im MDax. Ausgelöst wurde die Hausse von der Entscheidung des europäischen Verbandes der Immobiliengesellschaften, die European Public Real Estate Association (EPRA) - die IVG-Titel am 20. Juni in ihre Indexfamilie aufzunehmen. Der international verwendete EPRA-Index beschreibt die Performance der 70 größten europäischen börsennotierten Immobiliengesellschaften.

Kabel sammelt Geld ein
Zu den wenigen Gewinnern im MDax gehört auch die Aktie von Kabel Deutschland. Der Kabelnetzbetreiber hat mit einer Anleihe 500 Millionen Euro eingesammelt und kann nun teurere Darlehen ablösen. Die siebenjährige Anleihe werde mit 6,5 Prozent jährlich verzinst, teilte der Konzern am Freitag mit. Wegen der hohen Nachfrage sei das Volumen der Anleihe auf 500 Millionen von ursprünglich geplanten 300 Millionen Euro aufgestockt worden. Zudem hat sich der Kabelnetzbetreiber eine neue Kreditlinie über 500 Millionen Euro gesichert.

Pfleiderer stürzen weiter ab
Um mehr als drei Prozent abwärts geht es mit der Aktie von Pfleiderer. Der schwer angeschlagene Holzverarbeiter hat seinen Verlust im vergangen Jahr mehr als verzehnfacht. Wegen Aufwendungen für die Restrukturierung und Abschreibungen auf Beteiligungen und Firmenwerte sei ein Fehlbetrag von 723 Millionen Euro angefallen nach 69,8 Millionen Euro im Jahr 2009, teilte das Unternehmen aus der Oberpfalz heute mit. Die Nettoverschuldung stieg bis Ende 2010 um gut 100 auf 960 Millionen Euro.

Microsoft zahlt Millionenstrafe
Softwareprimus Microsoft muss der kanadischen Firma i4i 290 Millionen Dollar zahlen. Bei der Auseinandersetzung geht es um eine Funktion im weitverbreiteten Textverarbeitungs-Programm Word. i4i sah dadurch eines seiner Patente verletzt, verlangte Schadenersatz und einen Verkaufsstopp in den USA. Die Aktie von Microsoft steigt trotzdem.

Toyotas Gewinne erschüttert
Der japanische Autobauer Toyota erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen drastischen Gewinneinbruch. Der Gewinn werde bis März 2012 um 31 Prozent auf 280 Milliarden Yen (2,4 Milliarden Euro) zurückgehen, teilte das Unternehmen mit. Toyota leidet wie andere japanische Fahrzeughersteller unter den Folgen des Erdbebens und des Tsunamis im Frühjahr.

Google setzt auf Werbung
Im Kampf um den lukrativen Online-Werbemarkt hat der US-Internetkonzern Google laut einem Medienbericht die Online-Werbefirma AdMeld übernommen. Google habe für das vier Jahre alte Unternehmen 400 Millionen Dollar gezahlt, berichtete der Technologie-Blog TechCrunch.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 19. September

Unternehmen
Manchester United: Q4-Zahlen
Adecco: Investor Day, 7 Uhr

Konjunktur:
Japan: Zinsentscheid der Bank von Japan
USA: Wohnbaubeginne, August, 14:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q2, 14:30 Uhr