Schuldenkrise besiegt gute Bilanzen

Stand: 05.05.2010, 20:04 Uhr

Die Furcht vor der Ausweitung der europäischen Schuldenkrise hat auch am Mittwoch den Aktienmarkt bestimmt. Der Dax fiel nachhaltig unter die Marke von 6.000 Punkten, gute Bilanzen und Konjunkturzahlen vermochten dies nicht zu verhindern.

Wie bereits am Dienstag zeigten die Anleger am deutschen Aktienmarkt Nerven. Zweifel an der Wirksamkeit der europäischen Hilfen für Griechenland und die Angst vor weiteren Finanzkrisen in anderen südeuropäischen Ländern ließen den Dax um 0,8 Prozent auf 5.958 Punkte einbrechen. "Die Unsicherheiten werden bestehen bleiben, bis die europäischen Regierungen das Hilfspaket abgesegnet haben", erklärte Heino Ruland von Ruland Research.

Die zeitweise chaotischen Zustände mit Massenprotesten, Generalstreik und einer erneut sehr schwachen griechischen Börse trugen nicht zur Stabilisierung bei. Auch der Euro, der schon am Dienstag erheblich unter Druck geraten war, setzte die Talfahrt fort. Nahezu ungebremst rutschte er zeitweise auf bis zu 1,2805 Dollar.

Etwas Ruhe brachte die Wall Street. Auch dort notieren die Indizes wegen der europäischen Schuldenkrise schwächer, aber die Verluste hielten sich in Grenzen, der Dow Jones gewann zwischenzeitlich sogar leicht. Amerikanische Konjunkturzahlen gaben Mut: Die Zahl der Stellen in der US-Privatwirtschaft stieg im April um 32.000, erwartet wurden 30.000. Dies gab die Arbeitsagentur ADP am Nachmittag bekannt. Leicht enttäuschend fiel indes der ISM-Index für das Dienstleistungsgewerbe aus. Mit 55,4 Punkten war der wichtige Vorlaufindex für die wirtschaftliche Entwicklung in Amerika etwas schwächer als erwartet. Mit einem Indexstand über 50 Punkte bleibt das Erholungsszenario für die US-Wirtschaft aber weiterhin intakt.

Im Dax schafften es am Mittwoch nur zwei Werte in den positiven Bereich, Bayer und BMW. Am Dax-Ende hingegen verlor die Linde-Aktie 3,5 Prozent. Das Papier wurde am Mittwoch mit Dividendenabschlag gehandelt. Gleiches war der Fall bei der im MDax notierten Hannover-Rück-Aktie, die 8,5 Prozent verlor.

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
176,84
Differenz relativ
+0,36%

Bilanzen aus dem Dax
Gleich drei Dax-Konzerne legten am Mittwoch ihre Bilanzen vor. Der Versicherer Allianz steigerte trotz hoher Belastungen durch Naturkatastrophen sein operatives Ergebnis, der Konzern profitierte von Zuwächsen in der Lebens- und Krankenversicherung. Auch BMW präsentierte besser als erwartete Zahlen zum ersten Quartal und rechnet im weiteren Jahresverlauf mit einer "dynamischen Ergebnisentwicklung", wie BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer sagte. Die aktuellen Chinaabsatzzahlen zeugten von dieser "dynamischen" Entwicklung: Im April setzte BMW dort 115 Prozent mehr Autos ab.

Die Zahlen von Henkel, dem Konsumgüterkonzern aus dem Dax, waren ebenfalls hervorragend. Die Quartalsbilanz fiel deutlich über Erwartungen aus, und auch eine Prognoseanhebung erfreute die Beobachter. Trotz der guten Zahlen beendete aber nur BMW den Handelstag mit Kursgewinnen, Adidas und Henkel waren sogar unter den Top-Verlierern.

EADS ist zuversichtlich
Im MDax legte die Aktie des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS 1,7 Prozent zu. Der Konzern kann sich weiter Hoffnung auf die Zuteilung eines äußerst lukrativen Tankerauftrages in den USA machen. Das amerikanische Verteidigungsministerium habe die Entscheidung über die Vergabe wie von EADS gewünscht um drei Monate verschoben, teilte die Firma mit.

Bilanzen von Loewe und Demag
Aus dem MDax legte der Kranhersteller Demag Cranes seine Bilanz vor. Wegen der Absatzkrise beendete die Firma das erste Quartal zwar schlechter als gedacht, und das bei Umsatz und Gewinn. Positiv war allerdings der gestiegene Auftragsbestand. 2,8 Prozent verlor die Aktie von Loewe. Der Elektronikkonzern aus dem SDax erreichte im ersten Quartal bei Gewinn und Umsatz in etwa seine Vorjahreswerte. Problematisch sei der Preisdruck der Branche, sagte Loewe-Chef Frieder Löhrer. Die Fußball-WM könnte aber etwas Schwung ins Geschäft bringen.

GSW sagt ab
Der Berliner Immobilienkonzern GSW hat sein für Freitag geplantes Börsendebüt abgesagt. Wegen der hohen Unsicherheit auf den Kapitalmärkten habe man sich zu diesem Schritt entschlossen, teilte die Firma mit. Der Börsengang von GSW wäre der erste eines deutschen Immobilienunternehmens seit rund drei Jahren gewesen.

Statoil und Inbev legen zu
Der norwegische Ölkonzern Statoil hat das erste Quartal mit einem hohen Gewinnplus abgeschlossen. Die Überschüsse stiegen nach Angaben des Konzerns um 178 Prozent. Die Aktie stand am Mittwoch dennoch unter Abgabedruck. Leicht im Plus notierte die Aktie von Anheuser-Busch InBev. Der weltgrößte Bierkonzern steigerte zu Jahresbeginn Gewinn und Umsatz stärker als erwartet. Vor allem das Geschäft in Brasilien sei gut gelaufen.

News Corp und Time Warner entzücken
Der große Erfolg mit Kinofilmen haben den beiden amerikanischen Medienkonzernen News Corp und Time Warner steigende Gewinne beschert. News Crop meldete einen Nettogewinn von 839 Millionen Dollar, Time Warner 725 Millionen. Time Warner nahm die kräftige Erholung der Werbeumsätze und die Erfolge mit Kinofilmen wie "The Blind Side" und "Sherlock Holmes" zum Anlass, die Jahresgewinnprognose leicht anzuheben.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr