Schulden, Ungarn und die Volatilität

Stand: 07.06.2010, 20:02 Uhr

Schon wieder hat die europäische Schuldenkrise der Börse einen Minustag beschert. Die prekäre Haushaltslage Ungarns verunsicherte die Anleger, trieb die Volatilität nach oben und ließ den Dax um ein halbes Prozent fallen. Nicht ganz unschuldig war auch die Wall Street.

Selbst an der Börse in New York ließ die neue europäische Schuldenangst die Kurse sacken. Bis auf unter 9.900 Punkte fiel der Dow Jones am Nachmittag, und obwohl sich der Index danach wieder etwas erholte, kam er bis zum Handelsschluss auf dem Frankfurter Parkett nicht einmal in Reichweite der am Freitag unterbotenen 10.000-Punktemarke.

Der schwache Handelsverlauf an der Wall Street gab dem Dax am Nachmittag den Rest. Bereits zuvor war die Volatilität am Markt höher als sonst, die Anleger zeigten sich erheblich verunsichert von den Aussagen der neuen ungarischen Regierung, dass das Land deutlich mehr Schulden habe und mache als bisher offiziell bekannt. Ungarn hatte bereits Ende 2008 20 Milliarden von EU und IWF erhalten, doch eine Haushaltssanierung wird wohl noch erst stattfinden müssen.

Der Euro, der am Freitag die Marke von 1,20 Dollar durchbrach, zeigte auch am Montag Schwäche. Bereits am Morgen war es die 1,19-Dollarmarke, danach stabilisierte sich die Währung etwas. Auch die EU zeigt sich besorgt, nicht über den gegenwärtigen Wechselkurs der Währung, wie Währungskommissar Olli Rehn sagte, sondern über die Rasanz der Verbilligung.

Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich hingegen besser als erwartet. Die Entwicklung der deutschen Wirtschaft gab indes keinen Anlass zur Sorge. Die Auftragseingänge für die Industrie übertraf im Mai eindeutig die Prognose, sowohl Inlands- als auch Auslandsaufträge lassen hoffen. Dieser Neuigkeit gelang es aber nur kurzzeitig zur Mittagszeit, den Dax zu beflügeln.

An der Dax-Spitze behauptete sich bis zum Handelsschluss die Aktie des Sportartikelherstellers Adidas. Die Deutsche Bank hatte Adidas mit Blick auf den schwachen Euro empfohlen und das Kursziel auf 49 Euro erhöht. Auch BASF-Papiere stiegen leicht. Die Commerzbank hatte die Aktie am Morgen zum Kauf empfohlen. Kostenstruktur, Marktdurchdringung und stabile Nachfrage sprächen für die BASF.

Lufthansa-Papiere schlossen ein halbes Prozent schwächer. Scharf reagierte der Konzern am Nachmittag auf die Sparbeschlüsse der Bundesregierung. Eine Luftverkehrsabgabe soll eine Milliarde Euro jährlich in die Staatskassen spülen. "Sollte das zutreffen, wäre das ein schwarzer Tag für den Luftverkehrsstandort Deutschland", sagte ein Sprecher der Lufthansa. Die Luftverkehrsabgabe sei ein untaugliches Mittel, um Haushaltslöcher zu stopfen.

Zahlen von Daimler
Der Autokonzern Daimler veröffentlichte am Montag seine monatlichen Absatzzahlen. 101.400 Fahrzeuge verkaufte die Sparte Mercedes Benz im Mai, 17,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Man halte damit "Kurs auf ein starkes zweites Quartal", deutete Daimler an.

Metro bei Karstadt wohl nicht erfolgreich
Die "Financial Times Deutschland" berichtete am Morgen, dass der Handelskonzern Metro für die Hälfte der zum Verkauf stehenden Karstadt-Einkaufsläden aus der Arcandor-Insolvenzmasse bieten und noch am Montag einen dementsprechenden Plan beim Karstadt-Gläubigerausschuss einreichen wolle. Zu spät allerdings, denn der Insolvenzverwalter wird, das wurde am Abend bekannt, mit dem Investor Berggruen den Vertrag über die Karstadt-Übernahme schließen.

Stada hat ehrgeizige Gewinnziele
Der Pharmakonzern Stada will binnen fünf Jahren seinen Gewinn mehr als verdoppeln. Bis 2014 soll der Überschuss auf rund 215 Millionen Euro steigen, von etwa 100 Millionen im vergangenen Jahr. Beim Umsatz peile man für 2014 ein Volumen von 2,15 Milliarden Euro an, teilte die Firma mit. Das ist mehr als eine halbe Milliarde mehr als 2009. Stada will dies mit Stellenstreichungen und Abspaltungen und Verkäufen einzelner Geschäftsbereiche erreichen. Die Stada-Aktie zog nach dieser Meldung deutlich an und schloss 1,3 Prozent fester.

Gildemeister weiß nichts von Übernahmen
Der Maschinenbauer Gildemeister hat Gerüchte zurückgewiesen, dass der japanische Konkurrent Mori Seiki plane, das MDax-Unternehmen zu übernehmen. 12,80 Euro pro Aktie seien im Gespräch, erzählen Händler. Gildemeister-Chef Rüdiger Kapitza wies die Spekulationen persönlich zurück, "auch um Schaden von unseren Aktionären abzuwenden". Die Aktie schloss im Minus.

Sicher mit Silizium
Etwas schwächer ging die Aktie des Spezialchemiekonzerns Wacker aus dem Handel. Die MDax-Firma meldete einen geplanten Zukauf. Man wolle einen Teil der norwegischen Firma Fesil Group kaufen, teilte das MDax-Unternehmen am Morgen mit. Der Kaufpreis für Fesils Siliziumversorgungs-Sparte liege bei 65 Millionen Euro. Wacker will sich damit seine Rohstoffversorgung sichern.

Carl Zeiss meldet Forschungserfolg
Die Aktie von Carl Zeiss Meditec rückte am Nachmittag im TecDax nach vorn. Einen "bedeutenden Fortschritt in der Brustkrebstherapie" habe man erzielt, teilte das Medizintechnikunternehmen mit. In einer Studie sei die Wirksamkeit einer von Carl Zeiss Meditec entwickelten Bestrahlung erwiesen worden.

Was sonst geschah
Schwächer als der Trend notierte die Aktie von Air Berlin aus dem SDax. Die Firma hat im Mai zwar 1,8 Prozent mehr Passagiere befördert als im Mai 2009. Auslastung und Erlös pro Sitzkilometer gingen jedoch recht kräftig zurück. Das im Prime Standard notierte Biotechunternehmen Wilex meldete am Morgen einen Forschungserfolg. Ein Krebsmedikament der Firma zeige bei der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs sichtbare Erfolge.

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