Schwache Woche nimmt versöhnliches Ende

Stand: 27.05.2011, 19:54 Uhr

Die Anleger sind nervös, denn zu viele unbeantwortete Fragen lasten auf den Märkten. Immerhin setzten sich zum Wochenschluss schließlich doch die Optimisten durch.

Mit einem Aufschlag von 0,7 Prozent schloss der Dax bei 7.163 Punkten. Im Handelsverlauf hatte der deutsche Leitindex über die Marke von 7.200 Punkten gelugt und bei 7.208 das Tageshoch markiert. Der Late Dax schloss 0,1 Prozent fester bei 7.152 Zählern. Auf Wochensicht sieht die Performance allerdings betrüblich aus: Der Dax büßte 1,4 Prozent ein, der MDax hielt sich mit minus 0,8 Prozent etwas besser, der TecDax sank um 2,2 Prozent.

Mit Ausnahme des Aktienmarktes in Athen, der um 1,7 Prozent absackte, legten alle wichtigen europäischen Indizes heute zu. In Griechenland belastete das Scheitern der Gespräche zwischen griechischer Regierung und Opposition über einen Ausweg aus der Schuldenkrise.

Zwischenzeitlich sah es danach aus, als könnte auch der Dax nach rasantem Start doch noch in die Verlustzone sacken. Als Grund für diese Schwächephase machten Händler aus, dass die Ratingagentur Fitch den Bonitätsausblick Japans auf "Negativ" senkte. Es hätte auch jedes andere gewohnte Argument getaugt: Die unendliche Geschichte um Griechenland, die Schwäche der US-Konjunktur oder das Atemholen nach der Berichtssaison.

Helaba-Experte Christian Schmidt erwartet, dass die Lage weiter schwankend bleibt: "Insgesamt drängt sich der Eindruck auf, dass wir uns in den kommenden Tagen und Wochen an volatile Verläufe gewöhnen müssen", schreibt er in einem Marktkommentar.

Euro, Dollar, Franken
US-Konjunkturdaten gaben den verunsicherten Märkten keine frischen Impulse, das Wirtschaftswachstum bleibt fragil: Steigende Preise für Benzin und Lebensmittel dämpften die Kauflaune der Amerikaner, die Konsumausgaben stiegen im April um überraschend schwache 0,4 Prozent. "Das spricht nicht für ein stärkeres Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal", sagte Pierre Ellis von Decision Economics.

Die Schwäche der US-Konjunktur ist die Stärke des Euro: Die Gemeinschaftswährung setzte den Erholungskurs fort und notiert stabil über 1,42 Dollar. Sorgen um Griechenlands Schulden könnten allerdings jederzeit wieder zu einer Euro-Schwäche führen, meinte ein Händler. In der Nacht zum Freitag hatte der Euro ein historisches Tief zum sicheren Hafen Schweizer Franken markiert.

Metro schließt an der Dax-Spitze
Ein positiver Analystenkommentar hat Metro an die Dax-Spitze gespült. Die Aktien des Handelsriesen verteuerten sich um mehr als zwei Prozent. Die Analysten von JP Morgan sehen die Papiere bei ihrem derzeitigen Preis laut Händlern als gute Einstiegsgelegenheit. Seit Jahresbeginn haben Metro knapp 18 Prozent an Wert eingebüßt.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank wird nicht übernommen
Im Dax fallen die überdurchschnittlichen Kursverluste bei der Telekom-Aktie auf. Als Belastung identifizierten Händler neue Bedenken, ob der geplante Verkauf der amerikanischen Tochter an den US-Wettbewerber AT&T wie geplant stattfinden wird. Den letzten Platz im Dax belegt aber die Coba-Aktie, die in den vergangenen Tagen gefragt war wie lange nicht mehr. Martin Blessing sieht die zweitgrößte deutsche Bank nicht als mögliches Übernahmeziel für einen Wettbewerber, ließ er bei einer Veranstaltung wissen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Millionenbelastung für die Deutsche Bank
Die Deutsche Bank muss in diesem Jahr mit einer erheblich höheren Belastung durch die neue Bankenabgabe rechnen als bisher erwartet. In Kreisen der Bundesländer hieß es, ein Länder-Kompromiss zu Änderungen am Entwurf einer Rechtsverordnung der Bundesregierung würde für das Geldhaus in diesem Jahr eine Belastung von rund 250 Millionen Euro bedeuten. Auf Basis des bisherigen Verordnungsentwurfs hätte sie nur mit Kosten von 70 Millionen Euro rechnen müssen.

Deutsche Bank auch Ex Dividende
Und wieder Deutsche Bank: Nach den zahlreichen Hauptversammlungen am Donnerstag wurden zahlreiche Aktien mit Dividendenabschlag gehandelt. Aus dem Dax galt das für die Deutsche Bank, die 0,75 Euro je Aktie an ihre Aktionäre ausgeschüttet hatte. Im MDax hielt Salzgitter die Jahresversammlung ab, 0,32 je Aktie bekommen die Anteilseigner. Auch Pfeiffer Vacuum, SMA Solar, United Internet sowie einige SDax-Firmen schütteten heute ihre Gewinnbeteiligung an die Aktionäre aus.

Gewinnmitnahmen bei KWS
Trotz guter Zahlen stand KWS auf den Verkaufslisten. Händler begründen die Abschläge mit Gewinnmitnahmen. Der im SDax notierte Saatguthersteller bestätigte nach einem guten Geschäftsverlauf der vergangenen neun Monate seine Jahresplanung. Der Umsatz in dem dreiviertel Jahr bis Ende März sei um zwölf Prozent gestiegen, teilte die Firma mit. Das Betriebsergebnis verbesserte sich um 15 Prozent. Außerdem bestätigte KWS Saat die zuletzt am 2. Mai geänderte Prognose - das Betriebsergebnis soll im laufenden Geschäftsjahr um 40 Prozent zulegen.

Fraport zieht es nach Griechenland
Beim Flughafenbetreiber Fraport stehen die Zeichen auf Wachstum. Neben einem neuen Terminalanbau auf Deutschlands größtem Airport will Fraport-Chef Stefan Schulte das Auslandsgeschäft ausbauen. Eine Gelegenheit dafür könnte sich bald mit dem Athener Flughafen bieten. "Falls der griechische Staat verkauft, haben wir als einer der größten Flughafenbetreiber weltweit natürlich Interesse", sagte Schulte. Die Aktie schloss stabil in der Gewinnzone.

Qiagen vermarktet EHEC-Test
Das Biotechunternehmen Qiagen bietet einen sogenannten PCR-Test an, mit dem sich das EHEC-Bakterium identifizieren lässt. Der Vorteil des Tests liege in seiner Schnelligkeit, teilte das Unternehmen mit. Tests von Qiagen kamen bereits vor zwei Jahren beim Kampf gegen die Schweinegrippe zum Einsatz, was die Geschäfte von Deutschlands größtem Biotechunternehmen damals spürbar anschob. Bislang zeigen sich die Investoren spröde, die Aktie gibt leicht nach.

Weitere Bilanzen im Schnelldurchlauf
Aus den hinteren Börsenreihen lieferten ein paar kleinere Unternehmen ihre Bilanzen. Der Logistikkonzern Müller - Die Lila Logistik AG hat das erste Quartal zwar mit etwas mehr Umsatz, aber einer geschrumpften Gewinnbilanz beendet. Während die Erlöse um 9,2 Prozent auf 23 Millionen Euro stiegen, ging das Ebit von 1,47 auf 1,12 Millionen Euro zurück. Der Tiefbohrspezialist Daldrup&Söhne meldete einen kräftigen Umsatzanstieg im abgelaufenen Geschäftsjahr. Die Erlöse stiegen vor allem wegen der "dynamischen konjunkturellen Erholung" auf knapp 58 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern gab Daldrup mit vier Millionen Euro an.

Die Deutsche Forfait hat das erste Quartal mit einem leicht gestiegenen Absicherungsvolumen beendet. Die Firma, die Forderungen an- und verkauft, wickelte Geschäfte mit einem Volumen von 195 Millionen Euro ab, was acht Prozent mehr waren als vor einem Jahr. Der Konzerngewinn fiel mit 0,6 Millionen Euro allerdings etwas schwächer aus. Die Online-Kommunikationsfirma Equitystory profitierte im ersten Quartal von der guten Konjunktur und hat sowohl bei Umsatz als auch beim Gewinn bessere Zahlen als vor einem Jahr veröffentlicht. Die Erlöse nahmen nach Angaben der Firma um 39 Prozent auf 2,94 Millionen Euro, das Ebit legte um 28 Prozent auf 471.000 Euro zu.

Dexia wird Risiko los
Dexia-Aktien sind zeitweise um mehr als sieben Prozent gestiegen. Zur Mittagszeit waren sie noch vom Handel ausgesetzt worden. Die vom Staat gestützte belgisch-französische Bank will sich schneller von risikobehafteten Geschäften trennen als bislang bekannt. Dies werde das Ergebnis im zweiten Quartal mit 3,6 Milliarden Euro belasten, teilte das auf Staatsfinanzierungsgeschäfte spezialisierte Institut mit. Der Schritt werde sich aber positiv auf die Gewinne aus dem fortgeführten Geschäft, auf das Risikoprofil und die Liquidität auswirken - ein kluger Schachzug, kommentierte ein Händler.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr