Schuldenkrise sorgt für anhaltenden Abwärtsdruck

Stand: 18.11.2011, 20:00 Uhr

Der Abwärtsdruck am deutschen Aktienmarkt bleibt ungebrochen. In dieser Woche hat der Dax gut vier Prozent eingebüßt. Sorge bereitet den Anlegern vor allem die sich weiter zuspitzende Schuldenkrise.

Leicht gesunkene Risikoprämien für Staatsanleihen der europäischen Sorgenstaaten Italien und Spanien haben zum Wochenausklang zwar ein wenig Ruhe in den Markt gebracht. Dennoch wird die Furcht vor einem Flächenbrand immer größer, nachdem am Donnerstag die Renditen für spanische und selbst französische Staatsanleihen auf neue Höchststande geklettert sind. "Die Nervosität ist groß, die meisten sehen derzeit keinen Grund, warum sie in einem so unsicheren Umfeld auf Aktien setzen sollten", sagte ein Händler.

Der Dax schließt deshalb erneut tiefer bei genau 5.800 Punkten, 0,85 Prozent weniger als gestern. Auch im Abendhandel halten sich die Käufer bei äußerst geringen Umsätzen zurück. Am Vormittag war der Dax zeitweise sogar um bis zu 1,4 Prozent auf 5.769 Zähler abgesackt. Danach setzte eine Gegenbewegung ein, in der es der Leitindex um fast 130 Punkte bis auf 5.897 Zähler schaffte. Der Euro notiert am Abend bei 1,353 Dollar.

Kein Interesse an EFSF
Beruhigt hatte die Anleger zunächst die Aussage des griechischen Premiers Lucas Papademos, wonach das Land im kommenden Jahr sein Defizit von heute etwa neun auf 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts senken will.

Belastet wurde der Dax aber von den Aussagen des russischen Notenbankpräsidenten. Sergej Ignatjew sprach sich wegen der noch unklaren Details über die Ausgestaltung des europäischen Rettungsschirme EFSF gegen einen direkten Einstieg aus. Die russische Führung hatte bereits in der Vergangenheit betont, sie würde eine Lösung unter Leitung des Internationalen Währungsfonds (IWF) bevorzugen.

Gute Konjunkturdaten aus den USA
Die Wall Street ziehen die Kurse heute nach zwei schwachen Handelstagen leicht an. Marktteilnehmer nannten als Begründung die vorübergehende Entspannung am europäischen Anleihemarkt. Gestützt wird der Markt auch vom überraschend deutlichen Anstieg der US-Frühindikatoren im Oktober. Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt rund 0,5 Prozent höher als gestern bei 11.825 Punkten.

Für Gesprächsstoff sorgen aber auch einige Meldungen aus den Unternehmen.

Deutsche Börse: Zugeständnisse an Brüssel
Angeführt wird der Dax von der Aktie der Deutschen Börse. Damit reagieren die Anleger auf die Ankündigung der New Yorker Börse NYSE, im Rahmen der Fusion mit der Deutschen Börse ihr gesamtes Europa-Geschäft mit Derivaten abzugeben. Konkurrenten sollen bei europäischen Zins- und Aktienindex-Derivaten einen Zugang zu den Systemen der fusionierten Börse erhalten. Damit steigen die Aussichten, dass Brüssel der Fusion der beiden Börsenbetreiber zustimmt. Die Prüfungsfrist wurde aber bis zum 23. Januar 2012 verlängert. Eigentlich wollten Deutsche Börse und NYSE Euronext ihren Zusammenschluss spätestens Ende 2011 unter Dach und Fach haben.

Koch neuer Metro-Chef
Leicht im Minus schließt dagegen die Aktie von Metro. Der Aufsichtsrat des Unternehmens berief heute Franz Markus Haniel zu seinem neuen Vorsitzenden. Neuer Metro-Chef und damit Nachfolger des scheidenden Metro-Chefs Eckhard Cordes soll wie erwartet mit Wirkung zum 1. Januar 2012 Finanzvorstand Olaf Koch werden.

UBS zeigt Commerzbank rote Karte
Zu leichten Verlusten kommt es auch bei der Commerzbank. Die UBS hat Deutschlands zweitgrößte Bank von "Neutral" auf "Sell" herabgestuft und das Kursziel von 2,00 auf 1,30 Euro gesenkt. Bilanzverkürzungen und das schwierige operative Geschäftsumfeld dürften die Eigenkapitalrendite in den kommenden Jahren sinken lassen, schreibt Analyst Philipp Zieschang. Zudem sei das Risiko einer Anteilsverwässerung angesichts der bei einem Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht festgestellten Kapitallücke deutlich gestiegen. Nach den Zahlen zum dritten Quartal und der angekündigten Reduzierung der risikogewichteten Aktiva um 30 Milliarden Euro bis Mitte 2012 habe er die Gewinnschätzungen deutlich zurückgenommen.

Infineon weiter auf Talfahrt
Die rote Laterne im Dax halten dagegen Infineon und MAN. Bei dem Halbleiterkonzern setzt sich damit die Talfahrt fort, die mit einem enttäuschenden Ausblick am Mittwoch begonnen hatte. Hier hätten immerhin sowohl das Umsatz- als auch das Margenziel die aktuellen Analystenschätzungen verfehlt. Ein Börsianer erinnerte zudem daran, dass Infineon in den vergangenen zwei Jahren mehrfach die Zielsetzung erhöht und damit für gute Stimmung gesorgt hatte. Nun befürchtet er, dass die enttäuschende Zielsetzung womöglich den Auftakt einer Abwärtsspirale von reduzierten Ausblicken darstellt.

SGL Group: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,00
Differenz relativ
-1,85%

SGL jetzt auch von BMW begehrt
Zu den wenigen Gewinnern im MDax gehört die Aktie der SGL Group. Grund ist der Einstieg von BMW. Der Autobauer hat sich gut 15 Prozent der Anteile an dem Wiesbadener Unternehmen gesichert. Damit bieten die Münchner dem Konkurrenten Volkswagen direkt die Stirn. VW war Anfang des Jahres überraschend bei SGL eingestiegen und hält derzeit 9,9 Prozent der Anteile. BMW-Großaktionärin Susanne Klatten hatte daraufhin ihren Anteil an SGL auf zuletzt rund 29 Prozent aufgestockt. Sie plant aber weiterhin keine SGL-Übernahme.

Zooplus bricht ein
Um mehr als elf Prozent bricht dagegen die Aktie des Internet-Händlers für Heimtierprodukte, Zooplus, ein. Das SDax-Mitglied hat auch im dritten Quartal operativ Geld verloren. Das Minus vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 1,5 Millionen Euro.

Softing lässt Anleger kalt
Praktisch unverändert notiert die Aktie des Hard- und Softwareunternehmens Softing. Dabei hat die Firma ihre Prognose angehoben und rechnet nun mit einem Gesamtjahresumsatz von rund 37 Millionen Euro nach bisher 35 Millionen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll mehr 3,7 Millionen Euro erreichen nach 1,5 Millionen Euro im Vorjahr.

Cor & FJA muss sich bescheiden
Bergab geht es dagegen mit der Aktie des Finanzsoftwareherstellers Cor & FJA. Die Firma ihre Prognosen für das laufende Jahr reduziert. Der Umsatz soll jetzt 135,0 statt 139,5 Millionen Euro erreichen. Das Vorsteuerergebnis wird bei 3,0 Millionen Euro liegen. Grund sind Abschreibungen in Höhe von 2,1 Millionen Euro auf ein Tochterunternehmen.

Lang & Schwarz fällt in Ungnade
Noch kräftiger nach unten geht es mit der Aktie von Lang & Schwarz - trotz eines hervorragenden Quartalsergebnisses. Das Unternehmen hat im dritten Quartal seinen Gewinn um 115 Prozent auf knapp 0,8 Millionen Euro verbessert. Allerdings stören sich die Anleger möglicherweise an den Aussagen des Vorstands, dass institutionelle Anleger wegen der Krise eher zurückhaltend in ihren Aktivitäten seien.

Aktiensplit bei Mobotix
Der Soft- und Hardwareentwickler für Video-Überwachungssysteme Mobotix hat am Freitag einen Aktiensplit im Verhältnis ein zu drei durchgeführt. Das bedeutet, Anleger haben nun dreimal so viele Aktien im Depot wie bisher. Der Kurs hat sich dementsprechend in etwa gedrittelt.

Youniq abgestraft
Die Neunmonatszahlen des Studentenwohnheim-Vermieters Youniq kommen nicht gut an. Die Aktie verliert rund sieben Prozent, nachdem Youniq einen Konzernverlust von 1,6 Millionen Euro gemeldet hat, nach einem operativen Plus von 1,6 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"