Schwäche überwunden

Stand: 22.04.2009, 20:01 Uhr

Schlechte Nachrichten aus dem Bankensektor hielten am Mittwoch die Kurserholung in Frankfurt nicht auf. Der Dax schloss zwei Prozent fester, trotz einer üblen Bilanz von Morgan Stanley. Am Abend zog es die Wall Street noch etwas talwärts.

Als in Frankfurt der Parketthandel endete, notierten die drei großen amerikanischen Indizes nicht mehr allesamt im Plus. Der Dow Jones rutschte am frühen Abend doch noch leicht ins Minus, die beiden anderen großen Indizes hielten sich in der Gewinnzone.

Der deutsche Leitindex beendete den elektronischen Handel mit einem robusten Zuschlag von 2,1 Prozent bei 4.594 Punkten. Im Tagesverlauf hatte der Dax allerdings einige Rückschläge hinnehmen müssen und notierte zeitweise erheblich im Minus.

Einigermaßen erstaunlich war an diesem Mittwoch, dass deutsche Bankaktien trotz schlechter Nachrichten aus den USA zu den Tagesgewinnern gehörten. Der US-Bank Morgan Stanley war es nicht gelungen, im ersten Quartal die Analystenerwartungen zu erfüllen. Die Bank machte einen Verlust von 177 Millionen Dollar, Beobachter hatten mit einem fast ausgeglichenen Ergebnis gerechnet.

Im Dax verteuerte sich die Deutsche Bank dennoch um 6,7 Prozent. Noch besser schnitt die Commerzbank ab. Die Aktie gewann im Tagesverlauf 9,6 Prozent und setzte sich damit an die Dax-Spitze. Offenbar haben sich Europäische Kommission und Bundesregierung über die Staatshilfen für die Bank geeinigt. Nach Medienberichten muss die Commerzbank ihre Hypothekentochter Eurohypo abspalten, darf aber das Osteuropageschäft behalten. Kurssteigernd wirkte auch das von der UBS angehobene Kursziel auf 4,80 Euro.

Postbank, RWE und MüRü
Zwei Dax-Konzerne und die im MDax notierte Postbank luden am Mittwoch zu ihren Hauptversammlungen ein. Besondere Beobachtung galt der Postbank-HV, auf der vor allem die Themen Übernahme und Managerboni zur Sprache kamen. Der Konzern gab außerdem bekannt, er habe im ersten Quartal einen Gewinn erzielt. Dennoch werde 2009 "alles andere als ein leichtes Jahr", so Vorstandschef Wolfgang Klein. Die MDax-Aktie gewann 7,9 Prozent.

Neben der Postbank gab es die Jahresversammlungen auch bei der Münchener Rück und beim Versorger RWE. Die MüRü erläuterte unter anderem ihre mittelfristige Geschäftspolitik. Unter anderem plane man keine großen Zukäufe, sagte MüRü-Chef Nikolaus von Bomhard. Außerdem rechne man für das erste Quartal mit einem "befriedigenden" Ergebnis. Der Energiekonzern RWE hofft, ziemlich ungeschoren durch die Krise zu kommen. "Wir rechnen aus heutiger Sicht nicht damit, dass Auswirkungen der Krise unser Ergebnis ernsthaft gefährden", sagte Vorstandschef Jürgen Großmann. Außerdem bestätigte er die langfristigen Ergebnisziele.

Volkswagen profitiert vom Verkauf
Der Autokonzern Volkswagen hat im ersten Quartal gegen alle Erwartungen ein positives operatives Ergebnis erzielt. Statt eines erwarteten Verlustes von 60 Millionen Euro gab VW ein operatives Plus von 312 Millionen Euro bekannt. 600 Millionen Euro allerdings kamen als Einmaleffekt durch den Verkauf des brasilianischen Nutzfahrzeuggeschäftes hinzu. Die VW-Aktie legte 0,7 Prozent zu.

Ex Dividende bei der Post
Die Kursverluste bei Aktien der Deutschen Post waren keine späte Rache von Aktionären für schlechte Geschäftsführung. Sondern lediglich dem Abzug der Dividende von 0,60 Euro vom aktuellen Kurs geschuldet. Post-Aktien notierten am Mittwoch ex Dividende, die Aktie schloss 5,3 Prozent schwächer.

T-Aktie nahe Rekordtief
Aktien der Deutschen Telekom standen kräftig unter Druck und verloren drei Prozent. Nachdem der Telekomkonzern am Dienstag seine Gewinnprognose gesenkt hatte, passten am Mittwoch zahlreiche Analysten ihre Einschätzungen an. "Das ist typisch nach so einer Nachricht, dass die Aktie mit den ganzen Herunterstufungen noch einmal nachgibt", sagte ein Händler.

Gea hält sich für relativ krisensicher
Der im MDax notierte Maschinenbauer Gea spürt die Krise in der Branche nicht in dem Maße wie seine Mitbewerber. Zwar sei, teilte Gea am Mittwoch mit, das Volumen der Neuaufträge im ersten Quartal um knapp ein Fünftel zurückgegangen, doch sei der Rückgang "erheblich" geringer als bei der Konkurrenz. Gea profitiert nach eigenen Angaben davon, dass es auch für die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie produziert. Die Gea-Aktie legte 5,5 Prozent zu.

Praktiker hat in der Krise Hoffnung
Die Geschäfte bei der Baumarktkette Praktiker laufen krisenbedingt deutlich schlechter. Im ersten Quartal sank der Umsatz auf knapp 800 Millionen Euro, der Verlust stieg um mehr als das Doppelte auf 49 Millionen Euro. Analysten hatten bei beiden Kennzahlen etwas bessere Werte erwartet. Immerhin versprach Praktiker-Chef Wolfgang Werner für das zweite Quartal "bessere Umsätze und Ergebnisse", die Aktie stieg äußerst hoffnungsfroh um 18,1 Prozent.

Carl Zeiss Meditec-Aktionäre ohne Glück
Die Aktie des im TecDax notierten Medizintechnikunternehmens Carl Zeiss Meditec verlor am Mittwoch trotz einer guten Bilanz 8,9 Prozent. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2008/09 steigerte die Firma ihren Umsatz um 13 Prozent auf 336,7 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um mehr als 20 Prozent auf 38,9 Millionen Euro. Auf Jahressicht hat sich der Kurs äußerst krisenfest entwickelt, und sogar leicht zugelegt.

Infineon schöpft Hoffnung
Die Aktie des mittlerweile im TecDax notierten Speicherchiphersteller Infineon legte um 8,6 Prozent zu. In Japan kündigte der Infineon-Konkurrent Elpida Preiserhöhungen um bis zu 50 Prozent an. Außerdem hat Infineon vom Handyhersteller Nokia einen Auftrag in vermuteter Höhe von 300 Millionen Euro erhalten.

Bilanzen von Glaxo, McDonald's, Boeing und Wells Fargo
Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline hat im ersten Quartal einen Gewinn von 26,3 Pence je Aktie verbucht und damit die Schätzung von mehr als 28 Pence leicht verfehlt. Der Umsatz fiel mit 6,77 Milliarden Pfund etwas besser als erwartet aus. Glaxo begründete den leichten Gewinnrückgang mit dem Verlust mehrerer Patente und Abschreibungen auf Forschungsausgaben.

Der weltgrößte Fastfood-Konzern McDonald's setzte im ersten Quartal sein anscheinend unaufhaltbares Wachstum fort. Der Umsatz erreichte rund fünf Milliarden Dollar, der Gewinn 0,87 Dollar je Aktie. Der Flugzeughersteller Boeing verbuchte im ersten Quartal zwar einen Gewinneinbruch, und senkte die Prognosen für das laufende Jahr.

Wells Fargo, die mittlerweile zweitgrößte US-Bank, überraschte positiv. Der Gewinn im ersten Quartal sei um die Hälfte auf mehr als drei Milliarden Dollar gestiegen, teilte die Bank mit. Man habe insbesondere von niedrigen Hypothekenzinsen profitiert, hieß es von Wells Fargo.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"