Schuldenkrise kann Dax nicht (mehr) stoppen

Stand: 14.06.2010, 20:02 Uhr

Noch ist die Schuldenkrise der südeuropäischen Staaten nicht ausgestanden. Doch die Verunsicherung geht allmählich zurück und die Anleger greifen wieder zu. Diese Tendenz kann auch eine erneute Herabstufung Griechenlands nicht beenden.

Bis zum Abend legt der Dax 63 Punkte zu und schließt bei 6.113 Zählern, gut ein Prozent mehr als am Freitag. "Der deutlich erholte Euro war wohl der wichtigste Faktor", sagte Fidel Helmer, Chefhändler von Hauck und Aufhäuser. Zudem seien die Vorgaben aus den USA und Japan positiv gewesen. "Insgesamt hat sich die Lage am deutschen Aktienmarkt sehr beruhigt", sagte Helmer.

Auch an der Wall Street klettert der Dow Jones-Index bis zum Börsenschluss in Frankfurt um gut 50 Zähler auf 10.262 Punkte. Einen Dämpfer erhielten die Märkte allerdings nach der Entscheidung der Ratingagentur Moody's, die Kreditwürdigkeit Griechenlands gleich um vier Stufen auf Ramschstatus herabzustufen. Die Bonität des Mittelmeerlandes werde nun nur noch mit Ba1 bewertet, nach zuvor A3, teilte die Agentur am Abend mit. Dagegen hat die Agentur Fitch eigenen Angaben zufolge keine Pläne zur Herabstufung des Mittelmeerlandes.

Der Euro verlor nach der Herabstufung zum Dollar ebenfalls an Wert. Zuvor war die Gemeinschaftswährung bis nahe an die Marke von 1,23 Dollar gestiegen. Bei Börsenschluss in Deutschland ging der Euro bis auf 1,224 zurück, immer noch gut drei Cent mehr als der Tiefstkurs in der vergangenen Woche.

Aufschwung hält an
Börsianer begründen die Kauflaune mit den guten Konjunkturdaten. Im April ist die Industrieproduktion der Eurozone im Jahresvergleich um 9,5 Prozent gestiegen. Im März war sie noch um lediglich 7,7 Prozent geklettert.

Gestützt wurde der Markt auch von den entschiedenen Dementis der spanischen Regierung, demnächst die EU-Staaten um Hilfe zu bitten. Die Regierung in Madrid verwies Berichte über entsprechende Absichten ins Reich der Fantasie. Auch die EU-Kommission erhielt demnach bisher keine Signale, wonach die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone den Rettungsschirm nutzen will. "Es gibt keine Bitte und es gibt keinen Plan, irgendeine Finanzhilfe einem Staat zu geben", sagte der Sprecher von EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn. Trotzdem stiegen die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen wieder an.

Ölpreis rauf
Die Ölpreise legen ebenfalls deutlich zu und sind über die Marke von 75 Dollar gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juli kostete gegen Mittag 75,31 Dollar. Das waren 1,53 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent kletterte um 1,37 Dollar auf 75,72 Dollar.

Großauftrag beflügelt Siemens
Kräftig aufwärts geht es heute mit der Siemens-Aktie. Der Elektrokonzern wird dem Energieversorger Florida Power & Light sechs neue Gasturbinen liefern. Industriekreisen zufolge liegt der Auftragswert inklusive Serviceleistungen im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Die Turbinen sollen ab 2013 in Florida zum Einsatz kommen. Nach fast zehn Jahren Entwicklungszeit und einer eineinhalbjährigen Testphase startet damit nun die Vermarktung des neuen Gasturbinen-Typs.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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16,10
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UBS schiebt Stahlbranche an
Nach den heftigen Verlusten der Vorwochen gehören die Stahlaktien heute zu den meist gesuchten Werten. Salzgitter, ThyssenKrupp und Klöckner&Co.aus dem MDax legen überdurchschnittlich zu. Auslöser ist eine Heraufstufung des europäischen Stahlsektors durch die UBS, von "Underweight" auf "Neutral". Salzgitter und Klöckner & Co. erhielten zudem bessere Ratings. Die Risiken im Stahlsektor seien derzeit eingepreist, stellte die UBS fest, die Gefahr negativer Überraschungen gering. Zudem will der größte deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp seine Stahlpreise nach Angaben aus Unternehmenskreisen zum dritten Quartal anheben.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,30
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Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Versorger reagieren auf Steuerpläne
Nach den heftigen Verlusten der Vorwoche können die Papiere der Versorger RWE und Eon heute wieder zulegen. RWE will nach der Ankündigung einer Steuer auf Brennelemente seine geplanten Investitionen kürzen. Dies und mögliche Besitzverkäufe müsse man in Betracht ziehen, sagte Finanzchef Rolf Pohling der "Börsen-Zeitung". Bisher plant RWE mit Investitionen in Höhe von 28 Milliarden Euro bis zum Jahr 2013. Eon profitieren von einer Kaufempfehlung durch die UBS. Die Bank ließ das Kursziel von 32,00 Euro aber unverändert.

Lanxess will Aktien zurückkaufen
Der Chemiekonzern Lanxess aus dem MDax hat ein Aktienrückkaufprogramm angekündigt. Die Firma will ab morgen 155.000 eigene Aktien über die Börse erwerben. Lanxess will damit ein Belegschaftsaktienprogramm bestücken. Wie an der Börse üblich, trifft diese Ankündigung auf Wohlwollen bei den Aktionären, die Aktie steigt um 3,7 Prozent.

