Schlussrally rettet Wochenbilanz

Stand: 11.05.2012, 20:00 Uhr

Eine überraschend positive Verbraucherstimmung in den USA hat dem deutschen Leitindex am Freitagnachmittag kräftig Auftrieb gegeben. Damit fällt auch die Wochenbilanz positiv aus.

Nach turbulenten fünf Handelstagen verbucht letztlich ein leichtes Wochenplus von 0,27 Prozent. Am Freitag ist der Leitindex dank einer Rally am späten Nachmittag bis auf 6.580 Punkte geklettert, ein Plus von 0,95 Prozent.

"Der Dax hat zum Schluss noch eine ganz beachtliche Rally hingelegt", kommentierte Händler Markus Huber von ETX Capital. Grund sei einerseits der noch immer leichte Optimismus, dass in Athen am Wochenende eine Regierungsbildung gelinge, andererseits habe das besser als erwartete Michigan -Verbrauchervertrauen für große Erleichterung gesorgt.

"In letzter Zeit waren wieder vermehrt Sorgen aufgetaucht, dass sich die Wirtschaft schon wieder abschwächen könnte. Nachdem das Michigan Verbrauchervertrauen aber den höchsten Stand seit vier Jahren erreicht hat, wurde diesen Sorgen wieder etwas Einhalt geboten."

Koalitionsgespräche in Griechenland gescheitert
Belastet wurde der Dax von widersprüchlichen Meldungen aus Griechenland. Am Freitagabend wurde bekannt, dass die Regierungsverhandlungen gescheitert sind. Die Linksradikalen sind nicht bereit, an einer Koalitionsregierung mit den Konservativen, den Sozialisten und der kleinen Partei der Demokratischen Linken teilzunehmen. Dies berichtete das griechische Fernsehen unter Berufung auf Kreise der Sozialisten und der Linksradikalen. Damit sind die Chancen für die Bildung einer Koalitionsregierung nur noch minimal.

Für Verunsicherung sorgt die Meldung, dass Spanien und Frankreich ihre Defizitziele verfehlen werden. Die beiden großen Euro-Länder werden es laut EU-Kommission nicht schaffen, im kommenden Jahr - wie fest vereinbart - die Maastrichter Defizitmarke von drei Prozent der Wirtschaftsleistung einzuhalten.

Auch an der Wall Street hilft das positive Konsumklima den Kursen ins Plus, schwächst sich jedoch wegen der gescheiterten Koalitionsgespräche in Athen wieder ab. Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt bei 12.862 Punkten, nahezu unverändert.

Der Euro verharrt dagegen wie bereits an den Vortagen leicht unterhalb der Marke von 1,30 Dollar.

Autoaktien vorn
Der unerwartete Anstieg des US-Konsumklimas befeuert vor allem die deutschen Autoaktien. Daimler, Volkswagen und BMW drängen an die Dax-Spitze.

ThyssenKrupp leidet unter Brasilien
Schwächster Wert im Dax ist dagegen die Aktie von ThyssenKrupp. Das Unternehmen denkt über einen Ausweg aus der verlustreichen Brasilien-Tochter nach. Ein Rückzug wäre zunächst mit weiteren Kosten verbunden.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,15
Differenz relativ
-4,80%

Deutsche Bank: Verkaufspläne gescheitert
Leicht abgeben muss auch die Aktie der Deutschen Bank. Deutschlands führendes Geldhaus ist mit dem geplanten Verkauf weiter Teile seiner Vermögensverwaltung in den USA vorerst gescheitert. Die exklusiven Gespräche mit dem Finanzunternehmen Guggenheim Partners über das Publikumsfondsgeschäft in Amerika würden eingestellt, teilte die Bank am Morgen mit. Beide Seiten verhandelten nur noch über den möglichen Verkauf des globalen Vermögensverwaltungsgeschäfts für alternative Anlagen (RREEF). Die Deutsche Bank hatte im November angekündigt, dass sie große Teile ihres sogenannten Asset Managements auf den Prüfstand stellt.

Zudem leidet die Aktie wie auch andere Finanzwerte an den Fehlspekulationen der Investmentbank JP Morgan. Die Bank hat wegen einer fehlgeschlagenen Handelsstrategie zwei Milliarden Dollar verloren. Vorstandschef Jamie Dimon sprach von "ungeheuerlichen Fehlern" und räumte ein, dass das Desaster selbst verschuldet sei.

Deutsche Wohnen gefällt
Im MDax ist die Aktie von Deutsche Wohnen größter Favorit. Die Anleger begrüßen damit das Zahlenwerk des Immobilienunternehmens. Die maßgebliche operative Ergebnisgröße FFO (Funds from Operations), ist im ersten Quartal um 21 Prozent auf 18,4 Millionen Euro gestiegen, auch der Konzerngewinn legte deutlich zu. Die guten Zahlen befeuern auch den Kurs des ebenfalls im MDax notierten Konkurrenten Gagfah.

IVG enttäuscht
Kräftig abwärts geht es dagegen mit der Aktie von IVG. Der Büroimmobilienkonzern hat nämlich auch das neue Jahr mit Verlusten begonnen. Unter dem Strich belief sich das Minus auf 4,8 Millionen Euro. Das ist zwar eine deutliche Verbesserung zum unrühmlichen Schlussquartal 2011, als wegen andauernder Abschreibungen auf das Sorgenkind The Squaire, den riesigen Geschäftskomplex am Frankfurter Flughafen, ein Verlust von 71 Millionen Euro angefallen war. Doch vor einem Jahr hatte IVG noch einen Gewinn geschafft.

QSC an TecDax-Spitze
QSC reagieren mit einem Plus von mehr als elf Prozent auf den angekündigten Aktienrückkauf und sind damit der stärkste Wert im TecDax. Der auf Geschäftskunden spezialisierte Telekom-Anbieter will bis Jahresende an der Börse eigene Aktien im Volumen von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals zurückkaufen. Ein Börsianer kommentierte, dass Aktienrückkäufe in der Regel gute Kurstreiber seien, da sie sich positiv auf den Gewinn je Aktie auswirkten.

Guter Start für Euromicron
Kräftig aufwärts geht es auch mit der Aktie des TecDax-Neulings Euromicron. Der Spezialist für Netzwerke und Glasfaserkabel ist mit kräftigen Zuwächsen in das Jahr gestartet. Dabei profitierte die Firma von einer hohen Nachfrage im Heimatmarkt und der Integration eines Zukaufs.

Freenet-Aktien gesucht
Auch Freenet-Aktien kommen überdurchschnittlich voran. Der Mobilfunkanbieter hat im ersten Quartal zwar weniger umgesetzt, das operative Ergebnis (Ebitda) ist aber besser ausgefallen als gedacht.

Manz kann's nicht mehr
Abwärts geht es dagegen mit der Aktie von Manz. Der Anlagenbauer ist mit Verlusten und einem kräftigen Umsatzrückgang ins neue Geschäftsjahr gestartet. Grund dafür sei der niedrige Auftragseingang im Vorquartal, sagte Vorstandschef Dieter Manz. Für das Gesamtjahr 2012 strebt Manz beim Umsatz das Vorjahresniveau von 240,5 Millionen Euro an. Zudem rechnet Manz mit einem deutlich positiven Konzernergebnis.

BVB fällt zurück
Der sportliche Erfolg des amtierenden deutschen Fußballmeisters hilft der Aktie heute nicht auf die Sprünge. Dabei haben die Borussen im dritten Quartal (Januar bis März) des laufenden Geschäftsjahres 2011/12 ihr Ebit auf 0,7 Millionen Euro nach 0,2 Millionen im Vorjahr gesteigert. In den ersten neun Monaten wurden 16,3 Millionen Euro verdient nach fünf Millionen im Vorjahr.

Zahlreiche Dividendenabschläge
Belastet werden die Kurse heute auch von zahlreichen Dividendenabschlägen. Im Dax handeln Adidas mit einem Euro und die Vorzüge von Fresenius Medical Care mit 0,71 Euro ex Dividende. Bei den FMC-Stämmen, die nicht im Index sind, werden 0,69 Euro abgeschlagen.

Des Weiteren gibt es Dividendenabschläge bei SGL Group mit 0,20 Euro, Bilfinger 3,40 Euro, Biotest Vorzüge 0,50 Euro, Grenkeleasing 0,75 Euro und Prime Office 0,23 Euro.

Telefonica unter Druck
Im Ausland stehen die Aktien von Telefonica unter Druck. Sie verbilligen sich um mehr als zwei Prozent. Europas größter Telekomkonzern hat im ersten Quartal wegen Kundenverlusten in Spanien weniger verdient als von Marktbeobachtern erwartet. Dabei hat Telefonica vor allem Kunden an spanische Billiganbieter verloren. Der Umsatz stieg um 15,4 Prozent auf 15,5 Milliarden Euro.

Griechenland setzt Crédit Agricole zu
Auch die Papiere der französischen Großbank Crédit Agricole geben nach. Das Institut hat wegen hoher Griechenland-Abschreibungen die Analystenerwartungen für das erste Quartal deutlich verfehlt. Der Nettogewinn belief sich auf 252 Millionen Euro, erwartet worden waren im Schnitt 623 Millionen Euro. Die Abschreibungen auf das Griechenland-Engagement betrugen hohe 940 Millionen Euro.

Facebook zieht Privatanleger an
Vor dem mit großer Spannung erwarteten Facebook-Börsengang zeichnet sich Branchenvertretern zufolge ein reges Interesse von Investoren ab. Eine Woche vor dem voraussichtlichen Starttermin hätten Anleger bereits eine größere Nachfrage signalisiert, als Aktien zur Verfügung stünden, sagte eine mit dem Vorhaben vertraute Person. Die milliardenschwere Erstemission (IPO) des weltgrößten sozialen Netzwerks sei bereits überzeichnet.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat