Marktbericht 20:08 Uhr

Dax im freien Fall Böses Ende einer düsteren Börsenwoche

Stand: 10.10.2014, 20:08 Uhr

Die Kursgewinne der letzten zwölf Monate sind wieder futsch. Der Dax rutschte am Freitag unter die 8.800 Punkte und erlitt den größten Tagesverlust seit März. Aus Angst vor einer schlechten Bilanzsaison flüchteten Anleger in Scharen.

Wie tief runter geht es noch? Das fragen sich viele Anleger nach dem neuerlichen Kursrutsch am Freitag. Mit knapp 8.789 Punkten schloss der Dax auf dem tiefsten Stand seit gut zwölf Monaten. Auf Wochensicht büßte er 4,4 Prozent ein. Ein herber Rückschlag!

Dax-Ampel richtig auf rot

"Wurde jahrelang jeder Dax-Rücksetzer zum Neueinstieg genutzt, hat sich nun das Blatt gewendet", meint Daniel Saurenz, Marktexperte bei Feingold Research. "Die Dax-Ampel steht erstmals seit Jahren auf Rot."

Am Donnerstag hatte noch die Wall Street ihren schlechtesten Tag des Jahres erlebt. Der Dow rauschte um 300 Punkte in die Tiefe. Am Freitag stabilisierte sich die Situation. Der Dow trat auf der Stelle. Dagegen ging es an der Nasdaq weiter abwärts- um über ein Prozent.

"Es graut jedem vor der Bilanzsaison"

Die Anleger befürchten eine abflauenden Weltkonjunktur und eine schwache Berichtsaison . Die pessimistischen Ausblicke der vergangenen Tage seien kein gutes Omen. "Es graut jedem vor der anstehenden Quartalssaison", erklärte ein Börsianer.

US-Notenbanker sorgt für Aufregung

Ernüchternde Aussagen von US-Notenbankern belasteten zusätzlich die Stimmung. Eigentlich hatten die Märkte hatten nach dem jüngsten Fed-Protokoll erst Mitte 2015 mit einer Leitzinsanhebung gerechnet. Doch der Chef der regionalen Notenbank von St. Louis, James Bullard, stellte klar, dass mit einer ersten Leitzinserhöhung weiterhin im ersten Quartal 2015 zu rechnen sei: "Die Märkte machen einen Fehler, wenn sie die Zinsprojektionen der Fed ignorieren", meinte er.

Psychologisch wichtige Marken gerissen

Vor allem aus charttechnischer Sicht war es ein dramatischer Tag für den Dax. Das deutsche Börsenbarometer riss wichtige technischer Marken, was neue Verkaufsaufträge ausgelöst haben dürfte. Mit 8.900 Punkten sei eine solche psychologische Marke am Vormittag durchstoßen worden, meinte Händler Ludwig Donnert von Orca Capital. Nun droht ein echter Ausverkauf. Denn die nächste ernstzunehmende Unterstützung ist erst bei 8.558 Punkten (Hoch vom Mai 2013) auszumachen.

SAP-Chef beruhigt die Anleger

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
101,98
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Im Dax gab es nur Verlierer. Am besten hielt sich noch SAP mit einem Minus von 0,2 Prozent. SAP-Chef Bill McDermott trat Zweifeln an einer guten Auftragslage im traditionell starken vierten Quartal entgegen. "Unser Geschäft war noch nie stärker", sagte er am Freitag zu Reuters. Zuvor hatte ein Bericht von "Börse Online" noch Spekulationen genährt, die Aufträge für das vierte Quartal lägen unter den Erwartungen.

Microchip belastet Infineon

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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21,22
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-1,26%

Schlusslicht im Dax war Infineon mit einem Minus von fast sieben Prozent - im Sog des Konkurrenten Microchip Technology. Der Sektor stehe am Anfang eines Nachfragerückgangs, warnte Microchip. "Diese Korrektur wird sich in naher Zukunft auf die gesamte Industrie ausbreiten", betonte Firmenchef Steve Sanghi.

Keine Lust auf Zykliker

Neben der Infineon-Aktie zählten Anteilsscheine von Zyklikern zu den größten Kursverlierern. Papiere von ThyssenKrupp, BMW, Continental, Daimler und Volkswagen verlorren jeweils rund drei Prozent.

LEG holt sich neue Millionen

Im MDax gab es immerhin ein halbes Dutzend Gewinner. Dazu zählte auch die LEG Immobilien. Nach einem Wohnungszukauf blickt die Firma optimistischer auf das kommende Geschäftsjahr. Zudem sammelte die Immobiliengesellschaft am Donnerstagabend mit einer Kapitalerhöhung 205 Millionen Euro ein.

Stada will jetzt Biotech kopieren

Derweil gab die Stada-Aktie um über zwei Prozent nach. Das Bad Vilbeler Unternehmen forciert den Ausbau seines Geschäfts mit Kopien von Biotech-Arzneien. Stada hat sich Vertriebsrechte an einem Nachahmermittel für das Eli-Lilly-Biotech-Präparat Forteo gegen Knochenschwund gesichert.

Givaudan kann Symrise nicht helfen

Die Symrise-Aktie kann von positiven Quartalszahlen des Wettbewerbers Givaudan nicht profitieren. Der Schweizer Riechstoff- und Aromenhersteller hat im dritten Quartal dank der anhaltenden Nachfrage nach Düften für Parfüms seinen Umsatz um 2,6 Prozent auf 1,12 Milliarden Franken steigern können.

Paion stürzt ab

Um über 40 Prozent brach die Aktie von Paion ein. Bei der Zulassung des Mittels Remimazolam in Japan gibt es Verzögerungen bei der Zulassung. Der Zulassungsantrag für das Narkose-Mittel soll nun frühestens 2015 gestellt werden.

Teslas neues Modell enttäuscht

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
268,89
Differenz relativ
-8,94%

Das neue Modell von Tesla fiel an der Börse durch. Der US-Elektroautopionier hat eine erweiterte Modellreihe vorgestellt, die die zuvor hochgeschraubten Erwartungen nicht erfüllte. Firmenchef Elon Musk enthüllte eine "D" getaufte neue Version des bisherigen Top-Modells "S". Wichtigste Neuerung: ein Allradantrieb, der für eine besonders rasante Beschleunigung des Sportwagens sorgt. Die Tesla-Aktie verlor über drei Prozent.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.