Schlussrally zieht Dax über 6.400 Punkte

Stand: 24.01.2012, 20:10 Uhr

Neben der Unklarheit über das Verhandlungsergebnis aus Griechenland geraten auch die Quartalszahlen der Unternehmen zunehmend in den Fokus der Investoren. Bislang verläuft die Saison in den USA durchwachsen, sodass die Kaufsignale fehlen.

Immerhin: Die 6.400er-Marke hält. Der Dax löste sich zum Handelsschluss von seinen Tagestiefständen und ging bei leicht überdurchschnittlichen Umsätzen mit einem Abschlag von 0,3 Prozent bei 6.419,22 Zählern aus dem Handel. Seinen tiefsten Stand hatte der deutsche Leitindex bei 6.339,00 Punkten markiert, einem Minus von 1,5 Prozent. Der Late Dax büßte rund 0,1 Prozent auf 6413,22 Punkte ein.

Angesichts der noch immer laufenden Verhandlungen über den griechischen Schuldenschnitt, ist die Möglichkeit weiterer Kursgewinne aktuell limitiert. Risikoaversion bestimmte die Aktionen der Anleger. "Wir stehen wieder vor der Frage, ob Griechenland auf eine geordnete, chaotische oder technische Staatspleite zusteuert", sagte Peter Cardillo, Chefvolkswirt von Rockwell Global Capital.

"Vorsicht ist angesagt"
Die Euro-Finanzminister und der Internationale Bankenverband IIF bremsten am Dienstag Hoffnungen auf einen zügigen Abschluss der Athener Verhandlungen. Ob sich die griechische Regierung und der IIF bis zum EU-Gipfel am Montag auf einen Entwurf einigen können, ist ungewiss.

"Die Aufmerksamkeit der Akteure wird weiterhin primär den Schuldenrestrukturierungsverhandlungen Griechenlands gelten, denn ein Scheitern der Gespräche würde Europa mit voller Wucht die Krise zurückreißen", schreiben die Fachleute der HSH Nordbank, und raten: Vorsicht ist weiter angesagt.

Wie steht es um Apple?
Die Zitterpartie in Griechenland und die allgemeine Unsicherheit über die Euro-Schuldenkrise belasteten nicht nur die hiesigen Kurse, sondern auch die Märkte in den USA. Der Dow Jones lag am Abend rund ein halbes Prozent im Minus.

Neben der Schuldenkrise enttäuschten auch einige Großkonzerne mit ihren Quartalszahlen, sodass der Handel an der Wall Street zurückhaltend verlief. Mit Spannung werden insbesondere noch die Zahlen von Apple erwartet, die nach Börsenschluss bekannt gegeben werden.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,22
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+0,76%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,86
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Banken sinken in der Anlegergunst...
Die sich hinziehenden Verhandlungen um den Schuldenschnitt für Griechenland belasten vor allem Finanztitel, die zuletzt zu den favorisierten Anlagen gezählt hatten. Titel der Commerzbank verbilligen sich um fast drei Prozent und belegten das Dax-Schlusslicht. In den vergangenen Tagen hatte sich das Papier allerdings um rund 40 Prozent verteuert. Die Aktien der Deutschen Bank fielen nach einer kritischen Analyse von JP Morgan zurück.

Der Bankensektor verzeichnet auch europaweit Verluste. Verstärkt wurde die schlechte Stimmung von der Nachricht, dass die Ratingagentur S&P die französischen Banken Crédit Agricole und Société Générale heruntergestuft hat. "Da machen viele Anleger auch mit Blick auf das Griechenland-Gezerre Kasse", sagte ein Händler.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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21,07
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-0,47%

... dafür steigen Versorger
Gewinner waren vor allem sogenannte defensive Werte wie Fresenius und Fresenius Medical Care. Auch die Versorger Eon und RWE waren recht gefragt - beide Titel hatten zuletzt nicht zu den Anlegerfavoriten gehört. Mit plus zwei Prozent belegt RWE den Spitzenplatz.

Siemens ein schlechtes Omen?
Aktien des Elektronikkonzerns fallen um mehr als ein Prozent zurück. Zeitweise hatte das Papier mehr als vier Prozent eingebüßt. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um zwei Prozent auf 17,9 Milliarden Euro, erwartet worden waren im Schnitt 18,4 Milliarden. Der Auftragseingang schrumpfte um fünf Prozent, das Ergebnis nach Steuern fiel um 16 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro. Sonderlasten von 200 Millionen Euro aus einem Windpark-Projekt schlugen negativ zu Buche. Die Zahlen seien nicht gerade gut gewesen und das dürfte auch für andere Unternehmen, wenn nicht sogar für die Weltwirtschaft ein schlechter Vorbote sein, urteilte ein Marktteilnehmer.

Praktiker brechen ein
Die Titel der Baumarktkette Praktiker stürzen im SDax um rund elf Prozent ab. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" braucht Praktiker dringend einen mittleren zweistelligen Millionenkredit für das Frühjahrsgeschäft. Aber die Verhandlungen mit den Banken hierzu stockten, heißt es. Ein Praktiker-Sprecher sagte, es gebe "keinen Kommentar zu Spekulationen".

Derby Cycle gut unterwegs
Der Fahrradhersteller, der für einen Preis von 28 Euro pro Aktie vom niederländischen Konkurrenten Pons übernommen wird, hat im abgelaufenen Geschäftsjahr Rekordzahlen bei Umsatz und Ergebnis erreicht. Wie das Unternehmen mitteilte, stieg der Umsatz um 36 Prozent auf 235 Millionen Euro, das Ebit legte auf 19,6 nach zuvor 12,1 Millionen Euro zu.

