Schlechte Konjunkturdaten verderben Anlegern die Laune

Stand: 30.08.2011, 20:05 Uhr

Nach dem vielversprechenden Wochenstart ist der Dax am Dienstag wieder abgesackt. Schuld war die eingetrübte Stimmung der US-Verbraucher und der europäischen Unternehmen. Die Anleger flüchteten erneut in die "Krisenwährung" Gold. Am Abend stand die Fed im Blickpunkt.

Anfangs hatte es noch nach einer Fortsetzung der Kurserholung von gestern ausgesehen. Doch wieder aufgeflammte Konjunktursorgen stoppten den Aufschwung. Der Dax büßte 0,5 Prozent ein und schloss im Xetra-Handel bei 5.644 Punkten. Der Late-Dax beendete den Tag bei 5.650 Zählern.

Es hätte aber noch schlimmer kommen können. Zeitweise lag der Dax 1,6 Prozent im Minus. Erst die freundlichere Wall Street bremste den Kursverfall. Der Dow schwankte zwischen Plus- und Verlustzone hin und her.

Einige Fed-Vertreter für entschlosseneres Vorgehen
Für etwas Entspannung an den Märkten sorgte am Abend das Protokoll der US-Notenbank Fed. Demnach haben sich auf der letzten Sitzung Anfang August einige Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses der Fed für ein entschlosseneres Vorgehen zur Stützung der Konjunktur ausgesprochen. Es sei eine Reihe von Instrumenten diskutiert worden, darunter auch der neuerliche Kauf von Staatsanleihen. Es sei jedoch noch keine Einigung erzielt worden. Auf der Fed-Sitzung hatte der geldpolitische Ausschuss eine Fortsetzung der Niedrig-Zinspolitik bis 2013 signalisiert.

Miese Stimmung bei US-Konsumenten...
Die neuesten Konjunkturdaten fachten zuvor die Angst vor einem Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession neu an. Denn die Stimmung der US-Verbraucher trübte sich überraschend deutlich ein. Der Index brach im August auf 44,5 Punkte ein. Volkswirte hatten mit 52,0 Punkten gerechnet. "Das Risiko einer Rezession in den USA steigt", meinte Konjunkturexperte Lothar Heßler von HSBC Trinkaus.

... und in Europas Unternehmen
Nicht viel besser sieht es im Euro-Raum aus, die Stimmung der Unternehmen verdüsterte sich im August spürbar. Der von der EU-Kommission veröffentlichte Economic Sentiment Index rutschte von 103,0 Punkten im Juli auf 98,3 Zähler im August. Analysten hatten 100,5 Punkte erwartet. Es ist der stärkste Rückgang seit über zweieinhalb Jahren.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hält nun die Gefahr einer Rezession in Europa für größer als zuvor. "Die Abwärtsrisiken sind erheblich", sagte S&P-Chefvolkswirt Jean-Michel Six am Dienstag. Die hohe Arbeitslosigkeit in vielen Ländern und die Kurseinbrüche an den Aktienmärkten könne die Kauflaune der Verbraucher dämpfen.

Italien-Anleiheauktion enttäuscht
Der Euro fiel zeitweise auf unter 1,44 Dollar. Schuld daran war auch Italien. Regierungschef Silvio Berlusconi hat offenbar dem Druck der Kommunen nachgegeben und entschärft das drastische Sparpaket. Die Regierung verzichtet auf die Sondersteuer für Besserverdienende. "Wenn jetzt wieder alles in Frage gestellt wird, dürfte das die Sorgen um eine Eskalation der Schuldenkrise neu entfachen", meinte ein Händler. Zudem fiel die Auktion italienischer Staatsanleihen weniger gut aus als erhofft. "Der Überzeichnung war nicht sehr hoch, der Markt scheint leicht enttäuscht zu sein", erklärte Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank. Bei der Emission der zehnjährigen Staatsanleihen lag die Rendite bei 5,22 Prozent.

Gold als Zuflucht
Angesichts der schlechten Konjunkturnachrichten dies- und jenseits des Atlantiks flüchteten die Anleger erneut in einen der letzten sicheren Häfen: Gold. Die Feinunze verteuerte sich um zwei Prozent auf 1,822 Dollar. Der Rückgang des Goldpreises in der vergangenen Woche habe neue Anleger angelockt, sagten Händler. Auch der Ölpreis stieg wieder: ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete fast 114 Dollar - zwei Dollar mehr als am Montag.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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16,66
Differenz relativ
-0,74%

Konjunkturabhängige Titel gefragt
Im Dax erholten sich vor allem konjunktursensible Titel, die zuletzt arg gebeutelt wurden. Zu ihnen zählten MAN, ThyssenKrupp und Linde.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,47
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Lufthansa im Aufwind
An die Dax-Spitze flog die Lufthansa, die fast zwei Prozent gewann. Vorstandschef Christoph Franz bestätigte die Gewinnprognose für das laufende Jahr und verwies auf die stabilen Geschäfte mit Wartungs- und Cateringdiensten. Außerdem kündigte Franz an, die Abspaltung von defizitären Geschäftsbereichen zu prüfen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
149,30
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VW geht Up!
Besser als der Gesamtmarkt schlugen sich auch die Autowerte. Daimler und BMW schlossen nur leicht im Minus, VW zog um 0,5 Prozent an. Der Wolfsburger Autobauer präsentierte am Dienstag den neuen Stadtwagen Up!, der den Markt für Kleinwagen in Europa aufmischen soll. In der Grundversion soll das Auto weniger als 10.000 Euro kosten. VW kündigte an, in diesem Jahr erstmals mehr als acht Millionen Fahrzeuge verkaufen zu wollen. In den ersten sieben Monaten setzten die Wolfsburger über 14 Prozent mehr Fahrzeuge ab.

Hoffnung für Metro
Knapp im Minus schloss die Aktie von Metro. Laut Insiderkreisen steht der Konzern offenbar vor einer Einigung im Streit mit den Media-Saturn-Gründern Erich Kellerhals und Leopold Stiefel. Beide Seiten hätten sich auf die Verlängerung eines Cash-Pool-Vertrags verständigt. Damit kann sich der Metro-Konzern weiterhin zu günstigen Konditionen überschüssige Barmittel von Media-Saturn leihen, ohne auf Bankkredite zurückgreifen zu müssen. Abgelehnt habe Kellerhals hingegen den geplanten Kauf der Online-Firmen ibood und Rebuy, mit denen Media-Saturn seine Internet-Offensive vorantreiben wollte.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Telekom droht mehr Konkurrenz in Griechenland
Am Dax-Ende rangierten die Versorger Eon und RWE, nachdem sie am Vortag noch kräftig zugelegt hatten. Zu den größten Dax-Verlierern zählte auch die T-Aktie, die ein Prozent nachgab. Der Telekom droht in Griechenland wachsende Konkurrenz. Laut Medienberichten will sich die britische Vodafone mit Wind Hellas verbünden, um Cosmote Mobile anzugreifen. Das Unternehmen gehört zu OTE, an der die Telekom mit 40 Prozent beteiligt ist.

Praktiker-Aktien gefragt
Während der Dax an Boden verlor, legten MDax, SDax und TecDax zu. Größter MDax-Gewinner war Praktiker mit einem Plus von rund elf Prozent auf 2,56 Euro. Händler sprachen von einer Erholungsbewegung nach den jüngsten dramatischen Kursverlusten. Anfang Juli kosteten die Aktien noch mehr als sechs Euro.

Salzgitter: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Salzgitter-Chef kontrolliert Aurubis
Rund zwei Prozent gewannen die Aktien von Aurubis, über ein Prozent die Titel von Salzgitter. Der Stahlkocher übernimmt die Macht bei Europas größter Kupferhütte. Salzgitter-Chef Jörg Fuhrmann wurde zum neuen Aufsichtsratschef von Aurubis gewählt. Am Montag hatte Salzgitter seinen Anteil an Aurubis wieder auf eine Sperrminorität von knapp über 25 Prozent aufgestockt. Im Zuge der Kapitalerhöhung waren die Salzgitter-Anteile zum Jahresanfang auf rund 23 Prozent gefallen. Eine weitere Aufstockung der Beteiligung sei aber nicht geplant, betonte Salzgitter am Dienstag.

Tom Tailor: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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2,23
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-14,90%

Kaufempfehlung für Tom Tailor
Im SDax zog Tom Tailor die Anleger an. Die Aktien des Bekleidungsherstellers stiegen um fast vier Prozent. Die Deutsche Bank hat eine Kaufempfehlung für die Aktie ausgesprochen und ein Kursziel von 13 Euro ausgegeben. Das Unternehmen stehe vor dem Beginn einer Phase beschleunigten Wachstums. Dabei dürfte die Gesellschaft insbesondere von der wachsenden Anzahl eigener Filialen profitieren.

Solide Zahlen von GSW
Ein paar Firmen aus der zweiten Reihe meldeten Quartalszahlen. So konnte der im SDax notierte Immobilienmakler GSW im ersten Halbjahr das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fast verdoppeln auf 76,8 Millionen Euro. Die für die Branche wichtige operative Kennzahl FFO sank aber von 38,6 Millionen auf 29 Millionen Euro. Nun will GSW auf dem Berliner Wohnimmobilienmarkt auf Einkaufstour gehen. Experten sehen in der Hauptstadt gute Perspektiven für baldige Mieterhöhungen. Die Commerzbank reagierte auf die Zahlen mit einer Senkung des Kursziels von 28 auf 25 Euro. Die Kaufempfehlung bestätigten die Analysten aber. Die Aktie schloss leicht höher.

Investitionen drücken Catoil-Gewinn
Der österreichische Ölindustrie-Dienstleister Catoil hat im ersten Halbjahr seinen Umsatz um 24 Millionen auf 135 Millionen Euro gesteigert. Der Gewinn ging allerdings von 8,5 auf 6,9 Millionen Euro zurück - wegen geringerer Wechselkursgewinne. Zudem drückte der teure Aufbau eines neuen Geschäftsfelds den Gewinn. Catoil will künftig auch von der Oberfläche bohren und erhofft sich dadurch höhere Renditen. Die Aktien gaben leicht nach.

Nanogate schafft Wende
Das Nanotech-Unternehmen Nanogate hat im ersten Halbjahr den Sprung in die schwarzen Zahlen auf operativer Ebene geschafft. Das Ebit lag bei einer halben Million Euro. Der Umsatz kletterte um 190 Prozent auf 16,6 Millionen Euro. Die Anleger jubelten: Die Aktie sprang um über sieben Prozent nach oben.

Kaffeeautomaten treiben WMF-Ergebnis
Dank großer Nachfrage von Hotels und Gastronomen setzte der Küchen- und Restaurantausrüster WMF im ersten Halbjahr elf Prozent mehr um. Der Gewinn stieg gar um 64 Prozent auf 13,8 Millionen Euro. Das lag vor allem an den hochmargigen Kaffeeautomaten, die stark gefragt waren. Dagegen blieben Elektrokleingeräte wie Wasserkocher und Toaster ein Ladenhüter. Die Sparte schrieb rote Zahlen. Spätestens im nächsten Jahr will WMF die Marke von einer Milliarde Euro Umsatz knacken.

Loewe träumt von China
Drei Tage vor dem Start der Internationalen Funkausstellung in Berlin hat Loewe-Chef Oliver Seidl Optimismus verbreitet. Nach dem Umsatzschwund im ersten Halbjahr will Loewe im vierten Quartal wieder auf das Niveau des Vorjahreszeitraums zurückkehren. Große Hoffnungen setzt Seidl auf das Supersportjahr 2012 mit der Fußball-EM und den Olympischen Sommerspielen. In solchen Jahren ziehe der TV-Absatz meist an. Angesichts der schleppenden Nachfrage nach Premium-Fernsehern liebäugelt Lowe mit einer Expansion nach Cina. "China wäre als Markt prädestiniert für Loewe", sagte Seidl. Allerdings seien technische Hürden zu berücksichtigen. Die Loewe-Aktie legte zwei Prozent zu.

L'Oréal ohne Glanz
Aus dem Ausland meldete sich am Abend L'Oréal mit Halbjahreszahlen. Höhere Ausgaben für Werbung und die Entwicklung neuer Produkte bremsten den Gewinnanstieg des Kosmetik-Konzerns. Der Gewinn stieg um rund sieben Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, das operative Ergebnis nur um zwei Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Die Erwartungen wurden knapp verfehlt. Die Aktie gab im späten Parketthandel nach.

Exxon darf Öl aus der Arktis holen
Einen Riesen-Coup verkündete indes der weltgrößte Ölkonzern Exxon. Die Amerikaner haben ein milliardenschweres Abkommen zur Erschließung von Öl- und Erdgasvorkommen in der Arktis geschlossen. Damit erhält Exxon Zugang zu einigen der letzten unerschlossenen Ölregionen der Welt. Im Gegenzug erhält Rosneft Beteiligungen an Projekten von Exxon im Golf von Mexiko und Texas. Die Exxon-Aktie notierte leicht im Minus.

Wieder Klage gegen Bank of America
Rund drei Prozent nach unten ging es mit den Aktien der Bank of America. Gegen die Bank gibt es erneut eine Klage im Zusammenhang mit der Übernahme des Immobilienfinanzierers Countrywide. Die U.S. Bank, Treuhänderin eines Hypothekenpools, erklärte am Dienstag, Countrywide habe die Qualität der zugrundeliegenden Kredite systematisch falsch dargestellt. Die Bank of America will mit einer Zahlung von einer Rekordsumme von 8,5 Milliarden Dollar Rechtsstreitigkeiten rund um Countrywide aus dem Weg räumen.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr