Schlussstrich unter eine desaströse Wochenbilanz

Angela Göpfert

Stand: 22.01.2010, 20:02 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt hat in der abgelaufenen Handelswoche seine Talfahrt fortgesetzt. Am Freitag schloss der Dax bei 5.695 Punkten. Auf Wochensicht büßte er damit 3,1 Prozent ein. Gründe, Aktien zu verkaufen, gab es zuhauf.

Zum Wochenausklang lasteten vor allem die Pläne des US-Präsidenten, die Banken künftig an die Kandare zu nehmen, auf den Börsen. Barack Obama hatte den Unmut weiter Teile der US-Bevölkerung über die neuerlichen Milliarden-Gewinne und -Boni in der Finanzbranche aufgegriffen und in einen populistischen Vorschlag gegossen. Danach sollen die Größe der Banken und der Eigenhandel beschränkt werden.

Belastungsfaktoren China und Griechenland
Verkaufssignale kamen im Wochenverlauf aber auch aus China: Die chinesische Notenbank hatte die geldpolitischen Zügel deutlich straffer gezogen und damit an den Finanzmärkten die Angst vor einem Abwürgen des globalen Konjunkturmotors geschürt.

Derweil setzten die Finanzprobleme Griechenlands den Euro erheblich unter Druck. Die EZB setzte den Referenzkurs am Freitag auf 1,4135 Dollar fest - ein Wochenminus von rund drei Cent. Am Rentenmarkt schossen die Renditeaufschläge für zehnjährige griechische Staatspapiere im Vergleich zur entsprechenden Bundesanleihe auf ein Rekordhoch von 318 Basispunkten.

Weitere Kursverluste in Sicht?
Angesichts der fortgesetzten Kursverluste an den Börsen ist auch die Nervosität der Anleger deutlich gestiegen. Der Volatilitätsindex VDax schoss am Freitag auf den höchsten Stand seit sechs Wochen und lieferte damit eine eindrucksvolle Bestätigung des kurzfristigen Abwärtstrends beim Dax. Als nächste Unterstützung rückt nun das Tief vom 9. Dezember bei 5.605 Zählern ins Visier. Technische Analysten empfehlen, temporäre Erholungen zum Ausbau von Short-Engagements zu nutzen.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,94
Differenz relativ
-0,05%

Rote Laterne geht an Lufthansa
Größter Dax-Verlierer sowohl am Freitag als auch auf Wochensicht war die Lufthansa-Aktie. Finanzvorstand Stephan Gemkow hatte auf einer Analystenveranstaltung die Gewinnerwartungen einiger Analysten für das laufende Jahr als zu optimistisch bezeichnet. Die Lufthansa hat bisher noch keine Prognose abgegeben. Der Luftfahrttitel ging am Freitag mit einem Minus von 6,1 Prozent aus dem Handel.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,78
Differenz relativ
+1,68%

Baracks Banken-Bombe lastet auf Finanztiteln
Zweitgrößter Dax-Verlierer war die Aktie der stark im Investmentbanking tätigen Deutschen Bank mit einem Abschlag von 4,2 Prozent. Sie litt ebenso wie Papiere von US-Großbanken wie Goldman Sachs und Bank of America unter der Kampfansage Obamas. Im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 führten mit Crédit Suisse und Société Générale ebenfalls zwei Banken die Verliererliste an.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,73
Differenz relativ
-0,14%

Börsenbetreiber leiden mit
Im MDax schmierte die Aktie der Aareal Bank um 5,3 Prozent ab. Dagegen schaffte die vornehmlich im Privatkundengeschäft tätige Commerzbank sogar ein kleines Kursplus von 0,2 Prozent.

Auch Titel von Börsenbetreibern litten unter dem Vorhaben Obamas, den Eigenhandel zu beschränken: Papiere des Londoner Börsenbetreibers LSE und des Frankfurter Pendants Deutsche Börse büßten heftig ein.

Rohstoffmärkte ebenfalls in Aufruhr
Obamas Pläne haben auch am Rohstoffmarkt Verkäufe ausgelöst. Edward Meir vom Brokerhaus MF Global rechnet mit einem "geringeren Handel von Fonds, die mit Banken verbunden sind, von ihnen vertrieben oder finanziert werden".

Die Preise für Agrar-Rohstoffe wie Weizen und Zucker gaben deutlich nach. Auch Kupfer, Platin und Palladium büßten ein. Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Referenzsorte WTI rutschte zeitweise unter die wichtige Unterstützung bei 75 Dollar und markierte ein neues Viereinhalb-WochenTief. Laut Citigroup-Analyst David Thurtell nutzten dabei viele Anleger die Obama-Initiative aber auch einfach als Ausrede für Gewinnmitnahmen.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
102,26
Differenz relativ
+0,47%

MüRü ist Dax-Wochengewinner
Im Dax konnten derweil Aktien der Münchener Rück gegen den schwachen Markttrend 0,3 Prozent zulegen. Händler machten dafür Spekulationen um einen Einstieg des Investors Warren Buffett verantwortlich. Mit einem Wochenplus von 3,2 Prozent ist sie zudem der größte Dax-Gewinner.

Gebote für Siemens-Hörgerätesparte in der Mache?
In den letzten Handelsminuten retteten sich zudem Siemens-Aktien in die Pluszone. Im Rennen um die Siemens-Hörgerätesparte bereiten angeblich der Schweizer Medizintechnik-Konzern Synthes und der australische Hörgeräte-Spezialist Cochlear Übernahmeofferten vor. Bindende Angebote würden Ende Februar erwartet, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen.

