Schwächelnder Wochenauftakt

von Lothar Gries

Stand: 09.06.2008, 20:04 Uhr

Trotz kräftiger Kursgewinne der Versorger und anderer Schwergewichte bekommt der Dax am Abend doch weiche Knie. Zu uneinheitlich sind die Vorgaben aus Amerika, zu schwach die Entspannung beim Ölpreis.

Nachdem der Dax den elektronischen Handel noch mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent bei 6815 Punkten beendet hatte, rutschte er dann am Abend doch ins Minus. Er sank auf 670 Punkte, 12,6 Zähler weniger als am Freitag.

Wenig Unterstützung kam auch von den US-Aktienmärkten. Zwar wurde die leichte
Entspannung beim Ölpreis und Daten vom Immobilienmarkt positiv aufgenommen. Doch bröckelten die Kursgewinne im Dow Jones Index bis zum Abend immer weiter ab. Der Technologieindex Nasdaq tendierte vor der am späten Abend deutscher Zeit erwarteten Vorstellung von Apples neuem iPhone jedoch deutlich schwächer.

In Frankfurt waren es vor allem die überdurchschnittlichen Kursgewinne der beiden Versorger Eon und RWE, die dem Dax vor einem weiteren Abrutschen bewahrten. Beide Konzerne profitieren von der Einigung der EU-Länder, den Energiekonzernen die Wahl zu lassen, ob sie das Eigentum an ihren Netzen für Strom und Gas behalten oder sich von ihnen trennen. Zudem sorgte auch die Aussicht auf steigende Gaspreise für Kursgewinne. Unterstützt wurde der Dax auch von Volkswagen, Siemens und BASF.

Unter Druck gerieten dagegen die Finanzwerte, nachdem bekannt wurde, dass die US-Investmentbank tiefer in der Krise steckt als gedacht. Auch im Mdax gab es überdurchschnittliche Kursverluste, allen voran bei Kuka, Wincor Nixdorf und Demag Cranes. Sie rissen den gesamten Index nach unten.

Lehman braucht mehr als sechs Milliarden
Die Investmentbank Lehman Brothers ist wegen der Finanzmarktkrise deutlicher als erwartet in die roten Zahlen gerutscht und braucht sechs Milliarden Dollar frisches Kapital. Im Ende Mai ausgelaufenen zweiten Quartal sei ein Verlust von 2,8 Milliarden Dollar oder 5,14 Dollar je Aktie angefallen, teilte das Unternehmen am Montag in New York mit. Damit fiel der Verlust deutlich höher aus als von Experten erwartet. Auch die Kapitalerhöhung ist umfangreicher als zuletzt in Medien spekuliert. Die Aktie knickte in New York um neun Prozent ein.

Hebt BASF Prognose an?
Die Aktien von BASF sind am Montag Händlern zufolge wegen Spekulationen auf eine Prognoseanhebung des Konzerns gestiegen. Am Markt gehe um, dass BASF die Ziele für das Gesamtjahr hochschrauben wolle. Der Konzern wollte das Gerücht nicht kommentieren. Dennoch steigt die Aktie um 1,8 Prozent.

Porsche steuert auf Absatzrekord zu
Der Sportwagenbauer Porsche steuert im Geschäftsjahr 2007/08 (31. Juli) erneut auf einen Absatzrekord zu. Als Zielgröße gelte der Absatz des Vorjahrs von 97 500 Fahrzeugen, sagte Produktionsvorstand Michael Macht am Montag laut einem vorab verbreiteten Redetext bei der Präsentation des neuen Porsche 911 im Entwicklungszentrum in Weissach. «Vielleicht werden wir sogar etwas darüber liegen.»
Die Aktie gab dennoch kräftig nach.

TUI-Großaktionär stockt auf
Der Tui-Großaktionär John Fredriksen hat seinen Anteil an dem Reise- und Schifffahrtskonzern auf knapp 15 von 11,7 Prozent aufgestockt, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Aktien stammen aber vom Vermögensverwalter Neuberger Berman, der sich ohnehin bei der turbulenten Hauptversammlung des Reisekonzerns Anfang Mai auf Fredriksens Seite gestellt hatte. Die Aktien stammen vom Vermögensverwalter Neuberger Berman. Fredriksen und TUI wollten zu den Informationen keine Stellung nehmen. Tui-Aktien notieren leicht im Minus.

Siemens-Manager redet Aktie ins Plus
Die Siemens-Aktie profitierte von einem Interview des Finanzvorstandes Joe Kaeser, der sich zufrieden zeigte mit der Geschäftsentwicklung im dritten Quartal. Laut Händlern sind die Aussagen zwar nicht neu, der Einfluss auf den Kurs sei also nur mäßig. Doch die Aktie legt um knapp 1,5 Prozent zu und gehört damit zu den stärksten Dax-Gewinnern Händlern zufolge sei der Kursgewinn auch auf das am Freitag verkündete Aktienrückkaufprogramm von bis zu zehn Milliarden Euro zurückzuführen.

