Schluss mit den Hypothekensorgen!

Detlev Landmesser

Stand: 07.08.2007, 20:35 Uhr

Die Botschaft am Dienstag war eindeutig: Die Börse hat genug von der US-Hypothekenkrise! Ob das hilft, wird sich noch zeigen. Am Abend ließ die US-Notenbank wie erwartet den Leitzins unverändert bei 5,25 Prozent.

Die Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum seien zuletzt etwas gestiegen, teilte die Fed nach der Sitzung des Offenmarktausschusses um 20:15 Uhr mit. Die Kreditbedingungen für einige Haushalte und Unternehmen hätten sich verschärft, während die Korrektur am Häusermarkt anhalte. Dennoch werde die Wirtschaft wahrscheinlich weiter in moderatem Tempo expandieren.

Die US-Börsianer waren mit dieser Erklärung offenbar nicht zufrieden, denn unmittelbar danach drehten die New Yorker Indizes deutlich ins Minus. Offenbar hatten sich die Investoren mehr beruhigende Aussagen zum US-Hypothekenmarkt erhofft.

Bankwerte kräftig erholt

Am deutschen Markt hatte es einen deutlichen Stimmungsumschwung nach oben gegeben: Trotz schwacher Vorgaben aus den USA schüttelten die Bankentitel die Hypothekensorgen demonstrativ ab und zogen den Dax über 7.500 Punkte. Der L-Dax ging mit 7.553,83 Zählern aus dem Handel. Mit der Commerzbank, der Hypo Real Estate und der Deutschen Bank standen die zuletzt meist belasteten Institute einträchtig an der Dax-Spitze. Die Postbank machte das Gewinner-Quartett komplett.

Bleibt die Frage, wie lange die Börse noch mit den Problemen bei den amerikanischen Subprime-Krediten - oder sonstigen Verwerfungen auf dem US-Kreditmarkt - zu tun hat. Geht es nach der Bad Homburger Ratingagentur Feri, steht erst noch eine Verschärfung bevor. "Ich denke nicht, dass die Probleme vorbei sind. Wir werden noch bis 2008 damit zu tun haben", sagte Feri-Vorstand Helmut Knepel am Dienstag. Der Höhepunkt der Turbulenzen dürfte Ende dieses Jahres erreicht werden, weil auf viele Darlehensnehmer nochmals Zinsanhebungen zukämen. "Es wird deshalb noch zu weiteren Kreditausfällen und Schieflagen bei Hypothekenfinanzierern kommen", prognostizierte Knepel.

Unterdessen ist die Produktivität der US-Wirtschaft außerhalb des Agrarsektors im zweiten Quartal mit plus 1,8 Prozent etwas schwächer gestiegen als von Analysten erwartet. Die Lohnstückkosten legten dagegen mit 2,1 Prozent etwas kräftiger als erwartet zu. Auch von der boomenden deutschen Industrie gab es einen Dämpfer. Das produzierende Gewerbe stellte im Juni überraschend 0,4 Prozent weniger weniger her als im Mai. Dank dicker Auftragsbücher erwarten Experten aber für die nächsten Monate weiteren Aufwind.

Bayer brummt
Nach der Veröffentlichung seiner Quartalsbilanz hatte sich Bayer am Morgen zunächst an die Dax-Spitze gesetzt. Der Konzern hat im zweiten Quartal deutliche Zuwächse bei Umsatz und Gewinn gemeldet. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg um 30 Prozent auf 1,185 Milliarden Euro, der Umsatz verbesserte sich um 22 Prozent auf 8,21 Milliarden Euro.

BMW verkauft immer mehr Autos
BMW hat im Juli etwa ein Fünftel mehr Autos verkauft. Rund 123.000 Wagen der Marken BMW, Mini und Rolls Royce konnte der Autobauer absetzen. Der Konzern teilte mit, die "Wachstumsdynamik habe sich weiter beschleunigt".

Eon setzt auf Windkraft
Eon investiert kräftig in die Windenergie. Der Konzern übernehme für 722 Millionen Euro den Windparkbetreiber Energi E2 Renovables Ibericas vom dänischen Stromkonzern Dong Energy, teilte der größte deutsche Energiekonzern am Nachmittagg mit. Die Firma erzeuge in Portugal und Spanien rund 260 Megawatt Strom aus erneuerbaren Energien. Eon steigere damit die installierte Windkraftleistung auf rund 700 Megawatt.

AWD und MLP heraufgestuft
Auch bei den Titeln aus der zweiten Reihe waren Finanzwerte gefragt. Im MDax gewann die Aktie des Finanzmaklers AWD über sieben Prozent. Mit der Deutschen Bank und der UBS empfahlen gleich zwei gewichtige Adressen das Papier. Konkurrent MLP profitierte seinerseits von einer Empfehlung der HSBC.

Fraport-Aktie unter Druck
Nach einem positiven Start geriet die Aktie von Fraport unter starken Verkaufsdruck. Der Frankfurter Flughafenbetreiber hat im ersten Halbjahr sowohl Umsatz als auch Gewinn gesteigert. Das Betriebsergebnis (Ebitda) fiel jedoch erwartungsgemäß mit 273 Millionen Euro wegen eines Sondereffektes aus einem Leasingvertrag um fünf Prozent schwächer aus als vor einem Jahr.

Beiersdorf über Erwartungen
Auch Beiersdorf konnte sich nicht im Plus halten. Der Konsumgüterhersteller hat beim Gewinn im zweiten Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen. Der um Sondereffekte bereinigte Überschuss habe sich auf 191 Millionen Euro erhöht, teilte das Hamburger Unternehmen mit. Experten hatten 180 Millionen erwartet.

Kuka plant mehr Profit
Der Anlagenbauer Kuka, ehemals IWKA, hat nach einem sehr guten zweiten Quartal die Jahresprognose angehoben. Das Augsburger Unternehmen erwirtschaftete einen Überschuss von 79,6 Millionen Euro nach einem Verlust von 55,8 Millionen Euro vor einem Jahr. Der Umsatz verbesserte sich auf 324,4 Millionen Euro. Das Unternehmen übertraf mit diesen Zahlen die Analystenprognosen und erhöhte das Ziel für die Ebit-Marge für 2007 auf 4,6 Prozent.

Milliardenerlös für HeidelbergCement
Der größte deutsche Baustoffhersteller HeidelbergCement hat seine Tochter Maxit an den französischen Konkurrenten Saint-Gobain verkauft. HeidelbergCement wird den Verkaufserlös in Höhe von 2,125 Milliarden Euro zur Finanzierung der Übernahme von Hanson verwenden, teilte der MDax-Konzern mit. Gleichzeitig kam die Übernahme des britischen Baustofflieferanten voran: Nach der EU-Kommission hat auch die US-Kartellbehörde grünes Licht für die Übernahme gegeben. Nun stehe noch die Zustimmung durch die zuständigen Gerichte in England und Wales aus, die für den 20. und 23. August erwartet würden, sagte Vorstandschef Bernd Scheifele.

Qiagen erhöht Prognose
Im TecDax wurde die Aktie von Qiagen gefeiert: Das Biotechunternehmen hat nach einem unerwartet guten zweiten Quartal seine Umsatzprognose erhöht. Der Konzern verbesserte seinen Nettogewinn um 60 Prozent auf 22,6 Millionen Dollar, der Umsatz stieg um 19 Prozent auf 135 Millionen Dollar. Der Hersteller von Analysezubehör für die Proteinforschung profitierte insbesondere von der Übernahme des US-Konkurrenten Digene. Wegen des Zukaufs erhöhte Qiagen die Umsatzprognose für 2007 um 100 Millionen auf 635 Millionen Dollar.

Solon kommt voran
Noch besser schnitt die Solon-Aktie ab. Der Solarmodulhersteller hat sein Ergebnis wegen der weiterhin guten Solarkonjunktur deutlich ausgeweitet. Im ersten Halbjahr erwirtschaftete Solon vor Steuern und Zinsen von 15 Millionen Euro, 60 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Umsatz kletterte um 36 Prozent auf 193 Millionen Euro.

BB Biotech erwirtschaftet wieder Gewinne
Auch BB Biotech war gefragt. Die Schweizer Biotech-Holding meldete für das erste Halbjahr einen Gewinn von 19,5 Millionen Franken, nachdem im vergangenen Jahr noch ein Verlust von etwa 118 Millionen Franken angefallen war. Das langfristige solide Wachstum in der Biotechnologiebranche habe sich im ersten Halbjahr 2007 fortgesetzt, so BB Biotech.

Pfeiffer Vacuum verfehlt Erwartungen
Weniger überzeugen konnten die Halbjahreszahlen von Pfeiffer Vacuum. Der im TecDax notierte Hersteller von Vakuumpumpen verfehlte mit seinem operativen Ergebnis von 11,29 Millionen Euro die Analystenerwartungen. Der Umsatz erhöhte sich von 42 auf 44,03 Millionen Euro.

Weitere Klage gegen GPC Biotech in den USA
GPC Biotech steht eine zweite Sammelklage ins Haus. Nachdem Ende Juli bereits eine Klage in den USA eingereicht worden ist, will nun auch die Münchener Anwaltskanzlei Rotter GPC auf Schadensersatz wegen irreführender Kapitalmarktinformationen verklagen. Gemeinsam mit ihrem New Yorker Kooperationspartner habe Rotter am Montag bei einem Bezirksgericht in New York eine Sammelklage gegen GPC eingereicht, teilte die Kanzlei mit.

Hintergrund der Klage ist die Verzögerung bei der Zulassung des Krebsmittels Satraplatin in den USA und dem daraus folgenden Kurssturz der Aktie. In der Klage wird GPC vorgeworfen, die Anleger unvollständig über den Fortgang bei der Entwicklung des Krebsmedikaments informiert und dadurch US -Wertpapiervorschriften verletzt zu haben.

Air Berlin gefragt
Im SDax war die Aktie von Air Berlin nach erfreulichen Passagierzahlen im Juli und guten Quartalszahlen des britischen Konkurrenten Easyjet gefragt. Die Aktie fiel zeitweise wieder zurück, als eine Einigung mit den Gewerkschaften im jahrelangen Streit um einen eigenen Betriebsrat bekannt wurde. Erstmals seit seinem Bestehen schloss das Unternehmen Tarifverträge für gut 800 Piloten und 1.440 Flugbegleiter ab. Zudem ist das Unternehmen bereit, einen Betriebsrat zuzulassen. Allerdings ließ sich Air Berlin das Zugeständnis mit dem Verzicht auf Gehaltserhöhungen bis Ende 2008 versüßen: Die Vereinigung Cockpit für die Piloten und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi akzeptierten die Nullrunde im Gegenzug für Zugang zu Air Berlin.

Advanced Medien stürzt ab
Einen heftigen Kurseinbruch von über 40 Prozent erlebte die Aktie von Advanced Medien. Das Unternehmen hatte am Montagabend vor einem Gewinnrückgang gewarnt. "Das Halbjahresergebnis wird nach den aktuellen Erkenntnissen bei den Ertragskennzahlen deutlich unter den Erwartungen bleiben", teilte das auf Bordunterhaltung in Passagierflugzeugen spezialisierte Unternehmen mit. Am Dienstag kamen zwei Mitteilungen von größeren Anteilsverkäufen zweier Aktionäre hinzu. Seine Planzahlen für das Gesamtjahr will Advanced Medien Ende August korrigieren.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat