Schwungvoller Start in die Börsenwoche

von Notker Blechner

Stand: 26.04.2010, 20:07 Uhr

Nicht einmal neue Zweifel an der Griechenland-Rettung konnten den Dax bremsen. Der deutsche Leitindex setzte seinen Höhenflug fort und erreichte ein neues 19-Monats-Hoch. Siemens und die Banken gaben dem Dax frischen Schub. Die Anleger wetten auf gute Zahlen der Unternehmen.

Die Anleger bleiben in Kauflaune: Der Dax begann so wie er die vergangene Woche abgeschlossen hatte - mit kräftigen Kursgewinnen. Der Leitindex kletterte um über einen Prozent auf 6.332 Punkte im Xetra-Handel. Im späten Parketthandel ging es noch weiter nach oben. Der L-Dax schloss bei 6.343 Zählern - beflügelt von Kursgewinnen an den US-Börsen. Der Dow Jones stieg um 0,25 Prozent. Die Nasdaq und der S&P 500 dagegen notierten nahezu unverändert. Es sei immer noch jede Menge Liquidität vorhanden, die nach Anlagemöglichkeiten suche, meinte ein Börsianer.

Gute Nachrichten von Caterpillar und Whirlpool

Die bisher gut verlaufene Berichtssaison macht den Anlegern Mut. Sie rechnen mit weiter positiven Überraschungen in Deutschland. Die neuesten Zahlen von den US-Firmen bestärkten sie. So kehrte der weltgrößte Baumaschinenhersteller Caterpillar im ersten Quartal in die Gewinnzone zurück und hob seine Prognose für das Gesamtjahr an. Die Aktie stieg um über fünf Prozent. Das zeuge für die Stärke in der Industrie und dem verarbeitenden Gewerbe, meinte ein Analyst. Der Haushaltsgerätehersteller Whirlpool überraschte noch mehr. Dank starker Nachfrage in Lateinamerika und Asien verdiente Whirlpool 164 Millionen Dollar. Vor Sonderposten betrug der Gewinn 2,51 Dollar je Aktie vor Sonderposten und lag damit fast doppelt so hoch wie von Analysten prognostiziert. Die Whirlpool-Aktie schnellte fast 13 Prozent nach oben.

Nächster Akt im griechischen Drama
Selbst die schwindende Hoffnung auf eine baldige Lösung der Griechenland-Krise konnte die gute Börsen-Stimmung nicht trüben. Nur der Euro litt. Er ging auf 1,3330 Dollar zurück. "Am Markt setzt sich zunehmend das Gefühl durch, dass Griechenland ein Fass ohne Boden sein könnte", erklärte Devisenexperte Eugen Keller vom Bankhaus Metzler. Die strikten Sparmaßnahmen Athens könnten das Wirtschaftswachstum belasten. Zwar signalisierten am Montag Kanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Athen finanzielle Unterstützung - allerdings nur unter der Bedingung harter und nachhaltiger Reformen. Mehrere deutsche Politiker warnten vor einer zu raschen Zusage von Finanzhilfen für Griechenland. Der griechische Finanzminister machte indes klar, dass das Land bis zum 19. Mai eine Milliardenhilfe brauche.

Angesichts der wachsenden Skepsis kletterten die Renditen für zehnjährige griechische Staatsanleihen auf 9,52 Prozent - den höchsten Wert seit Einführung des Euro. Thomas Straubhaar, Leiter des Hamburger WeltwirtschaftsInstituts HWWI, kritisierte die geplanten Milliarden-Hilfen für das Land an der Ägais heftig. "Das Ende des griechischen Dramas ist erst der Anfang einer europäischen Tragödie", sagte er. Wenn man Griechenland rette, werde man auch Portugal, Italien, Irland oder Spanien eine Hilfe nicht verweigern können. "Das ist für Spekulanten eine Einladung für eine Attacke auf weitere Euro-Länder", meinte er.

Spekulationen um eine Umschuldung griechischer Anleihen erteilte Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde eine Absage. Das sei ausgeschlossen, sagte sie in New York. Eine Umschuldung würde viele deutsche Banken treffen, die Gläubiger des griechischen Staats sind.

Vorschusslorbeeren für Siemens...
Der Blick der Anleger richtete sich zu Wochenbeginn eher auf die nahenden Unternehmenszahlen. Die Aussicht auf weitere positive Überraschungen in der deutschen Quartalsberichtssaison beflügelte die Stimmung. Beispiel Siemens: Medienberichte vom Wochenende lösten Spekulationen aus, dass der Konzern für das Geschäftsjahr 2009/10 seine Ergebnisprognose anheben werde - auf mehr als 7,5 Milliarden Euro. Bisher war lediglich ein Ergebnis von 6,0 bis 6,5 Milliarden Euro angepeilt worden. Analysten können sich eine Prognose-Anhebung gut vorstellen. Denn bereits in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahrs 2009/10 dürfte Siemens rund vier Milliarden Euro operativ verdient haben. Die Siemens-Aktie legte fast vier Prozent zu und war größter Gewinner im Dax.

... und für die Commerzbank
Auch den deutschen Banken werden starke Zahlen zugetraut. Laut dem "Platow Brief" soll der Gewinn der Commerzbank im ersten Quartal besser ausgefallen sein als erwartet. Prompt stiegen die Aktien der Commerzbank um 2,5 Prozent, die Papiere der Deutschen Bank gar um fast drei Prozent. Die Deutsche Bank legt am Dienstag, die Commerzbank am 6. Mai ihre Zahlen vor. Einen Magazinbericht über den Verkauf ihrer Immobilien- und Leasingtochter Commerz Real dementierte die Commerzbank derweil.

Katar bleibt Daimler treu
Erneut auf der Gewinnerspur befanden sich die Autowerte. Die Aktien von BMW und Daimler notierten 1,5 Prozent höher. Am Nachmittag wurde bekannt, dass der Großaktionär Kuwait seine Anteile an Daimler auf über fünf Prozent erhöht hat. Am Dienstag präsentiert der schwäbische Autobauer seine endgültigen Quartalszahlen.

Auftrieb für Stahlwerte
Andere konjunkturabhängige Werte wie Stahlaktien waren ebenfalls gefragt. Die Papiere von ThyssenKrupp verteuerten sich um 1,5 Prozent auf über 25 Euro. Die Aktien von Branchenprimus Arcelor Mittal stiegen in Paris um über drei Prozent.

Merck drohen Kürzungen
Dagegen standen vor allem defensive Werte auf der Verliererseite. Schlusslicht war die Merck-Aktie mit einem Minus von einem Prozent. Die Analysten der Citigroup befürchten nämlich, dass mögliche Kürzungen bei den Arzneimittelausgaben in Europa Merck belasten werden. Die Experten stuften Merck daher von "Hold" auf "Sell" herab und gaben als neues Kursziel 56 Euro aus.

Kann auch Conti überraschen?
Der MDax erreichte mit 8.641 Zählern ebenfalls ein neues 19-Monats-Hoch. Seit Jahresbeginn hat sich die zweite Börsenliga sogar deutlich besser entwickelt als der Dax. Zu den größten Gewinnern zählte am Montag die Aktie von Conti. Laut einem Medienbericht soll der Autozulieferer die Prognosen im ersten Quartal übertroffen haben. Außerdem soll das Rating für die im Mai geplante Unternehmensanleihe um zwei Stufen besser ausfallen als vor der Anleihe-Begebung im Februar, die gescheitert war.

HeidelDruck und Gildemeister brechen aus
Charttechnische Gründe trieben die Aktien von Gildemeister und HeidelbergerDruck nach oben. Sie gewannen fast vier Prozent. Die HeidelDruck-Aktie hatte am Freitag ihre 200-Tage-Linie überschritten.

Kuka-Chef bleibt bis Ende 2013
Neues gab's von Kuka am Abend: Das SDax-Unternehmen hält an seinem Übergangschef Till Reuter auch in den kommenden Jahren fest. Der Vertraute des Kuka-Großaktionärs Grenzebach bleibe bis Ende 2013 Vorstandschef. Sein Aufsichtsratsmandat werde er aber niederlegen. Reuter habe in kurzer Zeit bewiesen, dass er Kuka zu alter Stärke zurückführen könne, meinte Aufsichtsratschef Bernd Minning. In diesem Jahr wird der Roboterbauer jedoch erneut rote Zahlen schreiben. Erwartet wird ein Verlust von 30 Millionen Euro. Reuter will Kuka unabhängiger von der Autobranche machen. Die Kuka-Aktie notierte etwas höher.

Indus enttäuscht
Schlusslicht im SDax war die Indus-Aktie mit einem Minus von fast vier Prozent. Die Beteiligungsfirma hat nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr die Dividende von 80 auf 50 Cent je Aktie gekürzt. Im Krisenjahr 2009 war der Umsatz um 16 Prozent auf 770 Millionen Euro geschrumpft, der Überschuss brach um 60 Prozent auf 11,4 Millionen Euro ein.

Grünes Licht für Air Berlin
Zu den Verlierern zählte auch Air Berlin. Nach Xetra-Börsenschluss wurde bekannt, dass das Bundeskartellamt grünes Licht für die Aufstockung der Anteile an der österreichischen Fluggesellschaft Niki auf 49,9 Prozent gegeben habe. Air Berlin und die Gesellschaft des früheren Formel-1-Piloten Niki Lauda sind seit 2004 Partner.

Kabel Deutschland wächst mit Internet und Telefonie
Einen leichten Anstieg seiner Abonnenten-Zahlen gab Börsenneuling Kabel Deutschland bekannt. Die Zahl stieg im vierten Quartal des Geschäftsjahrs 2009/10, das am 30. März endete, um 3,6 Prozent auf über zwölf Millionen. Vor allem bei Internet- und Telefon-Abonnenten verzeichnete Kabel Deutschland Zuwächse. Die Kabel-Deutschland-Aktie konnte leicht zulegen.

Wallstreet Online macht weniger Minus
Dank Kostensenkungs-Maßnahmen hat der Finanzportal-Betreiber Wallstreet Online im ersten Quartal den Verlust reduziert. Das Minus betrug 267.000 Euro - nach einem Verlust von 416.000 Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz schrumpfte von 713.000 auf 575.000 Euro. Axel Springer ist mehrheitlich an Wallstreet Online beteiligt.

WCM vor Comeback?
Die Immobiliengesellschaft WCM steht vor einer Renaissance. Das Insolvenzverfahren sei erledigt, die WCM sei bereit zur Reaktivierung, sagte der frühere Großaktionär Karl Ehlerding in der Presse. WCM sei inzwischen vollkommen schuldenfrei und habe keinerlei Altlasten mehr. Anfang Juli soll eine außerordentliche Hauptversammlung den Neustart beschließen. WCM wolle sich vorwiegend auf Erwerb und Vermietung von Gewerbeimmobilien großer Konzerne konzentrieren, sagte Ehlerding, laut der Financial Times Deutschland einer "der umstrittensten Investoren der Republik". Die Aktien legten zeitweise kräftig zu, rutschten dann aber im Tagesverlauf ins Minus - bei hohen Umsätzen. Mit 15 Cent notiert das Papier allerdings auf Niedrigst-Niveau.

TomTom und Canon überzeugen
Unter den ausländischen Titeln stach die TomTom-Aktie mit einem Kursaufschlag von mehr als elf Prozent positiv hervor. TomTom hat sich auf dem hart umkämpften Markt für Navigationssysteme behaupten können und seinen Umsatz im ersten Quartal um 26 Prozent steigern können auf 268 Millionen Euro. Der Gewinn kletterte auf 3,0 Millionen Euro nach einem Verlust von 37 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Damit übertraf TomTom die Markterwartungen deutlich.

Auch der weltgrößte Hersteller von Digitalkameras, Canon, hat eine beeindruckende Quartalsbilanz vorgelegt: Dank der regen Nachfrage nach Kameras und Druckern hat Canon sein Betriebsergebnis mehr als vervierfachen können. Die positive Quartalsbilanz macht Canon Mut mit Blick auf das Gesamtjahr 2010: Nun rechnet der Sony-Rivale mit einem Betriebsergebnis von 360 Milliarden Yen statt bisher 330 Milliarden Yen.

Milliardendeal im US-Autovermietungsgeschäft
Für Gesprächsstoff in den USA sorgte eine Milliarden-Übernahme im Autovermietungsgeschäft. Hertz will den kleineren Rivalen Dollar Thrifty für rund 1,2 Milliarden Dollar schlucken und seine internationale Marktposition ausbauen. Hertz bietet den Aktionären 41 Dollar je Anteilsschein - ein Aufschlag von knapp sechs Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag. Die Aktie von Dollar Thrifty schnellte daraufhin um über zehn Prozent in die Höhe, Hertz gewann sogar 15 Prozent.

US-Regierung beginnt mit Ausstieg bei Citigroup
Deutlich im Minus notierte die Aktie der Citigroup im Dow Jones. Die US-Regierung hat mit dem angekündigten Ausstieg begonnen und Morgan Stanley mit der Veräußerung von zunächst 1,5 Milliarden Aktien beauftragt. Insgesamt besitzt die US-Regierung 7,7 Milliarden Citi-Aktien und damit 27 Prozent der einst größten Bank der Welt. Sollten die Aktien auf dem aktuellen Niveau von 4,70 Dollar verkauft werden, würde das US-Finanzministerium noch ein Geschäft machen. Es hatte die Anteile zu je 3,25 Dollar erworben.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"