Drägerwerk an TecDax-Spitze
Die Aktie des Medizin- und Sicherheitstechnik-Herstellers Drägerwerk springen um gut neun Prozent in die Höhe und sind damit der mit Abstand stärkste Wert im TecDax. Der Grund: dank besserer Geschäfte in Asien und Amerika hat das Unternehmen seine Prognosen angehoben. Danach rechnet Drägerwerk für 2010 nun mit einem Umsatzzuwachs im mittleren einstelligen Prozent-Bereich. Zuvor waren die Lübecker von einem Plus bei den Erlösen im niedrigen einstelligen Prozent-Bereich ausgegangen. Das Ebit soll zwischen sieben und acht Prozent liegen. Zuvor war eine Marge von fünf bis sechs Prozent erwartet worden.

Pfleiderer im Freudentaumel
Die Aktie des Möbel- und Holzspezialisten Pfleiderer macht einen gewaltigen Sprung von fast 20 Prozent und steht damit souverän an der MDax-Spitze, bevor das Unternehmen nächste Woche in den SDax absteigen wird. Ausgelöst wurde der zweistellige Freudensprung von Vorstandschef Hans Overdiek. Der sagte der Wirtschaftswoche, 2011 wolle Pfleiderer wieder echtes Geld verdienen. Man spüre eine Belebung an den Märkten, woran sich die Hoffnung auf bessere Zeiten orientiere. Auch die Aktionäre sollen von der Erholung profitieren, Pfleiderer stellte für 2012 eine Dividende in Aussicht.

Solarwerte glänzen
Die Aktien der Solarunternehmen Centrotherm, Roth & Rau und Q-Cells steigen deutlich kräftiger als der Markt. Sie können um bis 5,5 Prozent zulegen. Allein Q-Cells verteuerten sich seit letzten Dienstag um knapp 30 Prozent. Die Erwartungen des Marktes seien so niedrig, dass der Solarmodul-Hersteller künftig nur positiv überraschen könne, schreibt WestLB-Analyst Sebastian Zank. Er gehe davon aus, dass die Restrukturierung bald Früchte tragen werde.

SMA kommt nicht hinterher
Abwärts geht es dagegen mit den Papieren des im TecDax notierten Wechselrichterherstellers SMA Solar. Das Kasseler Unternehmen kann wegen Lieferengpässen bei Zuliefern seine neue Fabrik derzeit nicht auslasten. "Wir haben uns eine Verdopplung der Produktion vorgenommen, das können wir jetzt kurzfristig nicht realisieren", sagte Vorstandschef Günther Cramer.

Delticom spürt Zurückhaltung
Die Aktie des Internetreifenhändlers Delticom kann sich bis zum Börsenschluss zwar wieder berappeln, doch die Anleger sind verunsichert nachdem Finanzvorstand Frank Schuhardt von einem eingetrübten Konsumklima gewarnt hat. Das Unternehmen hält zwar an seiner Prognose fest, doch "wir werden hart daran arbeiten müssen, unsere Geschäftsziele zu erreichen", sagte Schuhardt der Nachrichtenagentur Reuters. Bereits im Mai sei das Geschäft schwieriger geworden. Das haben die Anleger als eine versteckte Gewinnwarnung interpretiert und die Delticom-Aktie auf Talfahrt geschickt.

DBAG schürt Zuversicht
Deutlich nach oben geht es auch mit den Papieren der Deutschen Beteiligungs-AG. Das SDax-Unternehmen hat das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2009/10 mit einem Konzernüberschuss von 8,4 Millionen Euro abgeschlossen. Das ist zwar etwas weniger als im ersten Quartal, doch die DBAG zeigte sich nahtlos optimistisch zur weiteren Geschäftsentwicklung. Man sei für die "kommenden Quartale und darüber hinaus" zuversichtlich, ließ der DBAG-Vorstand mitteilen.

BP-Aktie fällt und fällt
Die Aktie des Ölkonzerns bleibt weiter auf Talfahrt. Mittlerweile hat die Explosion der Ölplattform Deep Water Horizon den britischen Konzern 1,6 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) gekostet. Zudem will die US-Regierung Presseberichten zufolge, dass BP einen Treuhandfonds aufsetzt, aus dem dann Schadenersatzforderungen beglichen werden können. Die Aktionäre müssen deshalb auf ihre Quartalsdividende von rund zwei Milliarden Euro verzichten.

IPO der AgBank wird bescheidener
Die staatliche Agricultural Bank of China (AgBank) muss wegen des schwachen Marktumfeldes das Ausgabevolumen ihres geplanten Mega-Börsengangs deutlich reduzieren. Das Kreditinstitut gehe nur noch von einem Emissionserlös von bis zu 23,1 Milliarden Dollar aus, wie aus den heute veröffentlichten IPO-Unterlagen des Geldhauses hervorgeht. Ursprünglich hatte die drittgrößte Bank der Volksrepublik ein Volumen von 30 Milliarden Dollar angestrebt. Doch auch mit rund 23 Milliarden Dollar wäre der Börsengang der bisher größte überhaupt.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"