Wulff bleibt bei VW unerbittlich
VW-Aktien gehören zu den größten Gewinnern im Dax. Analysten konnten allerdings keinen eindeutigen Grund für die positive Entwicklung ausmachen. Offenbar stocke jemand seine Positionen auf, sobald der VW-Kurs unter 175 oder 170 Euro falle. Ein Pressebericht über Vertragsabschlüsse mit verschiedenen US-Zulieferern und kostengünstigere Golf-Modelle habe möglicherweise ebenfalls leichten Einfluss auf den Kursanstieg. Die im Streit um das VW-Gesetz vom Land Niedersachen ausgegrabene Garantieerklärung des Bundes habe indes keine Auswirkungen. "Das sind olle Kamellen", sagte ein Analyst.

MAN leidet unter Herabstufung
Im Dax ist der Nutzfahrzeighersteller größter Verlierer. Die Aktien leiden unter einer Herabstufung durch die UBS von "Neutral" auf "Sell". Der europäische LKW-Markt dürfte nach 2008 seinen Höhepunkt erreichen und die Prognosen für 2009 seien zu optimistisch, schrieb Analyst Frederic Stahl in einer Branchenstudie. Das Kursziel für MAN-Aktien bleibe bei 85 Euro.

Deutsche Börse-Aktien werden von der Citigroup zwar weiterhin zum Kauf empfohlen, allerdings senkten die Analysten das Kursziel für den Börsenbetreiber von 129,00 auf 127,50 Euro. Die Aktie verliert daraufhin deutlich.

Schmack Biogas proftiert von Einigung
Nach der offiziellen Verabschiedung der Novellierung des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) durch den Bundestag zieht die Aktie von Schmack Biogas kräftig an. Die Firma zeigte sich grundsätzlich zufrieden mit der Einigung. 'Vor allem die Erhöhung der Grundvergütung sowie die Boni für nachwachsende Rohstoffe und für die Kraft-Wärme-Koppelung fördern in Verbindung mit der neuen Gasnetzzugangsverordnung die Einspeisung von Biomethan in das Erdgasnetz', erklärte Ulrich Schmack, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Schmack Biogas AG.

Ölpreis drückt Fluggesellschaften
Die Aktien der Airlines bleiben unter Druck. Air Berlin geben 6,5 Prozent nach, Lufthansa gut zwei Prozent. EADS verlieren ebenfalls mehr als zwei Prozent. Der Konzern beschwichtigt zwar, die Probleme der Airlines würden EADS kurzfristig nicht belasten. Börsianer blicken aber wohl auf einen ferneren Horizont, denn wenn der Ölpreis weiter steigt und die Gewinne der Airlines schmälert, dann könnten die Fluggesellschaften Aufträge für EADS stornieren.

Hugo Boss erholt sich
Im MDax schwingen sich die Vorzugsaktien von Hugo Boss um einen Prozent in die Höhe, nachdem sie bis zum Nachmittag um mehr als fünf Prozent gestiegen waren. Händler sprachen von einer Reaktion auf die Kursschwäche vom Freitag, die das Papier ohne neue Nachrichten zeitweise unter die 30-Euro-Marke gedrückt habe. Boss-Vorzüge seien zwischen 30 und 31 Euro sehr gut unterstützt und entsprechend komme es zu einer deutlichen Kurserholung, ergänzte ein Händler.

Norddeutsche Affinerie an MDax-Spitze
Den Titeln der Norddeutschen Affi bekommt eine Adelung durch die Deutsche Bank gut. Die Aktie legt mehr als sechs Prozent zu. Die Bank empfiehlt das Papier zu kaufen, bisher war die Einschätzung "Hold". Vor allem das von 22,50 auf 40,00 Euro erhöhte Kursziel sorge für einige Fantasie, hieß es am Markt. Die NA-Aktie würde derzeit am Markt unterschätzt, so die Begründung der Bank.

IVG Immobilien klettern heute ebenfalls. Die WestLB hat die Aktie des Immobilienunternehmens in Erwartung eines entbrennenden Bieterkampfes um das Kavernengeschäft auf die "Mid & Small Cap Focus List" gesetzt und das Kursziel von 27 auf 29 Euro erhöht. Die Empfehlung bleibt "Buy".

Conergy vor Joint-Venture
Im TecDax liegt die Aktie von Conergy weit vorn. Die Aktie steigt um mehr als vier Prozent. Laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" strebt das angeschlagene Solarunternehmen ein Joint-Venture für seine Fabrik in Frankfurt/Oder an. Der Vorstand führe Verhandlungen mit möglichen Partnern. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Singulus freut sich über Blu-Ray-Aufträge
Singulus-Aktien gehören ebenfalls zu den Gewinnern im Technologieindex. Der Konzern hat es offenbar verstanden, sich auf der Hauptversammlung am Freitag ins rechte Licht zu rücken. Man habe im ersten Quartal bereits Bestellungen für 21 Blu-ray erhalten, im zweiten Quartal seien weitere Aufträge gefolgt. Damit sei die Entwicklung schon besser als beim Start der DVD vor 11 Jahren.

Tagestermine am Mittwoch, 19. Dezember

Unternehmen:
Softbank: IPO der Mobilfunktochter in Tokyo
Ceconomy: Q4-Zahlen, 07:00 Uhr, und Bilanz-PK, 10:00 Uhr
General Mills: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20:00 Uhr, PK mit Fed-Chef Powell, 20:30 Uhr
Japan: Außenhandel im November, 00:50 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im November, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im November, 10:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q3, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im November, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht, 16:30 Uhr