Schäfchen ins Trockene!

Detlev Landmesser

Stand: 02.03.2007, 20:31 Uhr

... lautete die Devise am Freitag. Nach einer kurzen Reaktion nach oben nutzten viele Anleger die Gelegenheit zum Ausstieg, was dem deutschen Aktienmarkt den vierten Verlusttag in Folge einbrachte.

Auf Xetra-Basis hat der Dax damit in dieser Woche 5,6 Prozent eingebüßt. Auch die US-Börsen konnten sich zum Wochenschluss nur vorübergehend im Plus halten. Zu den Verlusten trug auch der weitere Anstieg des japanischen Yen gegenüber dem Dollar bei, der auf Kapitalbewegungen aus den US-Finanzmärkten heraus schließen lässt. Der L-Dax konnte die Marke von 6.600 nicht verteidigen und schloss ein Prozent tiefer bei 6.567,41 Punkten.

Das überraschend nach unten revidierte Konsumklima der Uni Michigan für den Februar trug auch nicht zur Beruhigung bei. Der entsprechende Index fiel nach endgültigen Berechnungen von 96,9 auf 91,3 Punkte. Volkswirte hatten eigentlich im Schnitt mit 93,5 Punkten gerechnet. Gegen den Trend konnte an der Wall Street die Aktie des weltgrößten Versicherers AIG um über drei Prozent zulegen.

Eine Kurserholung ist in der nächsten Woche durchaus drin. Sicher ist aber allein, dass es weiter sehr holprig zugehen wird, nachdem das Unruhe-Virus die Finanzmärkte einmal infiziert hat. "Im Schnitt hat es bei bisherigen vergleichbaren Korrekturen etwa anderthalb bis zwei Monate gedauert, bis die alten Niveaus wieder erreicht waren, deshalb könnte es auch diesmal noch ein bisschen dauern", stellte Aktienstratege Bernd Meyer von der Deutschen Bank fest.

"Crash-Profiteur" Deutsche Börse

Die Deutsche Börse führte die Gewinnerliste im Dax an. Der Frankfurter Börsenbetreiber hat im Februar von dem regen Handel im Xetra-System und an der Terminbörse Eurex profitiert - nicht zuletzt an den turbulenten letzten Handelstagen des Monats. Der Mittwoch war an der Frankfurter Börse der umsatzstärkste Tag aller Zeiten. Gegenüber dem Vorjahr kletterte das Handelsvolumen an den deutschen Börsen im Februar um 54 Prozent auf 224,7 Milliarden Euro und an der von der Deutschen Börse und der Schweizer Börse SWX gemeinsam betriebenen Eurex um 26 Prozent auf 135 Millionen gehandelte Kontrakte.

T-Aktie wird abgestraft
Mit der T-Aktie ging es erneut heftig bergab. Auch die Analysten zeigten sich unzufrieden mit den am Donnerstag gemeldeten strategischen Entscheidungen des Ex-Monopolisten. Merrill Lynch reduzierte die Einstufung für das Papier von "neutral" auf "sell", während Morgan Stanley den Telekomtitel von "Overweight" auf "Equal Weight" abstufte.

Linde gut in Form
Deutlich besser erging es der Linde-Aktie. Im vergangenen Jahr profitierte der Industriegasespezialist von der Übernahme des Gasekonzerns BOC. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) konnte von 1,71 auf 3,83 Milliarden Euro verbessert werden. Der Umsatz legte um 30,8 Prozent auf 12,44 Milliarden Euro zu.

Wird der MAN-Chef abgesägt?
Neue Gerüchte um MAN und VW. Nach einem Bericht der "Welt" will der MAN-Großaktionär VW zusammen mit den Arbeitnehmervertretern MAN-Chef Hakan Samuelsson ablösen. Durch den Wechsel an der MAN-Spitze solle der Weg für die von VW angestrebte Fusion mit dem schwedischen Konkurrenten Scania freigemacht werden.

SAP-Gründer bleiben an Bord
Nach den deutlichen Kursgewinnen am Donnerstag legte die Aktie des größten deutschen Softwarekonzerns SAP eine Pause ein. Gestern hatte die "Wirtschaftswoche" berichtet, der US-Finanzinvestor Silver Lake wolle bei SAP einsteigen. "Wir können sagen, dass die SAP-Gründer Dietmar Hopp, Hasso Plattner und Klaus Tschira bestätigt haben, dass sie ihr grundsätzliches Engagement in die SAP AG nicht verändern werden", sagte ein Unternehmenssprecher hingegen zu Reuters.

