Schwarzes Gold bringt Düsternis

Detlev Landmesser

Stand: 06.06.2008, 20:35 Uhr

Am Freitagabend brachen die Aktienkurse noch weiter ein. Grund war ein drastischer Preissprung am Ölmarkt. Zuvor hatten die US-Arbeitsmarktdaten den Kursen geschadet.

In New York schnellte der richtungsweisende Öl-Future um mehr als elf Dollar pro Barrel nach oben. Bis zur Stunde erreichte die Notierung der Sorte WTI einen Höchstwert von 138,89 Dollar, was mehr als drei Dollar über dem bisherigen Rekordstand liegt.

Für den Preisschub machen Händler neben den jüngsten Spannungen zwischen Israel und dem Iran den Schwächeanfall des Dollar verantwortlich. Dieser ging gegenüber dem Euro kontinuierlich zurück: Von knapp unter 1,56 Dollar kletterte der Wert der Gemeinschaftswährung bis zum Abend auf über 1,5760 Dollar.

Zur Stunde verzeichnen die großen US-Indizes kräftige Verluste von jeweils über 2,2 Prozent. Der L-Dax schloss 2,35 Prozent tiefer bei 6.802,84 Punkten.

Bis zum Nachmittag waren die Verluste bei Aktien und Dollar vor allem auf die schwachen US-Arbeitsmarktdaten im Mai zurückzuführen. Diesmal richteten die Anleger ihr Augenmerk vor allem auf die Arbeitslosenquote in den USA, die überraschend stark von 5,0 auf 5,5 Prozent schnellte. Volkswirte hatten nur mit einem leichten Anstieg auf 5,1 Prozent gerechnet. Die auf einer anderen Erhebung beruhende Beschäftigtenzahl sank dagegen mit minus 49.000 zum Vormonat weniger stark als erwartet. Hier hatten die Experten mit einem Rückgang um 60.000 gerechnet. Allerdings wurde der Beschäftigungsabbau für die Monate März und April um insgesamt 15.000 Stellen höher als bislang ausgewiesen.

Nicht zuletzt die Aktien der Fluggesellschaften litten unter dem neuerlichen Preisschub am Ölmarkt. Die Lufthansa-Aktie verlor 4,5 Prozent, im SDax büßte Air Berlin 5,9 Prozent ein.

Adidas im EM-Fieber

Die Adidas-Aktie hielt sich bis zum Schluss an der Dax-Spitze, wenn auch nur noch mit einem bescheidenen Plus. Vorstandschef Herbert Hainer sagte in einem Zeitungsinterview, dass der Sportartikelhersteller bereits 80 Prozent seines geplanten Jahresumsatzes erreicht habe. Adidas mache "rapide" Fortschritte in Asien und Europa, sagte Hainer.

BMW steigert Absatz
Die BMW-Aktie brach um 4,4 Prozent ein. Dabei hat der Autobauer seinen Absatz im Mai erneut gesteigert. Weltweit verkaufte der Dax-Konzern knapp 133.500 Autos und damit 3,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Vor allem der Mini verkaufte sich mit einem Plus von 14,2 Prozent außerordentlich gut.

Siemens kauft mehr von sich
Die einstige Infineon-Mutter Siemens kündigte am Nachmittag an, ihr laufendes Aktienrückkaufprogramm ab Montag fortzusetzen. Die nächste Tranche werde erneut ein Volumen von bis zu zwei Milliarden Euro haben. Insgesamt will Siemens im Rahmen des laufenden Programms eigene Aktien von bis zu zehn Milliarden Euro erwerben. Von Ende Januar bis Anfang April 2008 hatte der Konzern dafür bereits rund zwei Milliarden Euro investiert.

Tui-Großaktionär Fredriksen stockt Anteil auf
Der streitbare Tui-Aktionär John Fredriksen hat seinen Anteil an dem Reise- und Schifffahrtskonzern erneut erhöht. "Allerdings haben wir noch keine weitere Meldeschwelle erreicht", sagte sein Vertrauter Tor Olav Troim am Freitag zu Reuters - das wäre die Schwelle von 15 Prozent. Zuletzt hatte Fredriksen einen Anteil von 11,7 Prozent gehalten. Laut der "Welt" (Samstagausgabe) will Fredriksen dem Verkauf der Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd nur dann zustimmen, wenn ein Preis erzielt wird, der über den Erwartungen der Analysten liegt. Derzeit werde damit gerechnet, dass Tui für die Reederei etwa fünf Milliarden Euro abzüglich Schulden erzielen kann.

Areva-Ausstieg belastet Repower
Nachdem der französische Atomkonzern Areva seinen 30-prozentigen Repower-Anteil an den Mehrheitsaktionär Suzlon verkauft hat, entweicht die letzte Fantasie um einen Bieterwettkampf aus dem TecDax-Titel. Die indische Suzlon hatte im Mai 2007 Anteile an Repower übernommen und kontrollierte zuletzt knapp 87 Prozent der Stimmrechte, aber nur rund 34 Prozent am Grundkapital.

Mai-Flaute bei den Brokern
Im SDax verlor die Comdirect-Aktie 0,5 Prozent. Im Mai führte der Onlinebroker deutlich weniger Kundenaufträge aus. Das Unternehmen wickelte knapp 615.000 Wertpapierorders ab, nach etwa 650.000 im April. Die Kundenzahl erhöhte sich auf 1,18 Millionen.

Der wesentlich kleinere Onlinebroker Sino führte im Mai etwa ein Drittel weniger Orders aus als vor einem Jahr. Im Vergleich zu April sank die Zahl der Kundenaufträge um 17,4 Prozent. Sino bezeichnete die 82.900 Orders im Mai als "nicht zufriedenstellend", wies jedoch darauf hin, neun Neukunden gewonnen zu haben.

Easyjet steigert Passagierzahl
Der Billigflieger Easyjet hat im Mai bei etwas geringerer Auslastung deutlich mehr Fluggäste befördert als vor einem Jahr. Die Zahl der Passagiere stieg um 15,9 Prozent auf 3,878 Millionen. Die Auslastung ging jedoch leicht um 0,4 Prozentpunkte auf 83,2 Prozent zurück. Die Easyjet-Aktie verlor wegen der Ölpreisrally kräftig.

Ahold besser als gedacht
Die Ahold-Aktie stand ebenfalls unter Druck, obwohl der niederländische Lebensmittelhändler im ersten Quartal seinen Gewinn um 8,3 Prozent steigern konnte. Sein Konzern habe netto 261 Millionen Euro verdient, sagte Ahold-Chef John Rishton. Analysten hatten 213 Millionen Euro erwartet. Rishton bezeichnete das wirtschaftliche Umfeld als "turbulent".

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