Schlimmes Ende einer verkorksten Börsenwoche

Stand: 01.06.2012, 20:01 Uhr

Düstere Konjunktursignale aus Europa und den USA haben Sorgen vor einem weltweiten Wirtschaftsabschwung geschürt. Der Dax beschleunigte zum Wochenschluss seine Talfahrt und verlor über drei Prozent. Anleger flüchteten in sichere Häfen wie Gold.

Nach den deutlichen Kursverlusten im Mai ist kein Licht am Ende des Börsen-Horizonts in Sicht. Der Start in den Börsenmonat Juni fiel deprimierend aus. Der Dax erlebte am Freitag den größten Tagesverlust seit gut einem halben Jahr. Der Leitindex stürzte um 3,4 Prozent auf 6.050 Punkte in die Tiefe.

Damit sind die Kursgewinne dieses Jahres fast völlig aufgebraucht. Seit Mai hat der Dax gut zehn Prozent eingebüßt. Allein in dieser Börsenwoche verlor das deutsche Börsenbarometer über vier Prozent.

Noch düsterer sieht es an der Wall Street aus. Der Dow hat inzwischen sein Jahrestief erreicht. Am Freitag rutscht er bis zum Abend europäischer Zeit um zwei Prozent auf rund 12.150 Punkte ab.

US-Aufschwung in Gefahr
Ein Mix schlechter Konjunkturdaten löste zum Wochenschluss eine regelrechte Aktien-Verkaufswelle aus. "Erstmals seit Monaten haben die Verkäufe am Aktienmarkt wieder panikartige Züge angenommen", meinte Matthias Jasper, Aktienleiter der WGZ Bank. Der härteste Rückschlag kam aus den USA. Überraschend stieg die Zahl der Arbeitslosigkeit im Mai wieder auf 8,2 Prozent - nach 8,1 Prozent im April. Lediglich 69.000 neue Stellen wurden geschaffen - statt wie erwartet 150.000 Jobs. Das ist der geringste Stellenzuwachs seit über einem Jahr.

In das trübe Bild passten weitere Konjunkturdaten. Die Stimmung der Industrie-Einkaufsmanager in den USA trübte sich stärker ein als befürchtet. Der ISM-Index sank von 54,8 Punkten im April auf 53,5 Zähler im Mai. Volkswirte hatten mit einem etwas geringeren Rückgang gerechnet. Die Bauausgaben in den USA stiegen derweil nur um 0,3 Prozent - statt wie prognostiziert um 0,4 Prozent.

Trübes Klima in Europa
Zudem lösten ernüchternde Konjunkturdaten aus Europa die Angst vor einer Zuspitzung der Euro-Krise aus. Der Markit-Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone stürzte auf den tiefsten Stand seit fast drei Jahren. Besonders schlimm ist die Lage in Spanien. Das Land löste Griechenland als Schlusslicht ab. In Deutschland fiel der Einkaufsmanagerindex der deutschen Industrie auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. Am Morgen ließen schwache Einkaufsmanagerindizes aus China befürchten, dass die Wirtschaft im Reich der Mitte nicht die erhoffte "weiche Landung" schafft.

Euro berappelt sich
Der Euro schwankte hin und her. Zunächst drückten ihn die Konjunktur-Hiobsbotschaften auf klar unter 1,23 Dollar. Dann schoben ihn Spekulationen um ein neuerliches Konjunkturhilfe-Programm (Quantitative Easing 3) der US-Notenbank auf über 1,24 Dollar.

Gold glänzt wieder
Der Goldpreis zog kräftig an. Eine Feinunze verteuerte sich um fast vier Prozent auf 1,617 Dollar. In Euro gerechnet legte der Goldpreis um rund drei Prozent auf 1.302,42 Euro je Feinunze zu - der höchste Stand seit Mitte März. Der Ölpreis fiel hingegen weiter. Ein Fass der Ölsorte Brent verbilligte sich um rund vier Prozent auf 97, 70 Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit 16 Monaten.

MAN ragt aus Dax hervor
Einziger Gewinner im Dax war MAN, die von Spekulationen bei der Konzernmutter VW profitierten. Händler sprachen von Gerüchten über eine Aufstockung der Anteile von VW an MAN. Laut Medienberichten will der Vorstand die Lastwagenallianz zwischen Scania und MAN rascher voranbringen und dafür den Vorstand umbilden. Scania-Chef Leif Östling könnte zum zentralen Nutzfahrzeug-Vorstand aufsteigen. Am Samstag lädt VW zur Pressekonferenz nach Stuttgart.

