Schuldenkrise macht vorsichtig

Stand: 11.01.2012, 19:56 Uhr

Nach dem kräftigen Kursplus am Vortag haben die Anleger am Mittwoch eine Pause eingelegt. Sorgen über den weiteren Verlauf der Schuldenkrise sowie Gewinnmitnahmen haben den deutschen Leitindex sogar leicht ins Minus gedrückt.

Der Dax schloss im elektronischen Handel 0,17 Prozent niedriger bei 6.152 Punkten, nachdem er im Tagesverlauf zwischen 6.106 und 6.181 Punkten hin und her gependelt war. Im Abendhandel halten sich die Anleger ebenfalls bedeckt. Der Euro ist zeitweise wieder unter die Schwelle von 1,27 Dollar gerutscht, notiert am Abend aber wieder leicht über der psychologisch wichtigen Marke.

Auch die New Yorker Wall Street kann sich nicht aus den Fängen der Euro-Schuldenkrise befreien. Für die US-Börsenbarometer ging es am Mittwoch schon wieder abwärts - nur einen Tag, nachdem der Optimismus des Aluminiumkonzerns Alcoa die wichtigsten Indizes auf ein Fünf-Monats-Hoch getrieben hatte. Die Kehrtwende ließ Händlern zufolge vorerst die Hoffnung schwinden, dass sich der US-Aktienmarkt von der europäischen Gemeinschaftswährung abkoppeln kann. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 0,4 Prozent niedriger als gestern bei 12.417 Punkten. Der Markt wartet zudem auf den Konjunkturbericht der US-Notenbank, der am Abend veröffentlicht wird. Börsianer erhoffen sich weitere Hinweise darauf, dass die Erholung der Wirtschaft an Fahrt gewinnt.

"Vor der EZB-Sitzung am Donnerstag und der Emission neuer Anleihen aus Italien und Spanien will niemand ein zu großes Risiko eingehen", begründete ein Händler die geringe Kauflaune der Anleger. Zudem verhindern nach den kräftigen Aufschlägen der ausklingenden Rallye auch Gewinnmitnahmen weiter steigende Notierungen.

Auktionen von Italien und Spanien
Italien will 12 Milliarden Euro in Form von Geldmarktpapieren auf den Markt bringen. Am Freitag sollen weitere italienische Anleihen im Volumen von sieben Milliarden Euro angeboten werden. Am Freitag legt Spanien neue Papiere von zunächst unbekanntem Volumen auf.

Nur vorübergehend für Beruhigung sorgte am Nachmittag das Lob von Angela Merkel an Italien. Der neue Ministerpräsident Mario Monti und seine Regierung hätten innerhalb von wenigen Tagen "außerordentlich wichtige und bemerkenswerte Maßnahmen getroffen", sagte die Bundeskanzlerin nach Montis Antrittsbesuch in Berlin.

Für Verunsicherung sorgt auch der Fall Griechenland. Am Montag reist die Troika aus IWF, EZB und EU-Kommission nach Athen, um sich die Sparfortschritte der griechischen Regierung anzuschauen. Experten zufolge ist es der Besuch die letzte Chance für das Land. Griechenland müsse alle Reformen umsetzen und noch härtere Maßnahmen treffen - sonst erhalte es kein Geld mehr, so der Tenor.

Metro erneut auf Talfahrt
Angeführt wird die Liste der Verlierer im Dax von der Metro-Aktie. Das Papier wurde von der Schweizer Bank UBS von "Neutral" auf "Sell" herabgestuft und das Kursziel von 32,00 auf 26,00 Euro abgesenkt. Als Folge seiner vorsichtigen Einschätzung für die Umsatz- und Margenentwicklung habe er seine Prognosen für das operative Ergebnis (Ebit) und den Gewinn je Aktie (EPS) in diesem Jahr um sechs respektive acht Prozent gekürzt, schrieb Analyst Benjamin Peters. Auch sei nicht damit zu rechnen, dass der Handelskonzern 2012 wieder zu einem Gewinnwachstum je Aktie auf Vorkrisenniveau zurückkehren werde. Ähnlich vorsichtig äußert sich auch die Deutsche Bank.

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank vor Befreiungsschlag?
Größter Favorit im Dax ist die Aktie der Commerzbank mit einem Plus von mehr als fünf Prozent. Grund sind Meldungen wonach der Großaktionär Allianz der Commerzbank grundsätzlich bereit sei, seine stille Einlage von 750 Millionen Euro so anzupassen, dass die Commerzbank sie zum Stopfen ihrer rund 5,3 Milliarden Euro großen Eigenkapital-Lücke nutzen kann, sagten mehrere mit den seit Dezember laufenden Gesprächen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Beschlüsse gebe es aber noch nicht. Auch die Allianz-Aktie legt zu.

Lufthansa auf Rekordkurs
Auch die Papiere der Lufthansa stehen auf der Liste der Gewinner im Leitindex weit oben. Die Airline hat im vergangenen Jahr trotz Schuldenkrise und sich abkühlender Konjunktur 7,5 Prozent mehr Passagiere befördert. Das Luftfrachtaufkommen bei Lufthansa Cargo legte trotz der Abschwächung in der zweiten Jahreshälfte insgesamt noch um fünf Prozent auf 1,9 Millionen Tonnen Fracht und Post zu.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Eon steigt in Brasilien ein
Mit einem Kursverlust von 1,25 Prozent reagieren die Anleger auf den Einstieg von Eon in Brasilien. Mit dem Aufbau eines Gemeinschaftsunternehmens in dem flächen- und bevölkerungsmäßig fünftgrößten Land der Erde soll das schwächelnde Energiegeschäft des größten deutschen Strom- und Gaskonzerns wieder angekurbelt werden. Gemeinsam mit dem inländischen Versorger MPX werde Eon ein Joint Venture gründen, das Projekte zur Stromerzeugung in Brasilien und Chile mit einer Gesamtkapazität von 20 000 Megawatt weiterverfolgen und Handelsaktivitäten aufbauen soll, teilten Eon und MPX mit.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Hoffnung für die Aktionäre der Postbank
Kleinaktionäre hoffen auf ein sattes Abfindungsangebot des neuen Mutterkonzerns Deutsche Bank. Zahlreiche Investoren stiegen am Mittwoch ein und kauften Aktien der einstigen Post -Tochter: Die Papiere legten in der Spitze um bis zu 4,7 Prozent auf 26,10 Euro zu und waren damit so teuer wie zuletzt im September 2010. Das größte deutsche Geldhaus will über einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag die Postbank enger an sich binden. Damit winkt den Aktionären ein Abfindungsangebot mindestens in Höhe des Durchschnittskurses der vergangenen drei Monate.

Fraport dämpft Erwartungen
Im MDax sind die Aktien von Fraport gefragt. Dabei hat der Frankfurter Flughafenbetreiber wegen der unsicheren Wirtschaftsentwicklung die Wachstumsprognosen gedämpft. Die Zahl der Fluggäste werde trotz der neuen Landebahn voraussichtlich nur um vier Prozent steigen, hieß es am Mittwoch in einer Präsentation von Fraport-Chef Stefan Schulte. Im vergangenen Jahr legte die Zahl der Fluggäste um 6,5 Prozent auf 56,4 Millionen zu. Dennoch zeigte sich der Manager für 2012 positiv gestimmt: Gewinn und Umsatz sollen sich wie geplant entwickeln. Damit hat das Unternehmen die Erwartungen übertroffen.

Douglas-Zahlen enttäuscht
Die Hagener Parfümerie-, Buch- und Schmuckhandelskette Douglas leidet unter den vom Internet ausgelösten Umbrüchen im Buchhandel. Firmenchef Henning Kreke sagte, wegen der dadurch notwendigen Restrukturierungsaufwendungen bei der konzerneigenen Buchhandelskette Thalia werde der Gewinn im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich deutlich sinken. Die Anleger sind enttäuscht und reagieren mit Kursabschlägen von knapp zehn Prozent. Damit ist Douglas der mit Abstand größte Verlierer im MDax.

Geldregen für Evotec
Nur leicht zulegen kann die Aktie von Biotech. Dabei erhält das Biotech-Unternehmen von seinem Kooperationspartner Boehringer-Ingelheim eine weitere Meilensteinzahlung von 2,5 Millionen Euro.

CropEnergies enttäuscht mit Ausblick
Mehr als zwei Prozent büßt die Aktie der Südzucker-Tochter CropEnergies ein, obwohl das Unternehmen in der ersten neuen Monaten ihren Umsatz um 22 Prozent auf 426 Millionen Euro gesteigert hat. Das operative Ergebnis legte um 34 Prozent auf 42,8 Millionen Euro zu, netto blieben 26,4 Millionen Euro in der Firmenkasse. Allerdings fällt der Ausblick schwächer aus als erwartet. Deswegen rutscht auch Südzucker-Aktie im MDax mehr als zwei Prozent ab.

Patrizia Immobilien verkauft
Im SDax bestätigt das Wohnungsunternehmen Patrizia seine Ergebnisprognose für 2011, nach der ein operatives Ergebnis zwischen 16 und 17 Millionen Euro erreicht werden soll. Maßgeblich dazu beigetragen haben planmäßige Wohnungsverkäufe. Die Aktie legt überdurchschnittlich zu.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"