Papiere von Bayer und K+S profitierten derweil von einer positiven Branchenstudie der Unicredit.

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
138,95
Differenz relativ
-1,17%

Goldman bewegt Autozulieferer
Im MDax führten Celesio-Aktien mit einem Plus von 1,9 Prozent die Gewinnerliste an. Die Unicredit hatte den Pharmagroßhändler von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 20 auf 26 Euro nach oben geschraubt.

Continental-Aktien belegten mit einem Plus von 1,2 Prozent Platz zwei. Sie profitierten von einer Kaufempfehlung der Bank of America sowie einer Hochstufung von "Neutral" auf "Buy" durch Goldman Sachs. Titel anderer Autozulieferer kamen in der Goldman-Branchenstudie indes weniger gut weg: Titel von Leoni und ElringKlinger wurden auf "Neutral" herabgestuft und verloren entsprechend.

Tui-Aktie leidet unter "Privatfehde"
Äußerst schwach präsentierte sich auch die Tui-Aktie mit einem Minus von 5,6 Prozent. Der Vorstand des Reisekonzerns wird im Vorfeld der Hauptversammlung am 17. Februar mit zahlreichen Sonderprüfungsanträgen des streitbaren norwegischen Großaktionärs John Fredriksen überzogen.

TecDax schlechter als Dax
Der TecDax, der sich an den vergangenen Tagen zumeist besser als der Dax präsentiert hatte, kam am Freitag überdeutlich unter die Räder. Am Ende des Tages summierten sich die Kursverluste in dem Auswahlindex auf 1,7 Prozent.

Vor allem Solartitel wie Conergy, Phoenix Solar, Solarworld und Q-Cells kamen unter die Räder. Die beiden letztgenannten litten zudem unter negativen Analystenstudien: Die DZ Bank hatte Solarworld auf "Sell" herabgestuft, die Unicredit wiederum hatte zum Verkauf der Q-Cells-Aktie geraten.

Dialog weiter aufwärts
Gegen den Trend stemmten sich Titel von Dialog Semiconductor. Sie setzen die Aufwärtsbewegung der vergangenen Tage dynamisch fort und überwanden die charttechnisch bedeutsame Marke von 10,00 Euro. Mit einem Plus von 5,8 Prozent auf 10,42 Euro waren sie der größte TecDax-Gewinner.

GE und McDonald's trumpfen auf
Unter den ausländischen Titeln auf dem Frankfurter Parkett zeigten sich Aktien von großen US-Konzernen, die Quartalszahlen vorgelegt hatten, stark bewegt. So legt die General-Electric-Aktie stark zu. Der Mischkonzern hatte mit einem Gewinn von 0,28 Dollar je Aktie die Markterwartungen von 0,26 Dollar je Aktie übertroffen. Die Fast Food-Kette McDonald's hatte mit einem höheren Gewinn und Umsatz als erwartet ebenfalls positiv überraschen können.

Google, AmEx ...
Auch die Internet-Suchmaschine Google hatte mehr verdient als von Experten erwartet worden war, einige Analysten zeigten sich aber enttäuscht von der Umsatzentwicklung. Die Google-Aktie büßte deutlich ein.

Zu den Verlierern zählte auch das Kreditkartenunternehmen American Express. Der Konzern überzeugte zwar mit seinem Ergebnis im vierten Quartal, lieferte aber zugleich einen pessimistischen Ausblick für die Branche.

... AMD und Harley auf Verkaufslisten
Der US-Chiphersteller AMD schrieb dank einer Ausgleichszahlung seines Erzrivalen Intel erstmals seit drei Jahren wieder schwarze Zahlen. Händler machten Gewinnmitnahmen für die Kursverluste verantwortlich.

Dagegen ist die legendäre US-Motorradschmiede Harley-Davidson tief in die roten Zahlen gerutscht. Die Sparsamkeit der Zweirad-Fans brockte dem Kult-Unternehmen aus Milwaukee im vierten Quartal einen Verlust von 218,7 Millionen Dollar ein. Anleger reagierten bestürzt und trennten sich scharenweise von der Aktie.

Tagestermine am Donnerstag, 18. Oktober

Unternehmen:
SAP: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Thyssenkrupp Elevator: PK zu Launch Event
Hannover Rück: Investorentreffen
Kühne+Nagel: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Novartis: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Nestlé: Neunmonats-Umsatzzahlen, 07:00 Uhr
Tele 2: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Pernod Ricard: Umsatz Q1, 07:30 Uhr
Ericsson: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Unilever: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Yara: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Bank of New York: Q3-Zahlen, 12:30 Uhr
Philip Morris: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
American Express: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
PayPal: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Travelers: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Japan: Außenhandelsbilanz im September, 01:50 Uhr
EU: Rede von Österreichs Notenbank-Gouverneur Nowotny auf der Kleinanleger-Messe "Gewinnmesse" in Wien, 13:00 Uhr
USA: : Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: : Industrieindex Philly Fed im Oktober, 14:30 Uhr
USA: : Rede des Präsidenten der Notenbank von St. Louis, Bullard, über die US-Wirtschaft und Geldpolitik im Economic Club von Memphis, 15:15 Uhr
USA: Frühindikatoren für September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
EU-Gipfel in Brüssel (bis 19.10.)
Moody's: : Banken-Gipfel zum Thema "How to prepare for the future of banking" in Frankfurt
GDV: Konferenz zur Versicherungsregulierung in Berlin