Schwarzer Freitag

Lothar Gries

Stand: 20.02.2009, 20:04 Uhr

Der Dax hat im Abendhandel kurzzeitig den Kampf um die psychologisch wichtige Marke von 4.000 Punkten verloren. Nur mit Mühe gelang es dem Index bis zum Handelsschluss, die Verluste wieder etwas zu reduzieren. Freuen können sich dagegen die Goldbesitzer.

Erstmals seit März 2008 hat der Goldpreis wieder die Marke von 1000 Dollar je Feinunze übersprungen. An der Rohstoffbörse in London mussten die Käufer am Abend für eine Feinunze des Edelmetalls bis zu 1005,78 Dollar hinblättern. Kurz zuvor waren bereits einige Terminkontrakte (Futures) für Gold über die 1000-Dollar-Marke gesprungen. Zuletzt lag der Spot-Preis für eine Feinunze noch bei 1004,38 Dollar und damit um 28,23 Dollar höher als am Vortag.

An den Aktienmärkten herrschte dagegen Ausverkaufsstimmung. Gedrückt wurden die Kurse vor allem von den US-Börsen. Bis zum Ende des Abendhandels in Frankfurt fiel der Dow-Jones-Index der Standardwerte um mehr als zwei Prozent auf 7293 Punkte. Grund sind Befürchtungen, dass der Rettungsplan der Regierung die Verstaatlichung weiterer Banken vorsehen könnte. An der Wall Street brechen die Titel der Citigroup um über 24 Prozent ein, die der Bank of America verlieren 21 Prozent.

Der Dax stürzt im Abendhandel um 4,73 Prozent, 198 Punkte, auf 4002. Die größten Kursverlierer sind auch in Frankfurt die Banken. Die Titel der Deutschen Bank sinken um 9,6 Prozent. Auch die Allianz und die Commerzbank geben mehr als acht Prozent ab. Zu dem Einbruch hat auch die anhaltende Unsicherheit über die Zukunft der Hypo Real Estate, sowie die weitegehende Aufhebung des Bankgeheimnisses in der Schweiz beigetragen. Zudem wurde bekannt, dass die Stahlproduktion in Deutschland im Januar um 35 Prozent gesunken ist.

Analysten zufolge geben die derzeitigen Wirtschaftsdaten keinerlei Anlass, auch nur ein kleines Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Auch die Prognosen der Banken und Industrieunternehmen stünden auf sehr wackeligen Beinen, hieß es.

Run auf Staatsanleihen
Es kann also nicht überraschen, dass die Anleger heute ihr Heil wieder bei den Staatsanleihen gesucht haben. Dort zogen die Kurse merklich an. Der für die europäischen Rentenmärkte richtungsweisende Bund-Future stieg zeitweise um 86 Ticks auf 125,57 Punkte und näherte sich damit dem Mitte Januar aufgestellten Kontrakthoch von 126,53 Punkten.

Daimler und BMW erteilen Opel eine Absage
Nach dem Münchener Autokonzern BMW hat auch der Stuttgarter Autobauer Daimler eine Beteiligung am angeschlagenen Konkurrenten Opel abgelehnt. "Daimler ist nicht an einer Übernahme interessiert", sagte ein Sprecher. Weitere Angaben wollte er nicht machen. Der neue CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt hatte zuvor eine nationale Rettungsaktion der Branche für Opel gefordert. Die heimischen Autobauer sollten ein Konzept zur Kooperation oder Übernahme der GM-Tochter vorlegen.

HRE: Steinbrück will wieder mit Flowers reden
Das Tauziehen um die Verstaatlichung der krisengeschüttelten Bank Hypo Real Estate (HRE) geht in die nächste Runde. Während der US-Investor Christopher Flowers erstmals eine konkrete Preisvorstellung für sein HRE-Aktienpaket nannte, will das Bundesfinanzministerium nach einer Woche Funkstille wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren. "Die Gespräche gehen weiter", sagte ein Sprecher der Behörde am Nachmittag. Details wurden noch nicht genannt. Ein Flowers-Sprecher wusste nach eigenem Bekunden noch nichts von der Einladung, begrüßte das Signal zur Gesprächsaufnahme aber. Flowers hält zusammen mit einem Hedgefonds 24 Prozent an der HRE und fordert drei Euro pro Aktie, zweieinhalb mal mehr als der derzeitige Kurs. Bei dem Kurs würde Flowers mehr als 150 Millionen
Euro für seinen Anteil bekommen.

