Schuldenkrise schickt Aktienmärkte immer weiter südwärts

Stand: 21.11.2011, 19:57 Uhr

Erst war es nur Europa, jetzt belastet auch noch die Schuldenkrise in den USA die Märkte. Hinzu kommen die Furcht vor einer Rezession sowie der unendliche Streit über die Rolle der EZB und die Ausgabe von Eurobonds.

Händler sprachen von einem nicht endenden negativen Nachrichtenfluss. Die Anleger nahmen die Meldungen zum Anlass, um sich weiter aus den Aktienmärkten zurückzuziehen. Der Dax rutscht im heutigen Handel um 3,35 Prozent ab auf 5.606. Auch am Abend kommt es zu ähnlich hohen Kursverlusten.

Bereits am Morgen war das Börsenbarometer zeitweise um gut drei Prozent gefallen, konnte seine Verluste dann aber etwas eingrenzen bevor es wieder bergab ging. Alle 30 Dax-Werte notieren im Minus. Auch im MDax und im TecDax gibt es fast nur Verlierer.

Ähnlich düster sieht es an der Wall Street aus. Weil sich Republikaner und Demokraten im US-Kongress nicht auf ein gemeinsames Sparprogramm einigen können, droht nun ein Radikalschnitt der Ausgaben im Volumen von 1,2 Billionen Dollar. Darauf reagieren die Anleger mit kräftigen Kursverlusten von rund 2,5 Prozent. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index bei 11.492 Punkten.

Bangen um Frankreich
Derweil geht die Krise in Europa in die nächste Runde. Heute bangten die Anleger erneut um die Kreditwürdigkeit Frankreichs. Das Land könnte seine Bestnote AAA verlieren. In der Folge stiegen die Renditen für zehnjährige französische Staatsanleihen auf 3,51 Prozent. Dagegen erfreuen sich deutsche Staatstitel immer größerer Beliebtheit.

Der richtungsweisende Euro-Bund-Future kletterte im Tagesverlauf um 0,70 Prozent auf 137,44 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 1,892 Prozent und damit um fast die Hälfte niedriger als vergleichbare französische Papiere, obwohl das Land ebenfalls mit der Bestnote AAA bewertet wird.

Berlin bleibt bei Nein gegen Eurobonds
Belastet wird der Aktienmarkt auch von dem anhaltenden Streit über eine Lösung der Schuldenkrise in Europa. Während EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erneut zur Einführung sogenannter Eurobonds drängt, lässt Bundeskanzlerin Angela Merkel umgehend wissen, dass sie gemeinsame europäische Staatsanleihen weiterhin ablehnt. Widerstand gegen die Pläne von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso kommt auch von den deutschen Privatbanken. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte aber, dass Merkel bei einem Treffen mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkzoy und dem neuen italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti an diesem Donnerstag über Barrosos Vorschläge sprechen werde.

Inzwischen hat auch Gold seine Rolle als sicherer Hafen eingebüßt. Der Preis für das Edelmetall kann jedenfalls von der derzeitigen Krise nicht profitieren. Er fällt sogar unter die Marke von 1.700 Dollar. Als robust erweist sich dagegen der Euro. Er notiert wenig verändert bei 1,35 Dollar.

Commerzbank am Dax-Ende
Wieder einmal ist die Aktie der Commerzbank ans Dax-Ende gerutscht. Sie büßt 6,8 Prozent ein. Dabei hat das Papier im laufenden Jahr bereits Dreiviertel seines Wertes verloren. Hauptgrund sind die Wertberichtigungen und Verluste wegen der Schuldenkrise.

Konjunktursensible Werte unter Druck
Zu größten Verlierern gehören auch konjunktursensible Werte wie HeidelbergCement, ThyssenKrupp und MAN. Sie büßen überdurchschnittlich ein und verlieren bis zu sechs Prozent.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,49
Differenz relativ
-1,12%

Autos bremsen deutlich ab
Kräftig unter Ruck geraten sind auch die Aktien der Autobauer. Volkswagen rechnet im kommenden Jahr mit viel Gegenwind für die Branche. "Keine Frage: 2012 wird wesentlich härter, vor allem in Europa und da speziell in den hoch verschuldeten Ländern wie Italien oder Spanien", sagte VW-Vorstandschef Martin Winterkorn dem "Handelsblatt". Insgesamt rechnen wir in Europa mit einem Marktrückgang."

Laut einer Prognose des Centers Automotive Research (CAR) 2012 könnten als Reaktion auf die Schuldenkrise und der nachlassenden Konjunktur sei die Verkäufe um 5,3 Prozent sinken.

Beiersdorf bester Dax-Wert
Die Aktien von Beiersdorf haben sich nach Aussagen des Finanzchefs besser gehalten als der Gesamtmarkt. Die Papiere des Nivea-Herstellers gaben lediglich 1,4 Prozent nach. Neben den defensiven Qualitäten der Aktie des Konsumgüterherstellers stützten Aussagen des Finanzchefs Ulrich Schmidt, demzufolge Beiersdorf eine mittelfristige operative Marge von 16 Prozent erreichen soll. Für dieses Jahr erwarte das Unternehmen eine Gewinnspanne zwischen 10 und 11 Prozent, hieß es aus Händlerkreisen.

K+S trotzdem unter Druck
Sogar von K+S lassen die Anleger heute die Finger. Dabei hat der Düngemittel- und Salzhersteller eine höhere Dividende in Aussicht gestellt. "Wenn wir in diesem Jahr einen höheren Gewinn ausweisen als im Vorjahr, wovon wir derzeit ausgehen, sollte das eine gute Grundlage sein für die Gespräche zwischen Vorstand und Aufsichtsrat über eine höhere Dividende", sagte Vorstandschef Norbert Steiner der "FAS".

Deutsche Börse macht jetzt auch in Pferdewetten
Etwas besser als der gesamtmarkt hält sich die Aktie der Deutschen Börse. Die Eschborner wollen über ihre US-Tochter ISE in das Geschäft mit Pferdewetten einsteigen. Dazu soll das Handelssystem "Longitude" auf die Bedürfnisse von Sportwetten angepasst werden. "Die Gespräche für einen ersten Geschäftsabschluss laufen gut", sagte Tom Ascher, Strategievorstand der ISE, dem "Handelsblatt".

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
62,59
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-1,45%

Bayer erhält neue Zulassung
Auch Bayer steht auf der Verliererliste. Dabei hat der Chemie- und Pharmakonzern erneut einen Erfolg verbucht und kann in den USA die Zulassung für das Augenmedikament Eylea erhalten. Eylea wird zur Behandlung der feuchten altersbedingten Makula-Degeneration eingesetzt und zusammen mit dem Partner Regeneron vermarktet.

BVB winkt mit Dividende
Aufwärts geht es dagegen mit der Aktie von Borussia Dortmund. Der Fußballverein will im nächsten Jahr erstmals eine Dividende zahlen, falls sich der BVB erneut direkt für die Champions League qualifiziert. Das versprach Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auf der heutigen Hauptversammlung. Im Geschäftsjahr 2010/2011, in dem der BVB deutscher Meister wurde, hat die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) ein Rekordergebnis von 9,5 Millionen Euro erzielt, nach einem Verlust von 2,8 Millionen Euro im Vorjahr. Unter dem Strich bleibt Deutschlands einzigem börsennotierten Fußballklub ein Bilanzgewinn von 2,9 Millionen Euro. Die Summe wird auf Beschluss der Hauptversammlung in die Gewinnrücklagen übernommen.

Francotyp bricht ein
Besonders hart trifft es die Aktie des Postdienstleisters Francotyp Postalia. Sie stürzt nach einer Gewinnwarnung für das laufende Jahr um mehr als 17 Prozent ab. Das Unternehmen rechnet nur noch mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 22 bis 23 Millionen Euro statt wie 25 bis 27 Millionen. Zudem belasten hohe Restrukturierungskosten und Abschreibungen.

Kinghero kann nicht überzeugen
Bergab geht es auch mit der Aktie des im Entry Standard der Deutschen Börse notierten chinesischen Modeherstellers Kinghero. Dabei hat die Aktie im laufenden jahr bereits 60 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Kinghero vermeldet für die ersten neun Monate einen Umsatzanstieg um 23 Prozent auf 63,1 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs um ein Viertel auf 16,3 Millionen Euro.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"