Schwach in den Dezember

Stand: 30.11.2009, 20:02 Uhr

Der November war ein gar nicht mal so schlechter Börsenmonat. Rund vier Prozent legte der Dax zu. Doch die Schlussperformance stört das gute Bild ein wenig. Denn der Montag sah den Dax schwach; die Dubai-Krise und die unentschlossenen Amerikaner trübten die Stimmung.

Ausgestanden ist das Thema Dubai noch nicht. Die Zahlungsschwierigkeiten der Investmentgesellschaft Dubai World - mit Schulden von etwa 60 Milliarden Euro - könnten auch für europäische und amerikanische Anleger Folgen haben. Die Regierung in Dubai kündigte am Montag an, die Gläubiger der Gesellschaft müssten die Folgen tragen, nicht der Staat.

Diese Nachricht belastete nicht nur die Aktienmärkte des Nahen Ostens, die deutlich darunter litten, sondern auch die europäischen und amerikanischen. Der Dax erholte sich bis zum Handelsende nicht mehr von seinen Auftaktverlusten, er schloss 1,1 Prozent schwächer bei 5.626 Punkten.

Aus Amerika kam ebenfalls keine Hilfe. Die Wall Street begann den Handel mit Verlusten, erholte sich kurz, nach der Chicagoer Einkaufsmanagerindex mit 56,1 Punkten deutlich besser als erwartet ausfiel, festigte sich dann aber dennoch unter der Nulllinie. Bei Handelsschluss auf dem Frankfurter Parkett notierten alle drei großen amerikanischen Indizes knapp im Minus.

Was Amerikanern zunehmend Sorge bereitet, ist der schleppende Beginn des für die Einzelhändler lebenswichtigen Weihnachtsgeschäftes. Die klassischen Einzelhändler hätten bisher - trotz der mannigfachen staatlichen Konjunkturhilfen und der traditionell ausgabefreudigen Amerikaner - keine guten Zahlen geliefert, berichten Marktforscher. Lediglich die Onlinehändler profitierten vom Trend zum Einkaufen im Internet.

Merck und MAN
Im Dax sorgten MAN und Merck mit eigenen Nachrichten für Wirbel. Das Pharma- und Chemieunternehmen Merck verlor 4,1 Prozent, nachdem die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung des MS-Medikamentes Cladribin abgelehnt hatte. MAN-Aktien gaben 3,9 Prozent nach. Neue Details zur Schmiergeldaffäre, die Zeitungsberichten zufolge MAN mit 300 Millionen Euro belasten könnten, sowie der Rücktritt des Nutzfahrzeuge-Vorstandes Anton Weinmann belasteten die Aktie.

Autowerte im Blick
Auch sämtliche Autowerte notierten am Montag deutlich schwächer. Goldman Sachs hatte in einer Daimler und BMW von einer Kaufliste genommen, zugleich aber die VW-Vorzugsaktien auf die Kaufliste aufgenommen mit einem Kursziel von 107 Euro. Während die Volkswagenaktie daher gut zulegen konnte, rutschte die Stammaktie, die noch im Dax notiert ist, um 4,8 Prozent ab.

Adidas und die Lufthansa
Adidas-Aktien legten am Montag 0,8 Prozent zu. Sie profitierten von der Empfehlung der EU-Kommission an die EU-Minister, weiterhin Zölle auf Schuhe aus China und Vietnam zu erheben. Gegen den Trend gewann auch die Lufthansa-Aktie hinzu. Der Branchenverband IATA hatte der Branche ein wenig Hoffnung gemacht. Im Oktober wurden weltweit wieder mehr Passagiere als im Vorjahr befördert, teilte die Organisation mit. Gegenüber dem schwächsten Monat 2009, dem März, betrug das Passagierplus laut IATA sechs Prozent.

BASF legt einen Zahn zu
Der Chemiekonzern BASF hat trotz schwer vorhersehbarer wirtschaftlicher Entwicklungen eine neue, 100 Millionen Euro teure Großanlage in Betrieb genommen. Die Anlage werde chemische Zwischenprodukte herstellen, teilte BASF mit. Vorstandsmitglied Harald Schwager bezeichnete den Start des Anlagenkomplexes als "positives Zeichen in Zeiten, in denen die wirtschaftliche Situation noch sehr angespannt ist".

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
107,18
Differenz relativ
-0,06%

Satellitenauftrag für EADS
Der Satellitenbetreiber SES hat beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS vier Satelliten bestellt. Die vier Erdtrabanten, die eine halbe Milliarde Euro kosten werden, sollen zwischen 2012 und 2014 in die Erdumlaufbahn gebracht werden und dort 15 Jahre lang bestehende Fernseh- und Kommunikationssatelliten ersetzen sowie die Übertragungskapazitäten erweitern.

SGL und BMW gründen Joint Venture
Der im MDax notierte Grafitspezialist SGL und BMW haben vereinbart, bei der Produktion von Kohlefasern für den Automobilbau zusammenzuarbeiten. In den kommenden Jahren will das Joint Venture 230 Millionen Euro in neue Produktionsstätten investieren, teilte SGL mit. BMW werde seinen "Zugang zu den Kapitalmärkten" nutzen, um die Fremdkapitalfinanzierung sicher zu stellen. Außerdem garantiere BMW als zunächst einziger Kunde eine Mindestabnahmemenge, hieß es weiter.

Kleinere Bilanzen
Aus dem SDax legte am Morgen der Ölfelddienstleister Catoil seine Bilanz vor. Mit einem Umsatz von 59 Millionen und einem Gewinn von 9,2 Millionen Euro überraschte das Unternehmen. Das dritte Quartal fiel damit besser aus als die Vorquartale, Catoil verwies vor allem auf Bemühungen, die Kosten zu senken. Die Aktie notiert fester. Der Quartalsbericht des Solarfeldprojektierers und -betreiber Colexon trifft an der Börse auf wenig Gegenliebe. Mit einem Umsatz von 112,7 Millionen und einem Ebit von 14,0 Millionen Euro enttäuschte Colexon die Anleger.

Ebenfalls enttäuschend fiel die Bilanz des chinesischen Müllverbrennungsanlagenherstellers ZhongDe Waste Technology aus. Belastet von gebremster Investitionsbereitschaft vieler chinesischer Städte brach der Umsatz im dritten Quartal auf 6,3 Millionen Euro ein, der Gewinn sank um 93 Prozent auf 0,43 Millionen Euro. Deutlich besser sieht es bei Europas größtem Konzertveranstalter Deag aus. Mit einem Gewinn von 1,1 Millionen Euro für die ersten drei Quartale bügelte die Firma einen Vorjahresverlust von 3,6 Millionen Euro mehr als aus. Auch der Umsatz kletterte leicht.

SAF-Holland: Kredit gewährt
Sehr erleichtert reagierten Aktionäre auf eine gute Nachricht vom Lkw-Zulieferer SAF-Holland. Das Unternehmen teilte gestern mit, dass die Banken eine bestehende Kreditlinie um fünf Jahre verlängert hätten.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)