Eon und kein Ende(-sa)
Die Eon-Aktie entfernte sich unterdessen weiter von der 100-Euro-Marke. Eine Komplettübernahme des spanischen Versorgers Endesa wird zunehmend unwahrscheinlich. Der italienische Konkurrent Enel hat bei der spanischen Energieaufsichtsbehörde CNE eine Erlaubnis beantragt, um seinen Endesa-Anteil von derzeit 9,9 Prozent auf bis zu 24,9 Prozent aufzustocken zu dürfen. Währenddessen wartet Eon immer noch auf die Erlaubnis der spanischen Behörden, Endesa-Aktien im freien Markt kaufen zu dürfen.

Heideldruck erholt
Im MDax glänzte die Aktie der Heidelberger Druckmaschinen AG mit einem Plus von fünf Prozent. Die Analysten von Morgan Stanley hatten den Titel aus Bewertungsgründen von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft. Die Aktie biete nach der schlechten Kursentwicklung der vergangenen Monate einiges Aufwärtspotenzial, glauben die Analysten. Zudem sei Heidelberger Druck unter den von Goldman Sachs beobachteten Unternehmen der beste Kandidat für einen Leveraged Buy-out, also eine überwiegend durch Fremdkapital finanzierte Übernahme.

Heidelzement vor Milliarden-Verkauf
Am frühen Abend kündigte HeidelbergCement an, sich nach 40 Jahren von seiner Minderheitsbeteiligung an dem französischen Zementhersteller Vicat zu trennen. Das 35-Prozent-Paket habe einen Börsenwert von knapp 1,4 Milliarden Euro, teilte der größte deutsche Zementhersteller mit. Der Verkauf soll bis zum zweiten Quartal abgeschlossen sein. "Wir wollen die frei werdenden Mittel zielgerichtet einsetzen", erklärte HeidelbergCement-Chef Bernd Scheifele. Der Manager ist dabei, den Konzern neu auszurichten und kauft seit längerem vor allem in Wachstumsmärkten in Osteuropa und Asien zu.

Fusion von Mobilcom und Freenet perfekt...
Die Fusion des Mobilfunkkonzerns Mobilcom mit seiner Festnetz- und Internet-Tochter Freenet ist nach langem Tauziehen perfekt. Die fusionierte Firma mit dem Arbeitstitel Telunico sei in das Handelsregister eingetragen und zugleich in Freenet AG umbenannt worden, teilte diese am Freitag mit. Die Aktie des neuen Unternehmens wird ab Montag - wie vorher Freenet und Mobilcom - im TecDax gehandelt. Der Handel mit den alten Aktien wurde am Freitag gegen Mittag eingestellt.

... gut für Carl Zeiss Meditec
Die Fusion hat mit Carl Zeiss Meditec einen weiteren Gewinner. Die Aktie des Medizintechnikherstellers wird die alten Mobilcom-Titel ab Montag im TecDax ersetzen.

Adva verfehlt eigene Ziele
Wie so oft in diesen Tagen, wurden Geschäftszahlen den Überbringern eher negativ ausgelegt. Zwar konnte der Netzwerkspezialist Adva im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 47 Prozent auf 192,7 Millionen Euro verbessern. Doch das um Sonderfaktoren bereinigte Betriebsergebnis lag mit 13,1 Millionen Euro unterhalb der Geschäftsprognosen, was dem TecDax-Titel ein Minus von mehr als fünf Prozent einbrachte.

Homm steigt bei Vivacon ein
Im SDax führte Vivacon die Gewinnerliste an. Das Immobilienunternehmen hat einen illustren neuen Aktionär. Die Beteiligungsgesellschaft des Investors Florian Homm, Absolute Capital Management (ACM), hat sich mit mehr als drei Prozent an Vivacon beteiligt.

Jungheinrich wächst moderat
Auch die Jungheinrich-Aktie legte zu. Der Gabelstaplerhersteller konnte im vergangenen Jahr Umsatz und Ergebnis verbessern. Die Erlöse kletterten um sechs Prozent auf 1,75 Milliarden Euro und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um zehn Prozent auf 118 Millionen Euro.

Fluxx fängt sich
Für die Fluxx-Aktie war der Freitag ein besonders guter Börsentag. Der Lottovermittler hat im vergangenen Jahr seinen Nettoumsatz um 132 Prozent auf 50,9 Millionen Euro nach oben geschraubt. Allerdings rutschte das Unternehmen nach vorläufigen Zahlen mit über drei Millionen Euro in die roten Zahlen.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"