Schwacher Wochenbeginn

Stand: 05.03.2012, 20:02 Uhr

Die Perspektive eines deutlich verlangsamten Wirtschaftswachstums in China haben dem Dax am Montag Verluste beschert. Dank der reichlich vorhandenen Liquidität kann der Leitindex, die Anleger immer wieder zu Aktien greifen lässt, halten sich die Einbußen in Grenzen.

Nach einem Einbruch von über 100 Punkten am Vormittag auf 6.815 Zähler kann sich der Dax bis zum Nachmittag wieder erholen und seine Verluste kräftig eingrenzen. Sogar die Schwelle von 6.900 Punkten wird kurz übersprungen.

Am Ende einer Berg- und Talfahrt geht der Dax 0,8 Prozent (55 Punkte) tiefer aus dem Handel, bei 6.866 Punkten. Zu ähnlich bescheidenen Einbußen kommt es auch im Abendhandel. Der Euro kann sich von seinem Tief am Vormittag erholen und notiert deutlich über der Marke von 1,32 Dollar.

Auch an der Wall Street kommt es zu leichten Kursverlusten. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 0,3 Prozent unter seinem Niveau vom Freitag bei 12.936 Zählern.

Dass es der US-Wirtschaft besser geht als gedacht, beeindruckt die Anleger kaum. Dabei hat sich der Auftragseingang der US-Industrie im Januar weniger abgeschwächt als prognostiziert. Im Monatsvergleich sank das Auftragsvolumen um 1,0 Prozent. Volkswirte hatten mit einem Rückgang um 1,5 Prozent gerechnet. Auch der Index für das Dienstleistungsgewerbe fiel besser aus als erwartet und stieg von 56,8 Punkten im Januar auf 57,3 Zähler, teilte das Institute for Supply Management (ISM) mit. Volkswirte hatten hingegen mit einem Rückgang auf 56,0 Punkte gerechnet.

Konjunkturängste
Sorge macht vor allem das schwächere Wachstum in China. Das Land erwartet für das laufende Jahr nur noch ein Anziehen der Konjunktur um 7,5 Prozent, die schwächste Wachstumsrate seit 1990. Wenn China zu schwächeln beginne, belaste das die Weltwirtschaft, sagte Philippe Gijsels von BNP Paribas Fortis Global Markets. Bisher war die chinesische Wirtschaft zwischen zehn und zwölf Prozent pro Jahr gewachsen.

In der Euro-Zone machten die enttäuschenden Geschäfte der Dienstleister schlechte Laune. "Abgesehen von Deutschland sehen die Fundamentaldaten zur Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone nicht gut aus", erklärte Jeremy Stretch von CIBC World Markets.

Mit Enttäuschung aufgenommen wurde zudem die Mitteilung der Europäischen Zentralbank (EZB), dass sie in der vergangenen Woche erneut keine Staatsanleihen angeschlagener Euro-Staaten gekauft hat.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,66
Differenz relativ
+0,12%

Coba verwässert
Die Aktie der Commerzbank ist auch am Montag einer der größten Verlierer im Dax und büßt mehr als drei Prozent ein. Die Bank hat ihr Grundkapital durch den Aufkauf eigener Finanzinstrumente um 776 Millionen Euro erhöht. Dies entspricht einem Zuwachs von rund sieben Prozent. Im Gegenzug muss die Coba knapp 361 Millionen neue Aktien ausgeben - und die Anteile bisheriger Anteilseigner entsprechend verwässert.

HeidelbergCement unter Druck
Schwächster Wert im Dax mit einem Abschlag von 3,5 Prozent ist die Aktie von HeidelbergCement. Grund ist eine Herabstufung von "Kaufen" auf "Halten" durch die niederländische Bank ING, sowie die allgemeine Furcht vor einer Abkühlung der Wirtschaft.

Salzgitter drückt Stahlwerte
Größter Verlierer im MDax mit einem Minus von über fünf Prozent ist die Aktie von Salzgitter, obwohl das Unternehmen Umsatz und Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich gesteigert hat. Die Analysten monieren allerdings das Fehlen eines konkreten Ausblicks für 2012, was darauf hindeuten könnte, dass die guten Zahlen aus dem vergangenen Jahr nicht wiederholt werden können. Im Schlepptau von Salzgitter büßt auch die Aktie des ebenfalls im MDax notierten Stahlhändlers Klöckner & Co. überdurchschnittlich ein.

Jubel über Gagfah-Vergleich
Ganz anders bei Gagfah. Das Papier springt um fast 27 Prozent in die Höhe nachdem es im Rechtsstreit mit der Stadt Dresden zu einer Einigung gekommen ist. Statt einer Milliarde, wie die Stadt verlangt hatte, muss Gagfah nun 40 Millionen Euro zahlen.

Solaraktienschmelzen dahin
Die geplante Kürzung der Solarförderung ab dem ersten April macht den Aktien der Solarfirmen weiterhin schwer zu schaffen. Centrotherm, QSC und Q-Cells verlieren jeweils mehr als vier Prozent. Auch Solarworld büßt kräftig ein. Laut Günther Cramer, dem Verbandschef der Solarwirtschaft, hat die geplante Kürzung der Subventionen bereits jetzt zur Stornierung von Investitionen in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro geführt. Zudem hat die Bank HSBC ihr Kursziel für SMA Solar von 54 auf 34 Euro gekappt.

DZ Bank hilft Morphosys
Größter Favorit im TecDax im TecDax ist dagegen die Aktie des Biotechunternehmens Morphosys. Trotz der mit Enttäuschung aufgenommenen Jahreszahlen hat die DZ Bank das Papier zum Kauf empfohlen und sein Verkaufsvotum zurückgezogen. Der zuständige Experte lobte die langfristige Kundenpipeline und unterstrich die Aussicht auf eine ganze Reihe von Studiendaten ab Jahresmitte, die den Kurs bewegen könnten.

Glencore kann nicht punkten
Der weltgrößte Rohstoffhändler Glencore hat 2011 seinen Nettogewinn um sieben Prozent auf vier Milliarden Dollar gesteigert, der Umsatz des im Schweizer Kanton Zug ansässigen Konzerns wuchs sogar um 28 Prozent. Trotzdem kommt es an den Börsen zu Gewinnmitnahmen.

BP muss zahlen
Mit Erleichterung reagieren die Anleger auf die Einigung des Ölkonzerns BP mit Privatklägern. Der Konzern muss denen zwar 7,8 Milliarden Dollar für die entstandenen Schäden aus der Ölplattform Deep Water Horizon zahlen, doch damit ist ein weiteres Stück Unsicherheit beseitigt, was die Anleger erfreut.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier