Schon wieder keine 6.000er-Woche

Stand: 28.05.2010, 20:02 Uhr

Der Börsenstart in den Juni war eine Hängepartie. Die vergangene Handelswoche hatte zwar Tage mit guten und großen Kursgewinnen, der Einbruch am Freitag pulverisierte jedoch alles. Der Dax schloss 1,9 Prozent schwächer, auf Wochensicht ein Minus von 0,1 Prozent.

Ungarn hatten nicht alle auf dem Radar, als die Regierung des Donaustaates am frühen Nachmittag mitteilte, man habe ernsthafte Haushaltsprobleme und finde "ständig neue Löcher". Ein Mitglied der regierenden Partei verglich die Lage seines Landes mit der von Griechenland, ein Regierungssprecher bestätigte dies.

Ein weiteres europäisches Schuldenkrisenland also, müssen sich die Devisenhändler in den Banken gedacht haben und verkauften ihre Euro, der im Laufe des späten Nachmittages unter die wichtige Marke von 1,20 Dollar fiel. Ungarische Kreditausfallversicherungen verteuerten sich rasant. Ungarn ist zwar nicht Mitglied der Währungsunion, doch "derzeit reichen wenige Meldungen aus, um die Verunsicherung an den Märkten anzufachen", sagte Ralf Umlauf von der Helaba. Für zusätzlich Nervosität am Devisenmarkt sorgte gegen Mittag die Tatsache, dass die Schweizerische Nationalbank SNB nicht mehr zur Stützung des Euro eingriff.

Zu diesem Zeitpunkt war der Dax angeschlagen, doch das massive Schlussminus von 1,9 Prozent auf 5.939 Punkte verursachten letztendlich amerikanische Konjunkturzahlen. Ein halbe Million zusätzliche Stellen habe die US-Wirtschaft im Mai geschaffen, vermuteten Volkswirte im Vorfeld des Veröffentlichungstermins. Doch es waren "nur", teilte das US-Arbeitsministerium mit, 431.000. "Die unerwartet schlechten Zahlen waren ein echter Schock für die Märkte", sagte ein Händler. Die amerikanischen Indizes rutschten ebenfalls stark, der Dow sogar unter die Marke von 10.000 Punkten.

Banken stark im Minus
Der Dax präsentierte sich bei Handelsschluss einigermaßen einheitlich in Rot. Bis auf die stark defensiven Titel von Fresenius beendete jede Aktie den Handel mit Verlusten. Schlimm erwischte es die Banken, die wegen der neuen EU-Schuldenangst deutlich mehr als drei Prozent verloren. Auch die konjunkturabhängigen Industrieaktien wie Volkswagen, BMW und Salzgitter gehörten mit Verlusten bis zu 3,5 Prozent zu den großen Verlierern.

RWE und Siemens machen Wind
Der Versorger RWE und der Industriekonzern Siemens werden gemeinsam vor der walisischen Küste einen Windpark errichten. Es werde der weltweit größte Windpark sein, brüsteten sich die beiden Konzerne aus dem Dax. Insgesamt zwei Milliarden Euro wollen sie in das Projekt stecken, auf Siemens entfallen dabei 1,2 Milliarden Euro. An der Börse konnte der Auftrag keine Kauflaune entfachen.

BASF: Drei Milliarden für Cognis?
BASF-Aktien schlossen etwas besser als der Markt. Immer mehr Details zum geplanten Kauf des Spezialchemiekonzerns Cognis kommen ans Tageslicht. Am Freitag berichtete das "Handelsblatt", dass BASF bereit sei, mehr als drei Milliarden Euro für Cognis zu bezahlen.

Neues Einspeisevergütung abgelehnt
Die Solarwerte im TecDax präsentierten sich in vergleichsweise guter Form. Der Bundesrat lehnte am Freitag die Verringerung der Einspeisevergütung für Solarstrom um 15 Prozent zum 1. Juli ab. Der Bundestag hatte dies kürzlich beschlossen, jetzt muss sich der Vermittlungsausschuss mit dem Thema beschäftigen. Zum 1. Juli allerdings wird das Gesetz nicht in Kraft treten, die Solarkonzerne können also weiter mit besseren Geschäften rechnen, im TecDax verteuerten sich einige Solarwerte deutlich.

BP atmet auf
Die in den vergangenen Tagen unter großem Druck gehaltene Aktie des Krisenkonzerns BP zeigte sich am Freitag deutlich erholt. Anleger honorierten Erfolgsmeldungen aus dem Golf von Mexiko, wo es BP gelang, eine Absaugglocke über dem lecken Bohrloch zu platzieren. Ein Erfolg der Aktion ist allerdings nicht garantiert.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"