Schwarzer Montag

Lothar Gries

Stand: 20.04.2009, 20:02 Uhr

Die Aktienmärkte haben die neue Woche mit drastischen Verlusten begonnen. Sorgen über die Nachhaltigkeit der Erholung im Bankensektor und die immer noch am Boden liegende Konjunktur führen weltweit zu Gewinnmitnahmen.

Der Dax beendet den Abendhandel mit einem Minus von 4,35 Prozent bei 4.480 und damit mehr als 200 Punkte niedriger als am Freitag. Hatten die Verluste am Vormittag noch bei 100 Punkten gelegen, ging es im Lauf des Nachmittags immer mehr bergab. Am Schluss notierten alle 30 im deutschen Leitindex notierten Werte im Minus und mussten teilweise drastische Verluste hinnehmen.

Angeführt wird die Liste der Verlierer von der Deutschen Börse, gefolgt von Salzgitter, Deutscher Bank und MAN. Sie büßen jeweils mehr als acht Prozent ein. Noch schlimmer hat es die Nebenwerte erwischt. Der M-Dax verliert 5,7 Prozent und der TecDax knapp vier Prozent.

Analysten sprachen von einer technischen Reaktion. «Es war klar, dass der Dax nicht ungebremst weiter steigt, und es ging in den vergangenen Tagen zu schnell nach oben - da ist der Rücksetzer jetzt angebracht.», sagte ein Händler. Experten halten in einen Rückgang des Leitindex auf 4.000 bis 4.200 Punkte in den kommenden Tagen für möglich. Viel werde von den Quartalszahlen abhängen sowie von den Aussichten in den Monaten.

Auch in New York kam es am Abend zu massiven Gewinnmitnahmen. Gegen 20 Uhr europäischer Zeit summierten sich die Verluste des Dow Jones bereits auf knapp drei Prozent oder 245 Punkte unter dem Stand vom Freitag. Händler sprechen von einer technischen Gegenreaktion zu dem kräftigen Kursanstieg der letzten Wochen. "Der Markt war technisch stark überkauft und irgendwann entlädt sich das", hieß es.

Vorsichtiger Roubini
Der US-Ökonom Nouriel Roubini ist davon überzeugt, dass die jüngste Erholung noch keine Trendwende eingeläutet hat. Zwar deuteten die Zahlen einiger Unternehmen inzwischen auf eine Verlangsamung der Krise hin, doch ein baldiges Ende der Rezession könne daraus nicht abgeleitet werden. Die Erholung der letzten Wochen war also nur eine simple Bärenmarktrally in einem insgesamt weiter fallenden Markt.

Die skeptischen Konjunkturaussichten haben heute den Dollar gestützt. Die Us-Währung stieg auf ein Monatshoch. Der Euro fiel bis auf 1.29 Dollar und damit auf den niedrigsten Stand der letzten vier Wochen. Auch der Rohölpreis gab deutlich nach und rutschte um vier auf 46,20 Dollar pro Fass.

Bank of America warnt vor Kreditausfällen
Die Bank of America hat im ersten Quartal 4,2 Milliarden Dollar verdient. Die Einnahmen stiegen auf das Rekordniveau von 36 Milliarden Dollar. Die Investment-Tochter Merrill Lynch habe drei Milliarden Dollar zu dem Nettogewinn beigetragen. Allerdings warnt die Bank vor einer Verschlechterung der Kreditrisiken. Seine Vorsorge hat die BoA um 6,4 Milliarden Dollar aufgestockt. Die Kreditqualität habe sich in allen Geschäftsfeldern verschlechtert, erklärte das Institut. Das genügte, um die Aktie auf Talfahrt zu schicken.

Oracle bietet 7,5 Milliarden für Sun
Im Kampf um den US-Computerkonzern Sun Microsystems hat es eine überraschende Wendung gegeben. Nach dem Rückzug von IBM will jetzt der Softwarehersteller und SAP-Konkurrent Oracle den Konzern übernehmen, für 7,4 Milliarden Dollar inklusive Schulden. Das sind 9,50 Dollar je Aktie und damit 42 Prozent mehr als der Schlusskurs vom Freitag.

Leoni macht sich etwas Mut
Der Geschäftseinbruch des Autozulieferers Leoni hat sich nach Einschätzung von Firmenchef Klaus Probst im vergangenen Monat abgeschwächt. "Im März ist der Umsatz nicht mehr um 40 Prozent zurückgegangen", sagte er. Im Januar und Februar habe das Geschäft des Kabel- und Bordnetzeproduzenten ein Minus beim Umsatz und Auftragseingängen in dieser Größenordnung verbucht. Mit Blick auf das Gesamtjahr sagte er: "Wir werden nicht wie im Vorjahr 2,9 Milliarden Euro Umsatz machen können." Genauer wurde er nicht. Die Aktie des MDax-Konzerns verliert fast 10 Prozent.

Eli Lilly überrascht mit guten Zahlen
Der US-Pharmakonzern Eli Lilly hat trotz der Krise seinen Umsatz im ersten Quartal um fünf Prozent steigern können. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen des Marktes. Der Gewinn wuchs sogar um 24 Prozent auf 1,313 Milliarden Dollar. Vor diesem Hintergrund bestätigte der Vorstand seine Prognose. Für das laufende Gesamtjahr ist ein Überschuss zwischen 4 und 4,25 Dollar pro Aktie geplant.

Henkel ernennt Frau an AR-Spitze
Die 40-jährige Ur-Ur-Enkelin des Firmengründers Fritz Henkel, Simone Bagel-Trah, soll im September Chefin des Aufsichtsrats des Konzerns werden. Der derzeitige AR-Vorsitzende Albrecht Woeste will seine Ämter aus Altersgründen kurz vor seinem 74.
Geburtstag niederlegen. Die Henkel-Familie hält über 50 Prozent der Stammaktien des Konzerns.

Arcandor vor Radikalumbau
Der Handels- und Touristikkonzern kämpft ums Überleben. Dazu schaut er auch in öffentliche Fördertöpfe, denn der Betreiber von Karstadt und Qualle braucht in den kommenden fünf Jahren mindestens 900 Millionen Euro, um sich zu sanieren. Außerdem stellt Arcandor 115 Quelle-Technikcenter, rund 1500 Quelle-Shops, acht Karstadt-Filialen sowie die Premiumhäuser wie das KaDeWe in Berlin zur Disposition. "Arcandor verkauft das letzte Tafelsilber", urteilte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Die Aktie verliert überdurchschnittlich.

Versatel ernennt neuen Chef
Der Telekommunikationsanbieter Versatel hat sich überraschend von Vorstandschef Peer Knauer getrennt. Knauer, der Versatel vor zwei Jahren an die Börse führte, wurde mit sofortiger Wirkung von seinem Amt entbunden. Über die Gründe machte Versatel keine Angaben. Nachfolger soll ab 9. Mai Allain D. Bandle werden, der früher im Management des Computer-Konzerns Dell arbeitete. Versatel schreibt seit längerem rote Zahlen.

K+S sieht Marktbelebung
Der Kasseler Düngemittelhersteller K+S sieht ein Ende der Nachfrageflaute im Kalidüngergeschäft. Für das zweite Halbjahr rechne K+S mit steigenden Absatzzahlen bei stabilen Preisen. Vorstandschef Norbert Steiner hatte zuvor dem Magazin "Euro" gesagt, dass die Landwirtschaft sich wohl früher wieder erholen werde als andere Branchen. Dennoch gehört die Aktie heute zu den größten Kursverlierern.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"