Q-Cells-Aktie billig wie nie
Q-Cells-Aktien fielen mit einem Minus von mehr als 18 Prozent ans TecDax-Ende. Bei 0,382 Euro markierten sie ein Rekordtief. Der Solarkonzern hat kein Eigenkapital mehr und muss eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Damit droht ein weiterer Solarwert unter die Räder zu kommen. Gleichzeitig hat Q-Cells aber einen Restrukturierungsplan vorgelegt, nach dem man im Jahr 2013 wieder ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern erzielen will. Sven Kürten von der DZ Bank nannte die Aussichten eine "Katastrophe". Die Situation ist laut Kürten dramatisch.

Schuler lockt mit Dividende
Nach sechs Jahren ohne Dividende will der Pressenhersteller Schuler die Anteilseigner wieder am Gewinn beteiligen. Nach der Rückkehr in die schwarzen Zahlen mit einem Nettogewinn von 23,9 Millionen Euro solle für das Geschäftsjahr 2010/11 (30. September) eine Dividende von 5,8 Millionen Euro an die Aktionäre ausgeschüttet werden, teilte das Management des Anlagenbauers mit. Das Papier gehörte im SDax zu den stärksten Werten.

Worst Case Scenario bei Petroplus
Petroplus-Aktien brechen an der Schweizer Heimatbörse zeitweise um über 80 Prozent ein, nachdem der Raffineriebetreiber einen Insolvenzantrag gestellt hatte. Nachdem die Banken dem Unternehmen die Kreditlinien geblockt haben, ist nun kein Geld mehr da, um den Rohölnachschub zu bezahlen. "Mit dem Konkurs ist das schlimmste Szenario für das Unternehmen eingetroffen", erklärte Martin Schreiber, Analyst bei der Züricher Kantonalbank. Was die Aktionäre aus der Konkursmasse noch erhalten können, sei "aufgrund der undurchsichtigen Lage bei Petroplus derzeit kaum abschätzbar".

Texas Instruments sieht Branche am Boden...
... deshalb sollte es ab jetzt aufwärts gehen. Der Umsatz des Chipherstellers ging im vierten Quartal um drei Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar zurück, der Gewinn um 68 Prozent auf 298 Millionen Dollar. Damit übertraf der Konzern aber die Umsatz-Erwartungen der Analysten. Wegen einer insgesamt schwächeren Nachfrage hatte das Unternehmen im Dezember seine Geschäftsziele für das Schlussquartal gesenkt. Texas Instruments verbreitet derweil Aufbruchsstimmung. Die Branche habe wahrscheinlich "den Boden in diesem Abschwung erreicht", sagte Konzernchef Rich Templeton.

Rekordgewinn bei DuPont
Trotz eines signifikanten Gegenwinds gegen Ende des Jahres habe der Konzern ein außergewöhnliches Jahresergebnis erreicht, sagte DuPont-Chefin Ellen Kullman. Der Konzern verzeichnete einen Rekordgewinn. Der Umsatz erhöhte sich 2011 um ein Fünftel auf 38 Milliarden US-Dollar. Besonders stark war das Wachstum in den Schwellenländern. Der Gewinn lag 2011 bei 3,47 Milliarden Dollar nach 3,03 im Vorjahr. Anfang Dezember hatte der Konzern überraschend die Prognose für das Gesamtjahr gesenkt.

Harley-Davidson mit rasendem Gewinn
Im vergangenen Jahr hat der US-Hersteller annähernd 235.200 Maschinen verkauft, ein Plus von sechs Prozent. Der Umsatz schnellte im vergangenen Jahr um zwölf Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar hoch. Der Gewinn vervierfachte sich dank Einsparungen sogar auf knapp 600 Millionen Dollar.

Johnson & Johnson unter Kostendruck
Der US-Konsumgüter- und Medizintechnikkonzern Johnson & Johnson hat im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient. Gründe sind unter anderem ein Rückruf fehlerhafter Hüftimplantate und Kosten im Zusammenhang mit der Übernahme des Schweizer Medizintechnikunternehmens Synthes. Der Überschuss sank 2011 um fast 28 Prozent auf 9,7 Milliarden US-Dollar. 2012 soll der Gewinn weiter steigen, aber nicht so stark wie von Analysten erhofft.

McDonald's brüht und brät
Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz der Fastfoood-Kette weltweit um 12 Prozent auf 27 Milliarden Dollar. Der Gewinn kletterte ähnlich stark auf unterm Strich 5,5 Milliarden Dollar. Als Gründe für den steten Zustrom von Hungrigen führte Firmenchef Jim Skinner die Einführung neuer Menüs und die Verschönerung der Filialen an.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 16. August

Unternehmen:

Carlsberg: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Swisscom: Q2-Zahlen, 7:15 Uhr
Aegon: Halbjahreszahlen, 7:30 Uhr
Wirecard: Halbjahreszahlen (endg.), 7:30 Uhr
Henkel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Sixt: Q2-Zahlen (endg.), 7:30 Uhr
Walmart: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
Nvidia: Q2-Zahlen, 22.20 Uhr

Konjunktur
Japan: Handelsbilanz 07/18, 01:50 Uhr
EU: Handelsbilanz 06/08, 11:00 Uhr
USA: Philadelphia Fed Index 08/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Baubeginne und -genehmigungen, 14:30 Uhr