Pirelli nun doch an Conti-Reifensparte interessiert
Der italienische Pirelli-Konzern signalisiert nun doch vorsichtig Interesse am Reifengeschäft des deutschen Konkurrenten Continental. "Wenn der Preis stimmt und wenn wir gebeten werden, an der Transaktion teilzunehmen, könnte es
interessant sein, das zu analysieren - aber nur wenn es eine freundliche Transaktion ist", sagte Pirelli-Chef Marco Tronchetti Provera in einem Interview mit der "Financial Times".

Bau-Aktien stürzen ab
Im MDax fallen neben der HRE und dem Finanzdienstleister MLP vor allem die Bauwerte HeidelbergCement, Bilfinger Berger und Hochtief überdurchschnittlich. Händler verweisen auf die Meldungen der französischen Baustoffhersteller Lafarge und Saint-Gobain, die jeweils Kapitalerhöhungen angekündigt hatten. Doch auch der generelle Einbruch der Bauaufträge treibt die Anleger in die Flucht.

Balda immer taiwanesischer
Beim ums Überleben kämpfenden Handyausrüster Balda hat der taiwanesische Investor Michael Chiang seinen Anteil auf 29,99 Prozent aufgestockt. Die von Chiang kontrollierte Gesellschaft Max Gain, die bislang 15,27 Prozent an dem Unternehmen gehalten hatte, habe Aktien aus einem Paket der Norddeutschen Landesbank (NordLB) übernommen, teilte Balda heute mit. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Die Aktie fällt um sieben Prozent.

MLP brechen ein
Dass die Aktie des Finanzdienstleisters MLP heute um knapp 12 Prozent einbricht erklären Händler mit Gerüchten über einen bevorstehenden Rückzug des Großaktionärs Swiss Life, der seinen Anteil an MLP auf weniger als zehn Prozent reduzieren wolle. "Damit geht die Übernahmefantasie aus dem Wert komplett raus", hieß es.

Solaraktien unter Druck
Die Entscheidung der Analysten der ING, die Aktien des im TecDax notierten Solarunternehmens Q-Cells auf Verkaufen zu stellen, haben die Titel aller Solarfirmen auf Talfahrt geschickt. Q-Cells selbst geben mehr als 12 Prozent ab. Im laufenden Jahr dürfte das Geschäft bei dem Solarunternehmen schwierig bleiben, schreibt die ING. Besonders die verschlechterten Finanzierungsbedingungen dürften der Branche zu schaffen machen.

Pfleiderer drückt sich vor Prognose
Bei dem Möbel- und Bauzulieferer Pfleiderer hat sich der Konjunktureinbruch in der Bilanz niedergeschlagen. Der Umsatz sank im vergangenen Jahr nach vorläufigen Berechnungen auf 1,74 Milliarden Euro. Das Ebitda sank auf 223,7 Millionen Euro. Eine Prognose für 2009 gab Pfleiderer nicht. Die Aktie gibt um bis zu drei Prozent nach.

Wasag-Gewinn leidet unter Abschreibungen
Hohe Abschreibungen auf halbfertige und fertige Produkte haben den Gewinn von H&R Wasag einbrechen lassen. Der Überschuss brach 2008 um vier Fünftel ein. Wegen der starken Verbilligung des wichtigsten Rohstoffs Öl fielen die Abschreibungen mit knapp 30 Millionen Euro überraschend hoch aus. Zudem musste das Unternehmen 22 Millionen Euro für eine Kartellstrafe zurückstellen. Die Aktie hält sich dennoch wacker.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr