Schuldenkrise allüberall

Stand: 14.07.2011, 20:05 Uhr

Euro-Krise diesseits, Dollar-Krise jenseits des Atlantik. Die Schuldenprobleme in Europa und den USA ließen die Aktienmärkte auch am Donnerstag nicht aus ihrem Griff. Der Dax gab im späten Parketthandel weiter nach.

Unter die Marke von 7.200 Punkten rutschte das Börsenbarometer im späten Handel noch ab. Damit vollzog es die Abwärtstendenz der US-Börsen nach. Die Indizes an der Wall Street waren im Plus gestartet, dann aber ebenfalls in die Verlustzone abgesackt.

US-Notenbank-Chef warnt

Für Verunsicherung sorgte vor allem das Unterfangen der US-Regierung, die Schuldengrenze anzuheben, um eine Zahlungsunfähigkeit des Landes abzuwenden. Mahnende Worte von US-Notenbank-Chef Ben Bernanke wurden an den Aktienmärkten genau verfolgt. Bernanke warnte davor, dass eine Staatspleite ein "katastrophales Ereignis" wäre. Zudem verwies Bernanke auf die "immer noch schwache" US-Konjunktur.

Konjunktur-Daten geben keinen Impuls

Neue Daten zur US-Konjunktur waren am Nachmittag dagegen keine Aufreger. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen mit 405.000 fast genau im Rahmen der Erwartungen. Und auch der Einzelhandelsumsatz in den USA, der im Juni minimal um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat stieg, sorgte nicht für neue Impulse auf dem Parkett. Auch der etwas stärker als erwartete Anstieg der US-Lagerbestände (um 1,0 Prozent) sorgte nicht für nennenswerte Impulse auf dem Parkett.

Den europäischen Handel hatten im Tagesverlauf auch die Herabstufung Irlands durch die Ratingagentur Moody's vom Mittwoch und eine Anleihe-Begebung durch Italien belastet. Das Euro-Kernland konnte sich nur zu rekordhohen Zinsen refinanzieren.

Deutsche Börse-Aktionäre wollen die Superbörse

Die Elefantenhochzeit von Deutscher Börse und NYSE Euronext hat die nötige Zustimmung der Aktionäre erhalten. Mit Ablauf der Annahmefrist am Mittwochabend haben mehr als 80 Prozent der Anteilseigner ihre Papiere für den Tausch in Aktien des neuen Börsenriesen angenommen. Das teilte das Dax-Unternehmen am späten Nachmittag mit. Die Mindestquote hatte bei 75 Prozent gelegen.

Autos stützen Dax

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,66
Differenz relativ
-1,62%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
181,00
Differenz relativ
-1,06%

Papiere der deutschen Hersteller sorgten dafür, dass die Verluste im Dax am Donnerstag nicht noch größer wurden. Eine Branchenstudie der Unicredit favorisiert die Aktien von VW und BMW. Die Analysten heben bei BMW die gelungene Modellpolitik hervor, bei VW brummt danach vor allem die Sportwagen-Tochter Audi.

JP Morgan-Zahlen als Lichtblick

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,65
Differenz relativ
-4,44%

Während die Aktien der Commerzbank wegen der anhaltenden Euro-Sorgen am Dax-Ende blieben, nahm die Aktie der Deutschen Bank einen Impuls des US-Bankenriesen JP Morgan dankbar auf. Das Institut hat im abgelaufenen zweiten Quartal ein Nettoergebnis von 5,4 Milliarden Dollar erreicht. Die 1,27 Dollar Gewinn je Aktie lagen deutlich über den Erwartungen des Marktes.

Strategische Entscheidungen bei RWE

Rund eine Milliarde Euro bringt dem Versorger der Verkauf seiner Netzsparte Ampiron an ein Bankenkonsortium ein. Das teilte RWE am Nachmittag mit. Nach dem Vorgeplänkel der vergangenen Tage nähern sich zudem RWE und der russische Gas-Gigant Gazprom nun tatsächlich an. Eine Absichtserklärung über die Zusammenarbeit im Kraftwerksgeschäft wurde bereits unterzeichnet. Die RWE-Aktie schloss im Plus.

BASF kennt keine Krise

Lange im Plus hielt sich die Aktie des Chemiegiganten BASF. Laut dem Branchenverband VCI steuert die deutsche Chemieindustrie steuert nach einem überraschend guten ersten Halbjahr im Gesamtjahr auf Rekorde bei Umsatz und Produktion zu. Für 2011 sei nun ein Umsatzwachstum von zehn Prozent zu erwarten, mehr als bislang gedacht.

Metro-Tochter unter Verdacht

Die Metro-Aktie schloss 2,6 Prozent im Minus. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" haben Staatsanwaltschaft und Polizei rund 20 Büros und Privatwohnungen durchsucht, darunter war auch die Zentrale von Media-Saturn in Ingolstadt, Europas größter Elektronikmarkt-Kette. In den Ermittlungen geht es um mögliche Bestechungen.

Q-Cells "erleuchtet" BVB

Der Solarhersteller hat am Donnerstag eine Partnerschaft mit dem deutschen Fußballmeister Borussia Dortmund bekannt gegeben. Unter dem Leitthema "Solar Champions" will Q-Cells marketingwirksam eine Solaranlage auf dem Dach des Signal Induna Stadions anbringen. Die Solaraktie schloss dennoch 2,6 Prozent leichter.

Software AG enttäuscht - TecDax im Sinkflug

Mit Abschlägen von 16 Prozent schloss die Aktie des zweitgrößten deutschen Software-Konzerns. Der Technologieindex verbuchte vor allem deswegen so deutliche Abschläge von 2,5 Prozent. Nach vorläufigen Zahlen ging der Umsatz der Darmstädter auf 256 bis 258 Millionen Euro zurück. Auch die Lizenzumsätze waren im zweiten Quartal rückläufig.

Vossloh freut sich über Thiele

Die Nachricht, dass Milliardär und Knorr-Bremse-Eigner Heinz Herrmann Thiele noch mehr Vossloh gehört, half der MDax-Aktie am Donnerstag leicht. Thiele hält nach Unternehmensangaben nun 11,23 Prozent an dem Verkehrstechnik-Konzern.

HeidelDruck überrascht negativ

Der weltgrößte Druckmaschinenhersteller verbuchte im ersten Geschäftsquartal wegen ungünstiger Währungseffekte und der Erdbebenkatastrophe in Japan einen Umsatzrückgang auf 544 Millionen Euro nach 563 Millionen Euro im Vorjahr. Die Aktien büßten mehr als sieben Prozent ein.

Praktiker ohne Fantasie

Auch Aktien der Baumarktkette Praktiker verloren deutlich ein. Nach Medienberichten hat die Tengelmann-Tochter Obi doch kein Interesse an einer Beteiligung oder mehrheitlichen Übernahme bei Praktiker. Die Fusionsfantasie bei dem Titel entweicht nun.

Pfleiderer-Rettung weiter ungewiss

Auf der Hauptversammlung des maroden Holzverarbeiters schwor Vorstandschef Hans-Joachim Ziems die Aktionäre auf eine Sanierung des Unternehmens ein. Erst in der nächsten Woche entscheiden sie allerdings, ob sie die geplanten harten Kapitalschnitte mittragen wollen. Pfleiderer steuert indes auch 2011 auf ein verlustreiches Geschäftsjahr zu - auf rund 100 Millionen wird der Fehlbetrag derzeit geschätzt.

Tagestermine am Donnerstag, den 14. November

Firmen:
Merck KGaA: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
RWE: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Daimler: Kapitalmarkttag in London, ab 10:00 Uhr
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Adler Real Estate: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Indus Holding: Q3-Zahlen, 07:15 Uhr
Aumann: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Hapag-Lloyd: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
MLP: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Raiffeisen International: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
Österreichische Post: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Cancom: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Burberry: Halbjahreszahlen, 08:00 Uhr
Singulus: Q3-Zahlen, 08:15 Uhr
Bauer: Neunmonatszahlen
Demire: Neunmonatszahlen
Biotest: Q3-Zahlen
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
WalMart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr Uhr
Zurich Insurance: Investor Day
Nvidia: Q3-Zahlen
Viacom: Q4-Zahlen
Applied Materials: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, 00:50 Uhr
China: Industrieproduktion und Einzelhandelsumsatz im Oktober, 03:00 Uhr
Deutschland: BIP Q3, 08:00 Uhr
Deutschland: Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank, 10:00 Uhr
Deutschland: : November-Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums
EU: BIP Q3 Eurozone, 11:00 Uhr
USA: Fed-Vize-Chef Richard Clarida hält eine Rede, 14:30 Uhr
USA: Erzeugerpreise im Oktober, 14:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Chicago Fed-Präsident Evans hält eine Rede, 15:10 Uhr
USA: Fed-Chef Powell vor dem House Budget Commitee, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht des Energieministeriums, 17:00 Uhr
USA: New York Fed-Präsident Williams hält eine Rede, 18:00 Uhr
USA: St. Louis Fed-Präsident Bullard hält eine Rede, 18:20 Uhr