Marktbericht 20:14 Uhr

Anhaltende Zinsfantasie Schwacher Euro, starker Dax

Stand: 30.08.2016, 20:14 Uhr

Des einen Freud, des anderen Leid: Die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA stärkt den Dollar und bremst die Wall Street. Im Gegenzug fällt der Euro und steigen die Kurse an den europäischen Börsen. Schichten Anleger jetzt um?

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Was für ein Stimmungswechsel! Gestern noch trübten die Spekulationen auf eine nahende US-Zinsanhebung die Laune am deutschen Aktienmarkt. Am Dienstag jedoch waren die Sorgen wie weggeblasen, und es herrschte wieder eitel Sonnenschein: der Dax drehte mächtig auf und gewann über 100 Punkte. Auch der EuroStoxx50 zeigte sich erstaunlich robust und legte 1,2 Prozent zu.

Jetzt europäische Aktien bevorzugen?

Selbst die zunehmenden Kursverluste an der Wall Street konnten die Erholung von Dax & Co nicht bremsen. Marktbeobachter Jochen Stanzl von CMC Markets wertet dies als gutes Zeichen. "Es könnte nun die Zeit gekommen sein, in der die europäischen Aktienmärkte ihr Nachholpotenzial gegenüber den US-Pendants entfalten", meint er.

Dollar gewinnt an Stärke

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Denn je stärker der Dollar im Sog der Zinsspekulationen wird, desto schwächer wird der Euro. Und das ist kurzfristig gut für deutsche und europäische Aktien. Eine schwache Gemeinschaftswährung verbessert die Exportaussichten europäischer Konzerne außerhalb der Eurozone. Am Nachmittag kostete der Euro zwischenzeitlich nur noch 1,1136 US-Dollar - so wenig wie seit zwei Wochen nicht mehr.

US-Verbraucher in Shopping-Stimmung

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Starke US-Konjunkturdaten heizten die Spekulationen auf eine baldige Fortsetzung der Zinswende in den USA an. Die Verbraucherstimmung in den USA hat sich im August überraschend aufgehellt.  Der vom Marktforschungsinstitut Conference Board erhobene Indikator stieg um 4,4 Punkte auf 101,1 Zähler und damit auf den höchsten Wert seit September 2015. Der Indikator gilt als wichtiges Stimmungsbarometer und gibt Hinweise auf die Entwicklung des privaten Konsums.

Zinserhöhungen haben auch gute Seiten

Freilich müssen Zinserhöhungen nicht unbedingt Gift für die Aktienmärkte sein. Zwar vermindern steigende Zinsen die Attraktivität von Aktien etwa im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren wie Anleihen. Allerdings wäre eine Zinserhöhung Experten zufolge auch ein Zeichen, dass die Fed die US-Wirtschaft als robust genug einschätzt, den Schritt zu verkraften. Freunden sich die Anleger mit dem Gedanken an, dass eine anziehende Konjunktur auch mit dosierten Zinserhöhungen klar käme, könnte es am Aktienmarkt weiter nach oben gehen, glaubt Marktbeobachter Stanzl.

Bankaktien erholen sich weiter

Die Aussicht auf höhere Zinsen und die gute Branchen-Stimmung hievten die Bank-Aktien an die Dax-Spitze. Die Aktien der Deutschen Bank waren mit einem Plus von fast vier Prozent Top-Gewinner im Dax, dicht gefolgt von der Commerzbank, deren Titel fast drei Prozent zulegten.

Adidas vor Aufstieg in die europäische Börsenliga

Zu den wenigen Dax-Verlierern zählte die Adidas-Aktie. Dabei haben die Papiere des Sportartikel-Herstellers gute Chancen, ab Mitte September in den Auswahlindex EuroStoxx 50 aufgenommen zu werden. Das schreiben die Index-Experten der Commerzbank in einer aktuellen Auswertung. Mit Adidas zusammen dürfte auch die niederländisch-belgische Supermarktkette Ahold Delhaize in den Index aufsteigen.

Barclays mag SAP

Ansonsten bewegten hauptsächlich Analystenkommentare die Kurse. So trieb eine posive Studie von Barclays den Kurs von SAP auf einen neuen Höchststand von 79,68 Euro. SAP stehe vor einer Phase mit wieder höheren Lizenzumsätzen, anhaltender Cloud-Stärke und anziehender Profitabilität, hieß es in der Studie. Das Kursziel sieht Barclays bei 95 Euro.

Analysten beflügeln Wacker und Wirecard

Ebenfalls positiv beurteilt Barclays die Wirecard-Aktien. Die britische Bank stufte die Papiere des Zahlungsabwicklers auf "Overweight" hoch. Prompt kletterte Wirecard mit einem Plus von drei Prozent an die TecDax-Spitze.Im MDax trieb eine Kaufempfehlung der Deutschen Bank die Aktien von Wacker Chemie um über drei Prozent nach oben. Die Analysten der Deutschen Bank haben die Aktie mit Kursziel 100 Euro zum Kauf empfohlen.

Potash und Agrium vor Fusion

Spekulationen über eine Fusion in der Düngerbranche sorgten für Bewegung bei K+S. Die Aktien des MDax-Konzern schnellten um rund vier Prozent hoch. Der kanadische K+S-Konkurrent Potash und Agrium wollen sich zusammenschließen. Entsprechende Medienberichte bestätigte Agrium am Abend. Die Agrium-Papiere verteuerten sich um knapp acht Prozent, die Anteilsscheine von Potash schnellten um mehr als 13 Prozent nach oben, bevor sie vom Handel ausgesetzt wurden.

VTG schraubt Umsatzprognose herunter

Der Waggonvermieter aus dem SDax muss der schwachen Weltkonjunktur Tribut zollen. Das Unternehmen rechnet nun mit Erlösen "unterhalb" des Vorjahreswertes von 1,03 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr lagen die Umsätze mit 493,3 Millionen Euro 3,7 Prozent unter dem Vergleichszeitraum. Beim Konzernergebnis gab es allerdings einen Zuwachs um 48 Prozent auf 26,7 Millionen Euro. Die Aktie schloss dennoch 3,4 Prozent höher. Der Anstieg des Nettogewinns habe positiv überrascht, erklärten die Analysten der Privatbank M.M. Warburg. Mehrere Analysten gaben eine Kaufempfehlung für VTG ab.

Deag vertröstet auf das zweite Halbjahr

Der Verstaltungs- und Entertainment-Spezialist ist im ersten Halbjahr in die roten Zahlen gerutscht und hat weniger Umsatz erwirtschaftet. Laut dem Unternehmen sorgten saisonale Effekte dafür, dass die Erlöse von 118,7 auf 78,9 Millionen Euro schrumpften. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei minus 3,8 Millionen Euro. Für 2016 geht die Deag allerdings von einem positiven Ebit von drei bis fünf Millionen Euro aus. Die Aktie schloss leicht im Plus.

Apple vor Milliardenzahlung?

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Für Apple könnten in der EU Milliarden an Euro an Strafzahlungen fällig werden. Die EU-Kommission fordert eine Steuernachzahlung von mehr als 13 Milliarden Euro. Der iPhone-Konzern habe in Irland unerlaubte Steuervergünstigungen in dieser Höhe erhalten, urteilte Brüssel. Die Apple-Aktie büßt ein Prozent ein.

Abercrombie & Fitch aus der Mode

Um über 20 Prozent stürzt die Aktie von Abercrombie & Fitch ab. Überraschend weitete sich der Verlust im zweiten Quartal auf 13,1 Millionen Dollar aus. Vor einem Jahr hatte es noch ein kleines Minus von 0,8 Millionen Euro gegeben. Das Management gab die Hoffnungen auf eine baldige Trendwende auf. Die Lage dürfte auch in der zweiten Jahreshälfte angespannt bleiben, hieß es. Das ehemalige Trend-Label, das mit anzüglicher Werbung und großen Logos punktete, hat den Anschluss an billigere Rivalen wie H&M, Zara oder Forever 21 verloren.

Schoko-Fusion schmilzt dahin

Unter Druck standen auch Hershey. Die Titel sackten um elf Prozent ab. Grund: Die geplante Milliardenübernahme des US-Schokoladenproduzenten durch Mondelez ist geplatzt. Die Aktien des Milka-Herstellers Mondelez stiegen um dreieinhalb Prozent.

nb

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"