Schön ist etwas anderes

Detlev Landmesser

Stand: 26.07.2007, 20:34 Uhr

Es hat nur wenige Tage gedauert, schon steht der Dax wieder auf dem Niveau von Mitte Mai. Börsianer nennen so etwas "Konsolidierung" - und die könnte noch weiter gehen. Denn an der Weltleitbörse geht es gerade richtig zur Sache.

Zur Stunde liegen die großen New Yorker Indizes fast drei Prozent im Minus, obwohl die Flaggschiffe Apple und Ford mit ihren Quartalszahlen überzeugen konnten. Der L-Dax gab gegenüber dem Xetra-Schluss weiter nach und schloss bei 7.442,67 Punkten.

Aufreger Nummer eins bleibt die Sorge um den US-Immobilienmarkt. Die um 16:00 Uhr veröffentlichten Verkäufe neuer Eigenheime im Juni verdarben den Tag gründlich. Die Zahl der Verkäufe sank gegenüber dem Mai um 6,6 Prozent und damit überraschend stark. Zuvor hatten schon die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter enttäuscht. Diese legten im Juni zu, doch schwächer als erwartet. Das US-Handelsministerium meldete um 14:30 Uhr einen Zuwachs von 1,4 Prozent zum Vormonat. Volkswirte hatten mit einem Anstieg um 2,0 Prozent gerechnet.

In Deutschland verstimmte der um 10:00 Uhr veröffentlichte Ifo-Index die Anleger - vor allem deswegen, weil das Konjunkturbarometer wie erwartet eine leicht eingetrübte Stimmung in der deutschen Wirtschaft signalisierte, und nicht positiv überraschen konnte.

Siemens weiter am Pranger

Größter Verlierer im Dax war erneut die Siemens-Aktie, die den Index auf Xetra-Basis 43 Punkte kostete. An der Börse stieß der radikale Konzern-Umbau mit dem VDO-Verkauf an Continental und dem Milliarden-Zukauf in den USA weiter auf Skepsis. Dazu verunsicherten die neu aufgetauchten Hinweise auf Bestechungszahlungen.

Scania belastet MAN und VW
Trotz eines satten Gewinnsprungs enttäuschte der Quartalsausweis von Scania, worauf die Aktie des schwedischen Nutzfahrzeugherstellers zeitweise um mehr als zehn Prozent nachgab. Das ließ auch die Papiere der Scania-Anteilseigner MAN und Volkswagen nicht unberührt.

Lufthansa dreht ab
Die Lufthansa-Aktie rutschte trotz der gestern veröffentlichten starken Zahlen ebenfalls ins Minus, was Händler mit Gewinnmitnahmen erklärten. Zudem könnte die Mitteilung der Lufthansa die Anleger verstimmt haben, wonach die operative Marge bei den Konkurrenten British Airways und Air France-KLM besser sei als bei der deutschen Fluggesellschaft. Analysten lobten indessen den Gewinnsprung im ersten Halbjahr. Zudem hatte die Lufthansa ihre Jahresprognose für das operative Ergebnis auf deutlich über eine Milliarde Euro angehoben.

Vossloh mit Dreifach-Sprung
Im MDax trotzte die Aktie von Vossloh dem Markttrend und legte zeitweise um mehr als zehn Prozent zu. Der Verkehrstechnikkonzern hat im ersten Halbjahr seinen Gewinn mehr als verdreifacht und seine Jahresprognose leicht angehoben.

Größere Baustellen bei EADS
Wenig beeindruckt waren Börsianer offenbar vom EADS-Zahlenwerk. Die Aktie gab die anfänglichen Kursgewinne wieder ab. Ein Händler bezeichnete die Zwischenbilanz zum ersten Halbjahr als "insgesamt leicht positiv". Der Gewinn des Luft- und Raumfahrtkonzerns sei zwar eingebrochen, was erwartet worden sei, habe aber über den Prognosen der Analysten gelegen. Analyst Ulrich Horstmann von der BayernLB sprach dagegen vor allem die "größeren Baustellen" an, die EADS noch habe. Neben den Problemen mit dem A380 sei während der Telefonkonferenz an diesem Morgen auch die A400M-Problematik "deutlicher als bisher" angesprochen worden. "Auch das Risiko beim Langstreckenflieger A350 könnte nochmals eine größere Belastung werden", sagte der Analyst.

Kontron lässt alle hinter sich
Im TecDax fiel die Kontron-Aktie positiv auf, die sich mit einem deutlichen Aufschlag im Plus hielt. An der Börse wird die Zwischenbilanz zum zweiten Quartal gefeiert, die laut Händlern "auf allen Ebenen besser als erwartet" ausgefallen ist. Der Minicomputer-Hersteller habe sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn die durchschnittliche Analystenprognose klar hinter sich gelassen, sagte ein Marktteilnehmer.

IDS Scheer über Erwartungen
Gewinnmitnahmen ließen dagegen die Aktie von IDS Scheer zurückfallen. Das Software- und Beratungshaus steigerte im zweiten Quartal den Umsatz um 13 Prozent auf 100 Millionen Euro. Die für spätere Dienstleistungsaufträge wichtigen Lizenzumsätze wuchsen um 35 Prozent auf 15,6 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis (Ebita) stieg um zwei Prozent auf zehn Millionen Euro, netto verblieben mit 6,3 Millionen Euro sieben Prozent mehr in der Kasse. Das Unternehmen übertraf die Erwartungen der Analysten.

Wirecard mit gemischten Zahlen
Unter die Verlierer im TecDax reihte sich auch Wirecard ein. Während die Umsätze in etwa wie vorhergesagt ausgefallen seien, sei das Ergebnis vor Zinsen und Steuern nur knapp an den Prognosen vorbeigeschrammt, meinten Händler. Positiv bewertete ein Börsianer, dass der Anbieter von Zahlungsabwicklungen mit einem weiterhin nachhaltigen Wachstum rechnet.

AT&S bestätigt Prognose
Die Aktie von AT&S Austria konnte sich im Verlauf nicht im Plus halten. Der im TecDax gelistete Leiterplattenhersteller aus Österreich bekräftigte nach einem deutlichen Gewinnanstieg im ersten Geschäftsquartal seine Jahresprognose. Nach Händlerangaben lagen die Zahlen insgesamt im Rahmen der Prognosen.

Balda im iPhone-Fieber
Die Aktie von Balda stand unter dem Einfluss von Apples iPhone. Angeblich liefert Balda die Displays für das Super-Handy - und das verkauft sich, wie Apple in der Nacht mitgeteilt hatte, recht gut.

Licht und Schatten bei Medion
Die Medion-Aktie profitierte nur vorübergehend von den Zahlen zum zweiten Quartal. Der Elektronikhändler hat bei weiter schrumpfenden Erlösen seinen Gewinn durch Kostensenkungen gesteigert.

Grenkeleasing enttäuscht
Die Aktie von Grenkeleasing geriet nach dem Quartalsausweis unter Druck. Händler bezeichneten das Zahlenwerk des SDax-Unternehmens als "nicht überzeugend". Es sei nach einem leicht positiven Bericht zum Neugeschäft vor ein paar Wochen eher enttäuschend.

Großauftrag für Tognum
Dank eines Großauftrages erreichte der Börsenneuling Tognum im späten Geschäft die Pluszone. Das aus dem Motorenhersteller MTU Friedrichshafen hervorgegangene Unternehmen meldete einen 30 Millionen Dollar schweren Auftrag von der US-Küstenwache erhalten. Für 180 Schnellboote soll Tognum ab 2008 je zwei Motoren liefern. Zudem habe der Kunde eine Option auf 70 weitere Motoren.

Ludwig Beck erhöht Prognose
Aus dem Prime Standard öffnete ebenfalls eine Reihe von Unternehmen die Bücher. So das Münchener Modeunternehmen Ludwig Beck, das für das erste Halbjahr ein leicht steigendes Ergebnis (Ebitda) auswies. Aufgrund der guten Geschäftsentwicklung sowie der positiven Auswirkungen der Steuerreform ist Beck zuversichtlicher für das Gesamtjahr. Der 2007 zu erwartende Jahresüberschuss wird von 1,5 Millionen Euro auf 2,5 Millionen angehoben. Für 2008 wird er auf 2,5 Millionen hochgesetzt.

Schmack stürzt dramatisch ab
Einen herben Einbruch von mehr als einem Drittel ihres Wertes erlebte die Aktie von Schmack Biogas. Das Unternehmen gab vorläufige Zahlen für das erste Halbjahr bekannt. Demnach dürfte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern zwischen minus elf und minus zwölf Millionen Euro liegen. Das Unternehmen reduzierte seine Jahresziele. Die Umsatzprognose für 2007 wurde von ursprünglich 150 bis 170 Millionen Euro auf 140 bis 150 Millionen gesenkt. Das Ebit für das Gesamtjahr werde voraussichtlich bei minus sechs Millionen Euro liegen.

Gewinnwarnung von Intershop
Intershop-Aktionäre erlebten am Donnerstag ein unliebsames Déjà-vu. Das Unternehmen hat seinen Nettoverlust im zweiten Quartal ausgeweitet. Schuld daran sind außerordentliche Restrukturierungskosten. Aus dem gleichen Grund musste Intershop zudem seine Jahresprognose nach unten revidieren. Das prognostizierte positive Nettoergebnis für das Geschäftsjahr 2007 werde nicht mehr erreicht. Am Nachmittag gab das Unternehmen eine Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts durch Ausgabe von 1,6 Millionen neuer Aktien bekannt. Zur Zeichnung der neuen Aktien zu 3,00 Euro pro Stück seien mehrere Investoren, die jeweils Tranchen von mindestens 50.000 Aktien übernähmen, zugelassen worden.

Combots bleibt rot
Combots wartet weiter auf zahlende Kundschaft. Für das zweite Quartal gab das Unternehmen einen Verlust auf Ebitda-Basis von 5,8 Millionen Euro bekannt. Im ersten Halbjahr reduzierte sich der Verlust auf minus 11,7 Millionen Euro von minus 18,1 Millionen Euro im gleichen Vorjahreszeitraum. Das ist vor allem auf die Dividende von United Internet zurückzuführen, an der Combots eine Beteiligung hält.

Atoss erhöht Prognose
Bis zu fünf Prozent zulegen konnte die Aktie von Atoss Software. Das Unternehmen meldete eine Ergebnissteigerung im ersten Halbjahr. Zudem wurde die Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Erwartet wird ein operatives Ergebnis von mindestens 3,0 Millionen Euro. Bei einer Fortsetzung der aktuell erfreulichen Geschäftsentwicklung seien weitere Verbesserungen möglich, so das Softwareunternehmen.

SAF-Holland holpert an die Börse
Trotz der massiven Preissenkung im Vorfeld des Börsengangs mussten die Zeichner der Aktien von SAF-Holland auf beim heutigen Börsendebüt auf Zeichnungsgewinne verzichten. Die Papiere des Lkw-Teileherstellers lagen zum Xetra-Schluss mit 18,20 Euro 4,2 Prozent unter dem Ausgabepreis von 19 Euro.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"