Schlussrally dank Euro-Hoffnung

Stand: 10.10.2011, 20:04 Uhr

Machen die europäischen Politiker jetzt ernst? Die Aussicht, dass die europäische Schuldenkrise nun endlich wirksam angepackt wird, hat am Markt wie eine Feuerwerksrakete gezündet. Der Dax bekam am Nachmittag Flügel.

Die europäische Politik hat dem deutschen Leitindex am Nachmittag Beine gemacht. Der Dax legte kräftig zu und schloss bei 5.847 Punkten, ein Zugewinn von drei Prozent. In der Spitze stand das Börsenbarometer bei 5.872, im Tagestief bei 5.652 Zählern. Der L/E-Dax gab nachbörslich einen kleinen Teil der Gewinne wieder ab und schloss bei 5834 Punkten. Mit dem heutigen Anstieg hat der Index, der zuvor lange mit der charttechnisch bedeutsamen Marke von 5.700 Punkten gekämpft hatte, weiteres technisches Aufwärtspotenzial bis zum nächsten Widerstand bei 6.000 Punkten.

"Es ist sicherlich gut, dass die Politiker endlich begreifen, dass sie was tun müssen, um der Krise Herr zu werden", sagte ETX-Capital-Experte Joe Rundle. Allerdings werde die Unsicherheit erst verschwinden, wenn der Markt erfahre, wie es denn tatsächlich weitergehe. Der belgische EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hatte am Nachmittag Bewegung in das eher lustlose Treiben am Aktienmarkt gebracht zu haben. Er kündigte einen Zeitplan an, der eine umfassende Strategie zur Lösung der europäischen Staatsschuldenkrise beinhalten soll. Gleichzeitig teilte er mit, dass der Termin für den nächsten EU-Gipfel vom 17. auf den 23. Oktober verschoben wird. Zuvor wollen sich die Finanzminister der EU und der Euro-Zone treffen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatten schon am Sonntagabend erklärt, sie wollten bis Ende des Monats Vorschläge zur Stabilisierung der Währungsunion und Stützung der Banken vorlegen. Wer all das bezahlen soll, wurde heute an der Börse nicht thematisiert.

Tagesverlierer Metro
Hauptgesprächsthemen waren neben der politischen Entwicklung Meldungen aus den Unternehmen. Metro blieb einziger Verlierer im Dax mit einem Minus von 3,2 Prozent. Firmenchef Cordes hat nun doch das Handtuch geworfen und damit bei den Investoren für Unsicherheit gesorgt.

LKW-Bauer MAN, lange Zeit nach Meldungen über eine Abschwächung der Branchenkonjunktur ebenfalls im Minus, schloss mit einem Zuwachs von gut einem Prozent doch noch im Plus. Zuvor hatte die schwedische VW-Tochter Scania angekündigt, die Produktion zu drosseln. VW-Aktien waren aber trotz der schlechten Scania-Nachrichten nach guten Audi-Absatzzahlen gefragt und legten deutlich um 4,7 Prozent zu. Als Tagessieger ging Chiphersteller Infineon durch das Ziel, der 5,2 Prozent zulegt.

Im TecDax waren die Solarwette Q-Cells und Solarworld Tagesverlierer mit Verlusten von 3,5 und drei Prozent. Q-Cells hat auf einer außerordentlichen Gläubigerversammlung Anleihegläubiger vor einem möglichen Zahlungsausfall gewarnt. Bei Solarworld haben die Analysten der UBS haben ihr Kursziel von bisher sieben auf 3,50 Euro gesenkt. Sie sprachen von einer schwachen Nachfrage.

Euro rauf, Renten runter
Am Devisenmarkt hat der Euro seine Gewinne im Handelsverlauf stetig ausgebaut und steht aktuell bei 1,3661 Dollar. Grund sind gute Konjunkturdaten aus der Eurozone sowie die deutsch-französischen Regierungskonsultationen.

Am deutschen Rentenmarkt geben die Kurse entsprechend nach. Der Bund-Future verliert 80 Ticks auf 134,61 Prozent und rutscht damit unter die charttechnische Unterstützung bei 135 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg auf 2,08 Prozent.

Wall Street tendiert freundlich
Auch an der Wall Street steigen aktuell die Aktienkurse. Der Dow-Jones-Index steht 2,5 Prozent höher bei 11.376 Punkten. Auch die anderen großen Aktienindizes setzten ihren jüngsten Aufwärtstrend fort. Feiertagsbedingt, heute ist "Columbus Day", stehen keine Konjunkturzahlen an, am Rentenmarkt wird nicht gehandelt. Morgen wird traditionell der Aluminiumhersteller Alcoa die Berichtssaison für das dritte Quartal eröffnen, die viele Marktbeobachter allerdings mit gemischten Gefühlen erwarten.

Teil-Verstaatlichung der Dexia
Einen Vorgeschmack auf staatliche Rettungsaktionen gab es schon: Die schwer angeschlagene französisch-belgische Dexia-Bank wird zum Teil verstaatlicht. Der belgische Staat übernimmt 100 Prozent des belgischen Arms des Geldhauses. Zudem wird die gesamte Bank Staatsgarantien in Höhe von 90 Milliarden Euro von Belgien, Frankreich und Luxemburg erhalten. Davon stellt Belgien 60 Prozent.

EU-Kommission setzt hohe Hürden
Die EU-Kommission will bei ihrer Prüfung des Zusammenschluss der deutschen Börse mit der NYSE Euronext den außerbörslichen Derivatehandel (OTC-Handel) nicht berücksichtigen. Dies sagten drei mit den Einwendungen gegen die Fusion betraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Diese Unterscheidung ist besonders bedeutsam, denn Deutsche Börse und NYSE Euronext sind Marktführer beim börsengeführten Derivatehandel. Müssten die Derivatebörsen Eurex oder Liffe verkauft werden, würde dies den gesamten Sinn der Transaktion in Frage stellen, denn ein Großteil der Vorteile des Zusammenschlusses basiert auf der Zusammenarbeit der Terminbörsen. Die Börsenbetreiber hatten auf den wachsenden Wettbewerbsdruck beim OTC-Handel hingewiesen. Die Börsenbetreiber müssen sich bis zum 19. Oktober zu den gesammelten Bedenken der EU-Kommission äußern.

K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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18,32
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K+S positiv besprochen
Zu den stärksten Dax-Werten gehörte die K+S-Aktie, die 5,3 Prozent zulegte. Grund war die positive Besprechung der Agrarbranche im US-Anlegermagazin "Barron's". "K+S werden zwar nicht explizit genannt, der Artikel ist aber sehr bullish für die US-Wettbewerber", sagte ein Marktteilnehmer der Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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148,24
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Audi und BMW stehen unter Volldampf
Die VW-Tochter Audi ist im September noch ein bisschen kräftiger gewachsen als der Konkurrent BMW. Bei Audi lag das Verkaufsplus bei 17,1 Prozent auf 120.000 Autos - der starken Nachfrage in China und den USA sei Dank. Bei BMW lag der Zuwachs bei 11,1 Prozent auf knapp 160.000 Wagen. Dabei verkauften sich die Minis mit einem Plus von 20,5 Prozent besonders gut.

Neue Milliardenklage gegen VW und Porsche
Die juristische Auseinandersetzung um die Porsche-Übernahme durch VW bekommt eine neue Variante. Bei Porsche ist eine milliardenschwere Schadenersatzklage eingegangen. Der Schriftsatz kommt vom Landgericht Braunschweig, wie ein Porsche-Sprecher in Stuttgart sagte. Hintergrund ist die Übernahmeschlacht zwischen VW und Porsche, die seinerzeit zu erheblichen Kursverwerfungen geführt hatte. Auch in den USA laufen juristische Auseinandersetzungen in dieser Sache.

Die aktuelle Klage aus Braunschweig ist neu, es geht nach Angaben des involvierten Rechtsanwalts Franz Braun aus München um Ansprüche von 1,1 Milliarden Euro. Braun wirft den Unternehmen vor, während des Übernahmekampfes 2008 die Anleger falsch informiert und die wahre Sachlage verheimlicht zu haben. Porsche hat jetzt drei Monate Zeit, um auf die Klage zu reagieren.

Adidas plant starkes Wachstum in Russland
Der Sportartikelhersteller Adidas nimmt sich viel für sein Russland-Geschäft vor. Bis 2015 sei jedes Jahr mit einem Wachstum von mindestens zehn Prozent zu rechnen, sagte Vorstandschef Herbert Hainer bei einer Investorenveranstaltung in Moskau. Bis 2013 will der Konzern außerdem bei vergleichbaren Wechselkursen die Marke von einer Milliarde Euro Umsatz knacken. Zudem will Adidas bis 2015 über 1.200 eigene Geschäfte in Russland eröffnet haben.

Douglas verfehlt Umsatzziel
Der Handelskonzern Douglas hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 nicht so viel umgesetzt wie ursprünglich erhofft. Der Umsatz wuchs um 1,8 Prozent auf knapp 3,38 Milliarden Euro. Douglas hatte ein Plus von zwei bis vier Prozent angestrebt. Das im MDax notierte Unternehmen begründete das mit einer schwierigen Entwicklung in Ländern wie Italien, Frankreich, Spanien und Portugal. Das Ziel eines Ergebnisses vor Steuern von 140 Millionen Euro hält das Unternehmen immerhin fest. Die Aktie ging 1,6 Prozent schwächer aus dem Markt.

MagForce Aktien gesucht
Die Aktien der Nanostart-Tochter MagForce legten um 4,4 Prozent zu. Die Anleger reagierten positiv auf die Nachricht, dass die Kosten für eine Therapie von Hirntumoren im Rahmen einer Studie nun auch von einigen gesetzlichen Krankenkassen getragen werden. Firmenchef Peter Heinrich sprach von einem Meilenstein für das Unternehmen und die dabei angewendete Technologie.

Erste Bank schockt die Börse
Die österreichische Erste Bank schreibt Milliarden auf ihre Osteuropa-Beteiligungen in Ungarn und Rumänien ab. Deshalb erwartet das Institut in diesem Jahr einen Verlust von 800 Millionen Euro. Bisher war ein Gewinn von 700 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden. Auch die Dividende für 2011 wird gestrichen. Analysten erwarten, dass angesichts des schwierigen Umfeldes in Osteuropa nun weitere Rückstufungen drohen. Die Anleger waren schwer geschockt. Die Aktie büßte an der Wiener Heimatbörse drastische elf Prozent ein.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Neues Apple iPhone gesucht wie nie
Der Erfolg bleibt Apple treu. Die Vorbestellungen für das neue iPhone 4S brechen alle Rekorde. Schon über eine Million Geräte sind bisher reserviert worden, die bisherige Bestmarke lag bei 600.000 Einheiten. Das neue iPhone 4S ist eine Weiterentwicklung des bisherigen Erfolgsmodels iPhone 4, von dem der Konzern des kürzlich verstorbenen Firmengründers Steve Jobs im vergangenen Geschäftsquartal 20 Millionen Stück verkauft hat. Mit dem iPhone macht Apple insgesamt 40 Prozent seines Umsatzes. Am Freitag beginnt der Verkauf in Deutschland. Die Apple-Aktie steigt deutlich um vier Prozent

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 19. September

Unternehmen
Manchester United: Q4-Zahlen
Adecco: Investor Day, 7 Uhr

Konjunktur:
Japan: Zinsentscheid der Bank von Japan
USA: Wohnbaubeginne, August, 14:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q2, 14:30 Uhr