Deutsche Autos gefragt in den USA
VW selbst vermeldete starke Absatzzahlen aus den USA. Die Wolfsburger verkauften im Mai 28 Prozent mehr Fahrzeuge. Das Unternehmen sprach vom besten Mai seit 39 Jahren. Aus Deutschland kamen hingegen schlechte Nachrichten. Laut dem Verband der Internationalen Hersteller VDIK ist der deutsche Automarkt im Mai um sieben Prozent eingebrochen. Die Autowerte standen am Freitag unter Druck. VW-Aktien sackten um vier Prozent ab, die Titel von Daimler verloren gar fünf Prozent.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,79
Differenz relativ
-2,51%

Klares Bekenntnis der Deutschen-Bank-Chefs
Dax-Schlusslicht war die Deutsche Bank mit einem Minus von 6,6 Prozent. Darin einberechnet ist aber der Dividendenabschlag von 0,75 Euro. Ohne ihn war das Minus geringer. Am Freitagnachmittag gab das neue Führungsduo der Deutschen Bank ihr Bekenntnis zum Universalbankmodell ab. Die größte deutsche Bank hält also an ihrer breiten Aufstellung fest. Mehr Gewicht soll künftig das Geschäft mit Fonds und die Vermögensverwaltung bekommen. Die beiden Felder werden in einem Bereich unter Anshu Jains Regie gebündelt. Im September wollen sich die Ko-Chefs Jain und Jürgen Fitschen zu Details der langfristigen Strategie äußern.

Münchener Rück hoch gestuft
Die UBS empfahl die Aktie der Münchener Rück am Morgen zum Kauf. Zudem versicherte der Rückversicherer, nicht schwer vom Erdbeben in Italien betroffen zu sein. Die MüRü-Aktie konnte sich denn auch lange der negativen Gemengelage entziehen, schloss dann aber doch 2,5 Prozent im Minus.

Paulson funkt Fresenius dazwischen
Im MDax gab es nur zwei Gewinner, darunter die Aktie von Rhön-Klinikum. Der US-Hedgefonds-Investor John Paulson brachte neue Fantasie in den Titel. Paulson ist mit 3,65 Prozent bei Rhön eingestiegen. Sollte er es schaffen, seine Anteile weiter aufzustocken, könnte er die Übernahme von Rhön durch Fresenius torpedieren. Fresenius verlangt eine Mindestannahmequote von 90 Prozent.

CTS Eventim setzt auf Briten-Power
Der Konzertveranstalter übernimmt gemeinsam mit einem US-Veranstalter für rund 40 Millionen Euro die traditionsreiche Konzerthalle Hammersmith Apollo in London. Durch die Beteiligung schaffe man die Grundlage für einen weiteren zügigen Ausbau der Marktposition in Großbritannien, erklärte der SDax-Konzern. Die Aktie konnte sich auf dem Vortagesniveau behaupten.

Hochzeit zwischen E-Plus und O2?
Die niederländische KPN und die spanische Telefonica prüfen eine Zusammenlegung ihrer beiden deutschen Mobilfunktöchter E-Plus und O2. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur Bloomberg aus Insiderkreisen. Käme es zur Fusion, würde der deutsche Mobilfunkmarkt von vier auf drei Netzbetreiber schrumpfen. Dadurch könnte noch mehr Preisdruck entstehen, meint ein Händler. Am Donnerstag hatte Telefonica noch erwogen, O2 Deutschland an die Börse zu bringen. Die KPN-Aktien stiegen um ein Prozent, die Papiere von Telefonica notierten nahezu unverändert.

BP will Russen-Ballast abwerfen
Aktien des Ölmultis BP legten knapp zwei Prozent zu, nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen seine Anteile am russischen Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP verkaufen will. Den Wert der 50-prozentigen Beteiligung beziffern Experten auf rund 40 Milliarden Dollar.

Microsoft macht Tempo bei Windows 8
Der Softwareriese hat eine Vorabversion seines neuen Betriebssystems Windows 8 für Entwickler im Netz veröffentlicht. Zudem soll es ein Upgrade geben. Kunden, die noch kurz vor der Einführung einen PC mit Windows 7 kaufen, sollen kostengünstig umrüsten können. Die endgültige Version wird im Herbst erwartet. Die Aktie gab zwei Prozent nach.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 16. August

Unternehmen:

Carlsberg: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Swisscom: Q2-Zahlen, 7:15 Uhr
Aegon: Halbjahreszahlen, 7:30 Uhr
Wirecard: Halbjahreszahlen (endg.), 7:30 Uhr
Henkel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Sixt: Q2-Zahlen (endg.), 7:30 Uhr
Walmart: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
Nvidia: Q2-Zahlen, 22.20 Uhr

Konjunktur
Japan: Handelsbilanz 07/18, 01:50 Uhr
EU: Handelsbilanz 06/08, 11:00 Uhr
USA: Philadelphia Fed Index 08/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Baubeginne und -genehmigungen, 14:30 Uhr