Marktbericht 20:02 Uhr

US-Arbeitsmarktbericht beflügelt Schafft der Dax jetzt die nächste Hürde?

Stand: 05.08.2016, 20:02 Uhr

Nachdem die Zinssenkung in Großbritannien die Anleger kaum beeindruckt hat, lassen die deutlich besser als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten den Dax in die Höhe schnellen.

Der Dax springt nach Veröffentlichung der Arbeitsmarktzahlen um gut 80 Punkte in die Höhe auf 10.323 Zähler. Befeuert von der Wall Street baut der Dax anschließend seine Gewinne weiter aus und steigt auf 10.373 Zähler, fast 150 Punkte mehr als am Vortag.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

Am Ende geht der deutsche Leitindex bei 10.367 Punkten aus dem Handel, 1,36 Prozent oder 139 Punkte mehr als am Vortag. Damit schafft das Börsenbarometer trotz des Durchhängers am Dienstag noch ein Wochenplus von 0,29 Prozent. Marktexperten hoffen jetzt auf weiteren Schwung in der neuen Woche, ist der Dax doch in die nächste Widerstandsregion um 10.370/400 Punkte vorgestoßen.

Tatsächlich haben die am Nachmittag veröffentlichten US-Arbeitsmarktzahlen überrascht: Statt der erwarteten 180.000 sind im Juli 255.000 neue Stellen geschaffen worden. Die Arbeitslosenquote lag unverändert bei 4,9 Prozent. Hier hatten Experten einen leichten Rückgang auf 4,8 Prozent erwartet.

Zinserwartungen nicht forciert

Nach Ansicht der Ökonomen belegen die Zahlen die insgesamt robuste Verfassung des amerikanischen Arbeitsmarktes. Neue Zinserwartungen werden durch die neuen Zahlen aber nicht forciert, meint Volkswirt Ralf Umlauf von der Helaba, denn die Lohnentwicklung gegenüber dem Vorjahr sei mit plus 0,3 Prozent immer noch als moderat zu bezeichnen.

Also vorerst doch keine weitere Leitzinsanhebung der Fed? In den nächsten Wochen steht ein solcher Schritt ohnehin nicht auf der Agenda. Dennoch ist der Arbeitsmarktbericht eine positive Nachricht, waren doch in den letzten Tagen wegen der fallenen Ölpreise wieder Konjunkturängste entstanden.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch an der Wall Street sorgen die Arbeitsmarktzahlen für freudige Gesichter. Der Dow-Jones-Index klettert bis zum Börsenschluss in Frankfurt um 0,9 Prozent auf 18.516 Zähler. Größter Gewinner sind die Aktien des Pharmakonzerns Merck & Co.

Euro im freien Fall

Der Kurs des Euro rutscht nach den überraschend guten Jobdaten deutlich ab und fällt unter die Marke von 1,11 Dollar, zeitweise auf 1,1040 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1156 Dollar festgesetzt. Ein niedriger Eurokurs ist vor allem für die Exportwirtschaft der Eurozone positiv, da ihre Waren dadurch in anderen Regionen der Welt günstiger werden.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Ölpreise ziehen wieder leicht an

Die Preise für WTI und Brent legen am Nachmittag wieder leicht zu. WTI kostet knapp 42 Dollar und Brent 44,40, jeweils ein halbes Prozent mehr als gestern. Am Mittwoch und Donnerstag hatte noch ein unerwartet deutlicher Rückgang der Benzinlagerbestände in den USA für Auftrieb gesorgt.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Autos holen wieder auf

Nach Tagen des Niedergangs können sich VW-Anleger heute auf eine Gegenreaktion freuen. Die Papiere profitieren von einer Kaufempfehlung der Bank Kepler Chevreux und gehören zu den Spitzenwerten im Dax. Auch die Daimler-Aktie legt heute zu und steigt wieder über die Marke von 61 Euro. Der Autobauer hat im Juli den Absatz seiner Pkw-Marke Mercedes-Benz erneut kräftig gesteigert. Mit knapp 164.000 Fahrzeugen lieferte der Stuttgarter Konzern 9,4 Prozent mehr Wagen aus als im Vorjahresmonat. Auch Conti-Aktien legen nach positiven Studien, darunter von Goldman Sachs, kräftig zu.

Allianz im Unwetter

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dagegen steht die Allianz-Aktie zunächst heftig unter Druck. Der Versicherer hat im zweiten Quartal wegen der schweren Unwetter in Deutschland und Frankreich sowie einer 352 Millionen Euro teuren Sonderabschreibung auf das Korea-Geschäft einen Gewinneinbruch von 46 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro verschmerzen müssen. Das operative Ergebnis ging um 17,2 Prozent auf 2,4 Milliarden zurück. Beides lag unter den Markterwartungen. Die Aktie kann im Tagesverlauf ihre anfänglichen Verluste deutlich reduzieren.

Legt Bayer nochmal nach?

Zulegen kann die Bayer-Aktie. Dabei prüft das Unternehmen laut einem Medienbericht bei seinem Übernahmeziel Monsanto die Bücher und zieht ein höheres Gebot in Betracht. Der Leverkusener Chemiekonzern habe eine Verschwiegenheitsvereinbarung unterzeichnet und beginne nun die bei Übernahmeverhandlungen übliche Prüfung der Bilanzen des US-Saatgutriesen, berichtete die Agentur Bloomberg.

Hugo Boss: Anleger schöpfen Hoffnung

Im MDax sind Hugo-Boss-Aktien an die Spitze geklettert. Die in den vergangen Monaten leidgeprüften Aktionäre des Modekonzerns Hugo Boss schöpfen neue Hoffnung auf wieder besser laufende Geschäfte. Das Modeunternehmen schnitt laut Analyst Christian Schwenkenbecher von der Privatbank Hauck & Aufhäuser im zweiten Quartal besser ab als befürchtet. Im laufenden Jahr wird das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) daher um 17 bis 23 Prozent sinken.

Bilfinger findet Käufer für Windrad-Geschäft

Bilfinger: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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26,78
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+1,59%

Auch die Bilfinger-Aktie gehört zu den stärksten Werten im MDax. Der Ingenieur- und Dienstleistungskonzern hat die angekündigte Trennung vom Geschäft mit Windrad-Fundamenten vollzogen. Die Fertigung wird an die VTC-Gruppe in München verkauft, die Installation der Offshore-Anlagen in Polen an die niederländische Gruppe Van Oord. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Evonik: Prognose präzisiert

Evonik kann ebenfalls kräftig zulegen. Preisrückgänge für wichtige Produkte wie Zusatzstoffe für Tierfutter ließen Gewinn und Umsatz des Konzerns im zweiten Quartal zwar schrumpfen. Doch die Talfahrt verlangsamte sich gegenüber dem ersten Quartal. Der Konzern erwartet daher, dass das bereinigte Ebitda die obere Hälfte der bereits genannten Spanne von zwei bis 2,2 Milliarden Euro erreichen wird.

Rheinmetall macht Geschäfte mit Türkei

Abwärts geht es dagegen mit der Rheinmetall-Aktie. Der MDax-Konzern will sich laut "Welt" an einer neuen deutsch-malaysisch-türkischen Gemeinschaftsfirma mit Sitz in der Türkei beteiligen. Die Firma soll sich auf den Bau und die Vermarktung gepanzerter Fahrzeuge auf Rädern oder Ketten konzentrieren, schreibt das Blatt.

Süss Microtec steckt im Rot fest

Der Anlagenbauer Süss Microtec ist im zweiten Quartal trotz eines deutlichen Umsatzanstiegs in den roten Zahlen geblieben. Der Verlust fiel allerdings mit rund 600.000 Euro zirka 71 Prozent niedriger aus. Süss hatte die Investoren jüngst mit Aussagen zu den Aufträgen und der Umsatzentwicklung im kommenden Jahr geschockt. Die TecDax-Aktie hat seit Jahresbeginn 26 Prozent verloren.

SLM Solutions an TecDax-Spitze

Eine positive Studie verhilft SLM Solutions zum ersten Platz im TecDax. Die britische Investmentbank HSBC hat das Kursziel für die Aktie von 27 auf 32 Euro angehoben und ihre Kaufempfehlung bekräftigt. Der Hersteller von 3D-Metalldruckern dürfte für das zweite Quartal eine Umsatzverdoppelung berichten. Im weiteren Jahresverlauf sei mit einer Anhebung der Unternehmensziele zu rechnen.

GfK-Aktie stürzt ab

Harte Landung für GfK. Der Konsumforscher nimmt seine Prognose zurück - und die Aktie stürzt um fast 20 Prozent ab. In den ersten sechs Monaten sanken die Erlöse nach vorläufigen Zahlen um etwa 1,5 Prozent. Die operative Marge fiel auf 8,2 Prozent von 9,5 Prozent. "Daher ist es nicht mehr wahrscheinlich, dass im Gesamtjahr 2016 das Umsatzwachstum höher als der Markt sein wird und sich die Marge im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessern wird." Die Aktie bricht prozentual zweistellig ein.

LinkedIn-Verlust nimmt vor Übernahme durch Microsoft zu

Das Karriere-Netzwerk LinkedIn gerät vor der Übernahme durch Microsoft tiefer in die roten Zahlen - wächst aber stärker als erwartet. Im zweiten Quartal weitete sich der Verlust verglichen mit dem Vorjahreswert von 67,7 auf 119,3 Millionen Dollar aus. Der Umsatz wuchs indes um überraschend kräftige 31 Prozent auf 932,7 Millionen Dollar.

Chevron will Asien-Geschäft einstampfen

Unter dem Druck der niedrigen Ölpreise plant der US-Branchenriese Chevron einem Zeitungsbericht zufolge den milliardenschweren Verkauf von Geschäftsanteilen in Asien. Vermögenswerte im Volumen von bis zu 5,0 Milliarden Dollar sollen veräußert werden, wie das "Wall Street Journal" am Donnerstag unter Berufung auf Insider berichtete.

Ford ruft 830.000 Autos zurück

Der US-Autobauer Ford beordert in den Vereinigten Staaten und Mexiko wegen Problemen mit den Fahrzeugtüren etwa 830.000 Wagen in die Werkstätten. Wegen eines Defekts bestehe die Gefahr, dass sich die Türen in bestimmten Situationen während der Fahrt öffnen, teilte Ford am Donnerstag mit. Deshalb sollen die Türverschlüsse jetzt ausgetauscht werden.

Erste Group mit Gewinnverdoppler

Weniger faule Kredite haben dem österreichischen Bankkonzern Erste Group im zweiten Quartal einen deutlichen Gewinnzuwachs eingebracht. Unter dem Strich verdoppelte sich der Überschuss auf 567 Millionen Euro. Dabei lief es im Tagesgeschäft nicht besser: Der Zinsüberschuss der Gruppe stagnierte bei 1,1 Milliarden Euro, das Provisionsergebnis schrumpfte leicht auf 442 Millionen Euro.

Krisenbank RBS vergrätzt Anleger

Die Zahlen und der Ausblick der krisengeplagten Royal Bank of Scotland (RBS) haben die Anleger enttäuscht. Die Aktie fällt um knapp sechs Prozent. Der Nettoverlust belief sich in den ersten sechs Monaten auf 2,05 Milliarden Pfund (2,42 Milliarden Euro), nach 179 Millionen Pfund im Jahr zuvor. Auch die Prognosen der Schotten kamen an der Börse schlecht an. "Der Ausblick ist bemerkenswert vorsichtig und verdeutlicht die steigende Unsicherheit wegen des jüngsten Anti-EU-Votums", sagte ein Händler.

lg

Tagestermine am Donnerstag, 20. Dezember

Unternehmen:
Hornbach: Q3-Zahlen (endg.), 07:00 Uhr
Bank of New York Mellon: ao. HV, 12:00 Uhr
Blackberry: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Nike: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
Konjunktur:
Japan: BoJ Zinsentscheid, 05:30 Uhr
EU: Leistungsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
GB: Einzelhandelsumsatz, 11/18, 10:30 Uhr
GB: BoE, Zinsentscheid, 13:00 Uhr
USA: Philly Fed Index, 12/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Wo), 14:30 Uhr
USA: Frühindikator 11/18, 16:00 Uhr