Marktbericht 20:08 Uhr

Dax hui, Dow pfui Mühsamer Start ins zweite Quartal

Stand: 01.04.2015, 20:08 Uhr

Zweigeteilte Börsen-Welt: Während Europas Aktienmärkte mit kleinen Kursgewinnen in das neue Quartal starteten, gab die Wall Street nach. Unerwartet schwache Konjunkturdaten verunsicherten die Anleger.

Was ist los mit der US-Wirtschaft? Immer mehr Daten und Frühindikatoren deuten daraufhin, dass sich die Konjunktur der weltgrößten Volkswirtschaft abkühlt. Die US-Industrie wuchs im März so langsam wie zuletzt vor knapp zwei Jahren. Der ISM-Einkaufsmanagerindex sank auf 51,4 Punkte. Ökonomen hatten mit 52,5 Zählern gerechnet.

Ernüchternde US-Jobdaten

Auch der Aufschwung am US-Arbeitsmarkt schwächelt. Im privaten Sektor wurden im März nur 189.000 neue Stellen geschaffen. Das war der schwächste Zuwachs seit Januar 2014. Volkswirte hatten mit einem Anstieg von 225.000 neuen Jobs gerechnet. Der ADP-Bericht ist ein negatives Omen für die US-Arbeitsmarktdaten, die am Karfreitag anstehen.

Kommt die Zinswende später?

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 20.15 Uhr

Die neuesten Job-Daten dämpfen die Aussicht auf eine rasche Zinswende. Viele Experten rechnen im Juni oder in den späten Sommermonaten mit einer Anhebung der Leitzinsen. Manche Ökonomen sind da nicht so sicher. Goldman-Sachs-Volkswirt Jan Hatzius glaubt, dass sich die Notenbank bis Ende des Jahres oder gar bis Anfang 2016 Zeit lassen wird.

Wall Street im Rückwärtsgang

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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An der Wall Street hielten sich die Anleger vor dem Arbeitsmarktbericht spürbar zurück. Der Dow setze seine gestrige Talfahrt fort und lag zwei Stunden vor Handelsschluss 0,4 Prozent im Minus. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,5 Prozent auf 2.058 Zähler. Die Nasdaq sank gar um 0,8 Prozent.

Dax behauptet sich bei über 12.000 Punkten

Während die Wall Street seit Jahresbeginn stagniert, befinden sich die europäischen Aktienmärkte kräftig im Aufwind. Der Dax hat alleine im ersten Quartal 22 Prozent zulegen können - dank der Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Euro-Schwäche. Zum Beginn des zweiten Quartals knüpfte der Dax an das Rekordquartal an. Er gewann zeitweise über ein Prozent auf 12.113 Zähler. Im Sog der schwächeren Wall Street gab er einen Teil der Gewinne wieder ab und schloss 0,3 Prozent höher bei ganz knapp über der Marke von 12.000 Punkten. Der EuroStoxx50 legte 0,5 Prozent zu.

Euro rappelt sich auf

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der ADP-Arbeitsmarktbericht beflügelte den Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung klettert bis zum Abend auf bis 1,0775 US-Dollar. Zudem kam die Industrie der Eurozone im März besser in Schwung als gedacht, wie aus dem Einkaufsmanagerindex von Markit hervorging.

Öl wird wieder teurer

Der Rückgang der Ölförderung in den USA um 36.000 Barrel auf 9,39 Millionen Barrel trieb die Ölpreise an. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um gut zwei Dollar auf 57,13 Dollar je Barrel. Der Preis für die US-Sorte WTI zog ähnlich stark auf 49,55 Dollar an. Zuletzt hatte das Überangebot auf dem Weltmarkt die Ölpreise belastet.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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ThyssenKrupp an der Dax-Spitze

Im Dax standen Industrie- und Bankenwerte ganz opben in der Gunst der Anleger . Mit einem Plus von rund zwei Prozent waren die Titel von ThyssenKrupp Spitzenreiter. Die französische Großbank Société Générale hat die Aktien zum Kauf empfohlen. Weil das Geschäft außerhalb des Stahlbereichs immer mehr zum operativen Ergebnis beiträgt, sieht die Bank hohes Kurspotenzial für die Papiere des Industriekonzerns.

Commerzbank kündigt mutmaßlichen Steuersündern

Ebenfalls gefragt waren Bankenwerte. Der europäische Bankenindex stieg um rund ein Prozent. Davon profitierte die Commerzbank, die mit einem Plus von rund 1,6 Prozent auf Platz zwei der Top-Gewinner im Dax rangierte. Informationen von SZ, WDR und NDR hat die Luxemburger Tochter der Commerzbank die mutmaßlichen Schwarzgeld-Konten von 400 Kunden zum 30. April gekündigt. Diese Kunden hätten nicht auf wiederholte Aufforderungen der Bank reagiert, Selbstanzeige beim Finanzamt zu stellen. Die Commerzbank wollte dazu keine Stellung nehmen.

Daimler-Boss bleibt bis Ende 2019

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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-1,15%

Daimler läutete am Mittwoch die heiße Phase der Hauptversammlungs-Saison ein. Auf dem Aktionärstreffen in Berlin bekam Daimler-Chef Dieter Zetsche viel Lob und Rückendeckung vom Aufsichtsrat. Er soll weitere drei Jahre das Steuer von Daimler lenken, kündigte Aufsichtsratschef Manfred Bischoff an. Damit kann "Dr. Z." weiter sein Ziel vorantreiben, bis 2020 Daimler zum größten Premiumhersteller der Welt zu machen. "Wir haben bei Daimler viel erreicht, aber wir haben noch mehr im Blick", gab sich Zetsche angriffslustig. Die Daimler-Aktie schloss 0,3 Prozent im Plus.

VW fährt in den USA hinterher

Dagegen waren die beiden anderen deutschen Autowerte VW und BMW Schlusslichter im Dax, nachdem sie im ersten Quartal stark gelaufen waren. Schwache US-Absatzzahlen belasteten zusätzlich VW. Der Absatz der Kernmarke fiel im März erneut um 18 Prozent. BMW konnte hingegen fast sieben Prozent mehr Fahrzeuge verkaufen. Mercedes erzielte Zuwächse von über neun Prozent.

Lufthansa-Aktie fällt weiter

Der mit einem Quartalsminus von 5,4 Prozent zweitschlechteste Dax-Wert, die Lufthansa-Aktie, gehörte heute erneut zu den Verlierern. Die Lufthansa wusste nach eigenen Angaben vom Dienstagabend bereits im Jahr 2009 von einer "schweren depressiven" Erkrankung des damaligen Flugschülers und späteren Co-Piloten der Germanwings-Unglücksmaschine.

Erste Streiks bei der Post

Bei der Deutschen Post hat die Gewerkschaft Verdi wie angekündigt mit Streiks begonnen. So waren Arbeitnehmer in Brief- und Paketzentren in Baden-Württemberg aufgerufen, in den Ausstand zu treten. Mit den Warnstreiks will Verdi im Tarifkonflikt um kürzere Wochenarbeitszeiten erste Nadelstiche setzen.

Österreicher steigen bei Jenoptik aus

Im TecDax büßte die Jenoptik-Aktie über vier Prozent ein. Der größte Einzelaktionär hat sich nämlich von einem Großteil seines Aktienpaketes getrennt. Die österreichische ECE Industriebeteiligungen GmbH hat die Platzierung von circa 10,5 Prozent des Grundkapitals der Jenoptik erfolgreich abgeschlossen. Die Veräußerung erfolgte in einem beschleunigten Bookbuilding-Verfahren in Form einer Privatplatzierung.

Capital Stage gibt sich spendabel

Im SDax erfreute Capital Stage seine Anteilseigner. Der Solar- und Windparkbetreiber will seinen Aktionären für das abgelaufene Geschäftsjahr eine um 50 Prozent höhere Dividende zahlen. Je Aktie beträgt die Ausschüttung 0,15 Euro nach 0,10 Euro im Vorjahr. Zugleich geht das Unternehmen davon aus, Umsatz und Gewinn weiter zu steigern. Die Aktie gewann 1,6 Prozent.

Tomorrow-Focus-Chef hört auf

Tomorrow Focus muss sich einen neuen Chef suchen. Toon Bouten wird seinen im März 2016 auslaufenden Vertrag nicht verlängern, teilte die Burda-Tochter mit. Mit der Neuausrichtung von Tomorrow Focus sehe der Niederländer seine Mission erfüllt. Vor kurzem hatte Tomorrow Focus sein Mediengeschäft mit den Portalen Focus Online und Huffington Post an die Konzernmutter Burda verkauft, um sich auf das Online-Reisegeschäft zu konzentrieren. Die Papiere von Tomorrow Focus stiegen um knapp ein Prozent auf über fünf Euro. Seit Jahresbeginn haben sie schon über 30 Prozent gewonnen.

Gigaset baut auf Smartphones

Aus der dritten Reihe hat Gigaset Jahreszahlen vorgelegt. Der Umsatz schrumpfte um gut zwölf Prozent auf rund 326 Millionen Euro. Immerhin halbierte sich der Verlust auf 16,6 Millionen Euro. In diesem Jahr setzt Gigaset seine Hoffnungen auf das Smartphone-Geschäft. Die Münchner wollen ihre ersten Geräte auf den Markt bringen. Die Aktien von Gigaset legen 1,5 Prozent zu.

Bio-Gate will wieder wachsen

Auch Bio-Gate blickt voller Zuversicht auf das laufende Jahr. Nach dem Umsatzrückgang von 14 Prozent auf 2,15 Millionen Euro im vergangenen Jahr sollen 2015 die Erlöse wieder steigen. Der Verlust soll sinken. Im vergangenen Jahr lag er bei 1,47 Millionen Euro. Die Anleger schöpfen Mut: die Aktien springen um rund drei Prozent an.

Alno bleibt in der Verlustzone

Knapp zehn Prozent brach die Alno-Aktie ein. Die Übernahme der AFP Küchen hat dem Küchenhersteller 2014 zwar ein gutes operatives Ergebnis von 40 Millionen Euro beschert. Doch unterm Strich standen mit minus 4,1 Millionen erneut rote Zahlen. Die Aktie hat einen langen schmerzhaften Niedergang hinter sich und ist mittlerweile ein Pennystock.

Rosneft einigt mit sich Ex-Yukos-Aktionären

Der russische Erdölriese Rosneft hat jahrelange Rechtsstreitigkeiten mit ehemaligen Aktionären des zerschlagenen Yukos-Konzerns beigelegt. Mit der Einigung würden alle Verfahren eingestellt, ohne dass Zahlungen geleistet würden, teilte Rosneft mit. Das Abkommen betrifft nicht die Verfahren gegen den russischen Staat. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte ehemaligen Aktionären Ende Juli 2014 Entschädigungen von fast 1,9 Milliarden Euro zugesprochen. Die Rosneft-Aktie stieg um über drei Prozent.

Erfolgreiches IPO von GoDaddy

An der New Yorker Börse stand ein Internet-Unternehmen im Rampenlicht. Der Webhoster GoDaddy legte ein furioses Börsen-Debüt hin. Die Aktie startete 32 Prozent über dem Ausgabekurs von 20 Dollar. Insgesamt konnte das Unternehmen 23 Millionen Aktien losschlagen und 460 Millionen Dollar einnehmen.

Monsanto verdient weniger

Über drei Prozent legten die Aktien von Monsanto zu. Der US-Agrarkonzern verfehlte zwar im zweiten Geschäftsquartal die Erwartungen der Analysten. Der Gewinn schmolz um 15 Prozent. Allerdings konnte das Unternehmen seine Anteilseigner mit den Wachstumsplänen im Geschäft mit genmodifizierten Sojabohnen überzeugen.

nb

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"