Schlechte Nachrichten zum Wochenende

Stand: 13.01.2012, 19:56 Uhr

Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit mehrerer Euroländer, darunter Frankreich, der zweitgrößten Volkswirtschaft des Kontinents, hat den Börsen zum Wochenausklang einen heftigen Schlag versetzt.

Nachdem sich am Freitag die Meldungen über eine Herabstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor's verdichten, dreht der Dax ins Minus und fällt in der Spitze um mehr als 100 Punkte auf 6.063 Zähler nachdem er zuvor um die Marke von 6.200 Punkten gependelt war. Aus Freude über die leichte Entspannung in der Schuldenkrise hatte sich der Leitindex am Morgen sogar bis auf 6.256 Punkte vorgewagt.

Doch nach dem ersten Schreck kommen viele Anleger bis zum Börsenschluss aber wieder zurück, so dass der Dax am Ende seine Verluste auf 0,6 Prozent reduzieren konnte und bei 6.143 Punkten aus dem Handel ging. Auch am Abend kommt es zu Kursverlusten von rund einem Prozent auf 6.121.

Den Maßnahmen zufolge wird die Kreditwürdigkeit Frankreichs um eine Stufe von der Bestnote "AAA" auf die immer noch sehr gute Note "AA+" gesenkt werden. Italien, Spanien und Portugal dürften sich dagegen um zwei Stufen verschlechtern. Deutschland, Niederlande, Finnland und Luxemburg sollen von der Herabstufung nicht betroffen sein. Eine offizielle Stellungnahme von Standard & Poor's gibt es bei Börsenschluss noch nicht.

Deutsche Papiere gesucht
Die Herabstufung der Eurostaaten hat die Anleger in den sicheren Hafen deutscher Staatspapiere getrieben. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future durchbrach am Freitagnachmittag erstmals die Marke von 140 Punkten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel im Gegenzug bis auf 1,74 Prozent.

Wirklich überraschend ist die Entscheidung der Ratingagentur nicht. Bereits Anfang Dezember hatte sie die Bonität zahlreicher Eurostaaten auf den Prüfstand gestellt und mit einer Herabstufung gedroht. Besonders Frankreich hatte versucht mit einer Reihe von Sparmaßnahmen, dem Schritt zu entgehen.

Die Verschlechterung der Kreditwürdigkeit der Eurostaaten hat auch den Euro deutlich unter Druck gesetzt. Die Gemeinschaftswährung rutscht bis auf 1,2632 Dollar ab, nachdem sie am Vormittag fast bis auf 1,28 Dollar aufgewertet hatte.

Bereits am Mittag hatte die neueste Emission italienischer Staatsanleihen für Enttäuschung gesorgt, weil die Auktion nicht ebenso erfolgreich war die von gestern. Die Nachfrage nach den Italien-Papieren sei nur 1,2fach überzeichnet gewesen. Auch habe das Land den zweiten Test am Kapitalmarkt weniger souverän bestanden wie am Vortag. Rom beschaffte sich zwar wie geplant insgesamt 4,75 Milliarden Euro, zu günstigeren Konditionen als noch Ende Dezember. Gleichwohl verlangen Investoren weiterhin einen erhöhten Risikoaufschlag von 4,8 Prozent.

Verhandlungen mit Griechenland stocken
Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Verhandlungen Griechenlands mit dem internationalen Bankenverband über einen Schuldenschnitt ins Stocken geraten sind und auf Mittwoch kommender Woche vertagt wurden. Die Verhandlungen hätten nicht zu einer konstruktiven Antwort geführt, erklärte der in Washington ansässige Internationale Bankenverband (IIF).

Die Umschuldung gilt als entscheidender Baustein für das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm für Griechenland. Sie ist auch Voraussetzung für die Auszahlung weiterer Hilfskredite.

Auch an der New Yorker Wall Street drückt die Rating-Angst die Kurse ins Minus. Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 0,9 Prozent tiefer als gestern bei 12.360 Punkten. Dass der Verbraucherindex der Universität Michigan deutlich besser ausgefallen ist als erwartet, spielte keine Rolle. Besonders die Kursverluste der US-Banken nach den enttäuschenden Quartalszahlen von JPMorgan sorgen für trübe Stimmung.

SAP macht Freude
Ins Plus gedreht ist die Aktie von SAP. Die Softwareschmiede hat im vergangenen Jahr ihren schwächelnden Konkurrenten Oracle überholt und das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte erzielt. Die Erlöse stiegen um 15 Prozent. Das Betriebsergebnis stieg auf 4,7 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen überraschend mit. Damit erreichte der Konzern im Gesamtjahr eine operative Marge von 33,1 Prozent.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,08
Differenz relativ
-1,40%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,60
Differenz relativ
-0,05%

Finanztitel trotzen Herabstufung
Neben SAP können sich auch die Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank auf der Gewinnerseite halten. Laut Händlern werden vor allem die Titel der Cobank weiter von der Hoffnung getragen, dass das Haus bei der Aufstockung seines Eigenkapitals ohne Staatshilfen auskommt. Nach Informationen des "Handelsblatts" beruht das Konzept von Vorstandschef Martin Blessing allein auf "Marktlösungen". Im MDax legen die Titel der Aareal Bank deutlich zu.

Zudem verweisen Marktexperten auf die Atempause in der Schuldenkrise nach den Anleiheauktionen Spaniens und Italiens. Dies helfe auch den Finanztiteln, so der allgemeine Tenor.

JP Morgan enttäuscht
Die Aktien der US-Großbank JPMorgan sind nach Vorlage der Quartalsergebnisse ins Minus gerutscht. Die Anteilsscheine gaben um fast drei Prozent nach. Zuvor hatte die Bank einen Nettogewinn im vierten Quartal von 3,7 Milliarden Dollar bekanntgegeben, nach 4,83 Milliarden Dollar in den Büchern. Der Rückgang liegt zwar im Rahmen der Erwartungen, die Eigenkapitalausstattung der Bank liegt jedoch mit 7,9 Prozent unter den erforderlichen 9,0 Prozent. Die Meldung von JP Morgan hat auch die Aktien anderer US-Banken, allen voran von Goldman Sachs, unter Druck gesetzt.

UniCredit bleibt auf Aktien sitzen
Die größte italienische Bank UniCredit bleibt bei ihrer Milliarden-Kapitalerhöhung wohl nur auf fünf bis zehn Prozent der neuen Aktien sitzen. Die federführenden Banken erwarteten bei der Kapitalerhöhung eine Annahmequote von 90 bis 95 Prozent, erfuhr Reuters am Freitag aus dem Bankenkonsortium. Die Aktie legt trotzdem zu.

Brenntag wehrt sich
Der Chemikalienhändler Brenntag hält den Vorwurf einer möglichen Verletzung seiner Beobachtungspflicht im Skandal um gesundheitsschädliche Silikon-Implantate für unbegründet. Damit reagiert das Unternehmen gegen mögliche Schadensersatzforderungen in mehrstelliger Millionenhöhe. Brenntag hatte dem französischen Brustimplantate-Hersteller Poly Implant Prothese (PIP) Industrie-Silikon verkauft, das dieser für Implantate verwendete. Die Aktie gehört deshalb zu den größten Verlierern im MDax mit Abschlägen von 2,7 Prozent.

Rhön-Klinikum: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
22,24
Differenz relativ
+0,54%

Rhön-Klinikum vor Zukauf?
Überdurchschnittlich zulegen können dagegen die ebenfalls im MDax notierten Titel von Rhön-Klinikum. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, dass der Minderheitsanteil von 49 Prozent an den Wiesbadener Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken an Klinikbetreiber verkauft werde. Rhön wollte den Bericht nicht kommentieren. Analyst Andrew Olanow von Morgan Stanley sieht den Klinikbetreiber gut positioniert für den Zukauf. Olanow bleibt auf "Overweight" mit dem Ziel 18,00 Euro. Aktuell kostet das Papier 15,40 Euro.

Jenoptik ganz vorn
Ein positiver Analystenkommentar hat Anleger bei Jenoptik zugreifen lassen. Mit einem Plus von 3,6 Prozent sind die Aktien des Technologiekonzerns zweitgrößter TecDax-Gewinner. Berenberg-Analyst Ali Farid Khwaja geht davon aus, dass der Umsatz 2012 selbst bei einer Abschwächung des Komponentengeschäfts für die Halbleiterindustrie weiter zulegen wird. Er sprach eine Kaufempfehlung für Jenoptik aus.

SMA-Solar-Aktie sackt ab
Für Enttäuschung hat dagegen SMA Solar gesorgt. Der Wechselrichter-Hersteller aus dem TecDax hatte am Morgen mitgeteilt, dass er wegen der undurchsichtigen Lage auf dem Solarmarkt keine verlässliche Prognose über die Umsatz- und Gewinnentwicklung im laufenden Jahr abgeben könne. Die Zahlen nannte ein Händler "bestenfalls in-line". Der Ausblick sei ernüchternd. Die Tatsache, dass sie die Lage nicht einschätzen können, sorge für Unsicherheit und diese wiederum sorge dafür, dass Anleger ihre Gewinne mitnehmen.

Takkt erhöht Dividende
Unbeeindruckt zeigen sich die Anleger am Abend von der Ankündigung des Versandhändlers Takkt, eine Extra-Dividende an die Aktionäre auszahlen. Der Hauptversammlung werde Takkt zusätzlich zur Basis-Dividende von 32 Cent die Ausschüttung eines Bonus für das zurückliegende Jahr vorschlagen, sagte Vorstandschef Felix Zimmermann.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"