Sechs-Jahres-Hoch!

Detlev Landmesser

Stand: 30.01.2007, 20:23 Uhr

Siemens sei Dank: Nach verhaltenem Start kam der Dax am Dienstag richtig in Fahrt - mehr als die Hälfte davon ging auf das Konto des Technologieriesen. Zeitweise fiel auch die Marke von 6.800 Punkten.

Mit 6.801,27 Punkten erreichte der deutsche Leitindex kurz vor Schluss des Xetra-Handels den höchsten Stand seit Anfang 2001. Der L-Dax beschloss den Abendhandel bei 6.783,19 Punkten.

An der Wall Street lagen die großen Indizes am Abend leicht im Plus, obwohl die meisten Konzerne für ihre jüngsten Quartalszahlen abgestraft wurden. Paradoxerweise ist für das Kursplus auch das jüngste Comeback der Ölpreise verantwortlich. Bei einem Future-Kurs von über 56 Dollar für US-Öl kauften die Investoren Aktien der Schwergewichte Exxon Mobil, ConocoPhillips und ChevronTexaco.

Auch die jüngsten Zahlen zur Stimmung der US-Verbraucher kamen gut an: Deren Zuversicht ist nach Angaben des Forschungsinstituts Conference Board auf den höchsten Wert seit mehr als vier Jahren gestiegen. Mit 110,3 Punkten lag der entsprechende Index leicht über den Erwartungen.

Dazu passt, dass der Konsumgigant Procter & Gamble in seinem zweiten Quartal mehr verdient und seine Prognose für das gesamte Geschäftsjahr erhöht hat. Dennoch stand das Papier zunächst unter Druck. Wegen eines enttäuschenden operativen Ergebnisses wurde auch die Aktie des Mischkonzerns 3M abgestraft. Ebenfalls weniger gut kamen die Quartalszahlen von Merck & Co an. Hohe Sonderbelastungen und die Generika-Konkurrenz haben den Gewinn des US-Pharmariesen mehr als halbiert. Auch der Logistiker UPS wurde für einen verhaltenen Ausblick bestraft.

Siemens weiter gefragt

Am deutschen Markt führte wieder einmal die Siemens-Aktie die Liste der Dax-Gewinner an, was dem Dax alleine 33 Punkte Plus bescherte. Das Schwergewicht wurde von positiven Analystenkommentaren beflügelt. Merrill Lynch hat sein Anlageurteil von "Neutral" auf "Buy" angehoben und die UBS hob das Kursziel von 90 auf 97 Euro an. 2007 sollte ein gutes Jahr für Siemens werden, schrieben die Analysten der UBS. Dazu passte die Nachricht eines neuen Kraftwerksauftrags aus den USA im Wert von 405 Millionen Dollar.

Eon hat EU-Kommission im Rücken
Auch für Eon gab es neue Zuversicht. Offenbar ist die EU-Kommission ziemlich verstimmt über die Antwort aus Madrid, was den Vorwurf widerrechtlicher Hürden für die Endesa-Übernahme durch Eon angeht. Die spanische Regierung vertritt die Auffassung, die neuen Bedingungen zur Übernahme des führenden Stromversorgers verstießen nicht gegen EU-Recht. Die Kommission will Madrid nun ultimativ mit einer Frist von 15 Tagen auffordern, die neuen Bedingungen zu kippen.

Adidas hat Ärger mit dem DFB
Das musste ja kommen: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und sein langjähriger Hauptsponsor Adidas streiten sich über eine Verlängerung des Vertrages über 2010 hinaus. Adidas geht davon aus, dass der Ausrüstervertrag im Gegenzug zur Freigabe der Schuhwahl der deutschen Nationalspieler bis 2014 verlängert wurde - der DFB ist da anderer Ansicht. Hintergrund des Streits ist ein finanziell deutlich höheres Angebot des US-Sportartikelriesen Nike, der Adidas als DFB-Sponsor verdrängen will. Nike bietet nach Angaben des DFB 500 Millionen Euro für acht Jahre.

Deutsche und koreanische Börse kooperieren
Am Abend meldete sich die Deutsche Börse zu Wort: Der Börsenbetreiber hat eine Absichtserklärung mit der Korea Exchange über eine "vertiefte Zusammenarbeit" unterzeichnet. Ziel der Kooperation sei die gemeinsame Nutzung von Informationen, der Austausch von Mitarbeitern und die gemeinsame Vermarktung von örsengängen. "Unsere Vereinbarung mit der Korea Exchange ist ein weiterer Schritt zum Ausbau unseres Asiengeschäftes", sagte Vorstandsmitglied Andreas Preuss.

HRE-Ausblick verstimmt
Schwächster Titel im Dax war die Aktie von Hypo Real Estate. Der Immobilienfinanzierer hat 2006 deutlich mehr verdient als im Vorjahr und sowohl die eigene Erwartung als auch die Prognose der Analysten erfüllt. Händler bemängelten allerdings den "nicht sonderlich beeindruckenden" Ausblick.

Deutsche Euroshop meldet Rekordergebnis
Im MDax tritt die Aktie der Deutschen Euroshop auf der Stelle. Das auf Beteiligungen an Einkaufszentren spezialisierte Unternehmen hat 2006 mit einem Rekordergebnis abgeschlossen. Das Konzernergebnis nach Anteilen Dritter wurde auf rund 98 Millionen Euro verdoppelt, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Für das laufende Jahr rechnet die Deutsche Euroshop jedoch mit einem stagnierenden Umsatz und Ergebnis. Der Umsatz- und Ergebnisbeitrag von zwei im vergangenen Jahr verkauften Einkaufszentren dürfte nur zum Teil kompensiert werden. Erst für 2008 sei erneut mit einem prozentual zweistelligen Wachstum von Umsatz und Ergebnis zu rechnen.

Solon strahlt am hellsten
Im TecDax setzte sich die Solon-Aktie an die Spitze. Börsianer verwiesen auf die charttechnisch günstige Lage des Titels. Die Commerzbank hatte dagegen ihr Anlageurteil von "Buy" auf "Hold" gesenkt. Allerdings erhöhten die Analysten gleichzeitig das Kursziel auf 31,50 Euro.

KSB schreibt wieder schwarz
Der Pfälzer Pumpenhersteller KSB hat im vergangenen Jahr von einer starken Nachfrage aus Industrie, Bergbau und Energiewirtschaft profitiert und nach vorläufigen Zahlen wieder schwarze Zahlen geschrieben. Das Vorsteuerergebnis sei gesteigert und auch unter dem Strich wieder die Gewinnzone erreicht worden, teilte das Unternehmen aus Frankenthal mit. 2005 hatte das Unternehmen noch einen Verlust von 20,9 Millionen Euro verbucht. KSB hat nach eigenen Angaben im Vorjahr seine angestrebte Umsatzrendite vor Steuern von fünf Prozent höchstwahrscheinlich übertroffen. 2005 hatte der Wert nur 2,3 Prozent betragen. Der Umsatz habe 2006 um zwölf Prozent auf 1,56 Milliarden, der Auftragseingang um 16,5 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zugelegt. Für das laufende Jahr erwartet der Pumpenhersteller ein "gemäßigteres Wachstum". Das Konzernergebnis werde sich weiter verbessern.

Bei Cewe wird es richtig spannend
Zum Thema Börsenkrimi lieferte Cewe Color das heutige Kapitel. Der größte Fotoentwickler Europas wirft seinem Großaktionär, dem Hedge Fonds M2 Capital, vor, dem Unternehmen "massiv" Kapital entziehen zu wollen. Hedge-Fonds hätten kreditfinanzierte Sonderausschüttungen in Höhe von 37 bis 120 Millionen Euro gefordert. Das Eigenkapital des SDax-Unternehmens liegt bei 113 Millionen Euro.

DBAG warnt vor heißem Wettbewerb
Die Aktie der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) verbilligte sich um knapp zwei Prozent. Die Gesellschaft rechnet nach ihrem Rekordjahr 2005/06 auch für das laufende Jahr mit einer guten Geschäftsentwicklung. "Wir sind zuversichtlich, dass auch das Jahr 2006/07 erfolgreich für die Deutsche Beteiligungs AG verlaufen wird", sagte DBAG-Chef Wilken von Hodenberg. Im Geschäftsbericht schlagen die Frankfurter allerdings etwas vorsichtigere Töne an. "Der Anstieg der Finanzierungszusagen für Private-Equity-Fonds wird nach unserer Einschätzung zu einem intensiveren Wettbewerb und zu höheren Preisen für die Zielunternehmen führen", heißt es darin.

Maxdata leidet
Rund sieben Prozent verlor die Aktie von Maxdata. Der Computerhersteller steckt weiter in Schwierigkeiten. Nach einem schwachen Schlussquartal verbuchte Maxdata einen Umsatzeinbruch und gestiegene Verluste im Gesamtjahr 2006. Nach vorläufigen Zahlen sei der Umsatz 2006 um etwas mehr als 130 Millionen Euro auf 524,8 Millionen Euro gesunken. Der operative Verlust (Ebit) stieg auf 42,8 von 34,9 Millionen Euro. Maxdata begründete die Entwicklung mit schwacher Nachfrage nach Computern und einem anhaltenden Preisverfall in der Branche.

Ken liebäugelt mit Baby Born
Die Aktie von Zapf Creation schoss zeitweise rund neun Prozent nach oben. Im Gespräch mit der "Financial Times Deutschland" hatte der weltweit größte Spielzeugkonzern Mattel sein mögliches Interesse an dem fränkischen Puppenhersteller geäußert.

QSC will Broadnet ganz
Der Breitbandnetzbetreiber QSC will die Broadnet AG auf das eigene Unternehmen verschmelzen. QSC werde im Rahmen der Verschmelzung den Broadnet-Aktionären QSC-Aktien im Tausch gegen Broadnet-Aktien anbieten, teilte das Kölner Unternehmen am Abend mit. Das Umtauschverhältnis solle durch eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ermittelt werden. QSC hält nach eigenen Angaben derzeit 92 Prozent des Aktienkapitals an Broadnet.

Drillisch zapft sich Kapital
Im späten Geschäft geriet die im Geregelten Markt geführte Drillisch-Aktie unter Abgabedruck. Der Mobilfunkdienstleister kündigte eine Kapitalerhöhung an, mit der er die kürzlich erfolgte Übernahme des Telekom-Dienstleisters Telco Services finanzieren will. Im Rahmen einer Privatplatzierung sollten bis zu 3,25 Millionen neue Aktien an institutionelle Investoren ausgegeben werden, teilte Drillisch nach Xetra-Schluss mit. Das wären zehn Prozent des Grundkapitals. Platzierungspreis und -volumen sollen durch ein beschleunigtes Bookbuilding-Verfahrens ermittelt werden. Bei einem Preis in der Nähe des Xetra-Schlusskurses der Drillisch-Aktie vom Dienstag von 6,96 Euro könnte die Firma damit bis zu 22,6 Millionen Euro einnehmen.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier