Schaukelbörse mit negativen Vorzeichen?

Stand: 29.09.2010, 20:02 Uhr

Der Durchbruch nach oben ist dem Dax auch heute nicht gelungen. Zwar hat sich die heftige Pendelbewegung der letzten Tage fortgesetzt, doch am Ende siegt die Skepsis. Es kommt zu Gewinnmitnahmen.

Im Abendhandel büßt der Dax gut 18 Punkte ein (0,3 Prozent) und fällt auf 6.248 Zähler zurück. Das entspricht fast genau dem Stand am Ende des elektronischen Handels. Den Aktien fehle einfach die Kraft, um durchzumarschieren, sagte ein Händler. Am Morgen hatte der Dax in der Spitze noch über 0,8 Prozent auf 6.326 Punkte zugelegt.

Auch an der New Yorker Börse zeigen sich die Anleger unentschlossen. Es kommt zu leichten Kursabschlägen. Bei Börsenschluss in Deutschland verliert der Dow Jones Index knapp 8 Punkte auf 10.855. Selbst ein leichtes Plus scheint vielen Händlern möglich.

Nach der Rally der letzten Wochen seien die Anleger allerdings nervös geworden und wollten Gewinne mitnehmen, sagte Rick Meckler, Präsident der Investmentfirma LibertyView Capital Management. Dass die Verluste nicht größer ausfallen erklären Analysten mit Zukäufen durch Investmentfonds. Sie wollten damit den Ertrag ihres Portfolios zum Quartalsende steigern.

Derweil setzt der Euro seinen Höhenflug fort. Am Morgen übersprang er die Marke von 1,36 Dollar. Bis zum Abend kann sich die Gemeinschaftswährung oberhalb dieses Niveaus halten.

Beiersdorf mit Übernahmefantasie
Erneute Gerüchte über ein Interesse des US-Konkurrenten Procter & Gamble am Hamburger Nivea-Hersteller Beiersdorf haben die Aktie zeitweise um zehn Prozent in die Höhe getrieben. Bis zum Handelsschluss muss sie aber einen Großteil der Gewinne wieder abgeben. P&G sagte, man werde kein feindliches Kaufangebot vorlegen. Beiersdorf sagte, ein Kaufangebot von P&G liege nicht vor. Beiersdorf wird seit langem immer wieder als Kaufobjekt gehandelt.

Finanzwerte erneut auf der Verliererseite
Die Aktie der Deutschen Bank ist erstmals seit Mai 2009 wieder unter die Marke von 40 Euro gerutscht. Auch die Commerzbank-Aktie gehört zu den größten Verlierern im Dax. Bei einer Bankenkonferenz von Merrill Lynch habe es negative Kommentare gegeben, sagte ein Händler. Darüber hinaus drückt die anhaltende Unsicherheit bezüglich der Krise in Irland auf die Kurse. Am Montag hatte die Ratingagentur Moody's die Bonitätsnote der inzwischen verstaatlichten Anglo Irish Bank gesenkt.

Rückschlag für Bayer
Bergab geht es auch mit der Aktie von Bayer. Ein New Yorker Richter hat eine Patentklage des deutschen Pharma- und Chemiekonzerns gegen die Konkurrenten Watson und Sandoz abgewiesen. Dabei geht es um die Antibabypillen Yasmin und Yaz, die für den Leverkusener Konzern der wichtigste Pharma-Umsatzbringer sind. Bayer wirft den Konkurrenten vor, mit den Nachahmerprodukten Patente zu verletzen. Die Konkurrenten bestreiten dies. Ein Richter gab Watson und Sandoz nun in einem Fall Recht.

UBS redet RWE schlecht
UBS hat die Aktie von RWE von "Buy" auf "Sell" herabgestuft und das Kursziel von 68,00 auf 47,00 Euro gesenkt. Die Aktie gehört deshalb zu den schwächsten Werten im Dax.

Die "Neutral"-Einstufung für Eon sowie das Kursziel von 23,50 Euro behielt Analyst Analyst Patrick Hummel bei. Die Eon-Aktie gibt leicht nach. Trotz der vergleichsweise schlechten Kursentwicklung sei es noch zu früh für Käufe deutscher Versorger-Aktien, begründete der Experte seine Verkaufsempfehlung für RWE. Der Ergebnistrend der heimischen Unternehmen sei im Vergleich zum europäischen Sektor nach wie vor ungünstig.

BMW mag Reithofer
Zu den starken Werten im Dax gehört die Aktie von BMW. Wie erwartet hat der Aufsichtsrat heute die Amtszeit von Vorstandschef Norbert Reithofer bis 2016 verlängert. Damit sei Kontinuität gewährleistet, sagte Aufsichtsratschef Joachim Milberg. Reithofer war im September 2006 nach 19 Jahren im Konzern an die Spitze von BMW gerückt. Sein Vertrag wäre im Herbst kommenden Jahres ausgelaufen. Zuvor hatte Reithofer bekräftigt, das Sparziel von sechs Milliarden Euro bis 2012 übertreffen zu wollen. Zudem gab BMW einen Großauftrag von Saab zur Motorenlieferung bekannt.

ProSiebenSat1 hochgestuft
Einer der stärksten Werte im MDax ist die Aktie des Fernsehsenders ProSiebenSat1. Grund ist eine Herausfstufung durch die französische Bank BNPParibas. Sie erhöhte ihr Kursziel um 17 Prozent auf 21 Euro und beließ die Einstufung auf "Outperform". Die ProSiebenSat.1-Aktie zähle zu den günstigsten Medienwerten und habe sich seit Jahresbeginn am besten entwickelt, schrieb Analyst Adrien de Saint Hilaire. Er geht davon aus, dass die Werbeumsätze 2010 wieder ansteigen und der Medienkonzern von einem freundlicheren Wettbewerbsumfeld gegenüber dem Wettbewerber RTL profitieren wird.

Singulus gefällt
Größter Gewinner im TecDax ist die Aktie von Singulus. Die Firma erhielt eine Bestellung für seine Timaris Vakuum-Beschichtungsanlage. Bereits im Juli dieses Jahres hatte das Unternehmen den Auftragseingang von zwei Anlagen verbucht. Der Gesamtauftragswert für diese drei Maschinen betrage mehr als acht Millionen Euro.

Q-Cells gefragt
Kräftig zulegen kann auch die Aktie von Q-Cells. Das Solarunternehmen stellt nach der gestrigen Kapitalerhöhung bis zu 275 Millionen Euro für den vorzeitigen Rückkauf einer im Februar 2012 fälligen Wandelanleihe zur Verfügung. Händlern zufolge wirkt auch eine Hochstufung durch Goldman Sachs vom Vortag noch positiv nach.

HP überzeugt die Anleger
Der weltgrößte Computerhersteller HP will sich zu neuen Höhen aufschwingen. Ungeachtet der Querelen um Ex-Chef Mark Hurd rechnet der Konzern im kommenden Geschäftsjahr mit einem deutlichen Wachstum, der Umsatz soll auf bis zu 133,5 Milliarden Dollar steigen von 98,3 Milliarden. Für das Ergebnis je Aktie werden bis zu 4,45 Dollar angepeilt.

Hennes & Mauritz wächst, aber enttäuscht
Enttäuscht haben dagegen die Quartalszahlen von Hennes & Mauritz (H&M). Die kommen an der Börse nicht gut an, die Aktie verliert mehr als fünf Prozent. Die schwedische Textilkette konnte zwar mit ihrem Umsatz im dritten Geschäftsquartal überzeugen, der um 14 Prozent auf knapp 2,9 Milliarden Euro stieg. Beim Gewinn hatten die Analysten aber mehr als die 5,7 Milliarden Kronen erwartet.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier