Schuldenkrise sorgt weiter für Skepsis

Stand: 16.11.2011, 20:01 Uhr

Der ungewisse Ausgang der Schuldenkrise sorgt weiter für Verunsicherung. Entsprechend zurückhaltend reagieren die Anleger. Die Bildung einer neuen Regierung in Italien hat die Gemüter aber etwas beruhigt.

Der Dax grenzt kurz vor Schluss seine Verluste ein und beendet den elektronischen Handel 0,3 Prozent niedriger bei 5.913 Punkten. Im Abendhandel schließt der Leitindex bei 5.925 Punkten. Dass sich der Dax schwächer präsentiert als andere europäische Indizes, erklären einige Händler mit dem bestehenden Leerverkaufsverbot in einigen Euro-Staaten. Für den deutschen Leitindex gilt dieses Verbot nicht.

Die Nervosität der Marktteilnehmer spiegelt sich in der extremen Schwankungsbreite der Kurse wider. Tatsächlich hat der Markt heute eine nervöse Berg- und Talfahrt hingelegt. Nachdem er am Morgen kurz auf 6.028 Punkte, ein Plus von 1,6 Prozent, geklettert war, drehte er am Mittag ebenso kräftig ins Minus und fiel bis auf 5.852 Punkte.

Zwischen hoffen und bangen
Händlern zufolge schwankt die Stimmung zwischen der Hoffnung auf ein baldiges Ende der Schuldenkrise und der Angst vor einer Ausweitung zu einem Flächenbrand. Investoren bereitet vor allem Sorge, dass nach wie vor kein ausreichender Schutzwall gegen die Krise vorhanden ist. So hat sich zuletzt gezeigt, dass die Schlagkraft des Euro-Rettungsschirms EFSF möglicherweise nicht wie erhofft erhöht werden kann.

Auch die Spreadausweitungen bei den Staatsanleihen zeugen von der wachsenden Skepsis der Investoren. Die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen verharrt bis zum Börsenschluss über der Schwelle von sieben Prozent - ein Niveau, das das Land nur wenige Monate wird durchhalten können. Derweil kann sich Deutschland umsonst refinanzieren. Bei der Auktion zweijähriger Bundesschatzanweisungen fiel der durchschnittliche Zins heute auf 0,39 Prozent.

Diese Entwicklung ist als Ausdruck des Misstrauensvotums gegenüber der Währungsunion zu werten, meint Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

Wall Street grenz Verluste ein
Die weiter schwelende Schuldenkrise in Europa hat auch die US-Börsen erneut belastet. Der Leitindex Dow Jones Industrial fiel zeitweise um ein Prozent, grenzt aber bis zum Börsenschluss in Frankfurt seine Verluste ein und notiert nahezu unverändert bei 12.097.

Dabei mehren sich die Anzeichen für eine leichte Besserung der US-Wirtschaft. Das Verarbeitende Gewerbe stellte im Oktober 0,7 Prozent mehr her als im Vormonat, teilte die US-Notenbank mit. Im September war die Produktion noch um 0,1 Prozent zurückgegangen. Analysten hatten für Oktober nur mit einem Anstieg von 0,4 Prozent gerechnet.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,47
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-0,72%

BMW fährt ans Dax-Ende
Kräftig abwärts geht es mit der Aktie von BMW. Händler berichten von gemischten Kommentaren zu den ersten Eindrücken von einer Investorenveranstaltung in Barcelona. In den südeuropäischen Märkten spüre das Unternehmen die Krise, außerhalb der X-Serie und dem 5er verschlechterten sich zudem die Preise. Der Start der neuen 3er-Serie im Frühjahr nächsten Jahres dürfte im Lauf der zweiten Jahreshälfte zu einer Verbesserung führen.

Infineon enttäuscht mit Ausblick
Zweitschwächster Wert im Dax ist die Infineon-Aktie. Der Halbleiterkonzern blickt wegen der trüberen Konjunkturaussichten auf ein ungewisses Jahr 2012. Händler bemängelten den vorsichtigen Ausblick. Der Konzern rechnet 2012 mit einem Umsatzrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich und einer Marge für das Segmentergebnis im niedrigen bis mittleren Zehn-Prozentbereich. Ein Händler stufte diesen Ausblick als "schlechter als bisher erwartet" ein. Der Halbleiterkonzern Infineon will seinen Aktionären trotzdem mindestens zehn Cent Dividende je Aktie zahlen. "Die Dividende wird nicht unter dem Niveau des Vorjahres liegen", sagte Vorstandschef Peter Bauer.

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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188,45
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Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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7,64
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-0,21%

Morgan Stanley stützt Munich Re
Zu den wenigen Gewinnern im dax gehört die Aktie der Münchener Rück. Grund ist eine positive Studie von Morgan Stanley. Die Bank belässt den Rückversicherer auf "Overweight" mit einem Kursziel von 129,00 Euro. Die teils niedrigere Solvabilität europäischer Versicherer könnte deren Nachfrage nach Rückversicherungen ankurbeln, schreibt Analyst Maciej Wasilewicz in einer Studie. Das könnte bei der anstehenden Erneuerungsrunde die Entwicklung der Rückversicherungsprämien unterstützen. Unter den Aktien der großen Rückversicherer bleibe Munich Re der "Top Pick".
Zum größten Gewinner im Dax stiegt bis zum Börsenschluss aber die Deutsche Bank auf.

Asienpläne beflügeln Bayer
Besser als der Gesamtmarkt hält sich auch die Aktie von Bayer. Dmit begrüßen die Anleger Pläne des Pharma- und Chemiekonzern Bayers, sein Geschäft in Asien ausbauen zu wollen. Bis zum Jahr 2015 soll der Umsatz dort um mehr als 60 Prozent steigen. Nach 6,9 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr in der Region entspreche das einem Anstieg auf deutlich mehr als elf Milliarden Euro.

Airbus bleibt begehrt
Dagegen muss die Aktie von EADS leichte Abschläge hinnehmen, obwohl die Tochter Airbus auf der Luftfahrtmesse in Dubai Aufträge für insgesamt 211 Flugzeuge erhalten hat. Insgesamt liegt der Auftragswert vor Rabatten bei 20,5 Milliarden US-Dollar. Damit übertrumpfte die Tochter des EADS-Konzerns den Konkurrenten Boeing, der Aufträge im Wert von 18,6 Milliarden reinholte.

Pfeiffer Vacuum: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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107,70
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-6,35%

BNP mag Pfeiffer Vacuum
Zu den stärksten Werten im TecDax gehört die Aktie von Pfeiffer Vacuum. Exane BNP Paribas hat den Spezialpumpenhersteller erstmal bewertet und das Anlageurteil "Outperform" mit einem Kursziel von 85 Euro gefällt. Als Grund nannte der zuständige Analyst eine niedrige Bewertung im Branchenvergleich.

Q-Cells mit Gegenbewegung
Noch stärker laufen Q-Cells-Aktien. Allerdings ist das nach dem jüngsten Absturz in den Penny-Stock-Bereich bei unter einem Euro wohl nur ein schwacher Trost für die meisten Aktionäre. Das Solarunternehmen hatte am Montag von einem dramatischen Umsatzrückgang und einem hohen Ergebnisminus berichtet.

VTG mit Gewinnmitnahmen
Kursverluste von mehr als fünf Prozent muss dagegen die Aktie von VTG hinnehmen. Der Schienenlogistiker ist damit der größte Verlierer im SDax. Die Firma hat in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres Umsatz und Ergebnis kräftig und wie erwartet gesteigert. Von einem Wirtschaftsabschwung hat das SDax-Mitglied bisher nicht viel bemerkt.

WMF wächst kräftig
Abwärts geht es auch mit der Aktie von WMF. Dabei hat der Konsumgüterhersteller in den ersten neun Monaten seinen Umsatz um zwölf Prozent auf 671 Millionen Euro verbessern können. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte von 32,2 auf 42,8 Millionen Euro zu. WMF bestätigte zudem seine Gesamtjahresprognose - unter der Voraussetzung, dass es zu keinen konjunkturellen Verwerfungen kommt.

Tagestermine am Mittwoch, 19. Dezember

Unternehmen:
Softbank: IPO der Mobilfunktochter in Tokyo
Ceconomy: Q4-Zahlen, 07:00 Uhr, und Bilanz-PK, 10:00 Uhr
General Mills: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20:00 Uhr, PK mit Fed-Chef Powell, 20:30 Uhr
Japan: Außenhandel im November, 00:50 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im November, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im November, 10:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q3, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im November, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht, 16:30 Uhr