Marktbericht 20:05 Uhr

Aktienmärkte bleiben angeschlagen Schwierige Börsenwoche

Stand: 14.08.2015, 20:05 Uhr

Turbulente Handelstage liegen hinter den Anlegern. Nach dem Kursrutsch zu Wochenbeginn hat sich der Dax zwar inzwischen stabilisiert. Echte Erholungs-Versuche gab es aber auch am Freitag nicht.

Fast 500 Punkte Wochenverlust, das müssen Investoren im deutschen Leitindex erst einmal verdauen. Auf die Eingriffe der chinesischen Notenbank gegen den Yuan folgte eine Schockwelle an den Aktienmärkten, die noch immer nicht bewältigt ist.

China, USA, Euroland

Dazu kommen Zweifel, ob die Konjunktur nicht nur China, sondern auch den USA und in Euro-Land wieder Tritt fasst. Signale einer wirtschaftlichen Erholung in den USA sind zudem eng verknüpft mit der Erwartung, dass die US-Notenbank Fed im September die Leitzinsen erhöhen könnte.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 20.15 Uhr

Auch die Konjunkturdaten vom Freitag lassen Zweifel an einem baldigen Zinsschritt zurück. Am Nachmittag wurde zwar eine steigende Industrie-Produktion gemeldet. Doch der wenig später veröffentlichte US-Verbrauchervertrauensindex der Uni Michigan fiel überraschend. Kein klares Bild also.

Bereits am Morgen waren Zahlen zum Wachstum in der Eurozone im zweiten Quartal eingetrudelt, die ebenfalls enttäuschten. So ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Gemeinschaft nur um 0,3 Prozent gestiegen, weniger als in Q1. Vor allem in Italien und Frankreich kommt die Konjunktur nicht in Schwung.

Dax kämpft um die 11.000

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.341,00
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-0,11%

An der Tausendermarke arbeitet sich der Index weiterhin ab. Am Freitag wurde der Xetra-Handel knapp unter 11.000 Punkten beendet, im abendlichen Parketthandel ging es dank etwas festerer US-Börsen wieder über diese Schwelle.

Euro schwankt gegensätzlich

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1419
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+0,03%

Auch der Euro hat eine turbulente Woche hinter sich. Bei einem Dollarkurs von 1,09 ging die Gemeinschaftswährung am Montag in den Handel. Am Donnerstag wurden dann 1,12 Dollar je Euro erreicht. Am Freitagabend rutschte der Euro wieder in Richtung 1,11 Dollar.

K+S und die Übernahme-Spekulation

Aktien des Salz- und Düngemittel-Unternehmens von K+S schlossen den Freitagshandel als Dax-Gewinner ab. Anleger spekulieren hier auf ein höheres Übernahmeangebot für die Kasseler durch den US-Rivalen Potash. Diese Hoffnung wurde gestern durch gute Quartalszahlen noch verstärkt.

Defensive Titel mit Aufschlägen

Vermeintlich sichere, konjunkturresistente Titel waren am Freitag besonders gefragt. So schlossen Aktien von Fresenius oder Beiersdorf mit Gewinnen. Genau wie Papiere des Konsumgüter-Konzerns Henkel. Das Unternehmen hatte am Mittwoch Quartalszahlen vorgelegt, die zu einem vorübergehenden Kursrutsch geführt hatten.

Allianz hadert mit Stürmen und Lebensversicherungen

Der Versicherungsriese hat am Nachmittag Details zu seinem Deutschland-Geschäft veröffentlicht. Danach ging das operative Ergebnis um sieben Prozent auf 1,2 Milliarden Euro im ersten Halbjahr zurück. Der Umsatz schrumpfte um drei Prozent auf 16,6 Milliarden Euro. Schlechtere Geschäft mit Lebensversicherungen und Belastungen in der Sachversicherung durch Stürme schlugen hier durch.

Hat die Deutsche Bank ein Russland-Problem?

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,60
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Befürchtungen, die Bank könnte wegen angeblicher Geldwäsche in Russland stärker bestraft werden als bislan gedacht, sorgten für Kursverluste bei der Aktie des deutschen Bankenprimus. Der "Spiegel" hatte vorab über Milliarden-Belastungen für die betroffenen Branchenvertreter gemutmaßt.

Nestlé verklagt Südzucker

Der Schweizer Lebensmittel-Konzern geht gerichtlich gehen das "Zuckerkartell" vor, dem auch das MDax-Unternehmen angehört haben soll. Nestlé habe Klage gegen insgesamt drei Unternehmen beim Landgericht Mannheim eingereicht. Bereits im vergangenen Jahr hatte Südzucker ein Bußgeld wegen Preisabsprachen zahlen müssen. Die Aktie des Unternehmen reagierte am Freitagabend kaum auf die Meldung.

SMA weiter beflügelt

Aktien des letzten Solar-Unternehmens im TecDax legten erneut kräftig zu. SMA hatte am Vortag wieder schwarze Zahlen in Aussicht gestellt, die Deutsche Bank hat den Titel daraufhin zum Kauf empfohlen. Für Erleichterung in der deutschen Branche dürfte auch sorgen, dass die EU-Kommission Strafzölle für Solarglas aus China erheben will.

Immobilienaktien heiß begehrt

Nach der Deutschen Euroshop und der Deutsche Wohnen am Vortag hat nun ein drittes MDax-Unternehmen aus dem Immobiliensektor gute Zahlen vorgelegt. LEG Immobilien steigerte die wichtige Ergebniskennziffer FFO im ersten Halbjahr um fast ein Viertel auf 101,4 Millionen Euro. Zudem schraubte LEG seine Ziele hoch. 2015 wird nun ein FFO von 200 bis 204 Millionen Euro angepeilt. Bislang sollten es 195 bis 200 Millionen sein.

SDax-Firmen liefern Zahlen

Gleich vier Unternehmen aus dem Nebenwerteindex legten am Freitag Geschäftszahlen vor. Die wurden allerdings überwiegend mit Kursverlusten quittiert. Am stärksten war das Minus bei Titeln von GfK, die fünf Prozent verloren. Der Überschuss des Meinungsforschungs-Instituts ging im zweiten Quartal um mehr als fünf Prozent auf knapp 20 Millionen Euro zurück.

Auch die Ergebnisse der Beteiligungsfirma Gesco sorgten nicht für Begeisterung. Dabei ist das Unternehmen mit kräftigen Zuwächsen bei Umsatz und Auftragseingang ins Bilanzjahr 2015/16 gestartet. Die Erlöse stiegen um 8,4 Prozent auf 118,7 Millionen und die Bestellungen um 15,3 Prozent auf 126,7 Millionen Euro. Das operative Ergebnis allerdings schrumpfte auf 6,6 (Vorjahr: 6,9) Millionen Euro.

Tele Columbus und Hella mit Steigerungen

Eigentlich gute Zahlen, aber dennoch sinkende Kurse bei Deutschlands drittgrößtem Kabelnetzbetreiber. Tele Columbus hat dank neuer Kunden mehr Geld verdient. Das Betriebsergebnis sei im zweiten Quartal um neun Prozent auf 27,2 Millionen Euro gestiegen. Die Zahl der Internet- und Telefonverträge stieg im Quartal um 12 Prozent beziehungsweise 26 Prozent.

Auch Börsenneuling Hella ist auch Wachstumskurs, die Aktie gab am Freitag dennoch leicht nach. Der Scheinwerferhersteller Hella sieht sich weiter auf Wachstumskurs. Hella-Chef Rolf Breidenbach teilte mit, der Börsenneuling peile in dem seit Juni laufenden Bilanzjahr 2015/16 bei Umsatz und operativem Ergebnis (Ebit) Zuwachsraten im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich an. Im Vorjahr hatte die Firma aus dem westfälischen Lippstadt bei einem Umsatzplus von 9,2 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro ein Ebit von 430 (Vorjahr: 399) Millionen Euro erzielt.

Ströer frohlockt nach T-Online-Deal

Die geplante Übernahme der Telekom-Tochter T-Online bringt dem Werbe-Vermarkter Ströer Lob ein - zum Beispiel durch die Analysten von JPMorgan. Sie bewerten die Übernahme als "sehr attraktiv" und sprechen außerdem von guten Quartalszahlen. Das Kursziel haben sie auf 55 Euro angehoben. Die Aktie gewinnt im SDax weitere fünf Prozent.

Pfandbriefbank in den schwarzen Zahlen

Die HRE-Nachfolgerin Deutsche Pfandbriefbank pbb hat im zweiten Quartal deutlich zugelegt. Das Vorsteuerergebnis kletterte um 36 Prozent auf 61 Millionen Euro. Nach den ersten sechs Monaten stehen 112 Millionen Euro zu Buche, im Gesamtjahr soll der bereinigte Vorjahreswert von 174 Millionen leicht übertroffen werden. Die pbb war im Juli an die Börse zurückgekehrt. Damit wurde eine Auflage der EU erfüllt, die im Gegenzug für die milliardenschweren Staatshilfen der Hypo Real Estate in der Finanzkrise eine Privatisierung gefordert hatte.

AB

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"